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am 23. Juni den Friedrich von Breidenbach zu Stutt⸗ gart für sich und seine zukünftigen ehelichen Nachkommen deiderlei Geschlechts in den Freiherrnstand des Großherzog⸗ thums zu erheben.
VII. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Groß⸗ herzog baben allergnädigst geruht: am 6. September dem Hofgerichtsralh bei dem Hofgericht der Provinz Starken⸗ burg, August Weber, die Erlaudniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Kaiser von Deutschland und König von Preußen verliehenen eisernen Kreuzes 2. Klasse am weißen Bande, am 24. Sep⸗ tember dem außerordentlichen Gesandten und bevollmäch⸗ tigten Minister am Königlich Württembergischen und Großherzoglich Badischen Hofe, Geheimerath Dr. von Breidenbach, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dem König von Würtlemberg verliehenen Großkreuzes des Friedrichsordens, am 26. Sep. tember dem ersten Assistenzarzt an der mebicinischen Klinik zu Heidelberg, Dr. Bernhard Goldbeck aus Worms, die
laubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von
einer Königlichen Hoheit dem Großherzog von Baden verliehenen Ritterkreuzes 2. Classe des Verdienstordens vom Zähringer Löwen, und an demselben Tage dem Kammerherrn Theodor von Helmolt die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Kaiser von Deutschland und König von Preußen verliehenen Ehrenritterkreuzes des Johanniter-Ordens zu ertheilen. g.
VIII. Namensveränderungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 11. Sep⸗ tember dem Johannes Paul Schneider aus Wöllstein zu gestatten, daß er in Zukunst statt des bisherigen den Fami— liennamen Rühl, und am 29. Sepiember der Franz Freund⸗ lieb Ehefrau, Minna geb. Rasel zu Alsfeld zu gestasten, daß dieselbe in Zukunft statt des bisherigen den Familien⸗ namen Rasch führe. 5
IX. Ertheilung eines Erfindungspatentes. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst ge⸗ ruht: am 5. September dem Schmiedemeistex Johannes Bicking von Hangen-Weisheim, im Kreise Worms, auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Mo⸗ dell näher erläuterte Wende⸗Vorrichtung für Ruchadlo⸗ Pflüge, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das verliehene Patent, Niemand in der Anwendung bereils früher schon bekennt gewesener Theile der Erfin- dung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu ertheilen.
X. Militärdtenstnachrichten.
Darmstadt. Wie aus der jüngsten Nummer der„Nachrichten über die freiwillige Hülfsthätigkeit im Großh. Hessen“ zu ersehen, beträgt der Geldwerth der für die Opfer des Krieges im Jahr 1870/71 im Großherzogthum gespendeten Gaben die Summe von 1,239,992 fl. 7 kr., d. i. auf den Kopf der Bevölkerung nach der Volkszählung von 1867 die Summe von 1 fl. 30½ kr.
Mainz. Die polizeiliche Bewachung der Mayer⸗Michel⸗Denninger'schen Lederfabriken hat zur Folge gehabt, daß sich die größere Anzahl der durch Drohungen eingeschüchterten Arbeiter wieder eingefunden. Mißhandlungen solcher Ar- beiter kamen indessen in der Nähe der Fabriken außerhalb der Stadt doch am 19. d. Nachmittags noch vor. Ein ziemlicher Theil der Arbeiter ist nicht mehr zugelassen und durch andere ersetzt worden. Hierdurch sind die Werksätten wieder in vollen Gang gekommen.
Berlin, 19. Oct. Reichstagssitzung. Abg. Richter bringt folgende von der Fortschrittspartei unterstützte Interpellation ein: Wieviele Reserve⸗ mannschaften stehen noch bei dem deutschen Heere unter den Fahnen? Wodurch ist die Zurückhaltung von Reservisten zum vierten Dienstjahre bei nicht- mobilen Cavalerieregimentern gerechtfertigt? In welchem Umfange wird beabsichtigt, während der Dauer der Occupation Reservisten bei der Fahne zu behalten, beziehungsweise die daraus erwach⸗ senden Lasten auszugleichen?— Gesetzentwürfe sind eingegangen betreffend das Post- und Post⸗ taxwesen.— Hierauf wird die Präsidentenwahl vorgenommen. Zum ersten Präsidenten wird Simson mit 205 von 212 Stimmen gewählt. Derselbe dankt in kurzer Rede für das bewiesene Vertrauen. Zum ersten Vicepräsidenten wird Fürst Hohenlohe mit 197 von 213 Stimmen, zum zweiten Vice⸗ präsidenten Weber(Würtemberg) mit 165 von 196 Stimmen gewählt.
