Ausgabe 
21.10.1871
 
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Aus Kassel wird gemeldet, daß der Kron⸗

prinz und die Kronprinzessin, in dankbarer Aner⸗

kennung der herzlichen Gesinnungen, welche Amerika den deutschen Kriegern in wirksamster Weise be thäthigt und in lebhafter Theilnahme für die vom Unglück betroffenen Bewohner von Chicago, für die Abgebrannten dieser Stadt einen Beitrag von 500 Thalern bewilligt haben.

Auch die Königin⸗Wittwe hat für die Abgebrannten der Stadt Chicago einen Beitrag von 300 Thalern bewilligt.

Stuttgart. Die königliche Centralstelle für Gewerbe und Handel hat sich einstimmig(24 Stimmen) gegen den die Münzreform betreffenden Bundesrathsentwurf ausgesprochen; 23 erklärten sich für den Goldgulden im Betrage von 20 Sil⸗ bergroschen sowie für Goldmünzen zu 5 und 10 Goldgulden und nur eine Stimme verlangte das Frankensystem. Außerdem hat der würtembergische Handelsverein die Münzfrage zum Gegenstande seiner Berathung gemacht. Derselbe verwirft die provisorische Lösung der Münzfrage, wünscht ein möglichst baldiges Desinitivum mit einer Gold währung und erklärt einstimmig seinen Beitritt zu den Lübecker Resolutionen. Die Anhänger des Frankensystems verzichteten auf Anträge, weil sie dieselben als aussichtslos erachteten.

Weißenburg. Der königl. Kreisdirector Volkheimer dahier hat folgende Bekanntmachung erlassen:Das am 6. August l. J. von dem Offiziercorps des königl. preußischen 47. Infan⸗ terie Regiments seinen Gefallenen nächst der Straße von Wörth nach Hagenau errichtete Denk⸗ mal wurde Anfangs dieses Monats von ruchloser Hand beschädigt. Indem ich bedaure, daß eine selch niederträchtige Handlung in meinem Kreise vorgekommen ist, sichere ich Demjenigen eine Be⸗ lohnung von 25 Thlr. oder 93 Fr. 75 Cent. zu, der den oder die Thäter so namhaft macht, daß mit Strafe vorgegangen werden kann.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Dasdesterr. Jvurnal meldet, bezüglich der inneren Kr ise, daß es dem Friedensbedürfnisse des Kaisers ge⸗ lungen sei, eine Form zu finden, in welcher ohne irgend eine Cabinets⸗ Aenderung die Einheit der Regierungsgewalt hergestellt werde. Danach würde sowohl Graf Beust wie Graf Hohenwart mit dem ganzen Ministerium im Amte verbleiben.

Die Berliner Thronrede wird hier allseitig günstig beurtheilt.

Frankreich. Wie dieAgenee Havas versichert, find die Gerüchte über Ruhestörungen in Corsika sehr übertrieben. Dieselben haben sich nur auf einige unbedeutende Manifestationen in zwei Communen, mit dem Rufe:Es lebe der Kaiser! beschränkt. Die Anstifter werden gerichtlich verfolgt werden. Die Vorsälle sind ohne alle Bedeutung. Vorsichtsmaßregeln sind getroffen.

DiePatrie meldet: Herr Pouyer-Quer⸗ tier ist nach einer äußerst raschen Fahrt, die ihm die preußische Verwaltung möglich gemacht hatte, in Paris eingetroffen. Der Finanzminister begab sich sofort nach Versailles. Im Laufe des Tages fand ein Ministerrath statt, in welchem Herr Pouper-Quertier über seine unter sebr vortheil⸗ haften Umständen ausgeführte Mission Bericht er⸗ stattete. So war es dem Minister z. B. gelungen, von Herrn v. Bismarck die Streichung gewisser sehr harter Bedingungen, betreffend die Bekleidung der Truppen, zu erwirken, in welche Bedingungen Hr. Jules Fapre mit kläglichen Leichtsinn einge gangen war. Die neue von Preußen zugestandene Combination bedeutet für uns eine Ersparniß von ungefähr 20 bis 25 Millionen.

