Ausgabe 
18.3.1871
 
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1871.

Samstag den 18. März.

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sischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Deutsches Reich.

Darmstadt. S. K. H. der Großherzog bat am 14. d. ebenso wie in früberen Jahren zum ebrenden Gerächtniß der verstorbenen Groß berzogin Matbilde nachgenannten Anstalten die beigesezten Geschenke verliehen und zwar: der Mathildenstiftung 900 fl, dem Matbilden-Land- krankenhaus 300 fl., dem Rettungshaus in Hänlein 200 fl., dem Diakonissenhause Elisabethenstift und dem Hause der barmherzigen Schwestern dahier je 150 fl., der Kleinkinderschule dahier und der Blindenanstalt zu Friedberg je 100 fl., im Ganzen also 1900 fl.

Gießen. Die Vorlesungen auf der groß- herzoglichen Landesuniversität für das Sommerhalb- jahr 1871 werden am 18. April ihren Anfang nehmen. Die Immatriculation beginnt am 13. April.

Gießen. Um einen kurzen Ueberblick von den Geschäften ciner größeren Etappe während des Krieges zu bekommen, dienen am besten folgende Zahlenangaben. Bis zum 4. d., wo die Züge nach Frankreich sistirt wurden, sind 1455 Militär- Züge von hier nach Frankreich befördert worden und etwa 1070 Züge brachten aus Frankreich Kranke, Verwundete, Gefangene und Kriegsbeute, 427,900 Mann wurden bis heute auf Staats- kosten in der Militär- Speise-Halle auf hiesigem Bahnhofe mit warmer Kost oder Kaffee verpflegt, außerdem nahm am 5. September Kaiser Napoleon mit seinem zahlreichen Gefolge in den Fürstlichen Zimmern hiesigen Bahnhofs auf Staatskosten als Kriege gefangener das erste Diner auf deutschem Boden ein; etwa 3800 Kranke nahmen die zur Etappe Gießen gehörigen Lazarethe auf, 4540 Depeschen gingen bis jetzt bet hiesiger Etappen Commandantur ein und 4610 Depeschen gingen von derselben ab.

Mainz, 15 März. Die Durchrceise des Kaisers Wilhelm ist heute unter ungeheuerem Menschen andrange in festlicher Weise erfolgt, sowohl des sieggekrönt heimkehrenden Reichsoberhaupts als der Stadt würdig. Der Bahnhof prangte in festlichem Schmucke, ebenso die ganze Rheinstraße; bis zum Schloß hin war die Bahn mit Guirlanden ein gefaßt und ein wahrer Wald von Fahnen bedeckte die Häuser. Nachmittags 5 Uhr traf der Extra zug auf dem Bahnhöfe ein. Zwei Stunden vor her war der Großherzog mit kleinem Gefolge dem kaiserlichen Zuge bis Bingen entgegen gereist. Als der Zug die Grenze des Festungsrayons be schritt, begann die Artillerie rings auf den Forts dies- und jenseits des Stromes die Geschütze zu lösen. Der Kaiser hielt an der Verbandhalle, fuhr nach kurzer Ansichtnahme weiter und wurde

die Rheinstraße entlang mit ungeheurem Jubel

begrüßt. Im Bahnhose erfolgte die Begrüßung seitens der Stadt. Die Liedertafel sang das Lied: Deulschland, Deutschland über Alles. Seitens der anwesenden Festjungfrauen wurde dem Kaiser ein Festgedicht und ein Lorbeerkranz überreicht. Bei der Ahfahrt brach das Kopf an Kopf ver sammelte Publicum nochmals in donnerndes, kein Ende nebmendes Hochrufen aus.

Berlin. Der Demobilisationsplan sämmt- licher Armeccorps ist nach derN. St. Ztg. folgender: Zuerst kommen die Recruten der Garni sons- und Besatzungsbataillone zur Entlassung, demnächst erfolgt die Auflösung der Garnisons bataillone, hierauf erfolgt die Entlassung der Land wehrbataillone, und zuletzt die einzelnen Jahr- gänge der Landwehr und Reserve der Ersatz Truppentheile und der mobilen Regimenter.

