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die Erträgnisse verschiedener Steuern haben be— deutend zugenommen; der Verkauf der Staats güter schreitet fort; in volkswirthschaftlicher Hin⸗
sicht macht das Land unausgesetzt Fortschritte; die
Ausfsuhrerträgnisse stiegen bis zu einer Milliarde und find böher als die Einfuhrerträgnisse im letzten Decennium. Die Steuern sind von 161 auf 500 Mill., die Monopole von 175 auf 296 Mill. gestiegen, die Mahlsteuer ergibt monatlich 4½ Mill. — Wie Berichte aus Rom melden, bat der Papst den Mitgliedern des beim„heiligen Stohl“ accreditirten diplomatischen Corps den Wunsch ausgesprochen, daß sie niemals, weder auf officielle noch private Weise, den Erörterungen der Kammer beiwohnen möchten. a Amerika. Washington. Mehrere Mit- glieder der Internationale sind verhaftet worden, weil dieselben Sonntags, trotz polizeilichen Ver⸗ bots, einen Umzug versuchten. In einem Meeting der Internationalen wurde beschlossen, den Umzug am nächsten Sonntag zu veranstalten und die Arbeiter zur Theilnahme aufzufordern. Rußland. Die Bewaffnung der russischen Armee mit Hinterladern ist nunmehr beendigt. Am 1. Januar werden bereits 1,004,148 ge⸗ zogene Hinderlader in Gebrauch gesetzt sein.
Frankfurt. Dieser Tage kam in das Geschäft eines der ersten hiesigen Banquiers eine alte Frau, un das Einzige, was sie noch aus dem Schiffbruche des Glückes gerettet, zwei Ans bach-Gunzenhausener Loose, zu verkaufen. Wie in jedem Geschäfte bei derartigen Anlässen Sitie, wurde in den Listen nach gesehen, ob irgend eine der präsentirten Nummern etwa gezogen sei, wobei es sich ergab, daß das eine Loos bereits vor zwei Jahren mit einem Treffer von 2000 Gulden herausgekommen ist. Die arme Frau war durch die ihr gemachte Miitheilung freudigst überrascht und vermochte im ersten Augenblicke ihr Glück kaum zu fassen. s
Frankfurt. Hiesige Blätter melden, daß im Auf⸗
trag des Kriegs ministeriums ein Artillerie Haupimann] metete, daß die sogenannten Fixsterne(und dazu gehören
vom großen Generalstab hier verweilt, um die Eimleitung für die Erbauung einer großen Armee- Pulverfabrik zu treffen. Als Bauplatz für dieses Elablissement sollen die Aecker des heil. Geisthospitals zwischen den Rödershöfen und dem Main ausersehen sein; dieselben hallen unge—
fähr 274 Morgen und sollen dafür circa ½ Million 22 Millionen Meilen, einen Wen, zu dem ein Eisenbahn⸗
Gulden(also 2000 fl. per Morgen) als Kaufpreis ge- fordert worden sein.. Darmstadt. Die Sammlungen für das Interims⸗ tbeater haben bis jetzt, einschleßlich der dem Comiie über⸗ lassenen Einquartierungsbillets, 11,500 fl. ergeben.
batte den Muth, dem Herrn Grafen den Standpunkt klar zu machen, ja man läßt sich auch noch gefallen, daß er sich drohend gegen die andern Anwesenden wandte.
Paris. Der neue Erzbischof von Paris trug bei der am 27. November stattgesundenen Installation einen Hirtenstab, den ihm der Papst kürzlich geschenkt hat. Oerselde ist mit Edelsteinen besetzt und bat einen Werth von ungefähr 70,000 Franken.
In Rom ic am 7. b. etwas ganz Außergewöhnliches vorgefallen. Es hat nämlich geschneit, so daß Straßen und Dächer weiß waren. Das ungewohnte Ereigniß dauerte jedoch nur eine Stunde von 9 bis 10, worauf die Sonne sofort das ihr ungewohnte Leichentuch wieder entfernte und die tausend im Freien blühenden Rosen ihren weißen Kopfpußtz wieder ablegten. Der Schneefall war übrigens früher bier ein wahres Volksfest, besonders für die Jugend, welche an einem solchen Tage keine Schule hatte. Auch die Gerichte blieben früher geschlossen und die Getstlichen brauchten die hora nicht zu besuchen, „ob der außergewöhnkichen Kälte.“
. Oeffentliche Vorträge.