Die officielle Feststellung über die General rathswahlen ist mit Ausnahme von 8 Departements nunmehr beendet. Demnach sind gewählt: 225 Legitimisten, 120 Bonapartisten, 1200 Liberal- Conservalive, 735 Republikaner, 224 Radikale. Wie dieAgence Havas versichert, sind alle Gerüchte über bevorstehende Veränderungen im

wird der Verlust an Menschenleben bei den Wald⸗

am 18. d. die Ratisication der am 12, d. abge⸗ schlossenen Conventionen nach Berlin gesandt.

DemJournal officiel zufolge hat das Kriegsgericht vom 11. bis 15. October 740 Per- sonen in Freiheit gesetzt und 91 Urtheile gefällt. Die Totalziffer der bis zum 16. d. in Freiheit Gesetzten beträgt 8910.

In Sedan sind in Folge eines neuen in der Vorstadt Torey stattgehabten Attentats auf deutsche Truppen alle Privatwaffen durch den dortigen Commandanten Oberst v. Lindemann eingefordert worden. Ferner sind die Wirths⸗ bäuser Abends geschlossen und Zusammenrottungen verboten. Der Maire fordert zur Vermeidung von Conflicten auf.

Versailles. Das Gnadengesuch Ferré's, des Mitgliedes der Commune, welcher vom vierten Kriegsgericht zum Tode verurtheilt wurde, ist ver worfen worden. Wie es heißt, soll derselbe er⸗ schossen werden.

Nan meldet von London aus eine Coa lition der Bonapartisten und der Internationalen.

Großbritannien. London. Die Samm- lungen in der City für die Nothleidenden in Chicago haben bereits die Höhe von 23,000 L. erreicht, und auch in den übrigen Städten Eaglands sind Schritte gethan worden, um Geld mittel für die Abgebrannten zu sammeln. Birming ham hat bereits 2000 Pfd. St. abgeschickt und weitere 2000 Pfd. St. zusammengebracht, Liver⸗ pool zeichnete auf einer einzigen Versammlung 8500 Pfd. St. und Glasgow 1000 Pfd. St. In Amerika haben die Sammlungen bis jetzt 4,500,000 Doll. ergeben.

Dem letzten Kabel Telegramm zufolge

bränden im Nord⸗Westen der vereinigten Staaten auf 2000 abgeschätzt.

Spanien. Madrid. Der Minister des Innern erklärt auf die Interpellation Hevia wegen der Internationalen, daß die Regierung dieselbe als außer dem Gkesetze stehend betrachte, und ver⸗ urtheilt die Grundsätze der Gesellschaft auf das

Entschiedenste. Amerika. Newpork. In der städtischen Verwaltung sind großartige Betrügereien und

Unterschleife zu Tage getreten, und ist deßhalb eine Criminaluntersuchung gegen die betreffenden Beamten eingeleitet worden. Die Blätter geben intertssante Enthüllungen über die bisherige Ver- waltung, so sagtNewyorker Times,daß nach mäßiger Schätzung über 600 Personen jährlich aus den städtischen Steuern für Dienste bezahlt worden seien, die sie nie geleistet hätten, während eine mindestens eben so große Anzahl unerhörte Gehälter für Dienste bezogen habe, für welche sie vollständig incompetent gewesen. Kurzum, der ganze Schwindel habe die Stadtkasse jährlich 1,250,000 Doll. gekostet.

Die Waldbrände in Michigan und Wis- consin haben einen Schaden verursacht, der den letzten Schätzungen nach auf 100,000,000 Doll. angegeben wird, während 1000 Menschen ihr Leben dabei eingebüßt haben sollen.

Frankfurt. Eine Anzahl hiesiger Aepfelwein⸗Pro⸗ ducenten haben Agenten mit der Lieferung von Aepfeln aus der Normandie, wo dieselben geratben sind, beauftragt und man erwartet schon in den nächsten Tagen die erste Sendung.

