Ausgabe 
16.12.1871
 
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Beilage.

Deutsches Reich.

0 Darmstadt. Der Professor an der polptech⸗ nischen Schule zu Stuttgart, kgl. werttemberg. Bauratb Ed. Sonne, hat einen Ruf als ordentl. Professor der Ingenieurwissenschaften an der poly- zechnischen Schule dahier, insbesondere für das Lehrfach des Straßen- und Eisenbahnbaues, er dalten und angenommen.

Berlin. 13. Dec. Das Abgeordnetenhaus dat in fortgesetzter Etatberathung den Etatszu schuß zur Rente, ferner die Positionen des Kron fideicommißfonds und der öffentlichen Schuld an genommen. Bei letzterer erklärte der Finanzminister Campbausen, die Regierung beabsichtige nicht, die Darlehenscassenscheine schon jetzt einzuziehen. Die Berathung des Etats des Handelsministeriums wird vertagt, bis die Commissarien des Hauses in der Lage wären, dem Hause Mittheilungen über den Plan der Verwendungen für die Unter- nehmungen des nächsten Jahres zu machen.

14. Dez. Abgeordnetenhaus. Der Cullus- minister bringt einen Gesetzentwurf ein über die Inspection des Unterrichts- und Erziehungswesens durch den Staat als Vorläufer eines umfassenden

Unterrichtsgesetzes. Der Minister empfiehlt be- schleunigte Berathung. Das Haus beschließt Plenarberathung. Das Consolidationsgesetz wird

in der von der Commission vorgeschlagenen Fas⸗ sung einstimmig angenommen. Der Finanzminister erklärt sich mit den von der Commission bean- tragten Abänderungen der Regierungsvorlage ein- verstanden.

Eine leichte Erkältung und Heiserkeit hat derKreuzztg. zufolge den Kaiser in den letzten Tagen an Ausfahrten gehindert. Dagegen hat der Kaiser sich der Erledigung der Regierungsgeschäfte mit gewohnter Regelmäßigkeit gewidmet.

DerHamb. Cour. bringt folgende auf⸗ fallende Meldung:Aus Tientsin(China), den 18. Sept., schreibt der Capitän eines Hamburgischen Schiffes seinem Rheder, daß am Sonntag, den 10. desselben Monats, 5 Matrosen von deutschen Handelsschiffen, welche an Land gegangen waren, von 25 Leuten eines französischen Kanonenbovotes überfallen und mit Messerstichen arg zugerichtet worden seien, so daß sie ärztliche Hilfe in An⸗ spruch nehmen mußten. Der Vorfall wurde so⸗ gleich dem deutschen Consulat angezeigt und die Leute vor demselben verhört. Ihre Aussagen sollen übereinstimmend ergeben haben, daß ein perabredeter Ueberfall zu Grunde gelegen habe.

Graf Usedom ist durch königliche Cabinets⸗ ordre zum Adlatus des Kronprinzen in dessen Stellung als Kunst⸗ Protektor ernannt. Wie es beißt, hat Graf Usedom sich zur Annahme dieses Stellvertreteramtes vorläufig auf sechs Monate bereit erklärt. a

ueber die Leistungs fähigkeit ihrer Münz⸗ scätten waren bekanntlich die verschiedenen Einzel staaten zur Berichterstattung an das Reichskanzler⸗ amt aufgefordert worden. Es sind nun diese Meldungen seit einigen Tagen eingegangen: nach denselben werden im Banzen monatlich 2,180,000 Stück Goldmünzen ausgeprägt werden können, abgesehen von Darmstadt, worüber eine Meldung noch nicht vorliegt, und von Straßburg, wo man wahrscheinlich vorläufig nicht prägen lassen wird. Die Leistungsfähigkeit beträgt für Berlin 1,000,000, far Hannover 300,000, für Frankfurt am Main 350,000 u. s. f.

Das Gründungssieber(schreibt man der Schl. Ztg.) sucht jetzt auch die Presse heim. Die Besitzer verschiedener größeren Zeitungen in Berlin, welche im Publicum des Rufes einer großen Rentabilität sich erfreuen, werden von Gründern und Gründungsagenten mit Offerten überlaufen; einer dieser Agenten soll nach den Mitteln, die ihm zu Gebote standen, befragt, er⸗ klärt haben, daß sein Consortium über zwei Mil⸗ lionen Thaler verfüge. Einer großen Zeitung dee westlichen Deutschlands sollen sogar Offerten

bis zur Höhe von Mill. Thlr. gemacht worden sein.

