Auf dem Perron des Hanauer Bahnhofs ver- sammelten sich die städtischen Behörden, die Spitzen der Vereine zur Verpflegung der Truppen und für freiwillige Krankeupflege, die Damen der ver⸗ schiedenen in gleichem Sinne wirkenden Comite's, das Offiziercorps, die Vertreter der Landgemein⸗ den u. s. w. Gegen balb zehn Uhr kamen die Prinzen Karl und Adalbert, die Generale von Moltke, d. Tresckow ꝛc., bald darauf auch, von stürmischen Hochs empfangen, der Kaiser und der Kronprinz. Der Kaiser ließ sich die Damen persönlich vorstellen und batte für Jede ein freundliches Wort. Kurz nach 10 Uhr fuhr, unter nicht endenwollenden Hochs, der Zug mit den boden Gästen fort.
Saarbrücken. Aus Ferridres wird unterm 13. März gemeldet: Jules Favre ist gestern Abend nach Abschluß der Verhandlungen mit General Stosch wieder nach Paris zurückgekehrt. Die Verpflegung der deutschen Truppen ist so geregelt, daß sie mit 500,000 Mann beginnt, und je nach Rückmarsch der Truppen bis zu 150,000 Nann abnimmt und endlich mit 50,000 Mann abschließt.
— 15. März. Der Kaiser traf, begleitet von dem Kronprinzen sowie den Prinzen Karl und Adelbert, heute 11 Uhr Vormittags im besten Wobhlsein bier ein und wurde auf dem Bahnhöfe vom Generalgouverneur Herwarth v. Bittenseld, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz und den städtischen Bebörden empfangen und von einer unabsehbaren Volksmenge jubelnd begrüßt. Der Kaiser trat dann in die Mitte der in der Bahn⸗ hofshalle versammelten Deputirten der rheinischen Städte und Landgemeinden, erwiderte die An- sprüche des Oberbürgermeisters von Köln in längerer warmer Rede und nahm die von erbeini⸗ schen Gemeinden gewidmete Dankadresse sowie einen Lorbeerkranz entgegen. Um 12 Uhr setzte der Kaiser die Reise fort.
München. Die Frist, welche den Professoren Döllinger und Friedrich zur Abgabe der Unter- wütsigkeitserklärung unter die Beschlüsse des Con- cils gestellt war, ist abgelaufen, ohne daß die Aufgeforderten eine Erklärung abgegeben bätten.
In Augsburg sind in der kgl. Gieß- und Bohranstalt 74 eroberte Geschütze aus Paris eingetroffen, darunter ein Hinterlader ntuester Construktion, der der Aufschrift nach erst in diesem Jahr angefertigt wurde.
Neustadt a H. Wohl noch nie bat ein Militärtzansport so großes Aufsehen erregt, als der der französischen Kanonenboote, welche in Orleans weggenommen worden waren. Dieselben waren ihrer Maschinen und Kanonen entkleidet und auf einem Gerüste, welches auf mehreren der stärksten, zusammengekoppelten, offenen Eisenbahnwagen ruhte, befestigt. Die Bote waren von einer Abtheilung Matrosen und Marine- soldaten begleitet.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der eidgenössische Com⸗ missar Dr. Heer ist von Zürich hierher zurück. gekehrt. Auf seinen Bericht beschloß der Bun- desrath, die eidgenössische Besetzung der Stadt Zürich aufzuheben, der Züricher Regierung be⸗ merkend, der Bundesrath erwarte, daß sie für den ungestörten Fortgang der Untersuchung und die Sicherheit der Rechtsprechung Sorge tragen werde.
Frankreich. Paris. Ein Detret des Chefs der executiven Gewalt bestianmt, daß, in Erwägung, daß in Folge der Ratification der Friedenspräliminarien durch die Nationalversamm⸗ lung kein Grund mehr vorbanden ist, die gegen- wärtige Organisation der Armee aufrecht zu er- halten, die Generalstäbe und sonstigen besonderen Dienstzweige der Nordarmee, des Armeecorps vom Havre, der auf der Halbinsel Cotentin vereinigten Streitkräfte, der Armee der Bretagne, der 2. Armee des 25. Armeecorps and der in der Nièvre vereinigten Truppen, der Vogesenarmee, der in den Departements Ain und Savoyen vereinigten Streitkräfte, sowie aller sog. strategischen oder Uebungslager, vom 7. März aufgelöst werden.
