Ausgabe 
19.8.1871
 
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Ausland.

Oesterreich. Gastein. Graf Beust hatte eine anderthalbstündige Audienz bei dem deutschen Kaiser. Fürst Bismarck wird Mittwoch, den 16. d., Abends hier ankommen.

Frankreich. Paris. Aus der Commission für die Reorganisation der Armee hört man von scharfen Meinungsverschiedenheiten, die zwischen ihr und der Regierung beständen. Während die aus 45 Mitgliedern, und darunter beinahe alle Generale der Kammer, bestehende Commission ein⸗ stimmig daran festhält, sofort die Stellvertretung in der Armee abzuschaffen, die Nationalgarden in

ganz Frankreich aufzulösen und die allgemeine.

Dienstpflicht einzuführen, hätte Hr. Thiers in diesen drei Punkten sich für das gerade Gegentheil er klärt, und in so entschiedener Weise, daß die Commission jede Hoffnung auf einen Ausgleich in diesen Fragen aufgegeben hat.

Briefen aus Versailles zufolge glaubt man, daß der Antrag auf Verlängerung der Vollmachten Thiers' mit den mit der Rechten vereinbarten Modificationen votirt würde.

Es mehren sich in jüngster Zeit die An- träge aus dem Elsaß gebürtiger Soldaten, die noch in der französischen Armee stehen, sich als Deutsche reclamiren zu lassen, um vom Dienste loszukommen. Nach derK. Z. liegen bereits viel über hundert solcher Entnationalisirungs-Ge⸗ suche vor, und die französische Regierung, durch das Organ Jules Favre, war der Ansicht gewesen, daß die Veränderung in der territorialen Ober- hoheit keine Rückwirkung auf die Pflichten der⸗ jenigen Elsaß⸗Lothringer haben könne, die noch vor dem Friedensschlusse in das französische Heer eingereiht worden seien. Diese Angelegenheit ist jetzt von der in Frankfurt a. M. tagenden Frie- dens⸗Conferenz dahin geordnet worden, vaß für diese Soldaten, um sich zu Deutschen zu machen, eine dahin gehende Erklärung vor dem Maire ihres Geburtsortes genügt, die mithin an den letzteren schriftlich eingesandt werden kann. Ist diese Erklärung, betreffend den Verzicht auf die französische Nationalität, einmal erfolgt, so dürfen die französischen Declaranten nicht mehr bei den französischen Fahnen zurückgehalten werden.

DerPresse zufolge haben die Mitglieder des rechten Centrums bei dem Herzoge v. Aumale angefragt, ob derselbe geneigt sei, die Würde eines Präsidenten der Executivgewalt zu über

zuges zum Lieutenant avancirte, ist als eines der Opfer

nehmen. Der Herzog hat abgelehnt. Derselbe bezeichnete das Anerbieten als unpolitisch und ge⸗ eignet, Spaltungen in der conservativen Parlei hervorzurufen.

17. August. DasJournal ofsiciel dementirt das Gerücht, daß außerordentliche Maß⸗ regeln getroffen seien, um die Ordnung in Paris aufrechtzuerhalten. Das amtliche Blatt erklärt, daß in dem gewöhnlichen Sicherheitsdienst keinerlei Aenderung eingetreten und die Ordnung nicht einen Augenblick gestört worden sei.

Versailles. Sitzung der Nationalversamm lung. Bei der Erneuerung des Bureaus für die nächsten 3 Monate wird Grevy mit 461 von 468 Stimmen wieder zum Präsidenten gewählt.

Italien. Nachrichten aus Caprera zufolge hat sich der Gesundheitszustand Garibaldi's ver⸗ schlimmert; Riciotti Garibaldi wurde telegraphisch nach Caprera berufen.

Spanien. Madrid. Ein Unfall ist auf der Madrider Eisenbahn vorgekommen. Der Marschall Serrano wurde am Fuße verwundet. Außerdem gab es noch viele Verwundete.

Frankfurt. Wie hiesige Blätter melden, wurden auch die deutschen Besitzer des Ordens der Ehrenlegion aufgefordert, ihren Beitrag zum Wiederaufbau des Palastes der Ehrenlegion in Paris einzusenden. Einen Ritter der Ehrenlegion kostet dies Vergnügen 200, einen Offizier 300 Frcs. Unsere hiesigen Aepfelweinfabrikinten sind in Folge des Mißrathens der Aepfelernte in einer sehr schlimmen Lage und werden wenig oder gar keine Aepfel einkeltern können. Die Stadt verliert dadurch eine be⸗ deutende Einnahme. Da wo sich strichweise einige Aepfel an den Bäumen, wie in der oberen Maingegend, zeigten, wurden sie von Händlern das Malter zu fl. 7. aufgekauft.

Darmstadt. Am 16. d. wurde die Leiche des Lieute⸗ nants Hertling vom Garde⸗Jägerbataillon unter mili⸗ tärischen Ehren zur Transferfrung nach Offenbach zur Bahn geleitet. Der Verstorbene, welcher in noch sehr jugendlichem Alter vor Ausbruch des Krieges als Frei⸗ williger in das Bataillon eintrat und während des Feld⸗

des Krieges anzusehen, indem er sich durch die erduldeten Strapazen eine Krankheit zuzog, welcher er nach mehr⸗ monatlichem schweren Leiden erlag.

