stimmiges Hurrab, das fortwährend donnerartig anschwoll, als Prinz Ludwig, Divistonsstab,(darunter auch die beiden Feld⸗ geistlichen zu Pferd) an dem Triumphbogen an- langte. Dort wurde er durch den Bürgermeister Namens der Stadt Darmstadt mit einer Anxede begrüßt und fand die Ueberreichung eines pracht⸗ vollen, aus dem Etablissement des Herrn Vietor dahier hervorgegangenen silbernen Lorbeerkranzes durch zwei der Ehrendamen statt. Der Prinz erwiderte Folgendes:„Ich weiß, daß ich und die Division nur unsere Pflicht erfüllt haben; aber dennoch bin ich stolz darauf, daß mir und der Generation, welche in der Division vertreten ist, die Ehre zu Theil wurde, den Erbfeind Deutsch⸗ lands zu bekämpfen. Ich nehme den Lorbeerkranz für die von mir geführte Division in Empfang und spreche Ihnen in ihrem Namen meinen Dank aus.“ Nunmehr begann mit klingendem Spiel der Einzug der wettergebräunten, statilich und wohl aussehenden, sämmtlich mit Eichenlaub be⸗ kränzten Helden von Gravelotte, Metz, Orleans, Chambord, Blois u. s. w. Zunächst das 1. und 2. Infanterie Regiment und 1. Jägerbataillon, dann das 3. und 4. Infanterie Regiment, in welchem insbesondere Hauptmann Kattrein mit seiner Compagnie, die Sieger von Chambord, Gegenstand einer besonderen Ovation waren; weiter das 2. Jägerbataillon, die beiden Reiter⸗ Regimenter, das Artilleriecorps nebst der Pionier⸗ Compagnie, der Fahrtrain, die Feldlazarethe und eine unendliche Anzabl der zu den verschiedenen Colonnen gehörigen Wagen, worunter auch die wackere Feidpost. Der größte Theil der Fahr- zeuge passirte die Stadt in Carriere. Der Ein- zug, bei welchem das Blumen- und Kränzewerfen, des war fast kein Mann, der nicht seine 4—6 Sträuße hatte, Prinz Ludwig saß in einem wahren Blumenkörbchen, sogar in die Stiefelschaften hatte man ihm Bonugquets gesteckt,) Tücherschwenken und Hochrufen kein Ende nehmen wollte, dauerte nahezu 2 Stunden, wurde aber leider von einem furcht⸗ baren Platztegen überrascht. Nach Beendigung des Einmarsches begaben sich die Truppen an ihre verschiedenen Sammelplätze, wo die nicht hier verbleibenden auch erftischt wurden. Am Nachmittag konnte man in den Straßen der Stadt und in sämmtlichen überfüllten öffentlichen Localen die Heimgekehrten in trautem Gespräch mit Verwandten oder Freunden finden und Zeuge manches rührenden Wiedersehens sein. Wie wir hören, war der Fremdenzudrang derart, daß die Bahnen Abends den Rücktransport nur theilweise bewältigen konnten. Der Tag wird allen Theil. nehmenden unvergeßlich bleiben.
— Prinz Ludwig ist in Berlin zum Inhaber des 81. Regiments ernannt worden. i
— Dem Wechsel im Finanzministerium sollen(
einige Reformen in der Finanzbranche nachfolgen, insbesondere die Stellen der Obereinnehmer ein; gehen und die Forstmeister unter Vereinfachung ihrer theilweise unwichtigen Functionen auf ein Minimum beschränkt werden, so daß für Oberhessen und Starkenburg je zwei Stellen belassen und für Rheinhessen die Geschäfte einem der Ober⸗ förster übertragen würden. Man hofft auf diese Weise die Mittel zu gewinnen, das kärglich be⸗ soldete Forstpersonal den übrigen Beamten gleich- zustellen, ohne die Interessen des Dienstes dadurch zu beeinträchtigen. Die Vereinigung der Zoll⸗ und Steuerdirektion ist bereits erfolgt.
„ Friedberg. Nach den von dem groß- herzoglichen Divisions-Commando ertheilten Be⸗ fehlen sind für das 2. Inf. Regt. folgende Dis- locationen für den Marsch nach Gietzen vorgeschrieben: 1) Am 23. Juni: Regimentsstab: Neu- Nsenburg. 1. Bataillon: Rumpenheim, Mühlheim, Bürgel, Bieber, Heusenstamm. 2. Bataillon: Neu-Asen⸗ burg, Sprendlingen.— 2) Am 24. Juni: Re⸗ gimentsstab: Friedberg. 1. Bataillon: Ober⸗ Wöllstadt, Nieder⸗Wöllstadt, Okarben. 2 Ba- taillon: Friedberg, Nauheim.— 3) Am 25. Juni: Regimentôstab: Butzbach. 1. Bataillon: Butz⸗ bach, Kirchgöns, Pohlgöns. 2. Bataillon: Groß- Linden, Leihgestern, Langgöns.— 4) Am 26. Juni: 2. Jufanterie Regiment: Einzug in Gießen.—
Zwei gefolgt von dem 24. d.
