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Dotationsgesetzes hat in ihrer Sitzung vom 13. d. nach langer Debatte, während welcher Fürst Bis- marck wiederbolt das Wort ergriff, die Vorlage mit der Aenderung angenommen, daß die Summe von 4 Millionen Thalern dem Kaiser zur Dotation an Heerführer und deutsche Staatsmänner, welche bei den nationalen Erfolgen des Krieges in her⸗ vorragender Weise mitgewirkt hatten, zur Ver- fügung gestellt werde.
— Der deutsche Reichsadler, wie er künftig in dem Reichswappen, sowie in den amtlichen Stempeln, Siegeln u. s. w. geführt werden soll, ist nunmehr vom Pundesrath fesigestellt worden. Es ist der heraldische Adler mit einem nach rechts gewendeten Kopfe, über welchem die deutsche Kaiser⸗ krone schwebend sich befindet. Das Brustschild des Adlers zeigt den heraldischen preußischen Adler, die Flügel je sechs breite und fünf schmälere Federn; die Fänge sind ohne die beim preußischen Adler angebrachten Reichs-Insignien und der Schwanz in heraldischer Darstellung.— Nach der„Karlsr. Z.“ wird der Kaiser und König— gleich anderen Souveränen— dem Papst zu dessen bevorstehenden Jubiläum durch einen besonderen Abgesandten seine Gratulation darbringen lassen.
— Der„Reichanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz, betreffend Inhaberpapiere mit Prämien, ferner das Gesetz, betreffend die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für Tödtungen und Körperver⸗ letzungen bei Eisenbahnen, Bergwerken u. s. w.; endlich eine vom preußischen Ministerium gegenge— zeichnete kaiserliche Verordnung, wodurch die preußi⸗ sche Bank ermächtigt wird, in Elsaß und Loth— ringen Comptoir⸗Commanditen und Agenturen zu erüchten.
Breslau. Das Stadttheater ist vollständig niedergebrannt. Die Vorstellung hatte bei dem Ausbruch des Feuers schon begonnen, doch konnten das Publikum, sowie die Mitwirkenden sich alle in Sicherheit bringen. Man vermuthet, daß das Feuer auf dem Schnürboden ausgebrochen ist. Die Bibliothek und die Instrumente wurden gerettet.
Leipzig. Der Centralvorstand des evang. Vereins der Gustav-Adolph⸗ Stiftung macht be⸗ kannt, daß die 25. Hauptversammlung des Ge— sammtvereins der Gustav⸗Adolph⸗Stiftung am 22. 23. und 24. August a. c. in Stettin stattfinden soll
Ausland.
Oestetreich. Prag. Der Ausschuß des „Politischen Vereins“ beschloß die Absendung einer Glückwunsch⸗Adresse an den Bürgermeister der Stadt Berlin zum Einzug der Truppen am 16. Juni.
Frankreich. Paris, 13. Juni. Tie „Opinion nationale“ meldet: Der Kriegsminister hat Befehl zur Verhaftung mehrerer Offiziere ge⸗ geben, die ihre Marschroutebillets an politisch Compromittirte verkauften. Sämmtliche Legationen sind von Versailles hierher übergesiedelt. Sie er⸗ hielten Einladungen zu einer Revue, die am Sonn⸗ tag über 100,000 Mann abgehalten wird.— Die „Gazette de France“ meldet, daß noch in dieser Woche eine Zusammenkunft zwischen dem deutschen und französischen General⸗Postdirector zu Frank- surt stattfinde.— Alle heutigen Abendjournale sprechen von einem Gerücht, wonach Poußyer— Quertier die Anlehensemission aufschieben zu müssen erkläte, bis die Nachwahlen vorüber seien. Er sei der Ansicht, daß die Wahlen ein Sieg der republikanischen Ordnungspartei sein würden und in Folge dessen ein Pfand für die französischen Staatsgläubiger.
— Nachrichten aus Versailles zufolge hat eine Fusion der Orleaus mit den Bourbons gar nie- mals stattgefunden.
— General Cissei hat 4000 Orden der Ehrenlegion zur Vertheilung an die Bazaine'sche Armee bewilligt.
— Die imperialistische Partei in Frankreich soll die bestimmteste Weisung haben, jeder Restau⸗ tation der Bourbonen oder der Orleans auf das Entschiedenste entgegen zu arbeiten, aber auch in keiner Weise und am wenigsten durch eine bewaff⸗ nete Schilderhebung für eine directe Wiederher⸗ stellung des kaiserlichen Regimes zu wirken, sondern
— Die Commission zur Vorberathung des
vor der 18 und bis zum gegebenen Augenblick der Republik ihre unbedingte Unterstützung zuzu- wenden. Die Kaiserin Eugenie soll bei Ertheilung
dieser Instruction den Ausschlag gegeben haben.
