Ausgabe 
18.7.1871
 
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der Truppen eine Blume sichtbar, und fehlte der Fahnenschmuck an den meisten Häusern. Auf die Frage nach der Ursache dieser auffallenden Kälte wurde den Truppen die Antwort zu Theil: De Gemeinde habe schöne Fabnen; wenn die Sol- daten sie sehen wollten, hätten sie einige Tage vorher am Frobnleichnamsfeste kommen sollen. (Gez.) Ludwig, Prinz von Hessen, General- Ueutenaut und Commandeur der groß herzoglichen 25. Division.

München. Berichten aus Rom zusolge, be- reitet der Papst eine Bulle vor, welche über die Stadt Rom das Interdiet verhängt.

Pater Hyacinthe trat der Erklärung Döllinger's und Genossen gegenüber dem deutschen Episcopat brieflich auf das Vollständigste und aus- drücklich bei; er ist überzeugt, daß dieser große Act der Freiheit des Glaubens, der Wissenschaft und des Gewissens der Ausgangspunkt und das Centrum einer neuen reformatorischen Bewegung in der katholischen Kirche sei.

Am 15, d. Abends 9 Uhr ist der Kron prinz des deutschen Reiches, von Frankfurt kommend, hier eingetroffen und auf dem prächtig geschmückten Bahnhofe, vom Könige, den Prinzen, der Gene ralität und den Stadtverordneten empfangen worden. Auf der Fahtt zur Residenz wurde der Kronprinz und der König von der unabsehbaren Menge mit begeisterten Hochs begrüßt Abends 11 Uhr findet Familientafel bei der Königin⸗Mutter statt.

Der König hat einen Armeebefehl erlassen, worin er sagt: er danke seinem treuen bayerischen Heere für dessen tapfere Thaten; er gedenke be⸗ wegten Herzens der Opfer des Kriegs. Auch unter den Segnungen des Friedens möchten die Krieger die ächten Kriegertugenden pflegen,daß diese schließt der Befehl in lebendiger Kraft sich erhalten in meinem Volke und das Vaterland in euren Söhnen dereinst den Helden muth der Väter wiederfinde.

Friedrichshafen. Die Deputation der evangelischen Allianz wurde vom Fürsten Gort⸗ schakoff aus Auftrag des Kaisers Alexander wohl- wollend empfangen. Der Fürst betonte des Kaisers und seine eigenen Sympathien für den Zweck der evangelischen Allianz und für Glaubensfreiheit. Die Unterhandlung dauerte Stunde. Die Bitten der Deputation wurden mit großer Offen⸗ heit erörtert.

Karlsruhe. DieKarlsruher Ztg. enthält eine kaiserliche Cabinetsordre, datirt Ems 10. Juli, durch welche das Generalcommando des 14. Armee⸗ corps beauftragt wird, die in den Verband der preußischen Armee übertretenden Generale, Off ziere, Beamten und Soldaten in des Kaisers Namen herzlich willkommen zu heißen. Bis zum Ergehen der speciellen Personalbestimmungen ver bleibt Jeder an seiner bisherigen Stelle. Die Cabinetsordre schließt:Es ist Mir eine besondere Freude, den badischen Truppen bei dieser Ge legenheit Meine volle Anerkennung für ihr aue gezeichnetes Verhalten im letzten Feldzuge und Meine Freude darüber auszusprechen, daß sich, Dank des großherzigen Entschlusses ihres Krieg⸗ herrn, eine so vortreffliche Truppe mit der preu- ßischen Armee vereinigt.

DieKarlsruher Zeitung bringt einen Auszug aus der definitiven Verlustliste der badi⸗ schen Felddivision. Hiernach sind von Offizieren und Aerzten 31 todt, 147 verwundet, 4 vermißt; von den Manschaften 413 todt, 2584 verwundet, 259 vermißt. Die Gesammtsumme der Todien, Verwundeten und Vermißten stellt sich daher auf 3438. Von den Vermißten kamen zurück 4 Offi⸗ ziere und Aerzte und 220 Mann; in der Ge⸗ fangenschaft starben 13 Mann, noch vermißt sind 26 Mann.

