Ausgabe 
19.8.1871
 
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Samstag den 19. August.

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maßung und

Vaterlandslicbe zu beanspruchen.

Schlacht beizutragen.

Oberhessischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Deutsches Reich.

Darmstad t. Zum 18. August schreiben dieH. V.: Wenig Stkundenschläge noch und zum ersten Male jährt sich ein Tag, der der ruhmreichste genannt werden muß, den die hessische Geschichte zu verzeichnen hat. Einen Mond vor- her waren die Söhne unseres Landes hinausge zogen in freudigem Opfermuth gegen fremde An jede Stunde mußte uns Kunde bringen, daß sie mit eingegriffen in das blutige Würfelspiel des Krieges. Wer könnte die Tage der Aufregung, der Erwartung, der bangen Sorge jemals vergessen! Und endlich kam die erste Kunde, die Nachricht von der Schlacht bei Mars la Tour, der die von Gravelotte nach nur zweitägigem Zwischenraum folgen sollte. Mit ehernem Griffel ist in die Tafeln der Geschichte eingeschrieben,

was an jenem Tage die hessische Diviston leistete, wie sie das Centrum bis in die Nacht hinein einem überlegenen Feinde gegenüber behauptete, wie sie wesentlich zum Erfolg des Tages beitrug. Wahrlich, es bedarf keiner prunkenden Worte, um solche That zu verherrlichen; nur ein berechtigter Stolz läßt uns constatiren, daß das Hessenland dem großen deutschen Vaterlande auch wackere deutsche Söhne gegeben hat und daß wir nicht zurückzutreten brauchen, wenn es gilt, auch unser Blatt an dem blätterreichen Ruhmeskranze tapferer, todesbereiter Ja, todesbereit waren die hessischen Männer, als es galt, das Höchste zu wagen. Wir batten vor unseren anderen deutschen Brüdern keinen Vorzug. In den Jubel mischte sich der tiefste Schmerz um die Todten, um die Verwundeten. Mehr als der zehnte Theil der Division war außer Kampf ge- setzt, etwa hundert und neunzig darunter 21 Offiziere für immer. Und manche Nachlese hielt der Tod noch später, so daß des edelsten Blutes in reicher Fülle dahingegeben ward. Ge denken wir deßhalb am heutigen Tage zuerst der Todten; ihnen die Zähre der Wehmuth, der nimmer erlöschenden Erinnerung und das heilige Ver sprechen, das Vaterland so treu zu hüten, wie sie es gethan. Aber nach dem stillen Gebete dürfen wir mit den Lebenden, mit den glücklich Deimgekehrten uns der Freude über die großen Tage hingeben,denn der Lebende hat Recht. Ind so bringen wir unseren freudigen Gruß all' den Wackeren, welche die Heimath wieder sahen, jenen wandelnden Zeugen hessischer Pflichttreue, deutscher Vaterlandsliebe, unüberwindlicher Tapfer keit und höchsten Heldenmuthes.

Prinz Ludwig hat, um das Andenken der in dem verflossenen ruhmvollen Feldzug Ge sallenen zu ehren, bei dem Gr. Offlciercorps die Errichtung eines Denkmals auf dem Schlacht- seld von Gradelotte in Anregung gebracht. In dem betr. Schreiben an die Commandeure heißt es:Am 18. August v. Js. war es der Division zu Erstenmale beschieden, in ihrer Gesammtzahl unserem Feinde mit Energie entgegenzutreten und wesentlich zum Erfolge der ewig denkwürdigen Die Verluste dieses Tages sind für die Großherzogl. Division die bedeutendsten während des ganzen Feldzuges, die Folgen aber auch sehr erheblich gewesen. Um ein bleibendes sichtbares Andenken an die Thaten der Division am 18. August zu stiften, glaubt der Prinz die Anregung geben zu sollen, daß auf dem nunmehr deulschen Boden, wo die Divistion 8 Stunden lang dem Andringen des Feindes widerstand und wo so viele theure Kameraden den Erfolg mit ihrem

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Blute besiegelten, ein Denkmal errichtet werde. die französische Regierung sich erboten habe, schon Das Officiercorps hat in freudiger Zustimmung in nächster Zeit die dritte halbe Milliarde zu eine Commission von 4 Officieren aller Waffen- zahlen, so seien auf Befehl des Kaisers Vorkehrungen gattungen mit Ausführung der Details betraut. getroffen worden, eintretenden Falles mit der Räu-

Berlin.