—„Paris-Journ.“ meldet: Die Bespannungen, welcht nach dem Montmartre geschickt wurden, haben die Kanonen nicht zurückgebracht. Die Nationalgarden haben ihre Ansicht geändert und
beschlessen, jedem Bataillon die ihm gehörigen Kanonen zurückzugeben gegen das Vorzeigen einer Quittung, welche den Ankauf der Geschütze nachweist.
— Ein Befehl des General Vinop untersagt das Abhalten von Bällen und Maskeraden während der Mittfasten.
— Die Syndicate haben einmüthig be⸗ schlossen, keinen Deutschen mehr in den Handlungsbäusern von Paris aufzunehmen. Man wird die Wichtigkeit dieses Beschlusses begreifen, meint der„Constitutionnel“, wenn man weiß, daß die Syndicate mehr als zehntausend Mitglieder im Handelsstande von Paris besitzen.
— Das„Journal des Döébats“ drückt sein Erstaunen darüber aus, daß die Behörden den lächerlichen und mitunter abscheulichen Scenen, deren Schauplatz die Butte Montmartre und der Bastillenplatz seit 14 Tagen seien, kein Ende mache. Das genannte Blatt fordert Thiers auf, einen thätigen, einsichtsvollen und energischen Polizeipräfekten zu berufen.
— Thiers ist in Versailles eingetroffen. Der- selbe hat, um sich der Nationalversammlung gegen- über nachgiebig zu zeigen, bestimmt, daß alle Sitzungen des Ministeriums in Versailles und nur die offiziellen Empfänge in Paris stattsinden sollen.
— Alle ausgedienten Seldaten der Pariser Armee verlassen die Stadt, um sich in ihre Heimath zu begeben.
Großbritannien. London. Wie es heißt, soll Graf Bismarck in einer Depesche an die englische Regierung hinsichtlich der Kriegs- contrebande proponiren, daß den Neutralen ver- boten werde, künftig die kriegführenden Theile mit Kriegsmaterial zu versehen.
Italien. Die Stadt Rom feierte am 14. d. zum ersten Mal den doppelten Geburtstag des Königs und des Kronprinzen Humbert. Letzterer hielt bei dieser Gelegenheit eine Revue der Na— tionalgarden ab. Abends war Illumination.
Rußland. Petersburg. Der Allianz⸗ vertrag mit Preußen, wovon die„Morning Post“ sogar den Text gegeben hat, wird in offiziellen Kreisen entschieden dementirt.
J Aus Ockstadt. Grausenhaft sind die Gräuel des verheerenden Krieges; wohlthuend dagegen ists wieder, zu gewähren, wie dieselben durch die vielgestaltige Nächsten⸗ liebe, deren unsere Jetztzeit sich rühmen darf, gemildert werden. So sind denn auch wir wiederholt in der freudigen Lage, zu berichten, daß Herr Reichsrath Freiherr von Franckenstein einhundert Gulden für die Angehörigen der hiesigen, im Felde stehenden Truppen bestimmie, die am verflossenen Montag an 28 Betheiligte vertheilt wurden. Diese edle Gabe verdient um so mehr unsere Anerkennung und Dankdarkeit, als Se. Exellenz seither schon 120 fl. an das Friedberger Comité durchziehender deutscher Krieger und 104 fl. an unbemittelte Aeltern hiesiger Soldaten gelangen ließ.
