und Nothwendigkeit freundlicher Wechselbeziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland in beider⸗ seitigem Interesse überzeugt sei.
Dasselbe Blatt schreibt:„Obwohl der Reichstag noch umfassende Aufgaben zu bewältigen habe, so hoffe man doch, daß die dringendsten der⸗ selben, namentlich die Münzvorlage und der Reichs- haushalt, bis zum 25. Nov. erledigt werden. Die Berufung des preußischen Landtages ist auf den 23. Nov. festgesetzt. Dieselbe konnte nicht weiter hinausgeschoben werden, wenn der Staats- haushalt vor dem Ablauf des Jahres festgesetzt werden soll.
— Mit Rücksicht auf die günstige Lage der Finanzen hat die preußische Regierung es für angemessen erachtet, schon gegenwärtig die Frage wegen Aufhebung der Zeitungssteuer und Kalender- steuer in Erwägung zu nehmen und zwar unab- hängig von der allgemeinen Stempelgesetzfrage.
— Wie die„Köln. Ztg. erfährt, wird in socialdemokratischen Kreisen eine Petition an den Reichstag colportir:, in der außer den bereits ver ⸗ theilten vier Millionen noch 40 Millionen Thaler für die Unterstützung der Reservisten und Wehr- männer des letzten Krieges erbeten werden. Gleich— lautende Petitionen sollen aus ganz Deutschland überreicht werden.
— Die Pocken⸗Epidemie ist noch im Steigen. Die Zahl der Todesfälle betrug, wie die„Trib.“ meldet, in den letzten Wochen 120, 161 und 145. Seit Anfang d. J. sind 9000 Personen in Berlin zum Opfer gefallen, also mehr als 1 pCt. der Be⸗ völkerung und um ½ mehr, als Berlin jährlich Mannschaft zur Armee stellt, da in jedem Jahre nur 6000 Berliner zu den Fahnen berufen werden. Auch eine Hofdame der Königin-Wittwe, Gräfin Dönhoff, ist der Epidemie erlegen.
München. Wie den„H. N.“ gemeldet wird, haben sämmtliche liberale Bezirksvereins- Ausschüsse Minchens beschlossen, eine Petition an den Reichstag zu richten, den Tag des Friedens- schlusses als National⸗Festtag zu erklären. Frhr. v. Staufenberg wird den Autrag im Reichstage vertreten.
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Ausland.
Oesterreich. Wien. Die amtliche„Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben vom 14. Nov., durch welches Graf Andrassy zum Minister des kaiserl. Hauses und der aus- wärtigen Angelegenheiten ernannt und gleichzeitig mit dem Vorsitze im gemeinsamen Ministerrathe betraut wird.
— Graf Beust hat die ihm zugedachte Wid— mung eines Nationaldankes abgelehnt.
Pest. Das amtliche Blatt veröffentlicht die Ernennung des Grafen Lonhay zum ungarischen Ministerpräsidenten, sowie die Bestätigung sämmt⸗ licher ungarischer Minister in ihren Stellungen. — In einem von demselben Blatte publicirten kaiserlichen Handschreiben wird dem Grafen An- drassy anläßlich seiner Enthebung von dem unga— rischen Ministerpräsidium der Dank des Kaisers für die ausgezeichneten Dienste ausgesprochen, die er dem Monarchen, Ungarn und der Monarchie geleistet habe.
Schweiz. Bern. Der Nationalrath ge— nehmigte bei der Fortberathung der Bundesrevision den Antrag auf das Verbot der Spielbanken und sprach die Competenz des Bundes aus, gegen die Lotterien einzuschreiten.
Frankreich Paris. Der„Agence Havas“ zufolge hat der Polizeipräfect Valentin seine Ent⸗ lassung gegeben. Nachfolger desselben würde Cresson werden.— Die Gerüchte von auf Corsica aus- gebrochenen Unruhen werden dementirt. Charles Ferry hat, bierher gelangter Meldung zufolge, die Auflösung des Gemeinderathes von Ajaccio ausgespeochen und Corsica verlassen.
— Zwei bedeutende Firmen in Lille haben dem Staatsschatze 500,000 Fres. zurückbezahlen müssen, die sie für Kriegsleistungen doppelt erhoben hatten. Man verlaagt jetzt, unter Androhung der Veröffentlichung der Affaire mit Namen, von denselben die Zinsvergütung eines Jahres mit 25,000, Fres., dem sich die schlechten Patrioten
wohl fügen werden. Zwei Beamte der Militär- verwaltung wurden verhaftet.