Herr Reallehrer Klein sprach am Dienstag-Abend mit gewohnter Anschaulichkeit, Klarbeit und Lebendigkeit üder die fortschreitende Bewegung unseres Sonnensystems.
Was ist unter dieser Bewegung zu verstehen? Nichts Geringeres, als daß unsere Sonne mitsammt all' ihren Planeten(worunter unsete Erde) und deren Kometen in den weiten Weltraum hinaus sich fortbewegt. Eine Ver⸗ wirrung ist dabei ebenso wenig zu befürchten, als eine Unordnung in dem Räderwerk einer Uhr dadurch eutsteht, daß wir sie in der Tasche mit uns herumtragen.
Vermuthet wurde diese Bewegung vou den Astronsmen schon vor 100 Jihren. Man kam zu dieser Vermuthung zunächst durch die Beobachtung der regelmäßigen Be— wegung der Sonnenflecken. Daraus stellte sich klar, daß, wie unsere Erde in 24 Stunden, so die Sonne in je 25 Tagen sich einmal um ibre Axe dreht. Wo aber durch seulichen Stoß eine Drehung einer Kugel um ihre Axe bewilkt wird, da ist mu dieser Drebung auch Fort ⸗ bewegung des Körpers verbunden, es müßte denn sein, daß derselbe an seiner verlängerten Axe fesigehalten wäre, was bei der Sonne bekanntlich nicht der Fall ift. Ferner beobachtete man mit Hülfe des Fernrohrs und des Mikro⸗
we iigus die meisten Sterne am Himmel) ihre Stellung dieselbe verändern, sich bewegen. Endlich kam dazu, daß es gelang, die Entfernung der Fixsterne zu be⸗ stimmen. Man fand für die Sonne eine Entfernung von
schnellzug die Kluinigkeit von 400 Jahren Fahrzeit nöthig baben würde. Und doch verhält sich diese Entfernung zu
Saal zu der Reise nach Californien. Schluß: Unsere Sonne ist ein Fixstern, der uns nur darum so
In Aschaffenburg ereignete sich nach dem„Mainz. Anz.“ folgender Vorfall: Ein Graf v. Bentzel Sternau, Lieutenant im 10. bayerischen Jägerbataillon, kam mit einigen Kameraden von der Jagd zurück und 1 sich in der Bahnhofrestauralion ein Würstchen. Als er hierauf zu bezahlen begehrte und der Kellner ihm hierfür 6 kr. abverlangie, gerieib der„edle Graf? so außer Fassung, weil der„Gargon“ ihm nicht den vom Militär zu entrichtenden Betcag von 4 kr. angesetzt hatte, daß er zuerst mit allerlei unedlen Ausdrücken, wie»bürgerlichet Schweinehund“, um sich warf, sodann aber seinen Degen zog und dem armen Teufel damit der Art übers Ohr hieb, daß er sofort zusammentaumelte und eine klaffende Wunde die Heldenthat des Grafen verrieth. Und das sah eine Masse„bürgerliches Pack“ ruhig mit an, keiner
Die sich gegenüberstebenden Bäume derfelben werden gegen
viel größer erscheint wie die andern, weil er uns verhält⸗ nißmäßig so nahe ist; die übrigen Fixnerne bewegen sich: es ist mehr als wahrscheinlich, daß auch die Sonne sich bewegt.— a
Weiter aber: Man befinde sich am Anfang einer Allee.
