Ausgabe 
21.2.1871
 
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einer noch unbekannten Zahl Militär, Montag Morgen nach Cherbourg abgefahren und am Abend desselben Tages an den Felsen von la Hogne nahe Cherbourg, ausgenommen 3 Menschen, mit Mann und Maus zu Grunde gegangen.

Der bischöfliche Palast in Le Mans ist mit Allem, was er enthielt: Möbeln, Wäsche, Bibliothek, ein Raub der Flammen geworden. Französische Blätter schreiben dies Unglück der Unvorsichtigkeit der darin beberbergt gewesenen Preußen zu..

Der Regierungsassessor Graf zu Solms Laubach ist nach einer Bekanntmachung in Straß⸗ burg zum Kreisvirektor des Kreises Belfort be stellt worden.

Die Gerüchte von einer nahe bevorstehen- den Rückkehr des Kaisers und Königs nach Berlin erweisen sich, wie derKarlsr. Ztg. aus Berlin officibs geschrieben wird, als leere Vermuthungen. Der Kaiser bleibt bis zum Friedensschluß in Frankreich Da er den Wunsch hegt, persönlich den ersten deutschen Reichstag zu eröffnen, so vürfte nöthigen Falles diese Eröffnungsfeierlichkeit bis zur Rückkehr Sr. Maj. verschoben werden. Dasselbe Blatt meldet ferner, daß die deutschen Truppen vor Paris wahrscheinlich einen Durchzug durch die französische Hauptstadt halten. Die Anzahl der noch vor Paris stehenden Truppen beträgt derKreuzzeitung zufolge noch immer, auch nach dem Abmarsche des 5. und 6. Armee⸗ Corps, über 220,000 Mann.

Aus Dieppe ist von den Notabeln des Departements eine Petition an den Kaiser nach Versailles um Ermäßigung der Contribution ge- richtet und in Folge dessen dieselbe um zwei Drittel herabgesetzt worden. In Bernay(Fure) werden 300,000 Fr. Contribution gefordert unter Androhung des Bombardements.

Nancp. Da die außerordentliche Contri⸗ bution von 10 Millionen Francs, welche die Ge⸗ meinden Lothringens wegen der Zerstörung der Eisenbahnbrücke von Fontenay zu leisten baben, noch nicht bezahlt ist, droht der interimistische Präfekt Dr. Speyer mit der Eintreibung durch militärische Exekution. Ferner haben die Gemein- den bis zum 23. Februar eine Summe von 750,000 Francs zu bezahlen als Schadloshaltung für die den ausgetriebenen Deutschen verursachten Verluste.

Die N. Stett. Ztg. meldet:Das 2. Bataillon des 61. Infanterie-Regiments(Thorn) scheint in den letzten Kämpfen von besonderem Mißgeschick heimgesucht worden zu sein. Nachdem dasselbe bei Dijon die Fahne verloren, wurde ihm am 28. Januar bei Prouthy die ganze Bagage, der Stabsarzt und die Bataillonekasse abgefangen, wobei wieder Ossiziere und ein Feld; webel verwundet wurden. Die früher verwundeten Major Priebsch und Hauptmann von Pirch sind nach eingegangenen Privatnachrichten ihren Ver⸗ wundungen erlegen.

In demOberrh. Cur. wird das Er⸗ lebniß eines badischen Soldaten, der zur Heilung seiner Wunden nach Baden-Baden gekommen war, in den eigenen Worten des Betreffenden wie folgt, erzählt: Als ich vor einigen Jahren zum Militär eingezogen werden sollte, entzog ich mich meinen soldatischen Pflichten durch die Flucht, hielt mich längere Zeit in Ungarn auf, diente in der Frem⸗ denlegion in Afrika, wodurch ich mit den fran⸗ zösischen Militäreinrichtungen gut vertraut und der französischen Sprache sehr mächtig wurde. Bei Ausbruch des jetzigen Krieges zog mich die Liebe zur Heimath und zum größeren Vaterlande nach Deutschland zurück, ich stellte mich in Karlsruhe und erhielt nicht nur Indemnität für meine frü⸗ here Desertion, sondern auch eine hübsche Geld summe für meine arme Mutter. In Frankreich leistete ich unseren Truppen durch Spionage und Auskundschaftung der französischen Stellung und Stärke ꝛc. keine zu verachtende Dienste und kam auch jedesmal mit heiler Haut zu den Unsrigen zurück. Anders sollte es mir bei Dijon gehen. In blauer Blouse und Civilhosen machte ich mich auf den Weg, um, mich für einen Franzosen ausgebend, von den Einwohnern nähere Erkun⸗