Schwadronen Chevauxlegers werden am in Großkarben, Kleinkarben und Assenheim einquartiert sein, am passiren und um die Mittagsstunde in Butzbach einrücken. Bereiten wir allen diesen Braven einen ebenso herzlichen Empfang, als denselben bis jetzt überall auf ihrem Marsche durch die Pfalz, Baden und die Bergstraße entlang selbst im kleinsten Dörschen nach den übereinstimmenden Aussagen von Offizieren und Soldaten in wahrhaft erhebender und rührender Weise zu Theil geworden ist. Wahrlich sie verdienen den berzlichsten Empfang nach all' den Gefahren und Strapazen des Krieges, sie verdienen unsern wärmsten Dank für ihren Muth, ihre Ausdauer und Tapferkeit, durch welche sie sich neben den Söhnen anderer deutschen Lande auszuzeichnen wußten. Willkommen seien darum unsere Sieger in der Heimath!
Offenbach. Am 23. d., Vormittags, zieht das 1. Bataillon des 3. hessischen Infanterie-Re giments in unsere Stadt ein und wird hier in Garnison verbleiben. Die Truppen werden festlich empfangen, woran Jungfrauen, Sänger, Turner⸗ und Schützenvereine Theil nehmen; Bürgermeister und Gemeinderath begrüßen sie am Eingang der Stadt, wo eine Ehrenpforte errichtet wird.
Mainz. Das sächsische Armeecorps(aus. schließlich einer in Frankreich bleibenden Division) in der Gesammtstärke von 22,300 Mann und 9300 Pferden wird am 22. d. die rheinhessische Grenze überschreiten und in 4 Abtheilungen durch das Alsenzthal, die Alzeyer Straße, über Kreuz⸗ nach und die Rheinstraße am 23., 26., 27. und 28. d. hier und in der Umgegend eintreffen und je einen Rasttag halten. Der Weitermarsch der Truppen beginnt vom 25. bis 29. d. in der Richtung auf Frankfurt und Gießen, von wo die 11755 per Eisenbahm heimwärts befördert werden ollen.
Berlin. Die„Börsenztg.“ meldet: Unter Führung der Berliner Discontogesellschaft und der Firma S. Bleichröder ist heute ein Syndicat ge— bildet worden, welches sich der Placirung der neuen französischen Anleihe hier am Platze widmen soll. Für die Betheiligung zeigt sich durchweg große Willfäbrigkeit. Der Emissionscours steht augenblicklicklich noch nicht definitiv fest.
— Mit Hülfe der sach- und personenkundigen Mitglieder des deutschen Reichstages ist es der „Berl. Volksztg.“ gelungen, diejenigen Abgeord— neten zu ermitteln, welche seiner Zeit Mitglieder der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. waren. Ee sind dies unter den 382 Reichstags abgeordneten 20, deren Namen und jetzige Partei- stellung nicht ohne Interesse sein dürfte. Sie lauten: Dr. Marquard Barth(lib. Reichsp.), Dr. Biedermann(Nat. Lib.), Briegleb-Coburg Nat.⸗Lib.), Bürgers(Lib.), Frhr. von Ende (deutsche Reichsp.), Dr. Edel(großdeutsch), Dr. v. Fritsch(Nat. Lib.), Grumbrecht(Nat. Lib.), Hausmann Westhavelland(Fortschritt), Bischof Frhr. v. Ketteler-Baden(Clerical), Frhr. v. Keyserling-Blankenburg(Conservativ), Dr. Löwe (Fortschritt), Oberweg(lib. Reichsp.), Dr. Reichen⸗ sperger⸗Crefeld(Cler.), Röben-Aurich(Nat.-Lib.), Roß Hamburg(lib. Reichsp.), Dr. Schaffrath (Fortschritt), Dr, Simson(Nat.⸗Lib.), Dr. Tell⸗ kampf(Nal.⸗Lib.) und Dr. Wigard(Fortschritt). In Summa: 4 zur Fraction der deutschen Fort— schrütspartei, 7 National-Liberale, 1 Liberaler und 3 zur liberalen Reichspartei, 1 Großdeutscher und 1 zur deutschen Reichspartei, 2 zum clericalen Centrum gehörige und 1 Conservativer.
— Die„Kreuzztg.“ erfährt, die Reichsregie- rung habe Veranlassung genommen, die Haltung der katholischen Fraction in Rom offieiell zur Sprache zu bringen. Die Reclamation babe den Erfolg gehabt, daß Cardinal Antonelli das ge— sammte Auftreten der katholischen Fraction in den unzweideutigsten Ausdrücken desavouirt habe.