Wiesbaden. Trotz des Krieges hat sich der Wasser⸗ versandt der nassauischen Mineralquellen im vorigen Jahre außerordentlich gesteigert; beispielsweise wurden vom Selierser Brunnen 3,591,570 Krüge und Flaschen abge⸗ setzt, fast 400,000 mehr als im Vorjahre. Den bedeutendsten Versandt nach Selters hat Ems mit über 800,000 Krügen.

Aus Baden. Nach dem Vorgang von Mannheim hat sich zu Radolfzell im badischen Seekreis ein Ver einNur Deutsch mit der Aufgabe gebildet, in Gesell

nur Deutsch zu sprechen und keine ftanzösischen und

Landwehrmänner verwendet und hat der seit einigen Mo⸗ naten bestehende Verein in diesen Tagen zweien Landwehr⸗ männern den bisherigen Ertrag zugehen lassen. Auch hal er sich schon theilweise in die entlegensten Orte verzweigt.

Aus St. Louis enthalten New⸗Yorker Blätter eine Depesche vom 26. Juli über die Schicksale einiger Eisen⸗ bahnbeamten, welche mit einem ganzen Zuge von den Indianern gefangen genommen wurden. William M' Moore so heißt es ging Mitte Juni mit 13 anderen Eisen⸗ vahnbeamten von Paw Vallei in Texas nach Fort Sill im Indianergebiet ab. Als sie am Abend des 25. Juni über einen Fluß fuhren, wurden sie von etwa 150 In⸗ dianern in Gemeinschaft mit weißen Banditen überfallen. Es entspann sich ein Kampf und nach wenigen Minuten lagen sieben von den Eisenbahnbeamten todt auf dem

fangen genommen. Der Verwundete wurde mit dem Tomahawk getödtet und dann scalpirt. Die Gefangenen, sechs an der Zahl, wurden gebunden und in den Wald gebracht. Was aus dem Zug wurde, ist nicht bekannt. Als am Tage darauf einer der Gefangenen zu entkommen suchte, wurde er getödtet und scalpirt. Zwei Tage lang marschirten sie gegen Norden, als die Indianer zwei der Gesangenen an einen Pfahl banden, ihnen Zunge und Ohren abschnitten und sie nach vielen anderen Martern in Gegenwart ihrer Gefährten verbrannten. Die drei letzten Gefangenen, Brown, M' Moore und Jackson be⸗ schlossen zu fliehen, und als ein paar Abende später die indianischen Wachtposten betrunken waren, während der Regen die Stricke der Gefangenen etwas gelockert hatte, machte Einer sich los, stahl einem der schlafenden Wilden sein Messer und befreite dann auch seine Gefährten. Mehrere Tage lang marschirten sie fast nackend, als sie auf einen Stamm befreundeter Pollowattamies stießen, die ihnen zu essen gaben. Am 12. Jult kamen sie fast er⸗ schöpft in Fort Bilen an. Diese Bande soll zum vierten Tbeile aus weißen Desparados bestanden haben, welche unter Stanley, einem Verbrecher aus Ost-Texas standen, sich vollständig so wie die Indianer kleideten, und diesen an Grausamkeit in Nichts nachstanden. Sie hatten noch andere Gefangene bei sich; einen Mr. Bowman aus Gaudaloupe Mountain in Texas und ein schönes weißes Mädchen, Namens Emma Bailey, Die Glaubwürdigkeit M'Moore's wird von angesehenen Bürgern von St. Joseph, wohin er seinen beiden Gefährten voraneilte, verbürgt.

Verlosung.

Ungarische Prämien scheine. Ziehung am 14. Aug. Serien: 236 389 865 1437 1697 2056 2262 2614 3610 4269 4410 4944. Prämien: Serie 1437 Nr. 35 250.000 fl. Serie 2614 Nr. 2 25000 fl. S. 865 Nr. 46 5000 fl. Serie 3610 Nr. 42 und Serie 4410 Nr. 15 20 41 3 1000 fl. Serie 389 Nr. 38 46 48, Serie 865 Nr. 3 37 42, S. 1437 Nr. 19 42, S. 1697 Nr. 24, Serie 2614 Nr. 8, Serie 4269 Nr. 3 30. Alle übrigen in obigen Serien enthaltenen Nummern à 1008 fl.

Oeffentliche Bekanntmachung.