Versailles, 13. Juni. Bei Berathung des Antrages auf Ernennung einer Commission zur Untersuchung der Handlungen der National- vertheidigungs⸗Regierung ergreift Trochu das Wort, um die Ursachen des Verfalles der Armee und der Unglücksfälle am Rhein darzulegen. Die Revo⸗ lution hatte ihren Ursprung in der Demoralisation der Armee, welche in keiner Weise darauf vor- bereitet war, dem Feinde schon Anfangs August entgegenzutreten. Trochu erkannte die mit einer Belagerung von Paris verbundene Gefahr, machte den Kaiser darauf aufmerksam, daß alle anderen Ereignisse dagegen untergeordneter Natur seien, daß die Vereinigung der Armeen vor Paris die einzige Rettung Frankreichs sei und die Armee Bazaine's deßhalb zurückgerufen werden müsse Politische Rücksichten verhinderten die Ausführung der bereits begonnenen Maßregel und seit dieser Stützpunkt fehlte, war die Lage von Paris im höchsten Grade bedrohlich. Trochu fügt hinzu, daß er schon vom Ende September an auf die Fragen seiner Collegen als seine Ansicht ausge— sprochen habe, Paris werde unterliegen, da keine Hälfsarmee existire. Der Widerstand war eine heroische Thorheit, aber nothwendig, um die Ehre Frankreichs zu retten. Er habe nichts destoweniger noch einige Hoffnung auf Unterstützung Seitens Amerika's, England's und Italien's gehabt. Trochu wendet sich dann gegen die ihm gemachten Vor— würfe, erinnert an die durchaus ungenügenden Befestigungen, welche der neuen Artillerie nicht widerstehen könnten, weist darauf hin, daß die— selben nicht armirt waren, Soldaten mangelten. Die sechs Wochen, welche dazu nöthig waren, um die Nationalgarden zu formiren, nützten auch den Preußen, welche durch die in dieser Zeit aus-
geführten Arbeiten ihre Linien unangreifbar machten.“
— 14. Juni. Nationalversammlung. In den heute fortgesetzten Mittheilungen des Generals Trochu spricht derselbe von seinen Plänen während der Belagerung von Paris, an deren Ausführung er jedoch durch die öffentliche Meinung gehindert worden sei. Trochu erinnert an seine vergeblichen Anstrengungen, die Deutschen dazu zu zwingen, daß sie nicht blos mit Artillerie, sondern auch mit Infanterie kämpften. Der General glaubt,
daß die Hälfte der Tödtungen und Verwundungen, welche in der Schlacht vom 19. Jan. die fran⸗— zösischen Truppen erlitten, der Unerfahrenheit der Nationalgarden zuzuschreiben sei, die er stets ge— fürchtet. Trochu erwähnt sodann seiner Absetzung durch die Regierung und erblickt die Grundur⸗ sache des jüngsten Aufstandes in der Zusammen⸗ setzung der Nationalgarden, welche 25,000 ent- lassene Sträflinge und eine große Anzahl von Sektirern enthalten habe, welche, Waffen und Losungswort von außerhalb empfangend, die Haupthetzer gewesen seien. General Chanzy ver⸗ theidigt die Regierung von Tours und Bordeaux. Die Kammer genehmigt hierauf die Beschlüsse der Commission.
— Die Prinzen von Orleans haben sich einfach verpflichtet, nicht in der Versammlung zu erscheinen, bleiben jedoch Deputirte zur Disposition der Versammlung.
— Mit Ausnahme der klerikalen Organe verurtheilt die gesammte Presse einen Brief von französischen Bischöfen, in welcher die Wiederher— stellung der weltlichen Herrschaft des Papstes ver- langt wird. Frankreich, so lautet das Urtheil der Presse, könne und wolle sich nicht mehr in diese Frage mischen, von der es glücklicher Weise befreit sei.
— Marschall Mac⸗Mahon betrachtet seine militärische Mission als beendigt und hat ein Entlassungsgesuch eingereicht.
Italien. Florenz. Für das Cavour⸗ Monument wurde in 48 Stunden die erforderliche Summe gezeichnet.
Rom. Aus Deutschland, Frankreich und
Belgien sind zur päpstlichen Jubelfeier zahlreiche Es werden sich an
Deputationen eingetroffen.
der Feier 18 Processionen betheiligen.