das entgegengesetzte Ende hin sich immer mehr näbern. Ste werden ebenso wieder scheinbar auseinander rücken,
während nunmehr die Bäume hinter uns mit der zu- nehmenden Entsernung für unser Auge sich zu nähern[z
auseinanderrücken.(Diejenigen,
zu einander keineswegs unverändert beibehallen, sondern Leserinnen zu befriedigen sind w
Die dort sich findenden Stern müssen in Folge davon, un ⸗ beschadet ihrer wuklichen Bewegung, für unsere Beobachtung
die den Vortrag gehort haben, werden an die dezüglichen. en des Redners an der Tafel erinnert. Ein Punkt im Weltraum ist angenommen, 50 Sterne stehen um ihn berum. Gruppe A. entfernt sich an und für
strahlenförmig von diesem Punkte, Gruppe B. nähert sich ihm ebenso, Gruppe C. erscheint aus irgend einem Grunde für unser Auge feslstehend, Gruppe D. ent⸗ fernt sich seitlich, Gruppe E. nähert sich seitlich. Nähern wir uns diesem Punkt, so müssen Gruppe A., C. und b. sich eutschieden auffälliger entfernen, die Annäberung der Gruppen B. und E. muß dagegen ebenso auffällig ver⸗ zögert werden. Vorherrschend also werden wir ein Aus- einanderrücken der Sterne bemerken.) Eine solche Gegend findet sich in der That. Sie ist im Sternbild des Her⸗ kules zu suchen. Wir verdanken die einschlägigen Forschungen und Beobachtungen dem berühmten Astronomen Herschel. Viele Andere, worunter namentlich der geniale Mathemallker und Astronom Gauß, baben die Resultate jener Forschungen bestäugt gefunden. Ia man hat die Probe umgekehrt ge⸗ macht: an der entgegengesetzten Stelle am Himmel rücken die Slerne näber zusammen— ganz wie die Bäume der Allee binter uns.— Der Cours unseres Sonnensystems geht also nach dem Sternbild des Heikules zu mit einer Geschwindigkeit von zwei Meilen in der Sekunde. Ob die Sonnenbahn eine gerade oder eine gewundene Linie bildet, ist bei den Astronomen bis jitzt noch eine offene Frage. Mädler enischeidet sich für das Letztere und nimmt als den Centralpunkt der Sonnen bahn die Gegend der
Plejaden an.
Nit Vorstehendem dürsten die Hauptpunkte des Vor⸗ trags des Herrn Klein angedeutet sein. Denen, die ihn gehört haben, dienen sie vielleicht als willkommene An⸗ regung, das Gehörte noch einmal zu überdenken, den übrigen Lejern d. Bl. sind sie wohl gleichfalls nicht ohne
Interesse. Man blickt ja so gerne nach dem Himmel,
der sich über uns wölbt, und der Gedanke, daß wir mit Erde und Sonne und Allem, was dazu gehört, mit fast tausendsacher Windesschnelle uns im Weltraum fortbe⸗ wegen, um nie mehr an den Ort zu gelangen, wo wir uus eben erst befanden bat, wie der Redner zum Schluß hervorhob, envas Ergreifendes, ja Erschütterndes.
Literarisches. Wenn man auch erwägt, wie schwer unsete schönen
Leseran o es sich um die ibnen aus⸗ schließlich zugebdrende Domäne, um die Damen ⸗Toilette
handelt, weil in dieses Bereich Tausende von Kleinigkeiten
gehören, die ein bardarisches Männerauge übersieht, und
weil Tausende von Wüuschen sich rezen, die sich nur in der glücklichen Traumwelt des Weibes gestalten, so wagen
wir dennoch auf die illustrirte Muster- und Mobdezeitung der des nächsten Firsterns, wie der Gang durch einen„Victoria“, Verlag und
Herausgabe von Dr. G.
