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sammlung hessischer freiconservativ gesinnter Männer abgehalten, welche die Gründung eines Partei- organs ins Auge gefaßt haben soll. — Die zweite Kammer tritt am 20. d. M. wieder zusammen.
— Wie das„Fr. J.“ meldet, ist an Stelle des kürzlich verstorbenen Geheimeraths Zimmer- mann Cabinets cassedirecter Winter zum Cabinets- director ernannt worden.
Berlin. Ueber die Rückkehr des Kaisers von Baden-Baden nach Berlin ist noch nichts Zu— verlässiges bekannt. Jedenfalls erfolgt dieselbe erst nach dem Geburtsfeste der Kaiserin. Der Kron- prinz und die Frau Kronprinzessin beabsichtigen, wie man hört, im Laufe der nächsten Woche ent— weder auf Wilbelmshöhe bei Kassel oder im Schlosse zu Homburg Aufenthalt zu nehmen.
— Im nächsten Frühjahr soll, wie mehrere Blätter melden, der Bau von zwei weiteren großen Kriegsschiffen in Angriff genommen werden, welche den Namen„Sedan“ und„Metz“ erhalten. Ueberhaupt wird mit der größten Energie auf die Vergrößerung der Flotte hingearbeitet. Der letzte Krieg hat der Regierung gezeigt, welchen großen Schaden eine überlegene Flotte der Handels- Schifffahrt des Gegners anzurichten im Stande ist.
— In Königsberg erkrankten am 11. Sept. an der Cholera wieder 61 und starben 41 Per- sonen. In Stettin betrug die Zahl der Er— krankungsfälle an diesem Tage zwei.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen Erlaß des Handelsministers an sämmtliche königl. Eisenbahn⸗Directionen, in welchem darauf hin- gewiesen wird, daß, wenn auch die Eisenbahnen gerade in der letzten Zeit großen Anforderungen entsprechen mußten, darin doch kein Anlaß zu einer nachsichtigen Beurtheilung vorkommender Verstöße gegen die Bestimmungen über die Sicherheit des Betriebes gefunden werden könne, vielmehr sei es Pflicht der Directionen, namentlich bei dem nun beginnenden Rücktransport der 2. und 22. Diviston, in Bezug auf Pünktlichkeit und Sicherheit der Beförderung ebenso, wie bei allen fahrplanmäßigen Zügen die peinlichste Sorgfalt auszuüben und das nachgeordnete Beamten-Personal zur gewissenhaf— testen Erfüllung der Berufspflichten mit allem Nachdruck anzuhalten.
— Der Bau des provisorischen Parlaments— gebäudes ist mit ungeschwächten Kräften und nament— lich mit militärischer Hülfe in letzter Zeit so eifrig fortgesetzt worden, daß die Uebergabe des Ge— bäudes der„D. R. C.“ zufolge jetzt mit Bestimmt⸗ heit mit dem Beginn der zweiten Woche des Monat October angenommen werden kann.
Kassel. Gutem Vernehmen nach trifft der Kronprinz mit Familie Montag den 18. d., Nach- mittags 5 Uhr, zu einem mehrwöchentlichen Aufent— halte in Wilhelmshöhe ein.
Aus Baden-Baden wird vom 11. Sept. gemeldet: Kaiser Wilhelm ist gegen 6 Uhr Abends hier angekommen und durch die Behörden, den Gemeinderath und die hier anwesenden Diplo— maten empfangen worden. Die Vereine und Bürger bildeten Spalier bis zum Waßmer'schen Hause. Die Bevölkerung begrüßte den Kaiser enthuslastisch. Heute Abend findet Illumination, Fackelzug, Serenade und Beleuchtung des alten Schlosses statt.
Aus Saarbrücken wird gemeldet: Auch wir werden hier unser Siegesdenkmal haben in einem Aussichtsthurme auf der hervorragendsten Höhe unserer Umgebung, dem Winterberge. Man wird von demselben mit einem Blicke das ganze Kampfesfeld unserer ruhmreichen Juli- und August⸗ tage von 1870 überblicken können, welches zu⸗ gleich ein überaus freundliches Landschaftsbild bietet, wohl werth, gesehen zu werden. Fär die Mittel zu dem Denkmale werden wir, obwohl es schon begonnen, auch nach Außen Bitten stellen müssen, und hoffen, daß wir nicht vergebens an— klopfen.
Ausland.
Oesterteich. Wien, Aus verläßlicher Quelle verlautet, daß Erzherzog Ludwig Victor (jüngster Bruder des Kaisers) sich mit einer Tochter des Exkönigs von Hannover verlobt habe.
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— öffnet worden. Ueberall, ausgenommen in Lem⸗ berg, Triest und Innsbruck, wurden Regierungs- vorlagen eingebracht, betr. Abänderungen der Landesordnung und des Anhangs zur Landesord⸗ nung, sowie betreffs der neuen Wahlordnung. Im oberösterreichischen Landtage verließen 16 Verfassungstreue den Saal, im mährischen ist gleichfalls die Linke abwesend, der Landtag von Krain ist in Folge der Abwesenheit von 12 op- positionellen Mitgliedern beschlußunfähig. Im böhmischen Landtage wurde ein königliches Re— seript verlesen und mit Jubel aufgenommen.
