nahen Termin wie 14 Tage dafür in Aussicht stellen.“
— Der„Darmst. Ztg.“ schreibt man aus Orleans vom 10. d.:„Das falsche Gerücht, daß die Franzosen in den letzten Schlachten ge— siegt, hat die Phystognomie der Stadt auffallend geändert. Ueberall stehen Gruppen, laut sich unterhaltend, zusammen: man begegnet wenig freundlichen Gesichtern, und, was das schlimmste ist, die Mordversuche gegen unser Militär mehren sich.— So wurde gestern ein junges Ehepaar eingebracht, welches die bei ihm im Quartier liegenden Soldaten des 1. Infanterie-Regiments mit Phosphor vergiften wollte. Eine große An⸗ zahl abgeschnittener Köpfe von Streichhölzern fand die Mannschaft Abends in der Suppe. Doch hiermit noch nicht genug, entdeckte ein Unter- offizier fast zu gleicher Zeit ein Kohlenbecken mit glimmenden Koblen unter dem Bette, offenbar in der Absicht dahin gestellt, die projektirte Vergiftung durch Erstickung zu vollenden. In Blois wurde der Musketier Ameran 3. Comp. 4. Inf. Reg. in seinem Quartier erstochen gefunden. Strenge Untersuchung gegen die Haueleute ist eingeleitet.“
Vor Belfort. Aus einem Telegramme der „Karlsr. Ztg.“ aus Brevilliers vom 17. d. er fahren wir, daß General Keller dem bereits in Frahier stebenden General Degenfeld zu Hülfe geeilt war. Es standen dort Theile der 2. und 3. Brigade bis zum Eintritt der Dunkelheit fort- gesetzt im Kampfe gegen sehr überlegene Kräfte, behaupteten sich aber in Frahier. Die Verluste der Badenser sind nicht unbedeutend, wohl 300 Mann. Das genannte Blatt gibt ferner die Gesammtstärke Werder's und Treskow's auf 61,000 Mann an. Ferner erklärt dasselbe die Nachricht, daß am 16. d. die Deutschen Delle und die ganze Schweizer Gränze geräumt hätten, für unwahr.— Die Correspondenz zwischen Bel⸗ fort und Pruntrut wird durch geheime Boten besorgt, deren jeder eirea 200—300 Briefe zum Preis von 2 Frs. mitnimmt. Nach Mittheilungen dieser Boten befinden sich die etwa 4000— 5000 zählenden Einwohner in Sicherheit in den Case— matten. Die Besatzung beträgt 10— 12,000 Mann. Man schätzt die Stärke der Belagerungs— armee auf 25,000 Mann.
Bern, 19. Jan. Dem„Bund“ wird aus Pruntrut vom 19. Jan. telegraphirt: Gestern verjagten die Deutschen die Franzosen aus allen französischen Grenzortschaften. Die Bevölkerung flüchtet bei Damvant auf Schweizerboden.
Bern. Der„Bund“ enthält folgendes Tele- gramm aus Pruntrut:„Am 18. d., Nachmittags, nahmen die Deutschen das in Brand gerathene Dorf Abbevillers weg. Die Franzosen retirirten südlich auf Blamont und Pont de Roide.“
Aus Baden, 17. Jan., meldet das„Fr— Journ.“: Der französische Oberbefehlshaber hat gestern seine Angriffe auf die von General von Werder mit ungemeiner Tapferkeit seiner Truppen vertheivigte Linie der Lisaine erneuert, und zwar mit großer Heftigkeit, aber gleich vergeblich wie am 15. d. M. Die Deutschen haben alle ihre Stellungen siegreich behauptet. Es war wieder vorzugsweise Artilleriekampf, worin wir einen Beweis erblicken möchten, daß die Artillerie Bour— baki's wahrscheinlich der beste Theil seiner Streit— kräfte ist. Die Gefechte im Süden der Allienlinie waren nicht bedeutend. Wird gleichwohl schwei⸗ zerischerseits berichtet, daß Croix und Delle von den Deutschen geräumt seien, so geschah dies sicherlich nicht sowohl vor dem andringenden Feind, als im Interesse der möglichsten Concentration. Wir glauben zu wissen, daß die eine Division Zastrow's schon(7. Armeecorps) sich bereits mit den Truppen des Generals v. Werder vereinigt hat. Die zweite(14.) hat ein Lebenszeichen von sich gegeben, inden das 77 hannover'sche In. fanterie-Regiment, von dem eine Abtheilung unter Major v. Köppen in der Nähe von Langres etwa 1000 Mobilgarden geschlagen hat, zur 14. Di- vision gehört. Die Kämpfe um Belfort dürften noch hartnäckig werden, aber eigentlichen Besorg⸗ uissen deßhalb begegnet man in militärischen Kreisen nicht.