Wie verlautet, ist dem Kaiser ein

mung des französischen Gebietes vorzugehen, und

Vorschlag unterbreitet worden, welchem gemäß die würde zunächst die 2. und 22. Division zurück-

Fort don Metz fortan die Namen unserer bedeu- kehren.

tendsten Heerführer tragen werden, und es ist nicht zu bestreiten, daß es ein würdiger und gerechter Dank ist, wenn künftige Geschlechter statt zu einem Fort St. Julien zumFort Moltke empor- blicken; auch die Inschriften militärischer Bauten, Kasernen ꝛc. sollen verändert werden und z. B. auf dem genannten Werke statt der Tafelbe gonnen unter Kaiser Napoleon 1867 fortan die Worte zu lesen sein:begonnen 1867 zu Preußens Trutz beendet 1871 zu Deutschlands Schutz!

DieProvinzial-Correspondenz bespricht in einem längeren Artikel die Zusammenkunft der beiden Kaiser. In der freudigen Theilnahme der Bevölkerung offenbare sich das Bewußtsein, daß die Umarmung der beiden Herrscher nicht blos den Ausdruck persönlicher Freundschaft enthalte, sondern als Unterpfand für die guten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarreichen zu gelten hat. Der Artikel erinnert daran, daß Oesterreich während des letzten Krieges aus den von der gesunden Einsicht vorgezeichneten Grenzlinien der rubigen Neutralität nicht herausgetreten ist und wie die Herstellung des deutschen Reiches zu Austausch von Freundschaftsbeweisen mit Oesterreich geführt habe. Jene Kundgebungen erhalten jetzt die feierliche Bestätigung durch die Zusammenkunft der Monarchen. Das Wesen und die Bedeutung des neuen Verhältnisses zwischen den beiden Reichen liege darin, daß es nicht durch die zwingende Nothwendigkeit der politischen Lage, sondern durch die Verwandtschaft der Gesinnungen und Bedürf nisse begründet sei. Das Einverständniß zwischen Deutschland und Oesterreich, weit entfernt Gefahr oder Drohung für andere Mächte in sich zu schließen, entspreche dem beiderseitigen Verlangen nach einer dauernden Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt. Die thatsächlichen Verhältnisse und der persönliche Charakter der Herrscher verbürgen, daß die Ein tracht der beiden Regierungen zu der festen Stütze für den Frieden Europas werde.

Dasselbe Blatt schreibt ferner: Die Aus führung des Frankfurter Friedens nimmt nicht den schnellen regelrechten Fortgang, welcher um so mehr gehofft wurde, als Deutscherseits die Ver⸗ pflichtungen des Friedens vertrages gewissenhaft be⸗ obachtet und den Wünschen der französischen Regierung möglichst entgegengekommen wurde. Die Letztere wünscht die beschleunigte Räumung durch Zahlungsanerbietungen, welche eine Ver- kürzung der vertragsmäßigen Frist in Aussicht nehmen. Es müsse jedoch darauf gehalten werden, daß die angebotenen Zahlungsmittel volle Zuver⸗ sicht bieten; auch bestehe die Vollendung des Friede nswerkes nicht ausschließlich in der Zahlung der Kriegskosten und der Verminderung des Oe cupationsheeres, es sei dringend nothwendig, die Frankfurter Friedensunterhandlungen baldigst einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen, und daß man in Frankreich die unablässigen Hetzereien zur Ruhe verweise, welche noch jüngst zu meuchel⸗ mörderischen Angriffen auf deutsche Truppen ge führt und den dauernden Frieden gefährdet haben. Die Räumung des französischen Gebiets werde in dem Maze fortschreiten, als Frankreich den Verpflichtungen des Friedensvertrages genüge. Da

