Ausgabe 
19.1.1871
 
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Kriegs nachrichten. Offieselle militärische Nachrichten. Versailles, 15. Jan. Das Feuer der Forts Issp, Vanvres und Montrouge hat am 14. fast gänzlich geschwiegen. Festungen und der Stadt wird ununterbrochen fortgeseßzt. Diesseitiger Verlust ganz unbedeutend. v. Podbielskpy.

Versailles, 15. Jan. Von den in der Verfolgung der geschlagenen Armee des Generals Cbanzy besindlichen Colonnen gehen folgende Meldungen über den 14. ein: General v. Schmidt fand bei Chapelle(?), Meile westlich von Le Mans, eine feindliche Diviston in Barr(2). Sofort energisch angegriffen, ging diese in regel⸗ loser Flucht auf Laval zurück, über 400 Gefangene in unseren Händen lassend. Diesseitiger Verlust an Todten urd Verwundeten bestand nur aus 1 Offizier und 19 Mann. Das Lager von Conlie wurde nach wenig Schüssen besetzt und große Vorräthe an Waffen, Munition und Proviant erbeutet. Beaumont wurde nach leichtem Straßen- gefecht besetzt, 40 Munitionswagen genommen und etwa 1000 Gefangene gemacht. Ferner wird gemeldet, daß am 14. ein Detachement unter General von Rantzau in Briare von größeren feindlichen Abtheilungen angegriffen wurde, sich iedoch unter geringem eignen Verluste durchschlug.

v. Podbielskpy.

Brevillers, 15. Jan. Der Feind griff mich heute mit anuscheinend 4 Corps von Chagey bis Montdeliard lebhaft, besonders mit Artillerie, au. Auf allen Punkten ist der Angriff zurück- geschlagen und meine Positionen sind auf keiner Stelle durchbrochen. Diesseitiger Verlust zwischen 3 und 400 Mann. Der Kampf dauerte von Morgens halb 9 Uhr bis Abends halb 6 Uhr.

v. Werder.

Darmstadt. DieD. Zig bringt fol⸗ gendes Telegramm an den Großberzog: Orleans, 15. Jan., Vorm. 10 Uhr 31 Min. Das vor⸗ geschobene Detachement des General Rantzau ist gestern bei Briare von einer feindlichen Division in Front, linker Flanke und Rücken eleichzeitig angegriffen worden. Dasselbe hat sich mit großer Tapferkeit nach Gien durchgeschlagen, dabei 1 Offizier und 6 Mann Gefangene gemacht. Diesseits Major van der Hoop todt, Lieutenant Weimar verwundet. Etwa 3040 Mann ted und verwundet. Ludwig, Prinz von Hessen.

Versailles, 16. Jan. Der Königin Augusta in Berlin. General v. Werder ist gestern von Bourbaki mit 4 Corps in seiner Position vor

Die Beschießung der

Menge von Waffen, Munition und Armee Material abgenommen.

Vor Paris dauert das Feuer unserer Batterien in wirksamer Weise und mit geringem Verluste fort. v. Podbielsky.

Karlsruhe. DieKarlsr. Zig. ver⸗ öffentlicht folgendes Telegramm an den Kriegs minister v. Beper: Brevilliers, 16. Jan., Nachts 9 Uhr. Gestern und heute unsere Stellungen vor Belfort gegen heftige Angriffe des Feindes siegreich behauptet. Verhältniß mäßig geringer Verlust. v. Glümer.

Bersailles. DemStaatsanzeiger wird u. A. aus dem Hauptquartier berichtet: Vielfach diskatirt wird hier augenblicklich die neue, aus einer Depesche von Bordeaux bekannt gewordene Maß regel des französischen Gouvernements, nach welcher die Mannschaften von der Altersklasse 1871 acht Monate vor dem eigentlichen Ge⸗ stellungstermin, des 1. Oktober, unter die Waffen gerufen werden. Was die Vermehrung der Streit- kräfte anbetrifft, die aus diesem Edikt der Republik zuwachsen wird, so geben die statistischen Tabellen des Kaiserreiches die Zahl der Waffenpflichtigen, aus denen die jährliche Aushebung vorzunehmen, auf 143,000 Mann an. Davon sind nun aber abzurechnen die Unbrauchbaren und die Contin⸗ gente derjenigen Provinzen, in denen die deutschen Heere stehen und in denen daher das Recrutement nicht vor sich gehen kann. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß auch in den südlichen Depar⸗ tements eine nicht geringe Anzahl von Waffen · fähigen der Klasse 1871 schon vorher freiwillig in die französische Armee eingetreten war, so daß die Ordre Gambetta's auch im günstigsten Falle dem gegenwärtigen Heere der feindlichen Macht nicht mehr als höchstens 80,000 Mann zuführen wird. Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine Truppe, die vor zwei bis drei Monaten überhaupt nicht zur Verwendung gelangen kann. Von der Südseite vor Paris berichtet dieFr. Pr. vom 13. Jan.: Noch immer wird das Bombardement mit aller Lebhaftigkeit fort⸗ gesetzt. Es rollt und donnert, daß einem Hören und Sehen vergeht, nur hat das unheimliche Schwirren der feindlichen Geschosse so ziemlich ganz aufgehört. Fort Issp verstummte schon gleich am ersten Tage und seit gestern ist es constatirt, daß der Feind es aufgegeben und verlassen hat. Wir haben das Fort noch nicht genommen, da wir den Franzosen nicht trauen lönnen. Zuerst muß Bresche geschessen und dann untersucht werden, ob die Franzosen