Karlsruhe, 18. Jan. Dem„Fr. J.“ wird von hier gemeldet: Wie eine Mauer steht das Corps Werder vor Belfort, und Bourbaki stoßt sich vorerst vergeblich die Hörner daran ab. Deutsche Linien sind eben nicht so leicht zu durchbrechen. Von den Kämpfen an der Lisaine schweigen bis jetzt noch die französischen Faufaronaden; deutscherseits wissen wir, daß auch gestern sich die Angriffe Bourbakis auf der ganzen Linie wiederholt haben, und zwar mit noch geringerem Erfolge, da die badische Brigade des Generalmajors Keller einen ge— lungenen Vorstoß machte und dem Feinde seine Bagage und über 400 Gefangene abnahm. Bourbaki hatte offenbar die Absicht, Werder's Linie nördlich zu umgehen und ihm so in den Rücken zu kommen. Dieß ist vollständig miß⸗ lungen. Die deutschen Truppen wußten die schwierige Aufgabe, die sie zu erfüllen hatten, in vollem Umfang zu würdigen; Verwundete des ersten Tages, die bereits hier angekommen, erzählen, daß Einer zum Anderen ermuthigend gesprochen:„Wir dürfen sie nicht durchlassen, nicht um die Welt!“ Die dreitägigen unge heuren Anstrengungen haben bereits ihre Früchte getragen. Soeben erfahren wir, daß Bourbaki sich zurückzuziehen beginne, da Preußen in seinem Rücken seien. General v. Fransecky
soll gestern in Epinal eingerückt sein, ein Theil des Corps Zastrow sich in Autun befinden.
Hessen Darmstadt. Dem„Fr. J.“ wird gemeldet: Nach den bier eingetroffenen Feldpostbriefen hat bis zum 14. d., außer dem telegraphisch gemeldeten Gefecht bei Gien, kein Zusammenstoß der hessischen Truppen mit dem Feinde stattgefunden. Das 4. Infanterieregi— ment und die Pioniercompagnie wurden bis Vendome vorgeschoben; das J. Infanterieregi— ment, das 1. Jägerbataillon und das 1. Reiter⸗ regiment stehen südlich bis La Ferte, von wo aus sie bis gegen Vierzon Recognoscirungen vorgenommen haben, ohne auf Feinde zu stoßen. Das Detachement Rantzau(2. Infanterie⸗ regiment, 2. Reiterregiment, reitende Batterie) steht noch östlich von Orleans, und die übrigen Truppen(3. Infanterieregiment, 2. Jägerba⸗ taillon, 5 Fußbatterien), liegen in Orleans selbst.
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fortan den Kaisertitel in allen Unseren Be—
und Unsere Nachfolger in der Krone perle N
ziehungen und Angelegenheiten des deutschen
Reiches führen und hoffen zu Gott, daß es
der deutschen Nation gegeben sein werde, unter den Wahrzeichen ihrer alten Herrlichkeit das
Vaterland einer segensreichen Zukunft entgegen⸗
zuführen. Wir übernehmen die kaiserliche Würde
in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher
Treue die Rechte des Reiches und seiner Glie- f der zu schützen, den Frieden zu wahren, die
Unabhängigkeit Deutschlands zu stützen und
die Kraft des Volkes zu stärken. Wir nehmen
sie an in der Hoffnung, daß es dem deutschen
heißen und opferwilligen Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherheit gegen erneute Angriffe Frankreichs gewähren werden. Uns aber und Unsern Nachfolgern in der Kaiserkrone wolle
Volke vergönnt sein werde, den Lohn seiner
Gott verleihen, allzeit Mehrer des Reiches zu
sein, nicht zu kriegerischen Eroberungen, son⸗ dern in den Werken des Friedens, auf den Gebieten der nationalen Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.
aus Martinique, daß das preußische Kanonen-
bo ot„Meteor“ von dem franz. Kriegsdampfer
Bayern. München, 18. Abgeordnetenkammer, Für die Verträge sprechen: Huttler, Frankenburger, Wülfert; dagegen: Kolb.
Debatte wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Forsetzung der Debatte findet morgen statt.
