Ausgabe 
20.7.1871
 
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Der Kronprinz des deutschen Reichs ist am 18. d. früh über Frankfurt und Ems nach England

abgereist.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Der bisher hier beglaubigte Gesandte Hessen-Darmstadts, Heinrich von Gagern, hat die Note seiner Regierung über⸗ reicht, worin die Auflösung der Gesandtschaft überhaupt notificirt wird.

Schweiz. Bern. Die baßerische Regie- rung bat durch ihren hiesigen Vertreter der Schweiz ihren Dank wegen des den bayerischen Staatsangebörigen während des letzten Krieges gewährten Schutzes aussprechen lassen.

Frankreich. Paris. DasJournal ofsiciel

enthalt die Ernennung Aurelles de Paladine's

zum Obercommandanten von Bordeaux. Das amtliche Blatt erklärt wiederholt, Thiers habe nicht die Ratbschläge ertheilt, welche ihm in jenem von den italienischen Blättern veröffentlichten Schreiben imputirt seien; dasselbe sei vollständig gefälscht.

Die Zablung der ersten halben Milliarde hat noch nicht beendigt werden können in Folge der materiellen Schwierigkeiten, welche mit dem Endossement der Wechsel verbunden sind. Die Preußen werden die Departements Eure, Somme und Seine inférieure räumen, sobald die Zahlung beendigt ist. Man versichert, die Regierung werde Maßregeln zur Zahlung der folgenden Milliarden treffen, um die Räumung der übrigen Departe ments zu beschleunigen.

DasJournal officiel bestätigt, daß die Exploston in Vincennes auf die Unachtsamkeit einiger Arbeiter zurückzuführen ist. Die Zahl der Todten beträgt nach dem amtlichen Blatte 3, die der Verwundeten 28, darunter 3 schwer.

Die Differenz, welche sich zwischen dem französischen Consul in Aegypten und der dortigen

Aus Versailles wird gemeldet: Trotz alles officiellen Abläugnens scheint die Explosion von Vincennes das Resultat eines vorbedachten Verbrechens zu sein.

Rußland. Eine schreckliche Feuersbrunst wüthete am 14. d. im Hafen vom Riga. Nach- mittags gegen 4 Uhr brach auf einer Struse (Strusen sind die großen Fahrzeuge, auf welchen aus dem Innern des Reiches Hanf, Flachs, Hafer, Leinsaat zꝛc. hierher geschafft werden) Feuer aus, welches mit solcher Heftigkeit um sich griff, daß binnen wenigen Minuten alle Strusen, welche unter dem Winde lagen, in vollen Flammen standen. Es war ein Feuermeer von furchtbarer Dimension, daher jede Rettung unmöglich. Der Schaden beläuft sich auf mindestens eine Million Rubel Silber.

Türkei. Konstantinopel. Officiell lief hier die Nachricht ein, ein verbannter persischer Prinz, Salar, habe Mesched, die Hauptstadt von Khorassan, belagert und genommen; von dort marschire derselbe nach Teheran, um den Schah zu stürzen. Der Prinz soll über 35,000 Turko- mannen verfügen.

r. Friedberg, 17. Juli. Der Wetterauer Zweig⸗ verein der Gustav⸗Adolf⸗ Stiftung hat am 9. d. M. in dem benachbarten Reichelsheim sein Jahresfest gefeiert. Obwohl die Gemeinde durch die starken Regengüsse vor wenigen Wochen und die damit verbundene Ueberschwem mung einen beträchtlichen Schaden in ihrer Heuerndte er⸗ litten hatte, hat sie doch unserem Verein eine sehr freund⸗ liche Aufnahme gewährt und Alles dazu beigetragen, das Fest zu einem der Schönsten zu machen, welches der Verein seit seinem Besiehen gefeiert bat. In dem Gottes dienst versah der Ortsgeistliche Herr Vikar Schneider den Altardienst. Herr Decan Strack von Groß- Buseck hielt die Festpredigt, die die Versammlung in die rechte Fesistimmung versetzte und mit sichtlicher Theilnahme an⸗ gehört wurde. Aus dem Rechenschafts bericht des Diakonus Meyer von Friedberg erwähnen wir, daß der Zweigver⸗ ein in Verbindung mit dem Frauenverein für Friedberg und Umgegend eine Einnahme von 817 fl. 258¼ö kr. hatte. Diese Einnabme erscheint uns in Berücksichtigung der

Regierung erhoben hat, ist von den Blättern stark! übertrieben worden. Dieselbe ist bereits auf dem Wege des Ausgleichs.