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digungen über die Marschrichtung und Truppen zahl der Franzosen einzuziehen. Ich hatte die Unvorsichtigkeit gehabt, meine badische Soldaten halsbinde anzubehalten, welcher Umstand mich ver- rieth und die Veranlassung war zu meiner Ge⸗ fangennahme. Man stellte mich vor ein Kriegs⸗ gericht, von welchem ich dann auch zum Tode verurtheilt wurde, der durch Erschießung an mir vollsogen werden sollte. Zum Glücke rückten unsere Truppen heran und da man nicht mehr Zeit hatte, mich fortzuschaffen(nach dem Urtheil sollte ich in Lyon erschossen werden), änderte man das Urtheil dahin, daß ich bei Beginn des Ge⸗ fechtes vor die französischen Linien hingestellt werden und so zwischen zwei Feuern stehend meinen Tod finden sollte. Das Urtheil wurde in der angegebenen Weise befolgt, als ich dann aber den französischen Commandoruf, Feuer zu geben, gehört, warf ich mich schnell zu Boden, so daß die Kugeln über mich hinwegsausten, sprang dann wieder weiter vor, bekam von mehreren Seiten Feuer und erhielt vabei diesen Schuß(er hatte einen solchen durch den einen Oberschenkel mit Verletzung des andern), schleppte mich aber den- noch weiter unsern Truppen entgetzen, die, weil sie mich nicht erkannt, anfänglich ebenfalls auf mich geschossen hatten, bis ich endlich bei ihnen angekommen mit allgemeinem Hurrah aufgenom men wurde.

Deutschland.

Darmstadt. Die Regierung hat der zweiten Kammer eine Vorlage über die Erbauung eines Justizpalastes zugehen lassen. Es wird für diesen Zweck die immerhin hohe Summe von ca. 230,000 fl. verlangt, doch dürfte kaum zu bezweifeln sein, daß die Kammer die Regierungs-Proposition an- nimmt, da für die theilweise wenig geeigneten Localitäten, in denen gegenwärtig die Schwur⸗ gerichts⸗ und Bezirksstrafgerichts⸗Berhaudlungen stattfinden, sowie das Stadtgericht, Kreisamt zc. ihren Sitz haben, ein höherer Miethpreis gezahlt wird, als die Zinsen jenes Baucapitals ausmachen. Geht die Regierungs vorlage durch, so besteht, wie man hört die Absicht, noch in diesem Jahre den Ban zu beginnen.

Auf der Tagesordnung für die nächsten Mittwoch den 22. Febr. stattfindende Sitzung der 2. Kammer sind vorgesehen: 1) Neue Eingaben; 2) Berichterstattungen; 3) Berathung über die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern, den Gesetzentwurf, die Zusammenlegung der Grund⸗ stücke, Theilbarkeit der Partellen und Feldwege Anlage betr.

Nach hier eingetroffenen Feldpostbriefen vom 13. d. hat die hessische Division den Befehl erhalten, am 14. und 15. die Cantonntments in und um Orleans zu verlassen und sich nach Vendome zu begeben. Bei etwaigem Wiederbe ginn der Feindseligkeiten hat sie als Reserve des 3. Corps, das in Le Mans steht, und des 10., das um Tours cantonnirt, zu dienen. Wie bereits bekannt, werden Blois, Orleans u. s. w. vom 4. und 5., später wohl auch vom 6. Corps be⸗ setzt; speciell die hessische Division wird von Ab⸗ theilungen des 4. Corps abgelöst.

Mainz. Mit Bezug auf die noch immer schwebende Oetroiuntersuchung ist es von großem Interesse aus dem Rechnungsabschluß pro 1870 zu ersehen, daß die Octroi-Gefälle im letzten Jahre 246,780 fl. ergaben; 45,410 fl. mehr Reinertrag als im Jahre 1869 und gegen die eigentliche Schmuggel und Unterschleifszeit von 1868 sogar 71,913 fl. mehr. Der berüchtigte Hasenposten ist von 5 Stück auf 12,692, die Wälschen⸗Hühner sind von 864(rückvergüteter) Ausfuhr und 0 Einfuhr auf 721 Stück in der Einfuhr gewachsen, und Gänse sind nicht weniger als 11,000 Stück mehr eingegangen, als vor der Untersuchung. Bei den übrigen Lebensmitteln zeigen die Positionen gleichfalls ganz enorme Plusdifferenzen.

Berlin. DerA. Z. wird von hier ge meldet: In Versailles laufen Petitionen aus Savoyen ein, welche die Neutralisirung dieses Landes beantragen.