Frankfurt. Ein Offenbacher Einwohner kam ver⸗ flossene Woche zu einem hiesigen Chirurgen und ließ sich rasiren. Dabei beklagte er sich über eine an dem linken Augenlid befindliche Warze, welche ihn genire; dafür wußte der Jünger Aesculaps sosort Rath er schnitt die Warze ab. Eine starke Blutung trat ein und am Abend war der Mann eine Leiche.

Darmstadt. Neben ber hier veranstalteten Samm lung für Chicago gibt sich eine warme Theilnahme für diese unglückliche Stadt und ihre Bewohner auch dadurch kund, daß der biesige Turnverein beschlossen hat, demnächst ein Concert zum Besten der bei dem furchtbaren Brande in Chicago Verunglückten zu veranstallen.

Vom Rhein. Die Sladt Oberwesel hat sich, wie derK. 3.7 vom Mittelrhein gemeldet wurde, ihre ge⸗ schichtlichen Erinnerungen aus den Ja hren 1870 und 1871 in eigenthümlicher Weise gesichert. Sie hat nämlich alle französischen Uniformen, Mützen, Ausrüstungsstücke ber verschiedensten Art, Abzeichen und Ehrenzeichen, deren sie

einem Museum vereinigt, welches als militärisches Rari⸗ täten⸗Canbinet die Ereignisse und Thaten der großen Zeit mit stummer Beredsamkeit auf die Oberweseler Nachkom⸗ menschafft bringen soll.

Voim Rhein. Ein neues Eisenbahn⸗Unglück hat sich am Dien istag früh zugetragen und zwar auf der Köln Mindener Bahn zwischen Berge⸗Borbeck und Oberhauseu. Es war in ber Locomotive eines Kohlenzuges ein Rohr geplatzt, in Folge bessen der Zug liegen bleiben mußte. Da Haltesignale, wie die Vorschrift sie in solchen Fällen bedingen, unverantwortlicher Weise nicht gegeben worden sein sollen, so rannte der gegen 7 Uhr früh von Altenessen abgegangene Personenzug derart gegen den Kohleneug an, daß zahlreiche Tödtungen und erhebliche Verletzungen der Passagiere und des Fahrpersonals staltfanden.

Fulda. Wiederum ist ein Eisenbahnunfall zu regi⸗ striren, welcher am 17. d. M. auf der Station Bebra der bessischen Nordbahn passirte. Dort entgleisten mehrere Wagen eines Güterzugs, welche theilweise beschädigt wurden. Das Personal blieb unverletzt.

Würzburg. In voriger Woche wurde daher Nachts un lerhald des neuen Bahnhofes ein Raubanfall ausge⸗ führt, und zwar auf einen Reisenden aus Frankfurt, dem seine gesammte Baarschaft abgenommen wurde.

Nürnberg. Auf der Tagesordnung des am 23. bis 25. October dahier statifindenden ersten Vereinstags deutscher Hülfsvereine stehen als Hauptgegenstände: 1) Die Erfahrungen während des letzten Krieges(Referent Dr. v. Held ron Würzburg) z 2), die Friedensshätigkein der Veresne(Refetent Dr. Brinkmann von Berlin).

Bei Chemnitz ist am 12. Oct. der erste Schnee gefallen.

Deutz. Der hierselbst Vormittags 10 Uhr fällige Köln⸗ Mindener Personenzug ist am 17. d. erst Mitlags 12 Uhr eingetroffen. Ursache dieser Verspätung war ein Zusammenstoß auf dem Bahnhofe zu Oberhausen, wobei eine Frau und ein Kind schwere Beschädigungen erlitten. Straßburg. DieStraßb. Zig. berichtet, daß der Straßburger Schnellzug am 15. d. bei Colmar ent⸗ gleist ist. Es sollen 30 Personen verwundet sein, worunter mehrere schwer; getödtet wurde Niemand. Die Locomotive und mehrere Wagen wurden zertrümmert und man in seitwärts der Bahn mii Aufräumen beschäftigt.

Land wirthschaftliche 8.

