Ausgabe 
16.9.1871
 
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gestellt werden muß, ein Pauschquantum zu be willigen. Doch sei es nicht möglich, schon jetzt die Höhe des Gesammt⸗Etats anzugeben.

Auch an den General-Feldmarschall Moltke hat der Kaiser in jüngster Zeit mehrere Dankes depeschen gerichtet. Am Jahrestage der Schlacht von Gravelotte ging dem Feldmarschall folgendes Telegramm zu:Dem General- Feldmarschall Grafen Moltke in Berlin. Ich gedenke in vollster Dankbarkeit Ihrer großen Verdienste, die den heu⸗ tigen Gedächtnißtag uns feiern lassen. Wilhelm. Am Tage von Sedan endlich wurde Graf Moltke durch folgende Worte seines Kaisers erfreut:Dem Feldmarschall Graf Moltke in Berlin. Empfangen Sie wiederum am heutigen Jahrestage von Sedan Meinen Dank und Meine Anerkennung für Alles, was Sie leisteten, dies weltgeschichtliche Ereigniß herbeizuführen. Als Erinnerung werde Ich Ihnen zwei eroberte Geschütze senden. Wilhelm. Auch von Seiten des Kronprinzen liefen an den Er innerungstagen der großen Schlachten des Vor- jahres Telegramme bei dem Grafen Moltke ein.

Köln. In der Sitzung desKölner Local Vereins der Altkatholiken wurde Zeitungsberichten nach bezüglich der beabsichtigten Gründung einer altkatholischen Kirchengemeinde die wichtige Mit theilung gemacht, daß gemäß eingezogener Erkun⸗ digungen es keinem Zweifel unterliege, daß die dem Staat zugehörige Kirche von St. Pantaleon zu diesem Zwecke zur Benutzung überlassen werde, wofern nur ein dahingehender Antrag gestellt würde. Zugleich wurde mitgetheilt, daß Herr Professor Knoodt aus Bonn sich erboten habe, bis zur Anstellung eines eigenen Geistlichen den Sonn tags-Gottesdienst und zwar unentgeltlich zu halten.

Friedrichshafen. DerAllg. Ztg. tele- graphirt man unter dem 11. Sept.: Heute Mittag ist der deutsche Kaiser mit dem Großherzog, der Großherzogin und dem Prinzen Wilhelm von Baden auf dem DampfbootKaiser Wilhelm hier eingetroffen, um dem heutigen Geburtsfeste der Königin Olga beizuwohnen. Der König er wartete den Kaiser am Landungsplatz des Dampf⸗ bootes, wo sich Beide herzlich umarmten. Bei der Ankunft und der Abreise wurde der Kaiser und der König von den enthusiastischen Hochrufen des zahlreich versammelten Volkes begrüßt.

Schleswig. Im Herzogthum Schleswig find jetzt 125 junge Leute, weil sie ohne Erlaubniß die preußischen Lande verlassen und sich dadurch dem Eintritt in den Dienst des stehenden Heeres entzogen haben, rechtskräftig ein jeder zu einer Geldbuße von 50 Thlr., im Unvermögensfalle zu einer Gefängnißstrafe von einem Monat verurtheilt worden.

Straßburg. DieStraßb. Ztg. wider spricht der mehrfach geäußerten Befürchtung, es könnte der israelitischen Bevölkerung des Elsasses die unbedingte Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern, deren sie sich bisher zu erfreuen gehabt, verkürzt werden. Dasselbe Blatt demen⸗ tirt die Nachricht, daß von der Präfectur des Unterelsaß die Verschiebung der Errichtung eines confessionslosen Seminars beantragt worden sei.

Der Festungsgeuverneur General v. Hart- mann erläßt in der amtlichenStraßb. Ztg. eine Bekanntmachung, wonach der Kaiser die Wiederherstellung deutscher Bezeichnungen für die Thore, Werke, Kasernen und sonstigen mili⸗ tärischen Baulichkeiten Straßburgs befohlen hat. Die Porte d' Austerlitz wird zum Metzgerthor, die Porte Nationale zum Weißthurmthor it.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Der Kaiser hat den Erzherzog Karl Ludwig als Protector der Wiener Weltausstellung bestätigt und den Erzherzog Rainer zum Präsidenten der Ausstellungscommission ernannt.

Prag. Wie dieBohemia meldet, hat Kaiser Wilhelm den Kaiser Franz Joseph auf Mitte October nach Coblenz eingeladen.

Frankreich. Paris. Die Entwaffnung der Nationalgarde soll am 15. beginnen. Die Nationalgarde in Lyor und Marseille wurde be⸗ reils davon benachrichtigt. Bedeutende Truppen⸗ verstärkungen sind nach beiden Städten abgegangen.

Die Entwaffnung wird von der Militärbehörde

vorgenommen und Abtheilungen von Soldaten werden von Haus zu Haus gehen, um die Waffen wegzunehmen. Man befürchtet hier, daß es zu unangenehmen Seenen kommt.

In der Nationalversammlung erklärte der Finanzminister auf eine Anfrage des Deputirten Peltereau bezüglich der Unterhandlungen, betreffend die Handelsbeziehungen mit Elsaß⸗Lothringen, daß Unterhandlungen mit Deutschland in der That eingeleitet, aber noch nicht beendigt seien, Näheres könne er nicht mittheilen. Der Minister bestreitet, daß bei den vorhergegangenen Verhandlungen die Wechselseitigkeit außer Acht gelassen sei und sagt, daß die Abmachungen in jedem Falle der National- versammlung unterbreitet werden würden, welche allein zu entscheiden haben werde. Bezüglich des politischen Theiles der Unterhandlungen erklärt der Minister des Auswärtigen, daß auch er nichts mittheilen dürfe, indeß nichts ohne Zustimmung der Versammlung geschehen solle.

