Ausgabe 
25.11.1871
 
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versfanden, hebt jedoch bezüglich des Paragraphen 11 hervor, daß die Regierung die Verpflichtung nicht anerkenne, bei Ausprägung eines jeden Pfundes der neuen Goldmünze zugleich ein Pfund alter Goldmünzen einziehen zu müssen. Die Regierung sei fernet der Ansicht, die Einziehung von groben Silbermünzen könne nicht auf administrativem, sondern nur auf legislativem Wege ersolgen. Der Minister betont endlich die Zweckmäßigkeit des Dreißigmarkenstückes und empfiehlt die Wiederher⸗ stellung der Regierungsvorlage in diesem Sinne. Das Letztere empfieblt der Finanzminister Camp⸗ hausen als bestes Mittel, die Uebergangszeit zu erleichtern und eine ungesunde Papiertcirtulation zu vermindern. Die§. 1 und 2 werden hierauf angenommen. F. 3 wird, nach Ablebnung des Amendements Kittbergs auf Wiedereinführung des Dreißigmarkenstückes angenommen. Die§§. 4 bis 13 werden angenommen, sowie die in zweiter Lesung genehmigte Kesolution Braun's, den Reichs⸗ kanzler zu ersuchen, durch eine Vorlage baldthun⸗ lichst die Einztebhung von Staatskassenscheinen zu regeln. Es folgt die erste Berathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Ergänzung des Straf⸗ gesetzbuchts durch eine Strafbestimmung gegen die politische Agitation der Geistlichen. Der bape⸗ rische Cultusminister v. Lutz motivirt die Vorlage. Es handle sich, führt Redner aus, nicht um eine lediglich bayerische Frage, das ganze Reich sei in Mitleidenschaft gezogen, wenn ein Glied leide. Die Frage in Bayern sei, ob die Regierung Herr im Staate sein solle, oder die römische Kirche. Zwei Regierungen könnten nicht neben einander bestehen, widrigenfalls alle Autorität zu Grunde ginge. Die katholische Kirche suche ihre Macht auf alle Gebiete auszudehnen, der Staat habe zum Schutze gegen kirchliche Uebergriffe das Placetum regium und ähnliche Einrichtungen getroffen, die⸗ selben ständen jedoch mit den Principien des mo⸗ dernen Staates im Widerspruch. Die Kirche müsse auf ihrem Gebiete frei sein, und der Staat sich eine Reihe von Bollwerken gegen kirchliche Uebergriffe schaffen, deren erstes das vorliegende Gesetz sei. Redner weist die Nothwendigkeit der⸗ selben durch die Haltung des Clerus und des Dogmas der Unfehlbarkeit nach und betont, daß die Geistlichen das Gesetz gegen den Terrorismus der ultramontanen Bischöfe geschützt würden.

DieKreuzzeitung schreibt: Wie ver⸗ lautet, hat der Cultusminister, Herr v. Mübler, dem Staateministerium nunmehr einen alle Theile des Unterrichts wesens umfassenden Gesetzentwurf vorgelegt. Ueber die Einbringung desselben in den Landtag ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Die Ernennung des General ⸗Lientenants v. Stosch zum Marineminister scheint derKreuz zeitung zufolge beschlossen.

Eine kaiserliche Cabinetsordre besieblt: daß lich die Armee an der am 26. d. M. stattfinden⸗ den kirchlichen Todtenfeier in allen Garnisonen in möglichster Ausdehnung zu betheiligen hat. Sämmtliche Offiziere legen an diesem Tage am linken Oberarm einen Trauerflor an. Alle Fahnen und Standarten der Linie und der Landwehr mit einem Trauerflor behängt werden von den Truppen überall mit in die Kirche gebracht und während des Gottesdienstes am Altar oder vor der Kanzel aufgestellt. In denjenigen Garnison⸗ orten, in welchen Seitens der Civilbevölkerung eine kirchliche Gedächtnißfeier für die Verstorbenen am 26. November nicht begangen wird, soll ein entsprechender militärischer Gottesdienst für die Garnison abgehalten werden.

2177n In ver letzten Woche haben zwischen dem Fürsten Bismarck und einzelnen hervorragenden Mitgliedern der nationalliberalen Partei vorläufige Pourparlers über den Militäretat stattgefunden, die zu dem Resultat führten, daß die National- liberalen dit Ueberzeuzung von der Nothwendig⸗ leit gewannen, den eisernen Militäretat bis zum 31. Dezember 1874 zu prolongiren.

DieKreuzzeitung vernimmt, daß der Cultusminister den Landtage mehrere Gesetzent⸗ würfse, betreffend die erargelische Kirchenverfassung, vorzulegen beabsichtige.

Ein mit großer Bestimmtheit 170 retendes Gerücht besagt, der bisherige würktembergische Kriegsminister Generallieutenant von Suckow sei an Stelle des Generals der Infanterie v. Boyen zum Gouverneur von Mainz ernannt worden. Dies Gerücht, bemerkt dieKarls r. Ztg. offitiös, scheint alle Glaubwürdigkeit zu besitzen.