Der Fürst
von Hohenlobe ist mit einem Sa Kaisers von Oesterreich an den Papst a
ig, 18 1 Z. Friedberg. Die vor Kurzem eröffnete Hertlein'sche
Gartenwirthschaft bietet mehr, als unsere seit⸗ herigen derartigen Etablissements. Vor allen Dingen ist es
ein wirklicher Garten mit Bosquet⸗Anlagen und nicht ein
bloßer Bierkeller. Die Tische und Bänke sind an und in den Bosqueten vertheilt und eignen sich deßhalb sehr gut für kleinere Gesellschaften. Der Garten ist aber auch ge⸗ räumig genug, zumal zwei Säle in dem Haus zur Wirth⸗ schaft hergerichtet find, um größere Massen bei Concerten ꝛc. zu fassen und hoffen wir recht bald einem solchen in diesem Garten beiwohnen zu können. Daß die Kegelbahn eine ganz gedeckte, also bei jedem Wetter benutzbare ist, gebört wohl nicht zu den kleinsten Vorzügen des Gartens. Dafür, daß Hr. Herllein gute fremde, aus bedeutenden Brauereien bezogene Biere in Zapf genommen hat, muß ihm jeder Biertrinker, der einen guten Stoff liebt, dankbar sein. Bleiben die Güte des Bieres, die Vortrefflichkeit der Speisen und die freundliche und aufmerksame Bedienung dieselben, so können wir dem Unternehmen jedenfalls das günstigste Prognostikon stellen.
Frankfurt. In den letzten Tagen sind mehrfach hier Briefe aus Paris bei solchen Familien eingetroffen, welche vergangenes Jahr aus der Haupistadt Frankreichs ausgewiesen wurden und Stellungen, die sie seit 20 Jahren inne halten, aufgeben mußten. Die früheren Prinzipale, so große Abneigung sie anfänglich gegen die Deutschen auch gezeigt haben mochten, sind nun seit Abschluß des Friedens anderer Meinung geworden, erinnerten sich wieder ihres treuen, geschäftskundigen Personals und forderten dasselbe auf, da die Antipathie gegen die Deutschen ge⸗ schwunden sei, nach Paris zurückzukehren. Um ihrer Bitte Nachdruck zu geben, wlesen dieselben den Sehalt von August vorigen Jahres bis jetzt an. Einige der Adressirten sind bereits abgereist, ließen aber ihre Familie noch hier zurück, um sich über die Situation an Ort und Stelle zu vergewissern, Andere welche in der Heimath Stellung gefunden, zogen es vor, im Vaterland zu bleiben. ! Darmstadt. Die noch immer in der Reiterkaserne weilenden Franzosen griffen am Sonntag einen Posten thätlich an, verwundeten denselben, bis daß man schließlich mit der blanken Waffe die Zusammengerotteten auseinan⸗ dertrieb, wobei es nicht sehr glimpflich herging.
Vom Mittelrhein. Sonntag den 25. d. wird in
Osthofen der jährliche Verbandstag der mititelrheinischen Genossenschaften stattfinden. Berlin. Im Empfangszimmer der Fürstin Bismarck befindet sich, wie ein Reichs tagsabgeordneler der„Deutsch. Allg. Ztg.“ schreibt, als historische Merkwürdigkeit, das Tischchen, auf welchem die Friedenspräliminarien unterzeichnet wurden. Der Fürst hat dieses Tischchen aus Versailles mitgebracht, nicht ohne indessen eins von gleicher Art und gleichem Werth an dessen Statt dort aufstellen zu lassen; ein in die Tischplatte eingelassenes kleines silbernes Täfelchen bekundet den Gebrauch, zu welchem das Möbel gedient hat, das übrigens merkwürdig klein ist für einen so großen daran sich knüpfenden Akt.
Paris. Welche Zukunftsgeneration in Paris heran⸗ wächst, davon erzählt„Figaro“ folgendes Beispiel: Auf der Place Clichy bot ein Junge nicht wie bisher Bomben⸗ splitter, sondern„Insurgentenzähne“ feil, welche er den füsilirten Insurgenten ausgezogen haben wollte.
Die billigste u. deste Modenzeitung ist unstreitig Die Moden⸗-
welt. preis für das ganze Viertel-
jahr 36 kr. In Deutschland hat die
Modenwelt au Ruf und Verbreitung
allen anderen Modezeitungen den Rang
abgelau en, was sie ihrem vortreff-
lichen Inhalte, ibrer grossen Reich-
haltigkeit und ibrem billigen Preise
zu verdanken hat. Vornehmlich nimmt
die Modenwelt Rücksicht auf die
Bedürfnisse in der Familie, weniger
auf die der giossen Welt. Sie empfiehlt sich deshalb
vorzugsweise allen Müttern und Töchtern, die Gefallen
daran finden, ihre eigene und der Kinder Toilette, wie die gesammte Leibwäsche selbst herzustellen. 767
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des gekommen. Pius IX. soll fortan Petrus II. heißen. 4
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