Mitgetheilt von der höheren landwirthschaftlichen Lehr⸗ anstalt in Worms.

Erndteresultate. Die aus Ungarn eingehenden Berichte bestätigen mehr und mehr den geringen Ausfall der Getreide, besonders der Weizenerndte. Die ungarische Gerste, die sich unmittelbar nach der Erndle zum Ersten⸗ male in größeren Mengen auf unseren rheinischen Märk⸗ ten sehen ließ, ist so gur wie verschwunden. Die Erdtusch⸗ resultate überhaupt bestätigen nicht dies Hoffnungen, die man auf das Erndteergebniß gesetzt hatte; so ist es z. B. in einer der fruchtbarsten Gegenden, der Wetterau, fast durchgängig der Fall, daß die Körnerschüttung bedeutend unter mittel bleibt. Der Berliner Wochenbericht der deutschen laudwirthschaftlichen Zeitung sagt:vermochte man früher das Ertcägniß zwischen 2 und 4 Wispel pro Morgen anzugeben, so kann es jetzt nur zwischen 1 und 3 Wispel beziffert werden, und neigt sich die Mehr⸗ zahl der Berichte noch unter 2. Wiopel. Die Provinzen Schlesien und Posen wollen Ausfälle bis zu 300% erlitten haben. Frankreich bekennt sich entschieden zu einem be⸗ deutenden Erndiedeficit in Weizen; Roggen und Sommer- halmfcüchte scheinen indessen zu befriedigen. Während in Belgien und Holland in der abgelaufenen Woche die Fruchtpreise sest geblieben sind, haben dieselben am ganzen Rheine eine abermalige Steigerung erfahren. Italien scheint nach dem eben angeführten Berichte seine Erndte überschätzt zu haben, da nur das südliche Jialien wenig mehr als seinen eigenen Bedarf gedeckt sehe und unerhed⸗ liche Aussfubr habe, wogegen Mittel- und Norditalten sowohl an Weizen wie an Reis eine schlechte Erndte ge⸗ macht baben wolle, die eine Einfuhr von 10,000,000 Hectoliter zur Deckung des Nationalbedarfes erheische. Der landwirthschafilichen Lehranstalt zu Worms wird aus Sachsen berichtet, daß dort die Mäuse in elner früher nie beotachteten Weise hausten, indem sie nicht allein die jungen Saaten stark zerstörten, sondern namenllich die ohne⸗ hin geringe Menge der Kartoffeln fast völlig aufzehrten. Verschimmelte Oelkuchen. Herr Marner, der sein Hofgut Grilnabthal durch einen Oberknecht führen läßt, schreibt uns Folgendes:Gelegentlich einer In⸗ spection meines Hofgutes machte ich die Bemerkung, daß fast mein sämmiliches Großvieh an einem sehr hefti gen Husten litt. Eine sorgfältige Untersuchung stellte es nun außer allem Zweifel fest, daß die zur Verfütterung ge⸗ kommenen Oeikuchen inwendig in hohem Maße verschim⸗ melt waren. Dieselben hatten jedenfalls lange Zeit hin⸗ durch als Speculationsgut an irgend einem dumpfen Orte gelagert und waren dann gemahlen und neu umge⸗ preßt worden, denn äußerlich konnte man, wenigstens mit dem blosen Auge, keinen Schimmel an denselben wahrnehmen, innerlich aber waren sie mit der Loupe er⸗ kennvar von Schimmel fast verfilzt. Ich halte diese Erfahrung für wichtig genug, um wiederholt darauf aufmerksam zu machen. In meinem Slalle hat die D geschimmelter Oelkuchen zur Folge gehabt, daß mir mehrere meiner werthvollsten Kühe verkalbten.

Schwarze Kaiser-Cinte

Ministerium durchaus unbegründet. Wle der Courier diplomatique wissen will, hat Thiers

bei den französischen Kriegsgefangenen habhaft werden konnte, gesammelt und wohlgeoroͤnet im Stahthause zu

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ist in glaschen. d 8 und(4 kr. stets zu haben bet Bindernagel& Schimpff,

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