Belfort bei Montbeliard und Chagey angegriffen worden und hat in einem sechsstündigen Kampfe alle Angrisse abzeschlagen, so daß an keiner Stelle der Feind die Stellung durchbrach. Verlust nur 300 bis 400 Mann; hauptsächlich Artilleriekampf.

Bei Le Mane ist die Zahl der Gefangenen auf 20 000 gestiegen; wihrend des Rückzugs des Feindes nach Alengon nördlich und Laval west lich, auch noch fortwährend Kriegsmaterial und Vorrätbe erbeutet, sowie 4 Lokomotiven und 400 Waggons. Wilhelm.

Versailles, 16. Jan. Vor Paris trat der Feind auf der Süefront mit neuen Batterien auf, deren Feuer jedoch erfolgreich bekämpft wurde. Diesseitiger Verlust 2 Offiziere, 7 Mann.

v. Podbielsky.

Versailles, 16. Jan. Am 15. d. hatte Major v. Köppen vom 77. Regiment bei Maray, noi dwestlich Langres, ein auderthalbstündiges Gefecht gegen etwa 1000 Mann Mobilgarden, welche unter Verlust einer Fahne in wilder Flucht auf Langres geworfen wurden. Die bis heute vorliegenden Berichte der zweiten Armee beziffern unsern Gesammt. Verlust an Torten und Verwun deten in den siegreichen Kämpfen vom 6. bis 12. d. M. auf 177 O fiziere und 3023 Mann. Dem Feinde wurden bis jetzt über

Minen angelegt haben, die dann aus zuheben resp. unschädlich zu machen sind. Daß der Feind sich in die Stadt zurückgezogen hat, wird Ihren Lesern bekaunt sein, nur war nicht die Kälte, sondern die Prusstens der Grund. Drei Ortschaften bei Issy, die uns genirten, haben wir mit Leichtigkeit genommen. Wir hatten nur 3 Todte und 9 Verwundete. Das Weitere besorgen Bomben, die wirklich ganz unbarmherzig aufräumen. Um die oben genannten Otte wieder zu nehmen, sollte ein Ausfall arrangirt werden, aber ein paar wohlgezielte Bomben genügten und die ganze Sippschaft lief auseinander und davon. Mög⸗ licherweise versuchen sie es noch einmal mit größeren Massen, indessen es wird ihnen ebenso wenig nutzen, da unsere Vierundzwanzig ⸗Pfünder sie zu sehr geniren dürften. Das Schicksal der stolzen Kaiserstadt ist darum nur noch eine Frage der Zeit, hoffen wir einer ganz kurzen Zeit.

Ueber die Beschießung der Seinebrücke bei Fort Isso durch diesseitige Geschütze bringt ein Feltpostbrief, den dasReg. ⸗Tgbl. ver⸗ öffentlicht, folgende nähere Mittheilungen.Um diese Zeit, heißt es in dem Briefe, lieferte dine preußische Mörserbatterie wahchaft ein artiller isti · sches Meisterwerk. Ein Munitionszug dampfte nämlich dem Fort Issy zu, und als der Zug auf

22,000 un verwundete Gefangene, 2 Fahnen, 19 Geschüghe, über 1600 be- ladene Fahrzeuge und außerdem eine

der Eisenbahnbrücke angelangt war, wurde er beschossen und es gelang auch, einen Brückenbogen schon mit dem zweiten Schuß zu zerschmettern,

