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mann zum Oberlieutenant bei der Landwehr, 3) im 2. Infanterie-Regiment Vicefeldwebel Julius Carl Homberger aus Gießen, Ludwig Emmelius aus Aslau im Königreich Preußen und Emil Friedrich Pistor aus Gießen zu Lieutenants der Reserve.
— Prinz Heinrich von Hessen, Comman⸗ deur des Königl. Preuß. 2. Garde⸗Ulanen⸗ Regiments, wurde am 14. d. von dem Kaiser von Rußland mit dem St. Georgsorden 4. Klasse decorirt, nachdem ihm bereits Mitte September v. J. von dem König von Preußen der Orden des eisernen Kreuzes 2. Klasse ver⸗ liehen worden war. 4
— Schloß Chambord, ein altes Familien- besitzthum der französischen Bourbonen ist bei dem ersten Vormarsche der zweiten Armee nach Blois einer starken französischen Besatzung durch einen kühnen Bajonne: angriff, welchen Hauptmann Kattrein im hessischen 4. Infanterieregiment mit seiner Compagnie unternahm und bei welchem ihn Hauptmann Seriba mit seiner Mannschaft tächtig unterstützte, entrisen worden. Unter den zahl⸗ reichen Troyhäen, welche in Folge dieser kurzen, aber ruhmvollen Episode in deren Hände fielen, befinden sich auch mehrere complette Geschütze. Dieselben sollen, wie wir glaubwürdig vernehmen, demnächst durch ein Detachement der Kattrein'schen Compagnie hierher gebracht werden.
Mainz. Der Gouverneur von Mainz, Prinz Woldemar von Holstein, ist am 20. d gestorben. — die bis jetzt noch für den Befehl zum Abgang bier bereit gehaltene Artilleriereserve für den Belagerungtpark vor Paris besteht aus 18 glatten zwölfzölligen Mörsern 3 4 Pfund Ladung und 40,000 Rundbomben.
Preußen. Berlin. Die Präsidenten des Abgeornetenbauses, v. Forckenbeck und v. Köller, gingen am 20. d. in Begleitung des Büreau⸗ vorstehers Happel nach Versailles ab, um dem Kaiser die vom Hause beschlossene Adresse zu über⸗
reichen. — Am 26. und 27. d. M. werden hier und
in London die weiteren 51 Millionen Schatz⸗ anweisungen in demselben Verhältniß wie das erste Mal zum Course von 96½ zur Zeichnung
aufgelegt.
Bannern. München, 20. Jan. Abge⸗ ordnetenkammer. Gegen die Verträge sprechen Neumaier, Pfahler; dafür Hohenadel, Sellner,
Fischer, Karl Schmidt. Minister Graf Bray
mahnt, durch Pfahler's Ausfälle veranlaßt zur Mäßigung. Morgen wird die Debatte fortgesetzt.
Würtemberg. Stuttgart. In Bezug auf die von einigen Blättern gebrachte Nachricht einer Revolte der französischen Gefangenen auf dem Asperg meldet der„Staatsanzeiger“: Eine Revolte der französischen Gefangenen auf dem Asperg oder in einem sonstigen Gefangenendepot hat nicht stattgefunden. Der Verdacht einer meu⸗ terischen Unternehmung Seitens der Asperger Gefangenen liegt vor, weßhalb verschärfte Sicher heitsmaßregeln getroffen, Verhaftungen vorgenom⸗ men und die Freiheiten beschränkt worden sind.
Frankreich. Bordeaux. Eine Depesche Bourbaki's vom 17. d. meldet:„Ich ließ einen allgemeinen Angriff von Montbelliard bis zum Mont Vaudois ausführen und gleichzeitig die Lisaine⸗Linie bei Bethontourt, Bassurel und Heri⸗ court überschreiten. Ich bemächtigte mich des Ortes St. Valbert durch Umgehung. Zugleich ließ ich durch den linken Flügel eine Umgehungs⸗ bewegung ausführen, um die Operationen zu er— leichtern. Die hierzu beauftragten Truppen wurden selbst bedroht, in ihren Flanken angegriffen und konnten sich daher nur in ihren Positionen be— haupten. Vor uns ist ein zahlreicher Feind mit surchtbarer Arlillerie; von allen Seiten werden ihm Verstärkungen zugeführt. Der Feind verdankt
günstigen Umständen die starken von ihm einge⸗ nommenen Stellungen und den Hindernissen, welche
unserem Votmarsche theils entgegenstanden, theils
von Longwy wird am nächsten Sountog beginnen. Das schwere Geschütz ist bereits angekommen.