Frankreich. Aus Paris meldet das „Fr. J.“ vom 13. d.: Wie wir vernehmen, ist es gestern Abend in der Nähe des Bahnhofs von Pantin zu einem Conflict zwischen einer franzö⸗ sischen Schildwache und einem deutschen Vorposten gekommen, in Folge dessen der deutsche Soldat von dem französischen durch einen Schuß getödtet wurde. So wird wenigstens heute in den nörd— lichen Vorstädten von Paris erzählt.— Die „Gazette de France“ bezeichnet den Rücktritt des Finanzministers, Herrn Pouyer-Quertier, als be— vorstehend. Anderwärts ist hiervon nichts bekannt. — Der preußische General von Blumenthal ist auf der Durchreise nach England in Paris ein- getroffen und im„Hotel de Bristol“ abgestiegen.
— Die„Agence Havas“ meldet: Am 14. d. fand in Versailles eine Conferenz bezüglich der elsässischen Zollfrage zwischen den französischen Ministern Rémusat und Poußher-Quertier und dem Grafen von Arnim statt. Man hofft eine Vereinbarung zu erzielen, nach welcher gegen einige Concessionen in der Zollfrage die Räumung aller Departements bis auf sechs erfolgen würde.
— Die Zeitungen veröffentlichen eine weit: läufige Antwort des Generals Faidherbe auf die bekannten Bemerkungen des Generals v. Göben über die Fasdherbe'sche Darstellung der Schlacht bei Bapaume. Faidherbe gibt zu, daß Göben den mehrerwähnten Tagesbefehl wegen Ausreißen der Offiziere nicht erlassen babe, er stammte, wie schon früher bemerkt, von dem französischen, unter Faidherbe selbst commandirenden General Robin. Nichts destoweniger kann er sich die Göben'sche Beurtheilung der Schlacht nicht gefallen lassen und sagt schließltich:„Wenn wir von beiden Seiten gleichen Verlust, etwa 1200 Mann Todte und Verwundete von jeder Seite, annehmen, so muß man gestehen, daß, wenn die Preußen das Recht haben, auf ihrer Seite Sieg zu rufen, wir dasselbe Recht auf unserer Seite haben, ohne daß man uns widersprechen kann.“ Demnach könnten also beide Theile gesiegt haben!
— Der König von Sachsen und General v. Manteuffel trafen am letzten Montag in St. Quentin ein. Der König bielt dort eine Revue über das 4. preußische Regiment ab, dessen Chef er ist. Die Garnison von La Fre war deßhalb nach St. Quentin commandirt worden. Der König verließ St. Quentin am Mittwoch.— In der Umgegend von Paris soll ein zweiter Mont Valérien errichtet werden, nämlich auf dem Platrau Champigny, dem Schauplatze der Schlacht vom 2. December vorigen Jahres. Die Kosten für den Bau dieser Festung würden mit den Bastionen, welche um sie herum errichtet werden sollen, 15 Millionen betragen. Thiers wird die militärischen Anstalten bei Bourges besichtigen, wo Proben mit den preußischen vierpfündigen Kanonen gemacht werden soflen; diese Reise wird aber wahrschein— lich erst im October stattfinden.
— Wie versichert wird, haben vier Bureaux für Genehmigung des Vertrags, betreffend Elsaß— Lothringen, gestimmt, sieben Bureaux dagegen, während andere vier Bureaux Modificationen ver— langen. Das„Journal des Débats“ meint, es fehlten die Garantien für genaue Ausführung des Vertrages, und fürchtet, die Industrie Deutsch— lands wie die der Schweiz würde von der im El— saß geöffneten Pforte Nutzen ziehen. Um den Ver— trag annehmbar zu machen, müßte die vollständige Räumung des französischen Territoriums stipulirt werden. Zum Präsidenten der Commission wurde
ämmtliche Landtage sind am 14 d. er⸗
„Agence Havas“ wird ar
vom 16. d. gemeldet: Thiers wird sich die mit der Prüfung des Vertrages über Lothringen beauftragte Commission begeben. hofft, daß eine Vereinbarung erzielt werde 8
zufolge wurde
binnen 48 Stunden die Waffen Depeschen constatiren, daß in den genannten Städten vollkommene Ruhe herrsche. Versailles, 14. Sept. lung. Der Minister des Auswärtigen zeigt an,
der elsässisch-lothringischen Zollfrage fortdauerten,
haben wir nicht gerechte Beschwerden breite also der Versammlung die folgendermaßen abgefaßten Grundlagen einer Convention: Der Präsident der Republik ist ermächtigt, mit dem Kaiser von Deutschland einen Vertrag abzuschließen, welcher besagt: 1) Die Producte und Manu⸗ fakturen von Elsaß Lothringen werden in Frank reich zollfrei zugelassen bis zum 31. December dieses Jahres, zahlen ein Viertel des ganzen Zolles vom 1. Januar bis 1. Juli 1872 und die Hälfte bis Ende 1872. Es findet Wechsel— seitigkeit für die französischen Producte und Manu⸗ fakturen statt. 2) In Folge dieses Vertrages werden die Departements Aisne, Aube, Cöte d'or und Jura unverzüglich geräumt und wird die Ziffer der deutschen Besatzungstruppen auf 50,000 herabgesetzt. Der Minister setzt hinzu, daß die Regierung einen großen Vertrauensbeweis ver⸗ lange, indem sie die Kammer ersuche, noch vor ihrer Vertagung über diese Angelegenheit zu be— schließen, und legt die Vortheile einer solchen Convention dar. Die Kammer erklärt hierauf die Dringlichkeit und stellt die Discussion auf die morgige Tagesordnung.
