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1871.
Donnerstag den
23. Februar. M. 23.
Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Zntelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Reichstagswahlen.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die
Die Ihnen mitgetheilten Formularien zu dem Protocoll über die Wahlhandlung enthalten theuweise einen Druckfehler. Es sind dies die Formularien, welche den Großherzoglichen Bürgermeistereien im Jahre 1870 mitgethelt wurden, und auf welche sich die in unsetem Amtsblatt ohne Nummer vom 7. Januar 1. J. angeordnete Correctur bezieht.
In allen diesen Formularien dätten auf Seite 2 die beiden letzten Bemerkungen am Rande:„Wird durchstrichen, wenn die Zahlen übereinstimmen“ und:„Wird durchstrichen, wenn die Zahlen
„Friedberg am 20. Februar 1871. Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
nicht übereinstimmen“ mit einander vertauscht werden müssen, so daß die ersterwähnte Bemerkung an letzter, und die zweiterwähnte Bemerkung an erster Stelle abgedruckt worden wäre. Sie werden daher, insofern Ihnen solche Formularien zugegangen sind, ver⸗ anlaßt, in der ersten Randbemerkung vor dem Wort:„übereinstimmen“ das Wort:„nicht“ einzuschalten, dagegen in der zweiten Rand— bemerkung das Wort:„nicht“ zu streichen und die Wahlvorsteher aufzufordern bei Abfassung des Wahlprotokolls nach Maßgabe dieser Abänderung zu verfahren. 1
B
e k an n t machung.
Die Forfiftrafen vom 1. Quartal 1871 können an den bestimmten Zahltagen Dienstag und Donnerstag Morgens von 8— 12 und Mittags don 2— 5 Ubr an
das unterzeichnete Rentamt bezahlt werden.
Als besonderen Erhebungstag destimmen wir für den Landgerichtsbezitk Butztach Mittwoch den 1.
von 8— 10 ÜUbr, bei Herrn Gastwirtb Joutz zu Bußbach.
Wir ersucken die Großherzoglichen Bürgermeistereten die
15. März d. J. die Mabnung erfolgt. zrtedderg den 20. Jebruer 1871.
März d. J., Morgens
ses im Intetesse ihrer Ortsangebörigen mit dem Bemerken bekaunt machen zu lassen, daß nach dem
Groß herzogliches Rentamt Ztiedberg Lin deck.
Kriegs nachrichten.
— Dem„Daily Telegraph“ wird aus Ver- sailles vom 15. telegraphirt:„Der Kaiser leidet noch immer an einem heftiger rheumatischen An- fall, und ist daher nicht im Stande, die Truppen zu empfangen, welche die Stadt verlassen, oder aus dem Süden nach Versailles zurückkehren. Er inspicirt die vorbeimarschirenden Mannschaften von seinem Fenster aus, während der Kronprinz in der Straße Stellung nimmt. Wit ich höre, ist der triumphirende Einzug nach Paris noch keines wegs beschlossene Sache, und sind die Ansichten im Hauptquartier über diesen Punkt noch immer stark getheilt. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß der Knoten durch die Krankheit des Kaisers durchhauen werde, und daß dieselbe seine Theil nahme an eirer Ceremonie verhindert, auf die er, so sagt man, sein Herz gesetzt hat.“
Aus Versaitles geht die Meldung ein, daß, wie zwischen dort und Paris, so auch zwischen Versailles und Bordeaux nunmehr eine regel. mäßige telegraphische Verbindung für amtliche Communicationen hergestellt ist.
— Der Kaiser hat sich in diesen Tagen ver⸗ anlaßt gesehen, in einem Armeebesehl den allzu⸗ häufigen Besuch von Versailles durch Offiziere der Cernirungs- Armee einigermaßen zu beschränken. Das Aktenstück ist deßhalb wichtig, weil es an⸗ nehmen läßt, daß man höheren Orts nicht der Ansicht ist, als dürfe während des Waffenstill⸗ standes schon ein völliger Friedenszustand bei den Cernirungeregimentern Platz greifen. Wie dem auch sei, so wird und soll schließlich doch der Armee der Sieg über Parie nicht verkürzt werden und ein Einmarsch steht rotz alledem und alledem bestimmt zu erwarten.
Aus Versailles, 14. Februar, wird der „Wes.⸗ 31g.“ gemeldet:„Sonnabend, am 11., wurden die aus Eisen construirten französischen Geschütze auf sämmtlichen Forts gesprengt, da uns die für dieselben brauchbare Munitson fehlt. Auf dem Mont Valerien hatten Abtheilungen des 7. Pionierbataillons unter Leitung des Premier- Lieutenants v. Foerster die Ordre erhalten, die Sprengung der französischen Geschütze vorzunehmen. Innerhalb 3 Stunden wurde diese Arbeit an 20 Geschützen ausgeführt und zwar mittelst Litho⸗ sracteur, das aus einer Mischung Nitroglycerin und getrockneter Insusorienerde besteht. Bei der-
artigen Operationen wird die Ladung oben auf das Geschütz gelegt; in dieser Weise bleiben die Stücke in der Nähe der Geschütze liegen. Die durch das Sprengen verursachte Detonation war auf dem Mont Valerien so heftig, daß sämmt⸗ liche Fensterscheiben der Kasernen entzweibrachen; vier in einem Zimmer eiftigst converstrende Ossiziere fielen zur allgemeinen Erheiterung durch den starken Druck von ihren Stühlen. Mit Aus nahme der Valerie, dieser Riesenkanone sonder Gleichen, welche zum Andenken an die 4½ monatliche Be⸗ lagerung nach Berlin gebracht wird, wurden alle eisernen Geschütze vernichtet.