Straßburg. Eine Verordnung des General- gouverneurs setzt die Wahlen zur vollständigen Erneuerung der Gemeinderäthe in allen Gemeinden Elsaß⸗Lothrin sens auf den 30, kesp. 29. und 30. dss. Mts. an. Oberpräsident Kühlwetter nimmt in derStraßburger Zeitung von den Beamten und Bewohnern des Elsasses Abschied

Das hiesige Lehrer-Seminar, das für die Aufnahme von 100 Zöglingen eingerichtet ist, wurde am 18. April d. J. mit nur 41 Zög- lingen, von denen 28 Schüler der ehemaligenEcole normale waren, eröffnet; in diesem Augenblick ist die Zahl der Zöglinge auf 61 gestiegen. Ver- schiedene Schulamts-Aspiranten aus Lothringen, die um Aufnahme baten, wurden auf das im Herbst dieses Jahres noch zu eröffnende Seminar in Metz hingewiesen, woselbst die ersten Vorbe

reitungen zur Errichtung der neuen Anstalt ge⸗

troffen sind. Die mit dem Straßburger Seminar verbundene Münsterschule zählte anfangs 9 Schüler, gegenwärtig wird sie von ca. 30 Schüler besucht.

Ausland. 1

Oesterteich. Wien, 12. Juli. Provinzial⸗ blättern wird von hier telegraphirt: Sowie Fürst Bismarck, haben auch die Minister Frankreichs, Englands, Sachsens und Bayerns den Grafen Beust aus Anlaß seiner Rede in der Delegation besonders beglückwänscht.

Frankreich. Paris. TasJournal ofsiciel veröffentlicht die Ernennung des Generals Ladmirault zum Gouverneur von Paris.

Der Generalsecretär im Handelsministerium, Herr Ozenne, reist nach London ab, um bezüglich der Modification des Handelsvertrages Unter handlungen einzuleiten. Derselbe geht dann behufs Besprechung über die deutsch-französischen Zollan gelegenheiten nach Berlin.

DasJournal des Débats veröffentlicht eine Denkschrift des polnischen Emigrationscomites an die Nationalversammlung, worin dasselbe gegen die Theilnahme einzelner Polen an dem letzten Bürgerkriege protestirt und erklärt, datz die meisten polnischen Emigranten Frankreich und der Ordnung treu geblieben seien.

Dem LondonerEvening Standard wird vom 11. d. aus Paris telegraphirt: Auf zweifel⸗ hafte Gewährschaft hin wird gemeldet, am Sonn- tag habe eine regelmäßige Schlacht zwischen einem französischen Linienregiment und den Bayern in Nogent-sur-Marne stattgefunden. Die Bayern hielten den Zug an, welcher die Franzosen nach Lyon führen sollte, und ehe die Offiztere sich in's Mittel legen konnten, sprangen die Mannschaften aus den Wagen und griffen die Bayern mit ihren Säbeln an. Ehe die Ordnung wieder her gestellt werden konnte, waren etwa 200 Mann

kampfunfähig gemacht worden,(2)

Der Chef der executiven Gewalt, soll, dem Bien public zufolge, das Erzbisthum Paris dem Msgr. von Orleans angeboten haben. Dupanloup habe dasselbe jedoch aus sehr ehrenvollen Gründen ausgeschlagen. Wie hiesige Blätter sich beklagen, will die Regierung in den Theatern und Concerten keine Spottlieder und dergleichen gegen die Preußen vortragen lassen, da deren noch so viele in Frank reich seien. Sie scheint demnach wirklich einge: sehen zu haben, daß in diesem Augenblicke die Hetzereien gegen die Deutschen höchst unangenehme Folgen haben müssen. Eine eigenthümliche anti preußische Demonstralion hat Rothschild gemacht. Derselbe hat nämlich seine Dienerschaft in Ferrières, welcher der König von Preußen bei seinem Auf enthalte auf dem Landsitze des reichen deutschen Banquiers 2000 Frs. zum Geschenke gemacht hat, gezwungen, dirselben an den Geber nach Berlin zurückzusenden. Alle leisteten dem Befehle Folge, ihnen mit Entlassung gedroht worden war.

DasJournal officiel theilt mit: Die Explosion in Vincennes entstand in einem Ar tillerieschuppen, welcher zur Aufbewahrung von Patronen und Geschossen diente. Da die Schläge nacheinander in getrennten Werksälen erfolgten, konnten die Arbeiter entfliehen. Nur ein Ar- tillerist wurde getödtet, sechs erlitten Verwundungen. Das Feuer entstand durch die Unachtsamkeit von Arbeitern, welche damit beschäftigt waren, Patronen zu entleeren.

Wie verlautet, hätte die Initiativ-Com- mission dem Antrage betreffs der Auflösung der Nationalgarde zugestimmt, Thiers wäre jedoch dagegen und wünschte, daß die Discussion darüber

in seiner Stellung als Civilcommissar.

bis zur Berathung über die Militär Organisation

ausgesetzt werde, wobei die Frage bezüglich der Auflösung der Nationalgarde mitentschieden werden müsse.