— Das amtliche Blatt dementirt eine Nach— richt der„Röpublique frangaise“, in welchen ge— sagt wird, daß Frankreich den fremden Regierungen, und namentlich auch der deutschen, Ordenskreuze geschickt hätte, welche zum Andenken unter die Personen vertheilt werden sollten, die sich bei der Pflege der Verwundeten und Kranken der fran— zösischen Armee ausgezeichnet haben:„Die fran zösische Regierung hat bisher keine Decoration zur Belohnung solcher Dienste geschaffen. Es handelt sich ohne Zweifel um eine von der Gesell— schaft zum Beistand der Verwundeten herrührende Gedächtniß⸗ Medaille, deren Vertheilung die Re— gierung vollkommen fremd geblieben ist.“
— Die Messe, welche die Bonapartisten zu Ehren Eugeniens in der Magdalenenkirche abzu- halten beabsichtigten, wurde verboten.
— Thiers hat an Jules Janin einen Brief gerichtet, in welchem er am Schlusse die Hoffnung ausspricht, daß die Nationalversammlung die Re- gierung nach Paris zurückverlegen werde.— Ein Decret der Regierung annullirt die Berathungen des Arrondissementerathes zu Besangon.— Die „Société générale“ kündigt die Ausgabe von Fünf⸗, Zwei- und Einfrankennoten für den 18. November an.
— Der Director der Gewehrfabrik in Saint— Etienne hatte eine Audienz bei Thiers, in welcher er ein Modell des verbesserten Chassepot vorlegte. Dieses Modell nähert sich laut dem„Siedcle“ sehr dem Werder Gewehre.— Bei bonapartistischen Agenten hat man Bonds, gültig bei Rückkehr des Kaisers vorgefunden.
Portugal. Die portugiesischen Blätter klagen über das Unglück, welches ihr Land jetzt mit seinen Colonieen hat. In Ostafrika ist die Ruhe noch immer nicht wieder hergestellt, in West— afrika hat eine ungeheure Feuersbrunst Alles ver— wüstet, in Ostindien wütbet die Rebellion in der Art eines Wechselfiebers, in China vernichtet der Taifun Güter und Leben.
Amerika. Newyork. Auf dem von Stettin hier eingetroffenen Schiffe„Franklin“ kamen während der Fahrt 41 Todesfälle in Folge der Cholera vor.
Homburg. Mit dem 1. Dez. wird hier ein Winter⸗ Theater eröffnet. Herr Dircktor Tescher von Darmstadt wird die Oberleitung haben und werden wöchentlich ein Lust⸗ oder Schauspiel und eine Oper zur Aufführung ge— langen..
Darmstadt. Im künftigen Frühjahre soll dahier der erste deutsche Frauentag abgehalten werden.
Kassel. Durch die zu erwartende Ausführung des zweiten Geleises auf den beiden Strecken Bebra-Neuhof und Saalmünster⸗Hanau der Bebra-Hanauer⸗Bahn wird die ganze Bahnlinie Frankfurt a. M. Bebra-Halle-Berlin eine zweigeleisige und dadurch einem Bedürfnisse entsprochen, welches sich bei dem beträchtlichen Personen- und Güter⸗ verkehr auf der mitteldeutschen Route schon längst jühl⸗ bar gemacht hat.
Dresden. Dem Vernehmen nach beschäftigt sich Frau Marie Simon, die eifrige Krankenpflegerin in den Militärlazarethen der beiden letzten großen Kriege, mit der Gründung einer Anstalt am hiesigen Orte, welche alleinstehenden Personen aus den gebildeten Ständen im Falle der Erkrankung gewissenhafte und liebevolle Pflege bieten und zugleich als praklische Vorschule zur Ausbildung welilicher Krankenpflegerinnen dienen soll.
Aus Berlin schreibt die„N. Pr. 3.“:„Bei einem hiesigen Architecten, der genölhigt war, viel bei Licht zu arbeiten, traten des Abends während der Arbeit nicht selten unerklärliche, klankhafte Erscheinungen auf. Dem Leibenden wurde schwindlich, seine Hände und Füße zit⸗ terten und seine Augen verloren momentan die Sehkraft. Erst wenn sich der Patient geraume Zeit in dec frischen Luft bewegt hatte, vorlor sich das Leiden. Der zu Rathe gezogene Arzt, dem der Fall räthselhaft war, enldeckte endlich, daß eine Arsenikvergiftung vorliege und daß die— selbe von dem grünen Schirm, der über die Lampe gedeckt war, herrühre. Mit Beseiligung des Schirmes blieb auch die Krankheit sort. Man sei deßhalb vorsichtig mit dem Gebrauch grüner Schirme!“
London. Die Pocken, welche während der letzten Wochen im Abzuge begriffen schienen, sind aufs Neue in beforgnißerregender Gestalt aufgetreten. Im Pockenspilal vom Hampstead wurden während der letzten 14 Tage 120 neue Fälle behandelt und 190 Patienten sind gegenwärlg in Behandlung, so daß die Zahl sich um 80 pCt. höher stellt, als in den vorhergehenden 14 Tagen. Die Hos— pitalverwaltung hat sich in Folge dessen veranlaßt gesehen, die Vermehrung der ärtzlichen Kräfte nachzusuchen und die Besorgniß auszudrücken, daß die Kaukensäle den ganzen Winter hindurch gefüllt sein dürften.
