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ihr zu seiner Zeit.“
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1871.
Samstag den 25. März.
A 36.
Oberhes
ischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
J
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Auf den wöchentlich dreimal erscheinenden„Oberhessischen Anzeiger“ kann man für das zweite Quartal l. J. bei allen Poststellen für
38 kr., mit Bestellgeld
2
für 47
kr. abonniren.
Bei der Verlags-
Expedition kostet das Blatt für das zweite Quartal 30 kr.
Amtlicher Theil.
Aufforderung.
740 Ehristoph Dietrich Steriko von Butzbach, welcher als Agent zur Beförderung von Auswanderern nach Amerika für den Haupt⸗ agenten Gerschlauer zu Darmstadt concesslionirt ist, hat diese Agentur niedergelegt. Gemäß des Art. 8. der Verordnung vom 25. Jan. 1851 wird die Niederlegung dieser Agentur zur öffentlichen Kenntniß gebracht und bemerkt, daß Ansprüche an die von Christoph Dietrich Steriko gestellte Caution innerhalb 6 Monaten, vom Tage der Bekanntmachung an gerechnet, bei der unterzeichneten Behörde mit einer Nachweisung, daß bei Gericht Klage erhoben worden ist, geltend zu machen sind, als sonst diese Caution zurückgegeben wird.
Friedberg den 21. März 1871.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Tra p p.
Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
Louis Schaum von Hoch⸗Weisel ist als Leichenbeschauer für die Gemeinde Hausen ernannt worden.
V Zu des Kaisers Geburtstag.
Es sind ungefähr 700 Jahre, da strahlte der Glanz der deutschen Kaiserkrone weit hin über alle Lande der damals bekannten Welt. Eine hehre Heldengestalt trug den kaiserlichen Purpur, „der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich“. Als römischer Kaiser hatte er im Geiste jener Zeit wiederholt ruhmreiche Züge über die Alpen nach Italien unternommen, als oberster Schirm— herr der Christenheit beschloß er im hohen Alter einen Kreuzzug nach Palästina. Das heil. Land zu schauen war ihm nicht vergönnt. Bei einem Flußübergang in Kleinasien fand der jugendkühne Greis, der durch den langsamen Zug über die Brücke ungeduldig geworden, hoch zu Roß sich den tückischen Wogen anvertrauend das jenseitige Ufer erreichen wollte, den Tod.
Das deutsche Volk, das mit kindlicher Ver— hrung an seinem Heldenkaiser hing, konnte das Unglück seines Todes nicht fassen. Die Sage entstand, der Kaiser sei nicht todt, sondern sitze verzaubert im unterirdischen Gemache im Kyff⸗ häuserberg.„Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit, und wird einst wiederkommen mit Den Glanz seines hohen— staufischen Hauses hat er in der That mit hinab—
genommen, und was von der alten Reichsherr—
lichkeit übrig geblieben oder von manchem seiner Nachfolger mit starker Faust wieder zu sammeln wersucht worden, es zerbröckelte im Laufe der Zeit, bis das morsche Gebäude am Anfange unsers Jahrhunderts zusammenstürzte.
Der alte Barbarossa kehrt nicht wieder. Aber ein Anderer ist für ihn in's Mittel getreten, zwar lein„Rothbart“, aber ein„Weißbart“(wie ihn einer der Festredner in einem von ihm aus dem Fateinischen in's Deutsche übertragenen Gedichte nannte), kein„Hohenstaufe“, aber ein„Hohen— zoller“. Als Heldenkönig war er in den Kampf gezogen für's bedrohte Vaterland, als Heldenkaiser sehrt er„an Ehr und Siegen reich“ in die
Heimath zurück, wie Barbarossa an Jahren ein
Greis, an Muth und Kraft ein Jüngling, wie Barbarossa aufrichtig verehrt vom deutschen Volke!
Doch ist er glücklicher wie der alte„Roth— Jener sah die Heimath nicht wieder, Er
—
dagegen kehrt aus Kampf und Gefahr unversehrt und ungebeugt zurück; Jener hinterließ ein ver— wais'tes Reich, Er ist der Gründer und mächtige Hüter eines neuen Reiches, das dem deutschen Volk die Wiedererlangung derjenigen Stellung unter den Völkersamilien bedeutet, zu der es be— rechtigt ist und der es bedarf zur Erfüllung der ihm gewordenen Kulturaufgabe, eines Reiches, von welchem und durch welches erwartet Friede nach Außen, Schutz und Achtung
für seine Angebörigen in der Fremde, kräftige Wahrung uad Förderung seiner geistig.⸗sittlichen Zug bielt, statt.
und materiellen Interessen im Innern.
das deutsche Volk
eine von Mainz eingetroffene Depesche des Gou⸗ vernements sie anwies, in Folge der neueren Er⸗ eignisse in Paris bis auf Weiteres ihren Aufent⸗ halt nicht zu verlassen.