Der Kaiser von Rußland hat, demB. Fremdenbl. zufolge, dem Generalfeldmarschall Grafen Moltke den St. Andreasorden verliehen. Es wird dieser höchste russische Orden nur sehr selten, meist nur an fürstliche Personen verliehen.

DieProvinzial ⸗Correspondenz bemerkt zu dem Trinkspruch des Kaisers von Rußland: Die erhabenen Worte des Kaisers werden überall in Deutschland als Bestätigung der Zuversicht be züglich der Stellung der beiden großen Nach- barstaaten freudigen Wiederhall finden und den Widersachern Deutschlands, welche bei ihren Plänen auf die erkalteten freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland rechneten, ernste Belehrung und War⸗ nung sein.

München. Die Abgeordnetenkammer hielt ibre erste Sitzung ab. Der Präfident theilte ein Telegramm aus Passau mit, wonach der Abg. Greil am 14. d. Nachts an den Blattern gestorben ist.

Baden. Die badische Regierung, welcher die in das deutsche Straftesetzbuch aufgenommenen Strafbestimmungen gegen die politische Agitation der Geistlichen nicht zu genügen scheinen, hat die⸗ selben durch das dem Landtage vorgelegte Ein- führungsgesetz noch verschärst. In Art. 9 dieses Einführungsgesetzes find zwei Hauptbestimmungen in dieser Hinsicht enthalten. Die erste bedroht denMißbrauch der geistlichen Amtsgewalt oder Androhung eines bestimmten Mißbrauchs, insbe- sondert durch mißbräuchliche Anwendung geistlicher Versprechungen oder Drohungen mit Gefängniß bis zu zwei Jahren, auch mit Verlust der Fähig- keit zur Bekleidung öffentlicher Aemter von 1 bis zu 5 Jahren, und setzt noch hinzu:Der Versuch ist strafbar. Die zweite Bestimmung bedroht die

Geistlichen, welchein Kirche oder anderem, zu

religibsen Versammlungen bestimmten Ort in öffent⸗ lichen Vorträgen entweder a) die Staatsregierung, Gesetze, Einrichtungen des Staats, Anordnungen oder Verfügungen einzelner Behörden ladeln, oder b) aus Aulaß von staats- oder gemeinheitlichen Wahlen oder zum Nachtheil bestimmter Personen auf die Wahlberechtigten einzuwirken suchen, mit Geldstrafe von 50 bis, zu 500 Gulden.

Ausland.

Oesterreich. Wien. DieN. fr. Pr. meldet, daß der österreichische Gesandte in Berlin, Graf Karolyi, und der deutsche Gesandte in Wien, v. Schweinitz, zum Range von Botschaftern erhoben worden sind.

Frankreich. Paris. Nach Berichten von bier hatte der Toast, welchen der Kaiser von Rußland auf dem Feste des St. Georg⸗Ordens ausbrachte, auf die französische Presse die Wir⸗ kung eines kalten Sturzbades. Nun will plötzlich Niemand an die Freundschaft Rußlands für Frank- reich geglaubt baben und dernordische Barbar wird wieder mit denteutonischen Horden in einen Topf geworfen. Besonnenere Blätter, wie dasJournal des Débats und derConstitu- tionnel, verhehlen sich nicht länger,daß Frank⸗ reich nur noch sich selbst, seine Mäßzgung und die Pflege seines inneren Wohlstandes zu Alliirten hat. ImConstitutionnel hält eine ausEng- land datirte Correspondenz Umschau über die auswärtige Lage. Es wird in diesem Artikel u. A. sehr treffend bemerkt:Man muß den Muth haben, es offen auszusprechen: Das heutige Frankreich hat keinen Alliirten und kann keinen haben. Der Kaiser von Rußland hat noch soeben mit seinem Toaste bewiesen, daß ihm an der Freundschaft seines Oheime, des Kaisers von Deuischland, mehr gelegen ist, als an jener der französischen Republik. Auch geben alle echten Staatsmänner dem Herrn Thiers Recht, wenn er erklärt, daß für den Augenblick seine ganze äußere Politik darin bestehen muß, die Preußen zu be⸗ zahlen. Man versichert hier(in England), daß

Hr. Thiers an dem Gelingen dieser Aufgabe nicht zweifelt und daß ihm der Beistand der Fürsten der Finanz gesichert ist. Die europäische Diplo⸗ matie theilt diese Hoffnung, jedoch nur unter der Bedingung, daß Herr Thiers auch weiter mit der Nationalversammlung Hand in Hand gehe und seinen Einfluß in streng-conservativem Sinne gel⸗ tend mache. Nur dann wird er die baldige Räu- mung des französischen Gebiets durchsetzen und damit seine lange politische Laufbahn würdig krönen.