Gießen, 14. März. Monlag den 17. April l. J., Vormitiags 9 Uhr, werden die Sitzungen des Schwur— gerichis vom II. Quartal unter dem Vorsitze des zum Präsidenten bestimmten Großberzoglichen Hofgerichts-Naths Herrn Eckstein beziehungsweise des zu dessen Stellver⸗ treter ernannten Großherzoglichen Hofgerichts-Raths Herrn von Herff ihren Anfang nehmen und ist zu diesem Behufe in der heute statigehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen, die Ausloosung der Haupt-Geschworenen in folgender Reihen⸗ folge vorgenommen worden. 1) Friedrich Bücking, Rentner in Gießen. 2) Georg Fulda, Rentner daselbst. 3) Conrad Bausch VI., Landwirth in Nieder⸗Wöllstadt. 4) Heinrich Walther, Landwirth in Maar. 5) Ludwig Grünig, Papierfabrikant in Kesselbach. 6) Dr. Ludwig Lange, Professor in Gießen, 7) Jacob Köhler I., Landwirth in Langsdorf. 8) Friedrich Fink, Branntweinhändler in Lauterbach. 9) Julius Georg Daniel Bapst, Kaufmann in Gießen. 10) Georg Ferdinand Gail, Favrikant daselbst. 1u) Friedrich Vollmüller III., Fabrikant in Lauterbach. 12) von Rabenau zur Nordeck, Rittmeister in Gießen. 13) Gilbert Müller II., Landwirth in Bellersheim. 14) Friedrich Führer, Bierbrauer in Gießen. 15) Johannes Jacobi VI., Bürgermeister in Rodheim v. d. H. 16) Dr. Rudolph Buchheim, Professor in Gießen. 17) Concad Keller, Landwirth in Melbach. 18) Löb Oppenheimer, Fruchthändler in Friedberg. 19) Jacob Diehm, Fabrikant in Lauterbach. 20) Arnold Müller, Cigarrenfabrikant in Gießen. 21) Karl Puth, Landwirih in Nieder-Wöllstadt. 22) Johannes Schlitt V., Landwirth in Leusel. 23) Wil— helm Curtman, Hofgerichis- Advocat in Friedberg. 24) Kaufmann Rosenthal, Fruchthändler in Butzbach. 25) Friedrich Koch, Kaufmann in Stockheim. 28) Johannes Weitzel V., Bürgermeifter in Hopfgarten. 27) Heinrich Karl Schaubach I., Landwirth in Nieder-Florstadt. 28) Karl Draudt, Oeconom in Büdes heim. 29) Jacob
Wießler, Ellenwaarenhändler in Butzbach. 30) Georg Jehner I., Landwirth in Schwalheim.
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einer Verpflegung der hier durchpasstrenden Truppen auf
dem Neckar-Bahnhof wegen der Größe und der Schwierig⸗„ sehen rauf
keit der Aufgabe von dem betreffenden Comite abge und richtet dasselbe nunmehr seine Aufmerksamkeit darauf, dem Regimente oder Bataillone, welches hier in Gar nisot kommt, ein großartiges Fest zu beresten. 4 O Frankfurt. Der am Taunustbor für den Ein⸗ zug des deutschen Kaisers und der heimkehrenden deulschen Sieger erbaute Triumphbogen ist in seinen Dimen⸗ sionen und in seiner künstlerischen Ausführung das Groß⸗ artigste, was der bei so vielen Gelegenheiten schon er— probte Patriotismus der Frankfurter bis jetzt geschaffen hat. Eine 30 Centner schwere Germania, welche den heimkebrenden Siegern Lorbeerkränze entgegenhält, steht majestätisch auf der Höhe des Triumphbogens, welcher auf der Seite nach dem Thore hin die Inschrift trägt:
Seid mir freudig gegrüßt, ihr tapferen, siegreichen Helden, Größe, Einheit und Ruhm dankt das Vaterland Euch! Links sind die Namen der eroberten Festungen, rechts die Namen der Schlachten, die sich auf der der Gallusgasse zugewandten Rückseite des äußerst geschmackvollen Triumph⸗ bogens fortsetzen. Als Inschrift prangt auf dieser Seite: Nun mag verwandelt werden das Schwert zum Pal menzweig, Und Friede sei auf Erden, geschützt vom deutschen Reich. Ein zweiter Triumphbogen befindet fich auf dem Roß⸗ markie und trägt, mit Kränzen geschmückt, die seither im Dom aufbewahrte riesige Kaiserkrone, unter welcher s. 3. die deutschen Kaiser während ihrer Saldung und der darauf folgenden Huldigung saßen. An den vier Seiten sind Inschriften angebracht. Die eine lautet:„Heil dem erneuten Kaiserthum“, die andere„Friede, Einheit und Wohlfahrt“, die dritte„1814, 1815 und 18717 und die vierte:„Durch Muth und Weisheit zum Sieg.“ Die Häuser in den Straßen, durch welche der Kaiser seinen Einzug in die Stadt gehalten, sind mit Guirlanden ge⸗ schmückt und gewähren bei den sonstigen verschiedenartigsten und geschmackvollsten Decorationen auch jetzt noch einen prachtvollen Anblick.