van Muyden in Berlin(Preis pro Quartal 20 Sgr.) von Neuem aufmerksam zu machen. unserem unzünfligen Slandpunkt aus, in dem uns vorlie⸗ genden letzten Jabrgang dieser Modezeitung den Reich thum der Muster zu Roben und Jäckchen und Mänteln und Palcsois, die Fülle von Vorbildern zur Weiß- und Woll⸗ stickerei, zu Strrck⸗ Klöppelei, zu— wer raschungen, hervorzugeben unter fleißigen, weißen, schwalen Handchen. Wir bedauern für all' diese vielversprechenden Vor⸗ in dem Maße wir selbst dem Ende der Allee zuschreiten, räthe nur das Auge eines Laien za besitzen u
Wir bewundern, von
und Häkelarbeilen, zu Frivolitälen⸗ weiß noch welch' unzähligen Ueber⸗
ü 0 0 0 no uns nicht ver⸗ tesen zu können in all' die Mannigfaltigkeit der Winkel⸗ üge eines geistreichen Mechanismus. Wir bekennen nur
scheinen. Die Ursache davon liegt in der verschicdenen gern, daß unseres Erachtens das in Rade stehende Blatt
Größe des Sehwinkels. Nunmebr leuchtet Folgendes k ein: Bewegt unser Sonnensystem sich wirklich, so nähern d wir une mit ibm irgend einer Gegend im Weltraum.
einer Nebenbuhlerschaft auszuweichen braucht, wofür auch ie große Beliebtheit für dasselbe im Publikum unwider⸗ egliches Zeugniß ablegt. Berliner Gerichis⸗Zeitung.
Bekanntmachung.
3051 Es wird hierdurch zur öffentlichen Kennintß ge⸗ bracht, daß vom 1. Januar 1872 an das Sprunggeld für Rind vieb bei dem Laselstalle der Stadl Friedberg auf 30 Kreuzer per Stück erböht wo'den ist. Friedberg den 8. Dezember 1871. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg. FJouc ar.
0 7 Markt⸗Anzeige 25 4 3081 Der letzte diesjäbrige Vieh und Krämermarkt werd Dierstag den 19. d. M. flalifiaden. Dies wird hierturch zur allgemeinen Kenntniß gebracht. Bad⸗Nauheim am 11. Dezember 1871 Großherzogliche Vürgermeißere Bad Nauheim. Schu t.
Güter Versteigerung.
3120 Doennersag den 21. Dezember d. J., Vormit⸗ tags 10 Ubr, sollen in biesigem Rathbause die zur Nachlaßmasse des verstordenen Occonomen Chreftian Hansteen daher gebötenden Güterstücke circa 14 Wor⸗ gen Ackerland in Hriedberger Gemarkung, auf wiederholt freiwilltgen Antrag auf 6lährige Martiniziele nochmals öffen ich meistbietend versteigert werten.
rledberg den 14. Dezember 1871. Großherzozliches Ortsgellcht Friedberg.
F oucar.
Tief eingewurzelter
3102
Hohe
Da mir Ihr Fenchelbonigertract, den Sie enir
tief eingewurzelten Rachenkalarrh bie letzt ersprießliche 2 große Zlaschen gegen Pofvorschuß zu schicken
—
Rachen Katarrh
Henn L. W. Egers, Fenchelhonigextract⸗Fabrik in Breslau.
nfeld bel Kitzingen(Baiern) 2. Okfoder 1871. freundlichst zuschlckten, gegen meinen leider schon Dtenste geleisset bat, so ersuche ich Sie, mir baldigst Hochachtungs voll Ihr ergebener Spranger, Pfarrperweser.
Der weltbekannte L. W. Egers'sche Fenchelhonigertract wird lelder vielfach von Industrie⸗ Rittern nachgepfuscht, so daß das Publikum in seinem eignen Interesse beim Ankauf sehr vorsichtig sein
und darauf achten muß, daß jede Flasche Stegel,
daesimile, sowie im Glase eingebrannt die Firma
„L. W. Egers in Breslau“ tragt, und daß derselbe nar allein ächt zu haben ist bei Jos. Hoffmann
in Friedberg.
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Geschä 18 Speeerei⸗
eröffnet habe.
Bad Nauheim den 14. Dezember 1871.
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3087 Einem geehrten Pablikum hiermit die ergebene Anzeige,
Wg
daß ich unterm Heutigen dahier
& Kurzwaaren⸗Geschäft
Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, sichere ich
reelle und gute Bedienung zu.
G. P. Henninger,
Reinhardstraße 376.
1 dandlung den letzte verpolsen — mige schamlt
0 Poligeist wird ber
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