Der General- Adjutant des Kaisers von Rußland, General Wrangel, ift an der Spitze einer militärischen Deputation von Petersburg hier eingetroffen, um den deutschen Kaiser bei seiner Ankunft zu begrüßen.

Die Stadtiptrordneten-Versammlung be⸗ schloß, den Magistrat zu ersuchen, er möge stine Zustimmung ertheilen, daß dem Reichskanzler Grafen Bismarck und dem General Moltke das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin verliehen und in einer Urkunde ausgesprochen werde, Die Communalbehörden beschlossen, die Marmorbüsten des Reichskanzlers und des Generals im Rath- bause aufzustellen.

DerProo.-Corresp. zufolge gedenkt der Kaiser Freitag den 17., Nachmittags 4 Uhr, in Berlin wieder einzutreffen. Ter Kaiser hat sich in der Residenz jeden feierlichen Empfang Seitens der Behörden und der Commune für jetzt aus- drücklich verbeten, um seiner Zeit erst mit den beimkehrenden Truppen, voraussichtlich Anfang Mai, seinen festlichen Einzug in die Hauptstadt zu halten.

Aus Rücksicht auf die in Frankreich herrschende Stimmung und die bedrohlichen Zu stände ist ang ordnet, daß alle disponiblen Truppen, mit Aus nahme der Landwehren, vorläufig in Frank- reich belassen werden.

In den 180 Tagen, in welchen das Kriegsdrama wirklich spielte, haben die deutschen Herte 156 mehr oder minder bedeulende Gefechte bestanden, 17 größere Schlachten geschlagen, 26 feste Plätze genommen, 11,650 Offiziere, 363,000 Mann Gefangene gemacht, über 6700 Ge schütze und 120 Adler oder Fahnen erbeutet. Die deutschen Heere haben demnach in jedem der sechs Monate wirklicher Kriegsführung durchschnitt lich 26 Gefechte und 3 Schlachten durchkämpft, 4 Festungen genommen, 1950 Offziere und 60,500 Mann gefangen und 1110 Geschütze und 20 Adler oder Fahnen erbeutet. Es kommen somit beinahe auf jeden Tag des Krieges ein Gefecht, auf jeden neunten Tag eine Schlacht, auf jeden sechsten Tag eine eingenommene Festung; ferner auf jeden Tag an Kriegsgefangenen 65 Offiziere und 2070 Mann, an Geschützen 38 Stück, an Fahnen oder Adlern eine resp. einer auf je zwei oder drei Tage.

Paris wird bekanntlich noch einige Zeit auf der Nord- und Ostseite(rechtes Seineufer) unter deu deutschen Kanonen stehen. Daß diese Occupation der Forts St. Denis, Romainzkille, Notzent u. s. w. zwar gänzlich inoffensiv, aber nicht ohne Vorsicht ausgeübt wird, beweist fol gende Meldung, die derKöln. Ztg. aus Paris zugeht:Die Deutschen haben gegen den Mont martre Vorsichtsmaßregeln ergriffen und auf dem sogenannten tapis vert(bei dem Fort Romain ville) 8 Kanonen aufgestellt, welche die Buttes Montmartre bestreichen.

Nach demStaatsanzeiger befanden sich in der Begleitung des Kaisers während der Reise die General-Adjutanten v. Bopen und v. Tresckow, die Flügeladjutanten v. Albedyll, Graf Lehndorff, Major v. Alten, v. Lucadou, Prinz Radziwill und Graf Waldersee, der Chef und 18 Offiziere des großen Generalstabes, der kais. rusfische Militär- bevollmächtigte Generallieutenant Graf Kutusoff, die Generalintendantur der Armee mit 7 Oberbeamten, der Commandant des großen Hauptquartiers Major v. Locquenghien, der Chef der Militär- telegraphie, zwei reitende Feldjäger, zwei Offi-

ziere der Infanteriestabs wache, die Felopolizei⸗

direction mit zwei Offizieren, der Geheime Hofrath

Schneider und das Feldoberproviantamt, zusammen: 47 Generäle und Offiziere, 32 höhere und 30 Unterbeamte, 7 Unteroffiziere, 58 Mannschaften, also 179 Personen, für welche die Eisenbahnver⸗ waltung von Nanch ab 69 Achsen zu stellen hatte.