— In den Nachmittagsstunden des 21. d. trafen die Prinzen Ludwig und Wilhelm von Hessen nach fast achtmonatlicher Abwesenheit glücklich wieder hier ein. Die hoben Eltern der Prinzen waren denselben eine Strecke zur Be— grüßung entgegengefahren und ebenso fand eine solche in der Nähe des Chausseehauses, wo der An dem bhiesigen Bahnhof,
dessen Einfahrthalle festlich geschmückt war, hatten
Wahrer Größe aber huldigt das deutsche sich noch mehrere Glieder der großherzoglichen
Volk freudig und gern. Davon legt der kaiser—
liche Geburtstag, wie er von allen deutschen Stämmen gefeiert worden, gewiß erhebendes Zeugniß ab.
Auch Friedberg hatte zur Feier dieses Tages
seinen Fahnenschmuck wieder angelegt, und für den Abend festliche Zusammenkünfte im„Hotel Trapp“ und„Hotel Simon“ veranstaltet. Manch' treffliches, warmer Begeisterung entstammendes Wort wurde da geredet zu Ehren des Kaisers und dem ihm angetrauten Gemahl, der„Germa— nia“ ic. ꝛc., manch' schwungvolles Vaterlandslied schön gesungen und manche hübsche Weise gespielt. Zu sagen, daß eine gehobene Stimmung dabei geberrscht habe, würde der Wahrheit nicht voll— kommen entsprechen: es war der Ausdruck heller Freude über das Errungene, großer Hoffnung auf und vollen Ver- trauens in die Zukunft, den die Festfeier wiederspiegelte.
Deutsches Reich. Darmstadt. Aus Anlaß der Pariser Er- eignisse werden die Kriegsgefangenen vorerst hier bleiben. Selbst die Abreise derselben auf eigene Kosten ist nicht mehr gestattet. Diese Maßregel scheint eine allgemein angeordnete zu sein, da auch von andern Orten gleiche Nachrichten kommen. — Der Rest der noch hier befindlichen französi— schen Offiziere wollte sich am 21. d. mit dem Nachtschnellzug nach Frankreich zurückbegeben und hatten dieselben bereits die Wagen bestiegen, als
Familie, Minister v. Dalwigk, der Bürger— meister der Residenz, die Comite's der verschie— denen Hülfs-Vereine, sowie die hiesigen Offiziere auf dem Perron zur Begrüßung eingefunden und wurden die Prinzen schon bei der Einfahrt des Zuges jubelnd empfangen und von den anwesen— den Damen mit Bouquets geradezu überschüttet. Schon lange vor der Ankunst des Zuges batte sich an dem Bahnhof und der angrenzenden Pro- menade eine große Menschenmenge angesammelt, welche den Prinzen Ludwig, als er auf der Treppe des für fürstliche Personen reservirten Flügels er- schien, mit donnernden Hochs begrüßte. Der Prinz, sichtlich bewegt durch den sympathischen Empfang, grüßte, sich mehrmals verneigend, die Menge, welche auf der ganzen Fahrt bis zum prinzlichen Palais dem Prinzen und seiner ihm zur Seite sitzenden Gemahlin Ovationen dar- brachte. Das Aussehen des Prinzen ist ein vor— zügliches. Auch Prinz Wilhelm wurde von der Menge stürmisch empfangen. Um 9 Uhr Abends brachten sämmtliche hiesige Gesangvereine dem Prinzen Ludwig einen Laternen- und Fackelzug, sowie unter Mitwirkung der Gr. Hofkapelle ein solennes Ständchen, während dessen die Umgebung des Palais durch bengalische Flammen beleuchtet war. Prinz und Prinzessin Ludwig erschienen auf dem Balkon und dankten der zahlreichen Menge durch mehrmaliges Verneigen. Eine von Hofgerichts-Advokat Ohly gehaltene Rede schloß mit einem Hoch auf den Prinzen Ludwig, in welches die Menge jubelnd mit einstimmte.