— Die Verproviantirung von Paris ist durch die dort unablässig einlaufenden Proviantzüge eine so bedeutende, daß die dortigen Lebensmittelpreise bereits unter die Durchschnittspreise von Versailles gesunken sind. Als Curiosum und zum Beweise, wie freidenkend wir sind, bemerkt ein Correspondent, führe ich an, daß mir vor einigen Tagen in Chaville ein vom Vorposten abcommandirtes Ba- taillon begegnete, dessen Musik ganz lustig dis Marseillaise spielte.
— Während Englands Vertreter überall er- klärt hatten, daß die englische Regierung die Conferenz über die im Wesentlichen erledigte Pontus Affaire vor Eröffnung des Parlaments abzuschließen wünsche, hat England neuerdings die Conferenz, angeblich wegen Frankreichs Abwesen— heit, fortwährend verlaͤngert, wahrscheinlich um neben der Conserenz, deren Programm andere Angelenheiten ausschließt, einen europäischen Con- greß über die Friedensfrage vorzubereiten.
— Aus Posen meldet die„Osideutsche Ztg.“: „Höheren Orts ist der Befehl ertheilt worden, die fernere Absendung von Munition, so wie die Fuhrparkzüge nach Frankreich sofort zu sistiren. Die bereits abgesandten Fuhrparkzüge sollen zurück. dirigirt werden. Diese Anordnung ist wohl ein sicheres Friedens zzschen.“
Der„Möniteur officiel“ des General- Gouvernements zu Reims enthält nachstehende Bekanntmachung: Nachdem in der Nacht vom 6. zum 7. Febr. auf ein in Belval eingerücktes Requisitions-Commando von den benachbarten Bergen herab mehrfach geschossen worden, ist der Pfarrer Carl Miroy, 42 Jahre alt, aus Cuchery, zu dessen Parochie auch Belval gehört, welcher
Waffen aufbewahrt und an die Bewohner ver-
theilt hat, als die Triebfeder dieser Feindselig— keiten verhaftet und heute früh hierselbst in Folge kriegsgerichtlichen Spruches wegen verrätherischer Handlungen gegen deutsche Truppen, erschossen worden. Reims, 12. Febr. 1871. Der Gencral- Gouverntur v. Rosenberg-Gruszezynski.
— Die Kapitulation der Festung Belfort steht mit der Verlängerung des Waffenstillstandes in Zusammenhang. Die„Karlsr. Ztg.“ erfährt, daß das Belagerungscorps bei Belfort schon alle Veranstaltungen getroffen hatte, um mit einem wirksamen Angriff gegen das Schloß, als den Kernpunkt der Festung, vorzugehen. Sobald diese Veranstaltungen fertig waren, forderte der General v. Treskow den Festungskommandanten nochmals zur Uebergabe auf. Die Aufforderung kreuzte sich mit der vom Commandanten eingehenden Meldung, daß er von seiner Regierung angewiesen sei, unter den ihm früher schon angebotenen Be— dingungen zu kapituliren.
Straßburg. In Belfort weht die preußi⸗ sche Flagge seit dem 18. d. auf dem Schlosse. Ihr Aufziehen wurde durch 101 Schüsse aus französischen Kanonen von allen Forts salutirt. Dem General v. Tresckow wurde vom Kaiser der Orden pour le mérite verliehen und aus- gesprochen, daß hierin eine vorläufige Anerkennung
der bewiesenen Tapferkeit und Ausdauer der Truppen zu erkennen sei. Deutschland.
«Friedberg. Für die Reichstagswahlen sind jetzt folgende Candidaten bekannt geworden. Im ersten Wahlkreis(Gießen, Grünberg, Nidda) ist der seitherige Reichstagsabgeordnete Freiherr von Rabenau wieder als Candidat aufgestellt. Im zweiten Wahlkreis(Friedberg, Vilbel, Büdingen) stehen sich der seitherige Vertreter, Hofgerichtsrath Buff in Gießen, und der Landtagsabgeordnete der Stadt Friedberg v. Wedekind gegenüber. Im dritten Wahlkreis(Alsfeld, Lauterbach, Schotten) wird Prosessor Onken als Candidat neben dem Erbgrafen von Solms-Laubach genannt. Im vierten Wahlkreis(Darmstadt, Großgerau) sind Hofg.-Advokat K. J. Hoffmann, Hofgerichtsrath Hallwachs und Mechaniker Klotzsch aufgestellt. Im fünften Wahlkreis(Dieburg, Offenbach] can. didiren einerseits die deiden Kreisräthe v. Stark und Küchler, anderseits der Landtagsabgeordnete