DenTimes wird aus Berlin telegraphirt, daß der Kaiser, falls bis Anfang März nicht Friede geschlossen sei, in Versailles bleiben werde. Aus Versailles wird dem Citpblatt berichtet, daß der Pariser Einzug unweigerlich beschlossen sei und wahrscheinlich während der Friedensverhand⸗

lungen besetzt bleibe.

17. Febr. In der heutigen gemeinsamen Sitzung der beiden Häuser des Landtags führte Graf Stolberg das Präsidium. Der Handels- minister verlas eine kaiserliche Botschaft, welche ihn beauftragt, im Namen des Kaisers die Sitzungen der beiden Häuser des Landtags heute zu schließen. Der Minister erklärte hierauf die Session des Landtags für geschlossen. Der Präsident bringt ein Hoch auf den Kaiser und König aus, in welches die Versammlung begeistert drei Mal einstimmt.

General Vogel von Falkenstein veröffentlicht eine kaiserliche Cabinetsordre, welche verfügt, daß, da die Verhältnisse die Aufhebung des Kriegszu⸗ standes noch nicht gestatten und es der Wille des Kaisers ist, daß während der Wahlvorbe⸗ reitungen die Aeußerung von politischen Meinungen und die persönliche Betheiligung der Wähler un⸗ behindert sei in den Bezirken, wo der Kriegs- zustand erklärt ist, bis zur Beendigung der Wahlen von der Befugniß zur Suspension der Bestimmungen bezüglich des Vereins- und Versammlungsrechtes

kein Gebrauch gemacht werden soll und die auf,

Anordnung des Generalgouverneurs Verhafteten und Internirten, insoweit nicht gerichtliche Haft

gegen sie beschlossen ist, vorbehaltlich eines etwaigen

strafgerichtlichen Verfahrens, in Freiheit gesetzt werden sollen.

DieNordd. Allg. Ztg., die eventuelle Präsidentschaft eines Mitgliedes der Familie Orleans besprechend schreibt:Die Präsidentschaft eines orleanistischen Prinzen würde an zwei gleich schlimmen Uebeln leiden; einerseits würde sie die unmittelbare Gefahr des Wiederumsturzes einer kaum aufgerichteten Staatsform in sich tragen, andererseits die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, wie solche aus dem Friedensschlusse allmählich hervorgehen sollte, unmöglich machen, da die Orleans sich als geschworene Feinde Deutschlands öffentlich bekannt haben.

Die Friedensbedingungen sind Ultimatum, jede Abänderung ausschließend.

Nach den 193 bisher veröffentlichten Ver⸗ lustlisten berechnet dieC. St. die Verluste für die 12 norddeutschen Armeecorps und die badische Division an Todten: 2 Generale, 72 Stabsoffiziere, 791 Hauptleute und Lieutenants, 240 Feldwebel, Vice⸗Feldwebel, Wachtmeister, Vice⸗Wachtmeister, Stabstrompeter, Fähnriche, 1275 Sergeanten, Unterofsiziere, Trompeter, Hautboisten, Oberjäger, 11,567 Gefreite, Spielleute und Gemeine, 1 Geist⸗ lichen und 16 Aerzte 1c. Summa 865 Offiziere und 13,095 Mann. An Verwundeten: 14 Ge⸗ ntrale, 192 Stabsoffiziere, 2674 Subaltern⸗ Offiziere, 997 Feldwebel, 5681 Unteroffiziere, 57,832 Gefreite und Gemeine, 2 Geistliche, 1 Roßarzt, 1 Büchsenmacher, 107 Aerzte ꝛc., 16 Krankenträger. Summa 2880 Offiziere und 64,637 Mann. An Vermißten: 46 Offiziere, 281 Unteroffiziere, 6 Fähnriche, 12 Feldwebel, 5 Vitce⸗Feldwebel, 1 Wachtmeister, 1 Regiments⸗ Tambour, 1 Bataillons Tambour, 17 Aerzte, 37 Lazarethgehülfen, 32 Kranken- bez. Verband⸗ zeugsträger, 2 Roßärzte, 1 Zahlmeister, 7041 Gefreite e. Summa 46 Offiziere und 7437 Mann. Der Gesammtabgang stellt sich demnach auf 3791 Offiziere und 85,173 Mann. Unter den 193 Listen befinden sich mehrere, welche Be⸗ richtigungen enthalten. Leute, die ursprünglich als todt aufgeführt waren, sind nur verwundet; Leute, die man vermißt hatte, haben sich in den Lazarethen vorgefunden oder sind zum Regiment bez. zum Ersatzbataillon zurückgekehrt. Diese Kategorien von Berichtigungen sind in obigen Berechnungen berücksichtigk.

München. Der Landtag ist am 18. d. durch den Prinzen Adalbert in Stellvertretung des Königs feierlich geschlossen worden.

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