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von ihm geschaffen worden, daß er allen unseren Angriffen widerstanden. Der Feind erlitt be⸗ deutende Verluste. Unser Angriff vom 15. Jan., der am 16. und 17. Jan. erneuert wurde, brachte trotz aller angewandten Kraftanstrengungen nicht vollständig die gewünschte Wirkung hervor, flößt aber dem Feinde Achtung ein, so daß derselbe beständig die Defensive innehält. Das Wetter ist so schlecht als möglich, der Vorwärts marsch sehr schwierig, daher habe ich mich entschlossen, morgen in die Positionen zurückzukehren, welche ich vor der Schlacht eingenommen batte.“
— Die legitimistischen Blätter verlangen die Auf- hebung des rechtswidrigen, gegen die Hauser Orleans und Bourbon erlassenen Berbannungsdecrets.
— Vom General Faioberhe ist eine Depesche aue St. Quentin vom 18. d. M. eingetroffen. Dieselbe lautet:„Am 17. zog eine preußische Colonne bestehend aus Jufanterie und Artillerie, von Vermand aus(nordwestlich von St. Quentin) unseren Truppen entgegen. Am Morgen des 18. wurde ein im Marsch befindliche Colonne von einem Theil des Corps Göben angegriffen. Eine unserer Divisionen kämpfte den ganzen Tag in tiner Position bei Vermand und behauptete dieselbe bis zur Nacht.“
Brest. Das Hauptquartier Chanzp's ist in Vitre zwischen Rennes und Laval. Gambetta und Laurier sind dort eingetroffen.
Valenciennes. Der„Courtier du Nord“ schreibt:„Niemals werden Augenzeugen die Scenen der letzten 48 Stunden vergessen, denn dit Bevölkerung war trotz des vorhergehenden amtlichen Avis auf eine rasche Unterwassersetzung der Stadt und des Festungsgebietes nicht vorbe⸗ reitet. Die Ueberschwemmung ist eine totale. Menschenleben sind dabet glücklicherweise nicht zu beklagen.
Belgien Brüssel. Das„Echo du Parlament“ meldet:„Gambetta hat angeordnet, daß de Bildung neuer Franctireurs-Compagnien unterlassen werden soll. Die in der Bildung be- griffenen Compagnien sollen entlassen oder zu einer Hülfsarmee vereinigt werden.
— Der„Etoile belge“ wird gemeldet: Der Maire von Bapaume gab den Befebl, die auf dem Schlachtfelde vom 3. d. aufgesammelten fran⸗ jösischen Waffen fortzuschaffen. Die Anzahl der aufgefundenen Waffen gestattet nur eine geringe und niederschlagende Meinung über den Muth und die Widerstandsfähigkeit der Mobilen.
— Der in Lille erscheinende„Propagateur du Nord“ bringt folgenden Ballonbrief aus Paris vom 15. Januar:„Das Quartier St. Antoine ist noch nicht von den Projectilen erreicht worden. Von einem großen Theil der Quartiere von St. Germain, St. Jacques, Quartier Latin und des linken Seine-Ufers mird wahrscheinlich kein Stein auf dem andern bleiben, wenn das Bombardement noch in der Stärke, wie in den letzten fünf Tagen, eine Zeitlang fortdauert. Man schätzt die Be⸗ wohnerzahl der nicht haltbaren Arrondissements auf eine Million. 100,000 Menschen sind be⸗ reits nach dem Quartier des Gobelins aus be⸗ drohten Quartieren übergesiedelt. Man hatte daselbst gestern den Vorgeschmack einer Hungers noth, einen Tumult vor den Bäckerläden, wo Brodmangel war. Man sagt jedoch, es fehle nicht an Mehl, sondern an Backöfen. Ein neuer Emeuteversuch der„Communeux“ wurde am 13 d. Abends von der energisch auftretenden National- garde unterdrückt. Tretz des allgemeinen Ver⸗ langens nach einem Ausfall verfolgt Trochu, der die Armeen der Provinz zu erwarten scheint, seinen Plan mit Festigkeit. Indeß soll wie man vernimmt, bei günstigem Wetter nächstens wieder ein Ausfall stattfinden.