— 20. Oct. Reichstagssitzung. Das Haus spricht den Erbauern des neuen Parlamentsge- bäudes durch Erhebung seinen Dank aus. Auf die Interpellation Schulze. Deligzsch, betreffend die Stellung des Bundesrathes zu dem Reichstags⸗ beschluß vom 25. April bezüglich der Reisekosten unv Diäten, erwidert Staatsminister Delbrück,
für Verfassungswesen überwiesen habe und nach erfolgter Berichterstattung der Gesetzentwurf ein⸗ stimmig abgelehnt sei. Es folgt die erste Bera⸗ thung der Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen des Norddeutschen Bundes pro 1870, sowie des Gesetzentwurfes, betreffend die Verwendung des Ueberschusses des Etats pro 1870. Auf Antrag Richter's wird die Vorlage der Budget⸗Commission überwiesen. Das Haus tritt sodann in die Be⸗ rathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Controle des Reichshaushalts⸗Etats pro 1871 ein und beschließt zweite Lesung in pleno.
— Hiesigen Blättern zufolge beschäftigt man sich in militärischen Kreisen gegenwärtig lebhaft mit der Prüfung von Vorschlägen, die eine Auf⸗ besserung der Lage der Unteroffiziere in der Armee und damit eine Zunahme der Zahl der Capitu⸗ lanten bezwecken, an welchen in vielen Truppen⸗ the len ein so auffälliger Mangel eingetreten ist, daß sich in Bezug auf die Bildung eines geeig⸗ neten Unteroffiziercorps von Jahr zu Jahr größere Schwierigkeiten ergeben. Ueber die Modalstäten der angestrebten Aufbesserung ist noch nichts Desi⸗ nitives festgestellt worden.
— Der Verkauf der neuen, am 1. Januar 1872 in Gültigkeit tretenden Postfreimarken wird bei den Postanstalten in Elsaß-Lothringen und im Großherzogthum Baden in den letzten Tagen des Monats Dezember d. J, bei allen übrigen deutschen Reichspostanstalten schon Mitte Dezember d. J. beginnen. Die am 1. Januar 1872 in den Händen des Publikums verbleibenden Freimarken, Franco-Couperts und gestempelten Streifbänder der bisherigen Art können bis einschließlich 15. Febr. 1872 bei den Postannahmestellen gegen neue Post— werthzeichen gleichen Werths umgetauscht werden.
— Nach Ausweis des Reichshaushalts-Etats für 1871 wird dase deutsche Reich im Ausland vertreten durch 4 Botschafter(in London, Paris, Petersburg und Wien, von denen die drei ersten ein Gehalt von 36,000 Thalern, der letzte 29,000 Thaler bezieht), 6 Minister⸗Residenten (in Buenos-Ayres, Chile, Mexiko, Peru, Rio de Janeiro und Venezuela mit einem Gehalt von je 12,000 Thlrn.) und 13 Gesandten(in Athen, Brüssel, Konstantinopel, Kopenhagen, Florenz, Haag, Lissabon, Madrid, Peking, Rom, Schweiz, Stockholm und Washington mit Gehältern von 9000 bis 25,000 Thalern). Es bestehen ferner 8 Generalconsulate(in Alexandrien, Belgrad, Bukarest, Japan, London, Newyork, Pest und Warschau mit Gehältern von 7000 bis 13,500 Thalern), 13 Consulate(in Beirut, Bos nien, Canton, Constantinopel, Galatz, Jerusalem, Paris, Petersburg, Shanghai, Siam, Smyrna, Tientsin und Trapezunt mit Gehältern zwischen 3500 bis 10,000 Thalern) und 3 Viceconsulate(in Cairo, Jassy und Dardanellen) mit einer Besoldung von 2000 bis 2500 Thalern.
— Die bisher bei der Occupationsarmee in Frankreich gestandene 11. Division(6. Armee⸗ corps) ist am 19. d. Mts. von Neufchateau aus nach der Heimath abgerückt und wird am 28. oder 29. d. in Breslau eintreffen.
— In dem Etat der Reichstelegraphen-Ver⸗ waltung sind u. A. 80 Stellen für Telegraphen⸗ Gchülfinnen im Großherzogthum Baden mit einer durchschnittlichen Besoldung von 300 Thalern in Ansatz gekommen.
— Dem Eisenbahnbetriebs⸗ Director Bensen zu Saarbrücken ist nachträglich das eiserne Kreuz 2. Classe verliehen, nachdem erst jetzt an maß⸗ gebender Stelle zur Sprache gekommen, daß Bensen am 6. August v. J., während die Schlacht bei Spicheren durch die große Uebermacht der Fran⸗ zosen schwankte, sofort Mittel und Wege fand, den General v. Albensleben(Commandeur des
später noch 3 Bataillone 20er von St. Wendel
— Die„Nordd. Allg. Zeitung“ bringt einen
daß der Bundesrath die Vorlage dem Ausschusse
Forderungen an die Reichsregierung, in Elsaß⸗ Lothringen energisch vorzugehen, werden die Reichs. regierung in keiner Weise beirren. Es fehlt ihr weder an Einsicht, noch an Festigkeit, aber weil sie sich stark fühlt und nicht planlos die Dinge auffaßt, sondern ein durchdachtes System verfolgt, ist sie im Stande, die Herrschaft über die wieder⸗ gewonnenen Lande im Geiste des Wohlwoll, as zu handhaben, der gewaltiger als die brutale Gewalt Elsaß Lothringen bestimmen wird, von ganzem Herzen wieder deutsch zu sein. N
München. Laut eines dem Ministerium des Innern zugegangenen Telegramms ist die Nachricht der Zeitungen von einer am 15. d. M. in Metz stattgehabten großen Schlägerei zwischen preußischen und baperischen Soldaten auf einen ganz unbe⸗ deutenden Rauf⸗Exceß weniger Soldaten zurück zuführen.(Vergl. Metz.)