2048 In dem zum Laudgerichtsbezirke Friedberg gehörigen Ort Reichelsheim hat sich zum Betriebe eines Bank⸗ geschäfts behufs gegenseitiger Beschaffung der in Gewerken und Wirthschaft nöthigen Geldmittel auf gemeinschaft⸗ lichen Credit ein Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein als in das Handelsregister eingetragene Genossenschaft gebildet, welches durch nachbenannten Vorstand: 1) Friedrich Wilhelm Steten, Cassier, 2) Carl Schmid, Controleur und 3) Friedrich Bernhard Schwarz, als Ersatzbeamter, sämmtlich von Reichelsheim, vertreten wird und dessen Statuten vom 27. Dezember v. J. und Mitglieder⸗ verzeichniß zu Jedermanns Einsicht bei unterzeichneter Gerichtsstelle offen liegen. Es wird dies mit dem An⸗ fügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Verein zur Veröffentlichung seiner unter der Firma Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein in Reichelsheim (Eingetragene Genossenschaft) ergehenden Bekanntmachungen des zu Nidda erschelnen⸗ den Krelsblattes sich bedienen wird. Irledberg den 15. August 1871. ee ee Friedberg. e i tz.

Versteigerungs⸗ Anzeige. 2047 Montag den 21. Augussi d. J., Vormittags 10 Uhr, soll in dem Hofe der Blinden, Anffalt dabter eine Partie noch brauchbare Dielen, welche bel Erbauung der Ehrenpforte verwerdet werden waren, in passenden Ablheilungen meiflbietend gegen Baarzahlung verffeigert werden.

öriedberg den 16. August 1871. Großherzogliche Bütgermeisterei Friedberg. Fouc ar.

Lungenschwindsucht, 1998 Brust⸗ und Halskrankhelten werden naturgemäß

ohne innerliche Medicamente durch ein seit Jahren be⸗ währles einfaches Verfahren, auch brieflich, gebeilt.

Waaren⸗Versteigerung.

2055 Dienstag den 22. August d. J., Vor mittags 10 Ubr, soll in hiesigem Rathhause eine Partie Waaren, als: 29 Ries Schreibpapier, 30 Gros Stahlfedern, 24 Dutzend Bletfedern, 100 Federhalter, 8000 Stück Klelfedern, 23 Notizbücher, 80 Cigarrenetuis, 34 Portemonnates, 30 Glas Altzarin⸗Tinte, 15 Pfund Obladen, 100 Stück Gratulationskarten, 29 Schaͤchtel⸗ chen Gummi⸗Obladen, 100 Stück Griffel ꝛc. öffentlich meiffbietend gegen Baarzahlung versteigert werden. Friedberg den 17. August 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fouc ar.

Güter Versteigerung.

2051 Montag den 28. August d. J., Vormittags 11 Uhr,

sollen in hiesigem Rathhause die nachbeschriebenen Im⸗

mobilien des Friedrich Jacob Schäfer dahler: Gemarkung Friedberg.

Flur. Nr. Klftr. 5. 99,3. 127. Grabgarten an den Mauergärten, 7. 5.8. 317. Acker an der Warte, 7. 5.6. 194. Acker daselbff,

nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Friedberg am 18. August 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. o uc ar.

Faselochs⸗ Versteigerung. 2053 Dlenstag den 22. d. M., Mlitags 1 uhr, soll auf dem Büreau des Unterzeichneten ein der Gemeinde geböriger, zum Schlachten geeigneter Faselochs versteigert werden.

Nieder⸗Mörlen den 17. August 1871.

Großherzogliche Bürgermeifteret Nieder⸗Mörlen.

Ein möblirtes Zimmer

Adresse: Dr. Rottmann in Aschaffenburg. Pro⸗ spekte gratis.(Gegenseitig franco.)

2000 hat zu ve⸗miethen G. Müller

b s. 2024

Arbeits ⸗Versteigerung.

2060 Montag den 21. Auguff l. J., Nachmittags 2 Uhr, soll in dem Gemeindehause zu Nieder⸗Weisel für 200 fl. Chaussirarbelt unter den vor der Verfleigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen verstelgert und in Accord gegeben werden.

Butzbach den 17. August 1871.

Der Bezirks⸗Bauaufseher Bur k.

Alle Unterleibsbrüche heilbar.

370 Bei der Expeditlon d. Bl. kann federzeit die Schrift eines berühmten Brucharztes mit Belehrung und vielen 100 Zeugnissen bezogen werden, aus welchen mit Be⸗ stimmtheit hervorgeht, daß Unterleibsbrüche geheilt werden können.

Steinkohlen,

691 namentlich auch Schmiedeköhlen, verkauft zu

billigen Preisen die Ziegelei am Bahnhof zu Nauheim.

Wilhelm Bernbech,

Colonial⸗, Material⸗& Farbwaaren⸗Handlung in Friedberg

1487 nächst der Burg.

Lager in allen Sorten Tabaken und Cigarren.

Vorbeter⸗Gehülfe!

Die israelitische Gemeinde Nieder- Weisel sucht gegen Vergütung von 20 fl. nebst freier Station für Neujahr und Versähnungstag einen tüchtigen Vorbeter⸗ gehülfen. f

Anmeldungen beliebe man franco zu richten an den

in der Usagasse.

Vorstand Samuel Krämer II.

schaft oder wo überhaupt brei Mitglieder beisa men sind, 5

anderen Sprachen entlehnte Drocken zu gebrauchen. Jedes nicht deutsch gesprochene Wort wird mit 1 kr. gebüßt. Das so eingehende Geld wird für arme und dete

Platze, einer war verwundet, und die übrigen wurden ge⸗