Landwirthschaftliches.
Mitgetheilt von der höheren landw. Lehranstalt in Worms.
Düngung mit Kalk. Eine der besten Methoden zur Anwendung des Kalkes ist nach Sprengel die Folgende: Man thut den Kalk schichtweise mit humusreicher Erde in einen konischen Haufen und nimmt dabei 3—4 Theile Erbe auf einen Theil Kalk, gießt hierauf nach und nach die zum Löschen des Kalkes erforderliche Menge 8 darüber, bedeckt alsdann den Haufen dicht mit Rasen oder Staub, über welches man noch etwas Erde wirft, und läßt das Ganze 3—4 Wochen ruhia stehen; alsdann be⸗ arbeitet man den in Pulver zerfallenen Kalk mit ber humusreichen Erde gut durch und führt nun das Gemisch nach dem damit zu düngenden Felde. Die mehrere Arbeit, welche hierbei entsteht, wird reichlich durch das dabei ge⸗ wonnene Produet ersetzt, denn man erhäli eine nicht un⸗ beträchtliche Menge humussaure Kalkerde, die, wie wir später sehen werden, ein vorzügliches Düngemittel ist.
Vortheil der Erdmischung. Um den hochge⸗ rühmten Vortheil der Erdmischungen zu erproben, so schreibt Herr Gutsbesitzer Theodor Callenberg von Maunach, ließ ich im Winter ein Stück Feld von leichtem Sand⸗ boden mit bündigem Lehme überfahren; ein gleich großes Stück daneben ließ ich in seinem ursprünglichen Zustande. Die Kosten der Uebererdung beliefen sich pro Morgen auf 116 Thaler. Im Frühjahre pflanzte ich beide Stücke in gleicher Weise und gleichzeitig mit Kartoffeln ein. Schon bald nach dem Aufgehen derselben konnte man einen auf⸗ fallenden Unterschied in der Größe und Farbe des Krautes wahrnehmen. Der Unterschied im Ertrage war noch auf⸗ fallender, denn während der Morgen des übererdeten Stückes 84 Centner Kartoffeln ertrug, lieferte der Morgen des nicht übererdeten nur 31 Ctr., also 53 Ctr., oder in Geld à Ctr. zu 1 Thlr., 53 Thlr. weniger. Im Herbste vorigen Jahres pflanzte ich beide Stücke, nachdem ich jedem pro Morgen 2½ Ctr. Knochenmehl gegeben hatte, mit Korn ein. Machte sich bei der Erndte schon in der An— zahl der Gebinde ein großer Unterschied bemerkbar, so war derselbe nach dem Ausdrusche geradezu erstaunlich;
denn während ich von dem Morgen purem Sandfeld nur—
3 Ctr. 21 Pfd. Roggen bekam, erhielt ich von dem über⸗ erdeten Theile 13 Ctr. und 7 Pfd., oder in Geld ein Mehr von 10 mal 3 Thlr.— 30 Thlr. Mithin über⸗ stieg der Rohertrag bei gleichen Aufwandskosten von dem übererdeten Stücke den Rohertrag von dem nicht über⸗ erdeten Stücke um 83 Thlr. in zwei Jahren.
2830[Die berühmtesten Sänger! wenden gegen Heiserkeit, Rauheit und Trockenbeit der Kehle die vetschie⸗ densten, meist hinsichilich ihres Erfolges zweifelhaften und sonderbarsten Mittel an. Tichatschek raucht, Sout⸗ heim schnupft, Wachtel trinkt Selterwasser, Niemann bayerisches Bier, Nachbaur ißt trockene Pflaumen, Padilla harte Brodrinden, Carrion Obst, die Trebelli saugt Fruchtsaft, die Lucca nimmt einen Schluck Bairisch, aber am praklischsten geht Frau Desir ze Artot zu Werke; sie soll sich seit einiger Zeit des bekannten L. W. Egers'schen Fenchelhonig-Extracts“*), den sie lauwarm nimmt, mit immer gutem Erfolge bedienen. Dieses treff⸗ liche Mittel möchten wir überhaupt allen denen ange⸗
legentlichst empfehlen, welche ihr Sprachorgan in Aus
übung ihres Berufes anzustrengen, und daher besonders zu konserviren nöthig haben; es giebt für solche in der That kein vernünftigeres, angenehmeres und schneller wir⸗ kendes Specificum. Ferner ist der L. W. Egers'sche Fenchelhonigextract allen denen zu empfehlen, welche an katarrhalischen Beschwerden, Husten, Heiserkeit, Ver⸗ schleimung, Kurzathmigkeit, Rauheit und Kitzel im Halse leiben, besonders aber für Kinder bei katarrhalischen oder entzündlichen Zuständen des Halses oder der Brust, Krampf⸗ und Keuchhusten.
„) Im Interesse unserer Leser bemerken wir, daß der Fenchelhonigextrack von L. W. Egers in Breslau käuflich ächt zu haben ist nur bei Jos. Hoffmann in
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