Nach demNiederrh. Kur. hat die fran zösische Regierung bestimmt, daß die kürzlich aus dem Elsaß und Lothringen nach Frankreich ausg wanderten Knaben alle den Kindern der Soldaten zustehenden Rechte genießen sollen.

Großbritannien. London. Im Unter⸗ hause erklärte Earl Granville auf die Inter: pellation Monk's bezüglich der Aufnahme des deutschen Kronprinzenpaares, daß dieses selbst den Aufenthalt im Botschaftshotel gewählt habe, die kronprinzlichen Kinder hätten den Buckingham Palast bewohnt.

Viel Befriedigung hat unter den Deutschen Londons die Antwort des Kronprinzen von Deutsch⸗ land auf die Begrüßungsadresse der deutschen Vereine hervorgerufen. Nach Durchlesung der Adresse sagte S. k. k. Hoheit: Er könne alles darin Ausgesprochene unterschreiben, nur das nicht, was man über ihn selber gesagt habe. Er habe eben nur, wie jeder Andere seine Pflicht ge than. In Bezug auf die Zukunft Deutschlands sprach der Kronprinz die herrlichen Worte aus: Ich kenne meine Aufgabe und Sie können sich auf mich verlassen. Einer Deputation des deutschen Hospitals, die ihm unter Führung des Frhrn. v. Schröder ebenfalls eine Adresse über⸗ reichte, antwortete der Kronprinz: Er freue sich, nach so großen, so gewaltigen Ereignissen wieder einmal im Frieden auf Englands Boden zu sein, Er habe die Sympathien der Deutschen dieses Landes aufs Tiefste gefühlt und statte ihnen Allen seinen wärmsten Dank für die großen praktischen Beweise ihrer Sympathie mit ihren kämpfenden und leidenden deuischen Brüdern ab. Was die Zukunft betreffe, sowerde er immer das Banner Deutschlands hoch halten und er hoffe, daß es ihm vergönnt sein möge, auch im Frieden seine Pflicht zu thun, wie er sie im Kriege habe thun können. 5

Die Abreise des Kronprinzen von Deutsch land wurde von den hier lebenden Deutschen aber mals zur Gelegenheit einer Ovation gemacht. Der Perron des Bahnhofs von Charing-Croß war diesmal den Mitgliedern deutscher Vereine, ihren Damen und Freunden freigehalten worden, und eine ungemein zahlreiche Schaar, denen diese Vergünstigung nicht zu Theil geworden, drängte sich um die Barrièren, um in die begeisterten Hochrufe einzustimmen, mit welchen der Kronprinz bei'm Aussteigen aus dem Wagen und bei Ab fahrt des Zuges begrüßt wurde. Die Damen hatten sich sammt und sonders mit Blumensträußen bewaffnet und ließen sich's nicht nehmen, einen ganzen Regen derselben aufunseren Fritz herab strömen zu lassen. b

Italien. Rom. Gerüchtweise ve lautet, die letzten Freignisse hier hätten auf den Papst einen derartig lähmenden Eindruck gemacht, daß sich seit mehreren Tagen eine auffallende Ge⸗ dächtnißschwäche bei ihm geltend mache. Der Osservatore Romano erklärt den angeblichen Brief Thiers' an den Papst als eine Mystification. Der Inhalt des echten Schriftstückes laute ganz anders. Zwischen der Curie und der Regie- gierung ist eine Annäherung in Aussicht. Die Regierung suspendirte die Einführung des Ge setzes betreffs der Kirchengüter.

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7 Friedberg. Da in dem, imAnzeiger veröffent⸗ lichten Berichte über die Thäligkeit des Hilfscomitss für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde auch des in dem hiesigen Reservelazareth beschäftigt gewesenen ärztlichen Personals gedacht wird, so bedarf derselbe nach dieser Seite hin noch einer Vervollständigung. Neben den beiden behandelnden Aerzten war dem Lazaretb als Assistenzarzt der stud. med. E. Weckerling von hier zugetheilt worden, ein hoffnungsvoller junger Mann, welcher leider als Opfer seines Berufseisers fiel, indem eine Ver⸗ giftung, welche er sich bei der Section eines an Eiter⸗ vergiftung, verstorbenen Soldaten zugezogen hatte, seinen Tod gerbeiführte. An seine Stelle trat nachher Herr stud. med. Grödel, welcher dem Lazareth bis zu seiner Auflösung angehört hat.

0 Friedberg. Die mit dem Werner'schen Instttute dahier verbundene Musikschule, geleitet von F. Frilsch und Fräulein Lina Werner, über welche in diesem Blatte schon mehrmals berichtet wurde, nimmt gedeihlichen Fortgang.

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