G. Friedberg. Am 16. d. M. feierte der Oberförster Kirchner zu Ziegenberg sein 50jähriges Jubiläum als Freiherrl. von Löw'scher Beamter. Zahlreiche Ehrengeben und Festesgrüße, welche dem Jubilar, der an diesem Tage zugleich seinen 71. Geburtstag beging, von Nah und Fern zukamen, gaben ein sprechendes Zeugniß von der Achtung und Verehrung, die sich derselbe bei seinem langjährigen, segensreichen Wirken bei Allen, die je zu ihm in Beziehung getreten, erworben hat. Möge es diesem Ehrenmanne vergönnt sein, als rüstiger Greis noch recht lange seinem Berufe und seiner Familie zu leben, die bei ihm in allen schweren Schicksalsfügungen siets ihren treuen Hort gefunden hat und finden wird.
Aus Oberhessen. Das Project eines Bahnbaues zwischen der Station der oberhessischen Eisenbahn Alsseld und dem Orte Hersfeld an der Bebra-Hanauer Bahn, zu welchem Seitens der preußischen und hessischen Regierung zweien zu Alsfeld und Hersfeld bestehenden Localcomites bereits die staatliche Concession ertheilt wurde, ist seiner Ausführung nunmehr sehr nahe gerückt. Es schweben nämlich im Augenblick zwischen den genannten beiden Comites und zwei großen Frankfurter Bankhäusern Ver⸗ handlungen wegen Abtretung dieser Concessionen, welche auf dem Punkte stehen, abgeschlossen zu werden. Die beiden Bankhäuser haben sich erboten, den Bau dieser Strecke ohne jede staatliche Subvention oder Zinsgarantie auszuführen. Für die oberhessische Bahn ist, wie ein Blick auf die Karte lehit, der Ausbau dieser kurzen ca. 5 Meilen langen Strecke von der größten Wichtigkeit, weil durch diese der Weg von Thüringen nach Coblenz und Köln vis Gießen in sehr bedeutendem Maaße abgekürzt wird. Frankfurt. Hiesige Blätter bemerken in Bezug auf die stets höher steigenden Preise der Lebensmittel: Allenthalben, wohin man hört, vernimmt man, daß die Ernte gut ausgefallen ist; um so auffallender ist der Con⸗ trast der Brod⸗, Fleisch- und Butterpreife und gibi sich unter der Bürger und Einwohnerschaft bereits eine große Mißstimmung kund.
über die hohen Preise der Lebensmittel. Die„H. V.“ sprechen sich folgendermaßen aus: Gute Ernte und theures Brod, so hört man die Leute vielfach sich äußern. Es ist auch in der That befremdlich, daß gegenüber den fast ein⸗
wenn auch sehr leicht abzusehen, daß dies für die Dauer nicht Stand halten kann. Aber selbst für eine kurze Zeit ist das, namentlich für die unbemittelte Classe hart genug, indem auch die Fleischpreise eine noch nie dagewesene Höhe erreicht, das Gleiche ist mit anderen Lebensmitteln der Fall.
Buffet, ein Gegner des Vertrags, gewählt. 8 1
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Nationalversamm-
daß die Verhandlungen bezüglich der Regelung
und erklärt: Trotz unseres Wunsches, die edlen Bevölkerungen von Elsaß-Lothringen zu begünstigen, unserer nationalen Industrie hervorrufen wollen; er unter-
In Darmstadt klagt man ebenso wie anderwärts 0
stimmig günstigen Berichten über die diesjährige Ernte die Getreidepreise statt abwärts die Richtung aufwärts nehmen;
Butter u. s. w. erzielen die höchsten Preise, trotzdem die
Sollte sich die Discussion zu sehr in die Länge ziehen, wird heute Abend oder morgen eine Extra. sitzung gehalten.— Hier eingegangenen Nachrichten in Lyon und St. Etienne die Nationalgarde durch Maueranschlag aufgefordert, abzuliefern.