Aus Warschau wird geschrieben, daß zu der auf der großen Haide bei Bzesc-Litewsk zu veranstalteten Auerochsen-Jagd Gäste vom preußischen Königshause er⸗ wartet werden. Die Jagd soll dem deutschen Kaiser zu Ehren stattfinden, der bereits früher einer solchen Jagd beigewohnt und mehrere Stücke Auerwild erlegt hat. Diese Thiere werden in der genannten Haide eingehegt und sind besonders Leute in derselben colonisirt, welche für dieses Wild das Winterfsutter vorbereiten und die Fütterung und Tränkung an bestimmten Plätzen im Winter besorgen müssen. Eine Jagd auf Auerochsen ist nicht nur für die Gegend um Bzesc⸗Litewsk, sondern für ganz Littauen ein wichtiger Act.
» Darmstadt. Man hat mit dem Abbruch des auf dem Marienplatze stehenden Invalidendenkmals, welches offenbar eine Versündigung gegen den guten Geschmack war, begonnen und wird ihm auf dem Friedhof ein stilles Plätzchen gönnen. Wie verlautet, soll auf die freiwerdende Stelle ein neues Denkmal zur Erinnerung an die glor— reiche Betheiligung unserer Truppen in dem Feldzug 1870-71 zu siehen kommen.
Bezüglich der in Nr. 28 dieses Blattes ab⸗ gedruckten dankenden Anerkennung der seitens des Herrn Bierbrauereibesitzers Windecker an das Reservelazareth gemachten Eislieferungen muß nach- träglich bemerkt werden, daß dieselbe, eigentlich ein Zeugniß für einen Privatzweck, lediglich durch den Irrthum des von mir beauftragten Be— stellers den Weg in die Druckerei gefunden hat. Uebrigens würde diese ausschließliche öffentliche Anerkennung eine schreiende Ungerechtigkeit gegen die übrigen Herren Brauereibesitzer unserer Stadt gewesen sein, welche fast alle mit der größten Liberalität ihre Eis vorräthe dem Lazareth zur Verfügung gestellt haben. Friedberg, 17. März 1871.
N Aufforderung.
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Der Unterzeichnete macht bekannt, daß ihm von mehreren Orten Amerika's, insbesondere aber durch das deutsche Hülfs-Comits in Mil- waukee in Wisconsin, eine nicht unbedeutende Summe zur Disposition gestellt worden ist, mit dem Auftrage, dieselbe zum Besten der Hinterlassenen, Wittwen und Waisen der in dem deutsch-französischen Kriege Gefallenen oder Verwundeten zu verwenden.
Es werden daher hiermit alle Diejenigen, welche Anspruch auf eine derartige Unterstützung erheben zu dürfen glauben— und zwar zunächst aus dem Großherzogthum Hessen— aufgefordert, sich in frankirten Briefen unter Darlegung ihrer Verhältnisse, Bedürfnisse u. s. w. baldmöglichst an den Unterzeichneten wenden zu wollen. Eine Beglaubigung dieser Darlegung durch die je— weiligen Herren Geistlichen, Ortsvorstände oder sonst völlig glaubwürdige Personen ist erforderlich.
Dr. med. Louis Büchner in Darmstadt, Grafenstraße Nr. 39.
Dr. Lorenz.
Frankfurt. Wie hiesige Blätter melden, wurde von
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