Wit dieKöln. Ztg. meldet, soll die Reichsgoldnünze zu 10 MarkDucaten, die zu 20 MarkWilbhelmsd'or genannt werden.

Aus Schwerin wird denHamburger Nach⸗ richten berichttt, daß auf Befehl des Kaisers die Paraden nicht mehr am Sonntag, sondern am Sonnabend abgehalten werden sollen, damit das Militär am Sonntag Ruhe habe.

Kassel. Vom 7. brandenburgischen Infanterie⸗ Regiment Nr. 60 und vom braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92 kehren in den nächsten Tagen je cirta 260 Mann Reservisten nach der Heimath zurück. Dieselben treffen am 25. d. in Frankfurt a. M., wo sie verpfleg: werden, ein, und werden von da theils äber Bebra, theils über Marburg nach Berlin, kesp. Braunschweig weiter befördert.

Marburg. Hier circulirt eine Petition an den Reichstag, welche im Anschlusse an die von Köln ausgehende Adresse den Reichstag ersucht, für Aueweisung des Jesulten⸗Ordens aus Deutsch⸗ land Sorge tragen zu wollen. Die Bittschrift hat aus allen Kreisen der Bevölkerung Unter⸗ schriften gefunden.

Karlsruhe. Die bei Eröffnung des Land⸗ tages don dem Großberzogt gehaltene Thronrede gedenkt der großen Ereignisse des letzten Jahres und fährt dann fort:War es Mir auch als tine unumgängliche Pflicht erschienen, auf wesent⸗ liche Kronrechte zu Gunsten des Vaterlandes zu verzichten und dadurch für Meinen Theil dazu beizutragen, daß des deutschen Reiches Auschen und Kraft gehoben werde, Wir selbst aber dabei die⸗ jenige Stärkung erfahren, welche aus einheitlicher Führung des Heeres und der Politik erwachsen muß, so wird es fortan in erhöhtem Maße Mein Bestreben sein, die selbstständige Entwickelung der geliebten Heimath in ihrem freien und unabhängig zu erhaltenden Staatsleben mit allen Kräften zu fördern. Nach Ankündigung verschiedener Ge setzes vorlagen schließt die Thronrede mit folgenden Worten:Die politische Einigung Deutschlands hat, wie die günstige finanzielle Lage des Landes zeigt, demselben keine neuen Opfer auferlegt. Viel⸗ wehr hoffen wir von der Kraft des Reiches, welches den glorreichsten Frieden errungen hat und ihn schützen wird, einen neuen Ausschwung alles materiellen und geistigen Lebens, wie in dem ganzen weiten deutschen Vaterland, so in der theuren badischen Heimath. Das walte Gott!

Ausland.

Oestert eich. Wien. In Betreff der statt · gehabten Besprechung einer Anzahl hervorragender Mitglieder der Versassungspartei mit dem Fürsten Adolph Auersperg melden hiesige Blätter über⸗ einstimmend, daß das Progtamm des Letzteren die Zusage der Unterstützung dieser Partei gefunden habe. Als eventuelle Cabinets mitglieder werden Lasser, Stremayr, Glaser, Unger, Chlumetzky, Banhans und Brestl genannt.

Frankreich. Paris. Die Internationale hat in einem der bedeutendsten socialdemokratischen Pariser Blätter, derConstitution, die Beschlüsse kundgegeben, welche auf der vom 17. bis 23. Sepiember d. J. in London stattgefundenen Dele⸗ girten⸗Versammlung gefaßt worden sind. In diesen Btschlüssen wird den Mitgliedern der Internationale zunächst angekündigt, daß sie sich einfach und aus⸗ schließlich nur als Zweigvereine, Sectionen, Grup- pen, Comites u. s. w. zu constituiren haben, die Bezeichnung Gentral-Rath dagegen dem Central rath in London verbleiben muß. Diesen Unter⸗ abtheilungen wird verboten, andere Zwecke zu verfolgen oder sich specielle Aufgaben vorzusetzen, als ihnen von der Internationale vorgeschrieben wird. Als Erkennungszeichen und gleichzeitig zur Einziehung des Cassenbeitrags dient nach Artikel 4

mäßige Stempelmarke, welche der Generalrath zum Preise von 10 Centimes pro Stück den Vor⸗ ständen der einzelnen Sectionen übersenden wird. Ferner wird die Bildung von Frauen ⸗Sectionen empfohlen, und die von statistischen Commissto

innerhalb jedes Ortsverbands angeordnet, ug eine genaue Statistik aller der Internationale zugänglichen Kräfte zu ermöglichen. Soviel als möglich soll die Agikation auf die ländliche Be⸗ völkerung ausgedehnt werden und ist zu versuchen, innerhalb derselben öffentliche Versammlungen ab⸗ zuhalten und ländliche Sectionen zu begründen,

In Artikel 14 wird die Arbeiterbewegung für un

zertrennlich von der politischen Bewegung erklärt und überall die Constituirung des Proletarkats als politische Partei angeordnet.