Brüssel, 21. Jan. Aus Cambrai wird gemeldet, daß die Armee des Generals Faidherbe buchstäblich zertrümmert ist.— Die Beschießung
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Neue ste 3. dfffieielle militärische Nachrichten,
Bersailles, 20. Jan. Der Kaiserin⸗
Königin in Berlin.
St. Quentin durch die Division Prinz
General v. Göben hat noch gesten Abend, nach dem Sturm des Eisenbahnhofes durch das 19. Regiment,
Albrecht Sohn und eine Brigade des 8. N
Corps besetzt, und den nach Norden und ö
Osten zersprengten Feind heute verfolgt.
Hier ist bis jetzt 2 Uhr alles still Die 1
Truppen stehen aber gegenseitig in Position. Wilhelm.
Versailles, 20. Januar. General v. Göben meldet: Noch am Abend des 19. d. wurde der Bahnhof von St. Quentin von den diesseitigen Truppen erstürmt und dem⸗ nächst die Stadt selbst besetzt. In derselben
wurden 2000 Verwundete des Feindes vor⸗
gefunden. Außerdem hatte sich bis zum Morgen des 20. die Zahl der in unsere Hände ge⸗ fallenen unverwundeten Gefangenen auf 7000 vermehrt. 6 Geschütze wurden genommen.
Diesseitiger Verlust vor Paris am 19.
wird auf 400 Mann geschätzt. Der Verlust des Feindes war so bedeuteud, daß derselbe um einen 48 stündigen Waffenstillstand nach⸗ suchte. 500 Mann des Gegners wurden ge⸗ fangen. von Podbielsky.
St. Quentin 20. Jan. Die erste Armee hat gestern einen glänzenden Sieg bei St. Quentin erfochten: hierbei betheiligten sich außer Truppen der ersten Armee, Truppen des sächsischen Generals Graf Lippe. St. Quentin wurde am Abend be⸗ setzt, vachdem das 19. Regiment von der Division des Prinzen Albrecht den Bahnhof mit Sturm genommen. Mehrfache glückliche Cavalerie⸗ attaquen. 6 Geschütze und etwa 10,000 uaver⸗ wundete Gefangene genommen. Ueberall Zeichen der größten Auflösung der feindlichen Armee, unser Verlust noch nicht constatirt, der der Fran- zosen viel größer. v. Sperling.
München, 21. Jan. netenkammer hat in namentlicher Abstimmung die Bundes Verträge mit 102 gegen 48 Stimmen angenommen.
Die Abgeord⸗
Bordeaux. Aus Besangon wird vom 19. Januar gemeldet: Gestern lebhaftes Gefecht bei Abbevillers zwischen den Truppen des Generals Bourras und einer preußischen Abtheilung von 2000 Mann mit 6 Geschützen. Die Franzosen haben den Ort beim Einbruch der Nacht geräumt, da die Feinde die franz. Rückzugslinie bedrohten.
Lille, 21. Jan. Der„Progres du Nord⸗ sagt: Von unserer herrlich hingestellten Nord⸗ armee sind nichts als Trümmer in erbärm⸗ licher Ausrüstung nach Cambrai entkommen. Dem Verhalten der Mobilgardisten am 19. Jan. ist der Verlauf der Schlacht zuzuschreiben. Der Regierungscommissär Testelin, sowie der Präfect des Nord-Departements haben ihre Demission gegeben.
Cambrai, 20. Jan., 6 Uhr Abends. Die Preußen marschiren auf Cambrai. Man hört Kanonendonner. Granaten fallen auf die Wälle. Die Franzosen sind auf dem Rückzuge nach Lille, Arras und Douai. Der Generalstab Faidherbe's ist nach Douai abgegangen, General Farre nach Lille. Von der Division Paulze d'Jvoy liegen keine Nachrichten vor.
— Aus Cambrai wird vom 20. Januar gemeldet:„General Faidherbe ist mit seinem Stabe um 2 Uhr Nachts auf der Flucht von St. Quentin hier eingetroffen. Die Nor darmee befindet sich in vollständiger Deroute, überall berrscht die größte Consternation, die Verlustt sollen sehr beträchtlich sein.“ 108