— Bei dem Rücktransport der pommer'schen Truppen entgleisten am 22. Juni auf der Strecke Leipzig-Bitterfeld zwischen den Stationen Rackwitz und Tschortau durch das Defektwerden eines fran— zösischen Wagens vier Wagen, Hier eingegangenen Mittheilungen zufolge sind 2 Unteroffiziere und
25. Vormittags Friedberg
21 Mann todt, sowie ein Offizier und 40 Mann theils schwer, theils leicht verwundet.
— Ueber die Vertheilung der Dotationen ver⸗ lautet nach der„Elb. Ztg.“, daß 1½ Mill. an die selbständigen, nicht prinzlichen Armeeführer, 1½ Mill. an andere hervorragende Generale und Generalstabschefs, 1 Mill. Thaler an Staats- männer kommen sollen. a
Provinz Hessen⸗Nassau. Der Lehrer⸗
mangel in Nassau wird immer größer. Wer kann, verläßt die Heimath! Eine besondere Anziehung für unsere Lehrer bietet allezeit das nahe Frankfurt. Es darf daselbst nur eine Vacanz eintreten, und sofort laufen die Meldungen massenhaft ein. Auch in diesen Tagen werden wieder einige tüchtige Kräfte dahin abgehen. Nassau dagegen wartet vergeblich auf Ersatz von Außen. Ems. Am 21. Juni besuchte der Kaiser von Rußland das Lager der kriegsgefangenen Fran⸗ zosen in Coblenz und sah sich eine von denselben arrangirte Theatervorstellung an. Wir erfahren nachträglich, daß der Czaar hier zu den Offizieren seines(preußischen) Garderegiments äußerte:„Es thut mir leid, daß es mir nicht vergönnt war, mich selbst an die Spitze meines Regiments zu stellen, um gegen den Feind zu ziehen!— Wie wir hören, wird auch der Prinz von Wales dem- nächst hier eintreffen.— Der Großherzog von Weimar nebst Gemahlin ist gestern Abend bier eingetroffen und im„Panorama“ abgestiegen.
— Vom Rhein meldet die„Bonn. Ztg.“ Divisionspfarrer Dr. Kayser war bekanntlich vor einigen Wochen seines Amtes entsetzt worden. Gestern bereits wurde dieser unge— wöhnliche Act gesühnt. Derselbe Bischof, welcher die Strafe verhängt hatte, sah sich durch sehr dringliche Umstände veranlaßt, dieselbe auch wieder aufzuheben. ö
Karlsruhe. Für die Kaiserin von Ruß- land und ihr Gefolge ist das ganze Kurgebäude im Bade Petersthal gemiethet, und zwar um die Summe von 60,000 fl. für einen wahrscheinlichen Aufenthalt von etwa 6 Wochen.
Ausland.
Schweiz. St. Gallen, 19. Juni. Aus Buchs kommen folgende Nothberichte: Am 18. d. Nachmittags ist ein Dammbruch in unserer Nähe erfolgt und der Rhein eingebrochen; das Feld außerhalb der Eisenbahn steht unter Wasser, Ge⸗ fahr im Steigen. Heute, 19., Vormittags 9 Uhr erfolgten weitere Dammbrüche bei Burgerau und Sevelen; Burgerau steht unter Wasser; der Eisen⸗ bahnverkehr ist unterbrochen; Gefahr noch immer im Steigen. Telegramme von heute 11 und 2½ Uhr aus dem Rheingebiet melden: Es steht sehr schlinm wie 1868. Bei der Grenze von Wartau und Sevelen großer Wuhrbruch.
Bern. Der Bundesrath hat bei der Bundes- versammlung einen weiteren Credit von 4,680,000 Fr. beantragt behufs Vervollständigung der Be⸗ waffnung des Bundesheeres.
Frankreich. Paris. Als Grund der Vertagung der auf letzten Sonntag angesetzten Revue wird eine Einsprache der deutschen Regie- rung betrachtet, welche wegen der vertragswidrigen Truppenzahl, die bei der Parade zur Verwendung kommen sollte, erfolgt sei.— In Marseille wurden compromittirende Schriftstücke der Internationale entdeckt, in Folge dessen Verhaftungen vorgenom- men worden sind.
— Die Bischöfe von Cambrai und Arras haben an die Nationalversammlung ein Schreiben gerichtet, worin sie die Bitte aussprechen, daß Frankreich, eingedenk seiner Mission, wieder als Protector der katholischen Kirche auftreten möge.
Versailles, 20. Juni. Nationalversamm⸗ lung. Berathung über die neu aufzunehmende Anleihe. Thiers, die finanzielle Lage darlegend, gibt folgende Daten: Die Kriegskosten belaufen sich auf ungefähr 3 Milliarden. Die Bank lieh der Regierung 1330 Millionen. Das Deficit der beiden Budgets von 1870 und 1871 wird 1631 Millionen erreichen, zu deren Bedeckung nur 301
Millionen bereit stehen. Die neuen, wie Thiers
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