Kassel. Das„Fr. J.“ schreibt: Nach neuerer Disposition fällt vom 1. November an der Frankfurt⸗Leipziger Courierzug weg. Auf der mitteldeutschen Route bleiben die Schnellzüge und Personenzüge unverändert.
Karlsruhe. Die badischen Altkatholiken treffen gegenwärtig Einleitung zur Bildung eines Landesvereins nach dem Vorgange in Bayern.
Limburg. Der Bischof Dr. P. J. Blum hat am 17. d. eine Erklärung gegen die Reso⸗ lution des Darmstädter Protestantentages betreffs der Jesuiten erlassen, in welcher er dieselbe als mit der gesetzlich garantirten Religionsfreiheit un⸗ vereinbar und die Jesuiten selbst als tadellose, sittenreine, gründlich philosophisch und theologisch gebildete Männer hinstellt, denen von der Be⸗ völkerung aller Orten mit Liebe und Anhänglichkeit entgegengekommen werde.
In Metz soll es am Abend des 15. d. zu einer großartigen Schlägerei gekommen sein zwischen baye⸗ rischen und preußischen Soldaten. Als Veran- lassung dieser beklagenswerthen Vorkommnisse wäre der Tod eines mit dem eisernen Kreuze decorirten Soldaten des kön. bayr. 8. Inf.⸗Regts zu be⸗ trachten, welcher Abends vorher auf seinem Wege zur Kaserne ohne bekannte Ursache von preußischen Soldaten überfallen und zu Boden geschlagen worden. Der in Folge dieser Mißhandlung ein⸗ getretene Tod des bayerischen Soldaten rief unter seinen Kameraden so große Erbitterung hervor, daß es am Abend zur Schlägerei kam. Ein Offi⸗ zier und ein Corporal vom 8. Regiment, deß⸗ gleichen ein preußischer Offizier erhielten nicht unbedeutende Verletzungen. Mehrere Arretirungen durch preußische Patrouillen wurden vorgenommen, doch die Mehrzahl entzog sich derselben durch Flucht. Auch viele Franzosen, die sich, nebenbei gesagt, in die Faust lachten, erhielten Hiebe. (Nach anderen Nachrichten sollen die Vorselle von geringerer Bedeutung gewesen sein und sich auf Excesse Einzelner beschränken. Siehe München.) — Hier ist die erste Nummer einer neuen Zeitung„Metzer Zeitung“ erschienen, die als deutschts Organ für Metz⸗Lothringen zunächst die speciell deutschen Interessen vertreten, dann aber auch den besonderen elsaß⸗lolhringischen Angelegen⸗ heiten ihre besondere Aufmerksamkeit widmen will.
Ausland. Oesterreich. Wien, Die Blatter ver⸗ öffentlichen zwei Schreiben des Cardinals Rauscher an den Cultus minister. Im ersten verlangt der Cardinal, daß dem Mißbrauche der Salvator⸗ capelle, welcher durch Ueberlassung derselben an die Altkatholiken beabsichtigt sei, duich geeigneie Verfügungen der Regierung zuvorgekommen werde. Aus dem zweiten erhellt, daß der Cultus minister den Gegenstand als eine innerhalb der Kirche schwebende Angelegenheit bezeichnet hat, welche
dritten Armeecorps) mit Stab, ferner 3 Batail- sich nach der bestehenden Gesetzgebung der Ein- lone 12er und 2 Batterien von Neunkirchen, mischung der Staatsverwaltung entziehe.
—. Von verschiedenen Seiten wird behauptet,
nach Saarbrücken in neun Extrazügen zu beför⸗ daß Graf Beust sein Verbleiben im Amte von dern, welche Truppen größtentheils noch in dender Herstellung der vollen Verfassungsmäßigkeit Kampf eingriffen und den Sieg entscheiden halfen. abhängig machen wolle.
Frantreich. Paris. Die nunmehr in
Artikel über die Haltung der Regierung gegenüber ihrem vollen Wortlaut bekannt gewordenen Con-
Elsaß⸗Lothringen, worin sie sagt: Die vielseitigen ventionen machten ebenso wie die Thronrede des