Die aus den 45 Mitgliedern bestehende Commission für die Reorganisation der Armee hat einstimmig das Princip der allgemeinen Dienst⸗ pflicht angenommen. In Folge dieser Entschließung werden eo ipso die Nationalgarden von Paris und den Departements abgeschafft werden, da alle bewaffneten Mannschaften unter der Autorität des Kriegsministers stehen sollen. Dies ist denn auch der Grund, warum die Regierung bis jetzt ktine besondere Entschließung hinsichtlich der National- garde gefaßt hat. f

Bezüglich der auswärtigen Correspondenzen hat die Regierung der einigen und untheilbaren Republik Usancen angenommen, die im Vergleich mit der Methode des Kaiserreichs energisch zu nennen sind. Die Briefe, in denen man etwas zu ernten hofft, wandern nicht nur massenhaft nach dem schwarzen Cabinet, sie werden sogar kurzer Hand aufgerissen und dann mit einem Post⸗Couvert verschlossen, als ob es so und nicht anders sein mäßte. Reclamationen bleiben natürlich fruchtlos. Der Deutschenhaß nimmt einen immer krank- hafteren Charakter an. So haben zahlreiche Hauseigenthümer ihren deutschen Miethern erklärt, einenPrussien nicht unter ihrem Dache dul⸗ den zu wollen. Anderwärts haben die übrigen Miether dem Hauswirth mit einem Auszug en masse gedroht, falls er demPrussien, der das Haus durch seine Gegenwart entweihe, nicht auf kündige Vorgestern hatte der Pöbel von St. Cloud zwei deutsche Spaziergänger ergriffen, um dieselben nach bekannter Melodie ins Wasser zu werfen. Die Dazwischenkunft der Sicherheitsmannschaften hinderte die Ausführung des schamlosen Verbrechens,

Versailles. Nationalversammlung. Die Wahlen Faidherbe's und Testelin's im Nord- Departement werden für gültig erklärt. Auf eine Interpellation bezüglich der in Amerika gemachten Ankäufe von Waffen erwidert der Justizminister Dufaure, daß auf die parlamentarische Unt. r⸗ suchungscommission die gerichtliche gefolgt sei und

berg verschiedene Ansprachen,

gewählie zweite Versammlung bildete unstreitig den Höhepunkt des

die Ordnung und Weihe des Festes gestört wurde,

die Untersuchungen bereits begonnen hätten.

großen Ansprüche, die in dem Kriegsjahre an unsere Gegend gestellt werden mußten, als eine sehr große und ist uns ein Beweis, wie die Noth der evangelischen Brüder im der Zerstreuung im hohen Grade die Theilnahme unserer evangelischen Gemeinden in der Wetterau gefunden

Die Collecte, die am Ende des Gottesdienstes ge⸗ sammelt wurde, betrug 25 fl. 45 kr. zu der der Kirchen vorstand von Reichelsheim aus freiem Antriebe noch 12 fl. 30 kr. hinzufügte. Sie wurde für Montabaur in Nassau bestimmt. Nach der gottesdienstlichen Versamm⸗ lung sand in dem Garten der Post noch eine freie Ver⸗ einigung statt. Hier hielten die Herren Director Schwabe don Friedberg, Pfarrer Weckerling von Montabaur, Decan Marx von Echzell, Professor Köhler von Fried⸗ zwischen welchen der trefflich Reichelsheim durch schöne aus⸗ die Versammlung erfreuie. Diese

geleitete Gesangverein von Gesänge Festes. Die Ungebundenheit derselben, ohne daß dadurch ist dem deutschen Charakter und seiner Art froh ernsten Feierns besonders entsprechend und macht unsere Gustav-Adolf⸗ Feste zu wahren Volksfesten. Insbesondere wußte Herr

Pfarrer Wecker ling durch seine lebendige Schilderung

der Zustäude seiner Gemeinde Montabauc die Versamm⸗ lung in hohem Grade zu interessiren. Der Frauenverein für Friedderg und Umgegend erhob darum noch einmal eine Collecte für Moutabaur, die 286 fl. 7 kr. betrug.