Auch die Raumung der noch besetzten Pariser Forts sei in Aussicht genommen, was die Räumung des nech daselbst befindlichen Kriegs- materials zur Folge härte. Selbstverständlich sollen alle diese Anordnungen erst zur Ausführung gelangen, wenn die entsprechenden Verpflichtungen französischerseits regelrecht erfüllt sind.

Die Heimkehr der 22. Division erfolgt noch im Laufe dieses Monats. Die Truppen werden bis Metz marschiren und von dort aus per Bahn in die Heimath dirigirt werden.

Statt der veralteten und nur für den Fach- mann ganz verständlichen Kaliber-Bezeichnung der Geschütze nach Pfündern tritt vom 1. Oct. d. J. an die neue Bezeichnung nach dem Metermaß in Kraft.

München, 16. August. Fürst Bismarck ist heute Vormittag 9 Uhr nach Salzburg abgereist. Die Minister v. Lutz und Pfretschner begleiteten ihn an den Bahnhof.

DasSüddeutsche Correspondenzbureau meldet über den gegenwärtigen Stand der Cabinets- krisis Folgendes: Die Uebernahme des auswärtigen Ministeriums durch den Grafen Hegnenberg⸗Dux ist gesichert und seine Ernennung unmittelbar be⸗ vorstehend. Derselbe übernimmt wahrscheinlich auch die Geschäfte des Handelsministeriums. Das Ministerium des Innern übernimmt wahrscheinlich der Regierungspräsident der Pfalz, v. Pfeufer, das Justizministerium der Oberappellrath Degrignis. Die Verhandlungen mit beiden sind indessen noch nicht abgeschlossen. Die Minister v. Lutz(Cultus), v. Prankh(Krieg) und v. Pfretschner(Finanzen) verbleiben auf ihren Posten.

Da Professor Dr. Friedrich trotz der Excommunication fortfährt, kirchliche Functionen vorzunehmen, so ist wie derBayer. Kurier mittheilt das erzbischöfliche Ordinariat durch ein solches Vorgehen genöthigt, neue Maßregeln zu ergreifen. Welche? sagt das Blatt nicht.

Freiburg. Der hiesige Professor der Theo logie Alban Stolz, bekannt als ultramontaner Schriftsteller, charakterisirt die Gegner der Un- fehlbarkeitslehre also:Es sind hauptsächlich solche Herren, welche die Welt lieben und ganz für die Welt leben; stellt sich ja sogar ein Theater-Aufseher in München an die Spitze dieser Neuprotestanten. Dazu kommen noch alle abgelöschten Katholiken, alle die in gemischter Ehe leben und ihre Kinder protestantisch erziehen lassen, alle Freimaurer, alle Ehebrecher und Säufer und Gotteslästerer, alle Liebhaber der Badischen Landeszeitung, Freiburger Zeitung, der Neuen Freien Presse und ähnlicher Blätter, und wenn man alle Theilnehmer an der höllischen Mordbrennerei in Paris hätte abstimmen lassen über das unfehlbare Lehramt des Papstes, sie hätten alle mit den Münchener Hochlehrern und Gemeinderäthen wie Ein Mann gestimmt. Die Anhänger der Unfehlbarkeit meint die Köln. Ztg. sind natürlich wahre Muster aller Tugenden und fahren fort, mit jedem mög- lichen Schmutze die Katholiken zu besudeln, die nicht Römlinge sein wollen.

Straßburg. An Stelle des Grafen Lux⸗ burg hat nunmehr der Regierungspräsident von Ernsthausen die Functionen eines commissarischen Präfecten des Niederrheins übernommen.