DasJournal des Döébats berichtet, daß sich Thiers neulich bezüglich des Falles, daß der Papst ein Asyl in Frankreich verlangen sollte, gesprächsweise folgendermaßen ausgelassen habe. Suchen wir, sagte Thiere, die Entschließung des Papstes in keiner Weise zu beeinflussen, rathen wir ihm weder zu noch ab, herzukomm en; aber

wenn er ein Asyl verlangt, wird er mit tiefer

Achtung empfangen werden. Er wird Sicherheit und Ergebenheit finden und vollständig frei sein. Ich wollte ibm Anfangs Avignon anbieten, aber wegen der Abneigung der Einwohner dieser Stadt gegen das Project zog ich es vor, ihm das Schloß von Pau zur Verfügung zu stellen. Ueb⸗ rigens glaubt Thiers nicht, daß der Papst ernst⸗ lich daran denke, Italien zu verlassen.

Gerüchtweise verlautet, daß Haussuchungen bei hervorragenden Bonapartisten vorgenommen wurden. Die Generalrathswahlen in Algier siad ausnahmslos radical ausgefallen.

Belgien. Brüssel. Man schreibt der Indépendance aus Vexsailles, das Thiers erust⸗ lich daran denke, eint Reihe Maßregeln zur Be⸗ festigung der Republik zu ergreifen und einem Volksplebiscit zu unterwerfen.

Großbritannien. London.Dailh News veröffentlichen den Entwurf eines fran zösischerseits vorgeschlagenen Handelsvertrags. Die hauptsächlichste Bestimmung desselben ist eine be⸗ deutende Erböhung dee Eingangszolles auf Hanf, Flachs, Wolle und Baumwolle. Der Vertrag soll bis 1877 dauern. Die Ratification seitens der Nationalversammlung ist vorbehalten,

Itaien. Rom. Wie derTempo meldel, ist auch hier ein Verein der Altkatholiken in der Bildung begriffen. An 2000 Personen haben bisher ihren Beitritt erklärt.

Amerika. Newyork. Aus Mexito wird gemeldet, daß im ganzen Lande furchtbare Revo⸗ lutionen ausgebrochen sind. Die Armee ist unzu⸗ frieden, die Gouverneure der Provinzen reichen ihre Entlassungen ein, allenthalben herrscht Be⸗ sorgniß und die Regierung ist zelähmt.

Frankfurt. In dem Main⸗Weserbahnhof wurde ein Bahnhofarbeiter von einem Rangirzug umgessoßen und todtgefahren. Die Räder waren dem Unglücklichen, det Vater von 5 Kindern ist, über den Leib gegangen. Ein ähnliches Unglück bätte sich mit zwei Kindern, welche zu der Sorte gehören, die die Steinkohlen auf der Neckar⸗ bahn zehnten, ereignen können, wenn dieselben nicht durch die Geistesgegenwart eines Dritten vor dem rückwärts ins N hereinftoßenden Kohlenzug gerettet worden wären.

Invalide, aus dem letzten Kriege, Herr Bott getraut. Der Genannte, welcher vor Paris beide Beine verloren hat, ist Inhaber des eisernen Kreuzes.

Aus Düsseldorf meldet dieKöln. Volkszig.: Det Werth der nach den jüngsten Ktiegsereignissen endgültig in bayerischem Besitz verbliebenen Düsseldorser Gemälde⸗ galerie wird von kompetenter Seite auf 12 Millionen Thaler veranschlagt. Der Stadtratb hat den Beschluß ge⸗ faßt, im Namen Düsselborss eine Bittschrift abzusenden, wonach unsere Stadt gegen Zahlung von 300,000 Thlr. die, wie schon früher erwähnt, zum Bau eines Theaters und einer Ausstellungs halle benutzt werden sollten, allen Ansprüchen auf ihre Eigenihumsrechte an die Galerie entsagt.

Dortmund. Zu den Gruben, welche wegen Wagen⸗ mangels die Förderung haben einslellen müssen, gehört u. A. auch bie ZecheVereinigte Germania bei Marten. Die Bergleute der letzteren haben sich deßhalb telehraphisch mit der nachstehenden naiven Blite an den Fürsten v. Big marck gewandt:An den Reichskanzler Fürsten Bismarck, Berlin. Seit dem 1. Novembet flockt der Güterverkehr

eine für alle Mitglieder in allen Ländern gleich⸗

gänzlich. In Folge dessen können wie unsere Kohlen nicht mehr aus der Grube bekommen, wir verdienen nichts

anau. Am vergangnen Sonntag wurde hier ein

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