Wagen oben stehen blieben, welche aber auf wenige Schüsse ebenfalls in Trümmer flogen. 0 Aus dem sächsischen Hauptquartier meldet der Correspondent derDailh News, daß bereits wie zur Zeit vor der Capitulation

die Belagerungstruppen anderweitig zu verwenden. Manteuffel's Versetzung nach dem Ocken ist, wie im Weiteren angedeutet wird, als eine von den Veränderungen zu betrachten, die mit unter diese Rubrik gehören. Die Unterwerfung von Lyon und des südlichen Frankreichs überhaupt wird dem General in seinem neuen Commando als Haupt⸗ aufgabe zufallen. Das königliche Hauptquartier soll auch nach der Einnahme von Paris in Ver⸗ sailles bleiben. Als Garnison für die Hauptstadt sind die Sachsen, Bayern, Würtemberger, Mecklen⸗ burger, die Landwehrdivistonen und vielleicht das Garbecorps bestimm.. Das zur Maas Armee gehörige 4. Armeecorps würde dadurch verfügbar werden. Der Kronprinz von Sachsen soll für den Oberbefehl über die gegenwärtig unter Goeben stehende erste Armee bestimmt sein und dürfte für die Vollendung der Arbeit im Norden zu den Truppen dieses Commando's weitere beträchtliche Verstärkungen erhalten.

DieCorresp. Havas sagt u. A. über

Rosny:Der auf die beiden ersten, für das Fort schon harten Tage(27. und 28.) folgende (29.) war schrecklich: in 5 Stunden schlugen 155 Geschosse allein in die Caserne zur Linken; die Casematten, welche für bombensest galten, wurden durchschlagen, und von 8 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends trafen gegen 2000 Geschosse in die Enceinte, Escarpe und Contre⸗Escarpe. Dieses unerhörte Feuer, welches heftiger und nackdrücklicher als das auf Sebastopol war, hat mit Rücksicht auf den Verlust an Mannschaften wenig Schaden gethan. Drei oder vier Seeleute wurden verwundet, und ein unglücklicher Schuß machte fünf Mann kampfunfähig, welche in der⸗ selben Casematte waren und zur Artillerie der Volontairs der Nattonalgarde gehörten. Aber man bekommt bei einem so hartnäckigen Bombar⸗

selbst die Tapfersten erschüttert; selbst die ältesten gedienten Soldaten geben zu, ein solches Feuer noch nie erlebt zu haben, wie das auf Noisp, Rosny und Avron; es ist eine neue Kriegführung, neue Geschosse, und so ist auch ihre Wirkung neu. von Issy bis zum Mont Valerien, da die Stunde gekommen ist, wo der Kreis, der uns einschließt, immer enger wird und die Forts unsere letzte Deckung sind, von dem Bewußtsein ihrer Pflicht durchdrungen und zu der größten Aufopferung bereit.

Die Stadt Le Mans, die von den deutschen Truppen am 12. d. M. besetzt wurde, zählt 45,000 Einwobner. Sie ist die Haupt⸗ stadt des Sarthedepartements und liegt an der Sarthe, dem rechten Nebenfluß der Loire, dem hier, von Nogent kommend, die Huisne zufließt. Durch den Besitz von Le Mans, bemerkt die Kreuzzig., haben die Unseriger eine einfluß reiche Position zwischen der südlichen Normandie

und beherrschen einen guten Tyeil des Gebiets der Zuflüsse, welche die untere Loire von Norden her empfängt. Die Bedeutung der Lage von Le Mans hat sich auch bei Anlage der Eisen⸗ bahnen ausgeprägt. Nicht weniger als 5 Linien laufen hier zusammen. Die Eisenbahn- Verbindung ter Normandie mit der Bretagne und der Loire ist somit in den Händen der Deutschen.

Nach Berichten aus Givet, vom 9. d, hat der französische Commandant dieser kleinen Festung darüber abstimmen lassen, ob sie sich ver⸗ theidigen wollen oder nicht. Die Einwohner sprachen sich für die Uebergabe aus, der Com- mand ant trug diesen Wünschen aber keine Rechnung und erklärte, er werde die Festung vertheidigen. In Folge dessen ergriffen die Bewohner von Givet mit ihrem beweglichen Gut die Flucht und

so daß der Zug in die Seine stürzte und nur zwei

begaben sich eiligst nach Belgien.

von Metz die Anordnungen getroffen würden, um

die Wirkung des Bombardements auf das Fort

dement das Gefühl völliger Schutzlosigkeit, welches

Trotzdem sind unsere braven Mariniers

und den Landschaften Touraine und Anjou gewonnen