DieNordd. Allg. Ztg. schreibt: Bei einem Theil der Presse fand die Zutheilung einiger unbedeutender Striche elsässischen Landes au Bayern cinen Widerstand, der nicht gerecht⸗ fertigt ist. Das Object ist weder räumlich noch sonst von bedeutender Wichtigkeit, und werden die gedachten Gebietstheile, ob sie nun Bayern zugetheilt werden oder anderweitig darüber be stimmt wird, doch unter allen Unständen deutsch bleiben. Schließlich würde ein derartiges Opfer zweifellos gerechtfertigt sein, wenn damit, wie zu hoffen, die in manchen Kreisen Bayerns herrschende mißtrauische Stimmung in das Gegentheil ver- wandelt oder doch gemildert würde.

Dresden. DasDresdner Journal be⸗ flätigt, daß der Kriegsminister v. Fabrice mit Genehmigung des Königs noch einige Zeit in Frankreich bleibt, um die Vertretung des Reichs- kanzlers in Beziehung auf alle die Ausführung des Friedenspräliminar-Vertrages betreffenden An- gelegenheiten zu übernehmen.

Frankfurt, 16. März. Nachdem gestern die ganze Stadt zum feierlichen und würdigen Empfange des neuen deutschen Kaisers den herrlichsten Festschmuck angelegt batte, der das alte Frankfurt wohl je geziert, versammelten sich um 5 Uhr am Triumphbogen die städtischen Be hörden und einzelne Corporationen zur Begrüßung des auf 6 Uhr erwarteten Kaisers. Gegen ½7 Uhr zeigte der erste Kanonenschuß und das Läuten der Glocken an, daß der Kaiser auf dem Neckar- bahnhof eingetroffen. Nach dem Empfang des selben durch den Regierungspräsidenten v. Möller und Polizeiprästdenten v. Madai wurde ihm das Damen-Comite, welches sich der Truppenverpflegung auf dem Reckarbahnhof gewidmet, vorgestellt. Hierauf bestieg der Kaiser mit dem Großherzog von Hessen eine von dessen Hof-Equipagen und fuhr zum Portale des Triumphdogens. Hier wurde er vom Oberbürgermeister Dr. Mumm in der alten Kaiserstadt willkommen geheißen. Der Kaiser reichte demselben zum Gruße die Hand. Darauf fuhr der Kaiser durch den Triumphbogen in die Stadt ein. Kopf an Kopf stand die Menge, Kopf an Kopf schaute sie aus den Fenstern auf die Straße herab. Die Fahrt bis zum Darmstädter Hof glich einem Triumpbzuge. Endlos waren die Hochs auf den Kalser, auf den Krouprinzen, der im zweiten Wagen saß, und auf General v. Moltke, der im dritten folgte. Als der Kaiser imDarmstädter Hof abgestiegen, erschien er auf dem Balkon und dankte der Menschenmenge, welche auf der Zeil bis zum Dachgiebel sich aufgepflanzt hatte, durch mehrere stumme Verbeugungen. Als Moltke binter dem Kaiser sichtbar wurde, bekam auch er seine stür mischen Hochs. Um 10 Uhr fuhr der Kaiser zum Thee zu General v. Boyen, woselbst ibm eine Serenade mit Laternenzug gebracht wurde. Auf der Hin- und Rückfahrt des Kaisers wurden ihm von der Menschenmenge stets Ovationen dar- gebracht. Heute Morgen hatte sich schon früh eint zahlreiche Menschenmenge vor dem Hessischen Palais eingefunden, wiewohl die Stunde der Ab-

reise des Kaisers erst auf 10 Uhr festgesetzt war.