Wir erfahren, schreibt dieCorrespondenz Hav, daß der Herzog von Grammont nächste Woche vor der Commission erscheinen wird, welche mit der Untersuchung der Handlungen der Regie rung der nationalen Vertheidigung beauftragt ist. Man erwartet mit Spannung die Aussagen des- selben, welche gewisse ausländische Staatsmänner sehr zu fürchten scheinen, denn man glaubt zu wissen, daß die Isolirung Frankreichs beim Aus- bruche des Krieges nicht die Folge eines Mangels an Engagements mit fremden Mächten war. Im Gegentheile existirten Engagements sehr catego⸗ rischer Natur.

Das Pariser Budget von 1872 zeigt ein Deficit von 20 Millionen, in Folge dessen eine Erhöhung der Miethsteuer und selbst Besteuerung bisher freier kleinerer Wohnungen, sowie Erhö⸗ bung der Steuern auf Alkohol und Bausteine ein⸗ treten muß.

Die Commission für das Wahlgesetz hat folgende Beschlüsse gefaßt: Die Wahlfähigkeit tritt mit dem 25. Lebensjahre ein und hängt von ein⸗ jährigem Domicil ab. Militärpersonen sind wahl⸗ unfähig. Die Stimmabgabe ist obligatorisch.

General Cremer, der Kämpfer von Nuits, ist jetzt zufolge kriegsgerichtlichen Urtheils im Strafwege entlassen worden. In Folge dieses Urtheils kann der General nicht mehr in Attivi⸗ tät treten und geht seiner Pensionsansprüche verlustig.

In Finanzkreisen versichert man, daß das Budget⸗Exposé für 1872 günstig ausfallen wird, und daß die Regierung bestrebt sei, die disponibeln Capitalien den französischen Fonds zuzuführen.

Versailles. Die Nationalversammlung hat die Veräußerung des Mobiliars der Krone ver- worfen, Betreffs der Veräußerung der Kronjuwelen (von welcher die bistorischen ausgenommen werden) beschloß die Versammlung Verweisung an die Budgetcommission.

Aus Rocroy wird gemeldet, daß in dem, in einer rauhen Wildniß der Ardennen liegenden Städichen Revin ein Artillerie- Unteroffizier mit zwei Pionieren, die derthin gesandt worden waren, um für die Batterie Eisen einzukaufen, von der Fabrikbevölkerung auf's Gröblichste insultirt und mit Steinwürfen verfolgt wurden, was zur Folge gehabt habe, daß andern Tages zwei Compagnien dorthin abgesandt, einige Verhaftungen vorge- nommen, sechs Fabrikarbeiter als Geiseln mitge; nommen, aber wieder freigelassen wurden, als die Namen von sechs Rädels führern angegeben wurden, die freilich nicht auffindbar waren, da sie sich nach Angabe des Maires davongemacht hatten. Die Truppen blieben indessen einstweilen als Straf⸗ besatzung im Orte liegen.

Belgien. Brüssel. In der Sitzung der Kammer erklärte der Conseilpräsident De Theux, die Bildung und Zusammensetzung des Cabinets sei vollkommen constitutionell; er zähle auf die Majorität der Kammer und werde vor den Wahlen, worin das Land sich aussprechen werde, keine po⸗ litische Frage anregen.

Großbritannien. London. DerMor- ning Post zufolge ist Graf Apponpi, der bis- herige österreichische Boschafter am hiesigen Hose, zum Nachfolger des Fürsten Metternich in Paris ernannt worden.

Itaien. Rom. Nach einem von der Kammer beifällig aufgenommenen Exposé des Finanzmi⸗ nisters über die finanzielle Lage des Landes be⸗ trägt das gesammte Desieit 148 160 Millionen;

Hberhessischer Anzeiger. u

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