— 19. Jan. Abgeordnetenkammer. der Kaiserproclamation,
die Kammer hierzu nicht veranlassen, des besser nach der Feststellung des Resultates
— Nach einer„Summarischen Verlustliste“ der Gr. Armee Diviston während des Feldzuges 1870(abgeschlossen am 31. Dez. 1870) sind gefallen und an Wunden gestorben 39 Offiziere 377 Mannschaften, sonst gestorben 5 Offiziere, 230 Mann, verwundet 59 Offiziere, 1378 Mann,
vermißt 1 Offlzier, 69 Mann; zusammen 104 Offiziere und 2158 Mann.
Preußen. Berlin. Wie unter Denen, die mit der Geschichte des Preußischen Fürsten⸗ hauses bekannt sind, längst vermuthet wurde, hat König Wilhelm den Kaisertitel an dem- selben Tage, nämlich am 18. Januar ange— nommen, an welchem vor 170 Jahren sein Ahnherr der Kurfüͤrst Friedrich I. von Branden⸗ burg den Königstitel annahm. Die Procla— mation des neuen Kaisers an das deutsche Volk, welche aus Versailles am 18. Januar dem preußischen Abgeordnetenhause und dem Herrenhause durch den Minister Grafen v. Itzeuplitz zugegangen, lautet also:
Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen verkünden hiermit: Nachdem die deutschen Fürsten und freien Städte den ein— müthigen Ruf an Uns gerichtet haben, mit Her— stellung des deutschen Reiches die seit mehr denn 66 Jahren ruhende Kaiserwürde zu erneuern und zu übernehmen, und nachdem in der Verfassung des deutschen Bundes die entsprechenden Be— stimmungen vorgesehen sind, bekunden Wir hiermit, daß Wir es als Pflicht gegen das gesammte Vaterland betrachten, diesem Rufe der verbündeten deutschen Fürsten und freien Städte Folge zu leisten und die deutsche Kaiser— krone anzunehmen. Demgemäß werden Wir
der Berathungen geschehe. Der Präsident theilt sodaun mit, daß 68 weitere zustimmende Tele— gramme zu den Verträgen von den Gemeinde—
vertretungen und Volksversammlungen zum
größten Theil aus den patriotischen Wahl⸗ bezirken neu eingelaufen sind. Schlör berichtigt
verschiedene volkswirthschaftliche Aeußerungen Für die Verträge sprechen Hocheder
Kolb's. und Freyberg. Dagegen Triller, Wiernet, Hafenbrädl, Lerger. Minister Bray erklärt, der jüngste österreichisch-preußische Depeschen—
Ber Eröffnung der Sitzung erwähnt der Präsident will jedoch seinen Gefühlen darüber im gegenwärtigen Stadium dier Berathungen keinen Ausdruck geben, auch weil
Der von Hafenbrädl, Greil, Baper gestellte Antrag auf Schluß der
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Hamburg. Die„Hamb. Nachr.“ melden 1
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FF r.
wechsel habe wirklich ein Freundschaftsverhält⸗
niß zwischen Preußen und Oesterreich ange-
bahnt. Der Minister des Aeußern, Graf Bray,
erklärt, er theile die Hoffnungen der Einen 6
und die Befürchtungen der Andern bezüglich
des Verhältnisses zwischen Preußen und Oester— J U 1 reich nicht; er freue sich, daß die erste poli- tische Action des neuen deutschen Reiches eine
Annäherung an Oesterreich gewesen. ein großes Gewicht beizulegen sei; wenn aber hinter den Aeußerungen der Regierungen die wesentlichsten Interessen der Nation ständen,
folgte dem Worte die That und wurden Worte
selbst zur That. Man solle sich vergegen— wärtigen, was in der Depesche des Grafen
Beust von der Auffassung des Kaisers von
Oesterreich bezüglich der Neugestaltung Deutsch— lands gesagt sei: wenn solche Worte aus solchem Munde kämen, sei das allein schon ein Ereig niß von politischer Tragweite. mit Oesterreich ist bis jetzt das einzige Mittel zur Verwirklichung dessen gewesen, was Viele von uns auf ihr Banner geschrieben— die großdeutsche Idee.“ können wir es erwirken, außerhalb sind wir nur Streitobjecte. 24
„Die Allianz
Innerhalb des Bundes c
Man habe gesagt, daß dem jüngsten Depeschenwechsel
2
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„Talisman“ am 24. Dec. aufgebracht wurde..
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