Zum Schlusse erwähnen wir noch, daß im nächstan Jahre

auf die freundliche Einladung des Herrn Bürgermeisters Best von Assenheim unser Fest in dieser Sladt gefeiert werden wird.

Frankfurt. Nach demFr. J. kam am Samstag

dort ein Zug der Neckarbahn mit 11 Millionen Francs

aus Straßburg an, welche auf die hiesige Kreiskasse ge⸗

fahren wurden. Zwei kräftige Einzeiner-Gäule genügten

jedesmal, eine Million fortzufahren. Bei der Ankunft wurde der Abgang eines Sackes mit 10,000 Frs. entdeckt, während aus anderen Säcken zusammen 2000 Frs. fehlten. Ueber den Verbleib des Geldes ist bis jetzt noch nichts ermittelt.

Frankfurt. Wie man vernimmt, behaupten die Müller an der Kinzig, daß ihnen durch die Fassung der Vogelsberger Quellen zu Zwecken der Frankfurter Quell⸗ wasserleiiung das Wasser in der Kinzig, das sie zu ihrem Gewerbebetrieb bedaͤrfen, entzogen werde. Dieselben er⸗ klären, daß sie gegen das ganze Unternehmen nichts einzu⸗ wenden hätien, wenn ihnen eine beanspruchte Enischädigung von 300,000 fl. gewährt werde.

Frankfurt. Hiesige Bläuter melden: Viele junge Leute, welche nach überstandenem Feldzuge in den Kreis ihrer Familien zurückgekehrt sind und sich nun von den Strapazen zu erholen beginnen, klagen außerordentlich über Brustschmerzen und befinden sich deßhalb in ärztlicher Behandlung; auch rheumalische Leiden aller Art haben sich dazu geselli, so daß den jungen Leuten eine böse Per⸗ speclive für die nächsten Monate eröffnet ist.

zösischen Hitzköpfe zu beruhigen. Lehrer rashen Jedem vorerst von der Annahme eines französischen Engagements ab, und wenn die Gehaltsfrage

Bessungen. Der hiesige Gemeinderath hat in seiner vorletzten Sitzung die Gehälter der hiesigen Lehrer in an⸗ erkennenswerther Weise regulirt und bamit einem bringen⸗ den Bebürfnisse abgeholfen. Vom 1. Januar 1872 be⸗ zieht jeder Vicar 400 fl. Gehalt und es tritt von da an die für die definitiven Lehrer festgestellte Gehaltescal Fön ift, wonach der Minimalgehal! 500 fl. beträgt, welcher durch alle 4 Jahre hinzukommende, immer 100 fl. betragende Gehaltz⸗ zulagen bis zu dem Maximalgehalte von 900 fl. wählt

Von der Bergstraße. Von den kürzlich wieder nach Paris berufenen deulschen Lehrern kam die Nachricht, daß ihre Stellung jetzt dort eine sehr beschwerliche sei, ob gleich die Institutsvorsteher Alles aufbieten, um die fran⸗ Die betreffenden deulschen

noch so günstig gestellt würde. a

Ems. DemRh. K. wird geschrieben: Der Kaiser lebt bekanntlich außerordentlich einfach; seine Wohnung besteht aus einem kleinen Arbeitskabinet(Eckzimmer), mit dem Bildnisse der Kaiserin geschmückt, einem Empfangs- zimmer, Schlaf- und Badekabinet und Speisesalon, Morgens nach der Brunnenpromenade finden die gewöhn⸗ lichen Vorlräge des Militär- und Civilkabinets statt, zur Tafel werden bie Herren aus dem Gefolge gezogen. Ab ends wieder Promenade und dreimal wöchentlich Besuch des Theaters. Späl Abends sieht man den bohen Herrn noch durch's Fenster bei der Lampe an seinem Arbeitspull stehen. In dem Arbeitszimmer befindet sich auch eine Erinnerung an den Kaiser von Rußland. Als derselbe im Jahre 1839 mit seiner Mutter hier zur Kur weille, schnitt er seinen und seiner Mutter Namen nebst Datum in die Fensterscheibe ein. Bei seiner dies⸗ und vorjährigen Anwesenheit dahier han er jedesmal seine Familie an diesen Ort seiner Jugenderinnernng geführt und ihr die einge⸗ schninenen Buchstaben gezeigt.. München. Der biesige Großbräuer(Gabriel Sebl⸗ mayr zum Spaten) dessen einziger Sohn mit dem 1. Infanterie⸗Regiment glücklich aus Frankreich zurückkehrte, nahm nicht nur die Compagnie, bei welcher derselbe sieht, während der zwei Festtage in's Quartier und Verpflegung, sondern gab auch dem ganzen Bataillon ein splendides Kellerfest.

Berlin. Dem Wunsche des Reichskanzlers Fürst Bismarck nachkommend, hat der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten die praktische Prüfung eines von dem Coblenzer Arzt Dr. Struck, derzeit bei der Armee in Frank⸗ reich, angegebenen Verfahrens zur Behandlung der Men⸗ schenblattern angeordnet. Das Verfahren besteht in Ab⸗ waschungen des ganzen Körpers des Kranken mit Holz⸗ essig und soll ebensowohl die Ansteckungsfähigkeit dieser Krankheit auf ein höchst geringes Maß zurückführen, als auch einen sehr raschen und nahezu ungefährlichen Ver⸗ tauf derselben sichern. Dr. Struck wendet diese Ab⸗ waschungen folgendermaßen an: 1) Im Ausbruchsstadlum der Krankheit findet einmal des Tages eine Waschung mit unverdünntem Holzessig statt. 2) Im Stadium der Höhe des Leidens eine dreimalige Waschung im Tage mit einer Verdünnung von zwei Theilen Wasser auf einen Theil Holzessig. Bei besonderer Heftigkeit der Fieberer⸗ scheinungen passen Bäder von 18 bis 22 Grad Wärme und zweckenisprechender Dauer mit 10 pCt. Holzessig. 3) Im Eiterungsstadium sind täglich zweimalige Waschungen des ganzen Körpers mit reinem Holzessig angezeigt. Zum Mundwasser und zu Lokalumschlägen verwendet Dr. Struck eine 10procentige Mischung des Mittels mit kaltem Wasser Eine gute Ventilation des Zimmers, häufiger Wechsel der Leib⸗ und Betlwäsche und ein kühles Verhalten der Haut sind dabei nicht zu vernachlässigen.

In Genf werden Deputirte der Hülfsvereine aller europäischen Staaten zusammentreten und kommen hierbei drei Hauptgegenstände zur Berathung: die innere Or⸗ ganisalion und Verwaltung der Hülfsvereine, die inter⸗ narionalen Beziehungen derselben und das Verhältniß derselben zum Kriegsrecht. Die Sitzungen sollen nicht öffentlich sein und nur einen vorbereitenden Charakter für den später folgenden Congreß in Wien haben. Deutsch⸗ land und Frankreich sollen durch je fünf Oelegirte ver⸗ treten sein, die das deutsche Central-Hilfscomite und das Pariser Centralcomite ernennen soll, die übrigen Staa len werden nur je einen Delegirten senden.

An den Küsten von Großbritannien und Irland fanden in voriger Woche 22 Schiffbrüche statt, deren Gesammtzahl für das bis jetzt verflossene Jahr 1030 beträgt. 5

In Moskau hören die Feuersbrünste fast gar nicht auf. In der Zeit vom 13. Juni bis zum 5. Juli haben 38 Brände statigefunden; Menschen und Thiere der Feuer⸗ wehr sind vollständig erschöpft und die Löschapparate haben nicht unbedeutend gelitten. Der Verlust, der durch die letzten Brände verursacht worden, wird mit 700,000 R. veranschlagt.

Die Braunkohlen der Wetterau und deren Bedeutung für die Industrie. Die Braunkohlenablagerungen der Wetterau, welche nach den Resultaten der bis jetzt unter⸗ nommenen Bohrversuche und nach den bei den

seitber betriebenen Bergwerken gemachten Er fahrungen einen Flächenraum von mehreren Quadratmeilen bedecken und darauf in einer

Mächtigkeit liegen, welche unbedenklich zu min⸗ destens 20 im Mittel angenommen werden darf, haben durch ihre gewaltige Masse vielleicht eine

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