13. Sept. In Betreff der Botschaft des Präsidenten der französischen Republik, welche wahrscheinlich heute der Nationalversammlung mit⸗ getheilt werden wird, meldet dieAgence Havas, wie man versichere, werde die Botschaft sich dahin aussprechen, daß es gut sei, wenn die Deputirten sich in die Departements begeben und mit der Bevölkerung in Verbindung träten; sie werde ferner ein Expose der liberal-conservativen Politik geben und erklären, daß aus den Ferien der Nationalversammlung keine Gefahr erwachse, da die Ruhe im Innern gesichert sei und die Be ziehungen zum Ausland als günstig bezeichnet werden können. Die Botschaft wird constatiren, daß die Regierung das provisorische Decime auf gegeben hat und hofft, daß die Versammlung die nöthigen Steuern bewilligen werde; schließlich wird sie die Räumung der Departements anzeigen.

In der Nationalversammlung kam am 13. d. die angekündigte Botschaft des Präsidenten der Republik zur Verlesung. Der Inhalt derselben stimmt mit dem bereits Mitgetheilten überein. Die Versammlung discutirt hierauf den Antrag auf Vertagung. Die Commission beantragt Ver- tagung vom 17. September bis 4. Deeember, Ernennung eines permanenten Ausschusses von 25 Mitgliedern und Verlängerung der Vollmachten des Bureaus bis zum Wiederzusammentritt der Versammlung. Der Commissionsantrag wird an- genommen.

Die Entwaffnung der Nationalgarde hat in mehreren Departements begonnen. Dieselbe geht überall in vollständiger Ruhe und Ordnung vor sich. Die Unterhandlungen mit dem Grafen v. Arnim über die Verlängerung der zollfreien Einfuhr der elsäßischen Erzeugnisse in Frankreich dauern fort. Man hofft, noch vor der Vertagung der Kammer zu einem Ergebniß zu gelangen.

Großbritannien. London. Eine De⸗ pesche derTimes aus Paris sagt bezüglich der am 13. d. der Nationalversammlung vorzulegen⸗ den Botschaft des Präsidenten, dieselbe betrachte die baldige Vertagung der Kammer mit einem baldigen Wiederzusammentritt derselben, um die schwebende Finanzfrage durchzuberathen, für em pfehlenswerth. Die Botschaft hoffe, daß die Kam- mer zur Wahrung der beslehenden Ordnung bei tragen werde, welche für die Herstellung des Credite nothwendig sei.

Ausführliche Nachrichten über den Orkan, welcher auf der Insel St. Thomas am 21. Aug. wüthete, berichten, daß derselbe erschreckende und ungeheure Verheerungen anrichtete. Die Stadt bietet das Aussehen wie nach einem überstandenen Bombardement. 42 Personen wurden getödtet, 79 verwundet. 420 Häuser gänzlich zerstört. Die Schäden auf Antiqua sind ebenso bedeutend, 80 Personen sind dort getödtet, mehrere Hunderte verwundet worden.

Italien. Rom. DieOpinione ist von der Erklärung Remusat's befriedigt, daß die fran⸗ zösische Regierung die vollendete Thatsache in Italien acceptire. Das Blatt sagt: Da dits das Programm der französischen Regierung in der römischen Frage sein wird, so können die Be

ziehungen der beiden Staaten auf den Grundlagen des herzlichen Einvernehmens wiede hergestellt werden. 4

Turin. Der erste Probezug passirte am 12. d. den Mont Cenis- Tunnel. dauerte 40, die Rückfahrt 55 Minuten.

rauchfrei.

siebenmal gezeichnet wurde. Türkei. ist definitiv vollzogen: Mahmud Pascha wurde

(Kriegsminister) und Server Efendi zum Pascha banien sind abermals Truppen gesendet worden. tersburg und Moskau dem Erlöschen nahe ist,

mit jedem Tage größere Verbreitung. 0 Amerika. Die letzten Nachrichten au

Präsidenten Juarez auf zwei Jahre. Details, namentlich, ob die für diesen Fall be⸗ fürchtete Bewegung im Lande wirklich zum Aus⸗ bruch gelangt, fehlen noch.

selten gesehenen Fünffrancs⸗Silberstücke in Masse im Ver⸗ kehr wieder vor. Wir glauben in Bezug auf diese Er⸗ scheinung das Publikum darauf aufmerksam machen zu sollen, daß der Cours derselben augenblicklich ein außerge⸗ wöhnlich niedriger ist(2 fl. 18 k.) und daß dieser Um⸗ stand von Geschäftsleuten unserer Gegend zum Nachtheile des unkundigen Publikums ausgenutzt wird, indem die⸗ selben diese Geldstücke in Frankfurt zu erwähntem billigen Course einwechseln und dann bei uns in größeren Massen zum vollen Nennwerthe in den Verkehr bringen. Gbenso soll es sich mit den holländischen Guldenstücken dc. verhalten.

Gießen. Bei dem am Dienstag Abend die Station Reiskirchen, der oberhess. Bahn, passirenden Localzug löste sich durch Zerbrechen der Stiste die Locomotive vom Ten⸗ der los und dampfte weiter. Ein Glück war es, daß der Führer(Kalberlah) sich auf der Maschine befand, die er zum Stehen bringen konnte. Der Heizer Lehrmund fland mit einem Fuße auf der Maschine, mit dem andern auf dem Tender, um Kohlen in die Feuerung zu bringen, als sich in dem Augenblick die Maschine loslöste. Er fiel gerade zwischen Maschine und Tender und besaß die Geistesgegenwart, ruhig auf der Erde liegen zu bleiben, wo dann der ganze Zug über ihn hinwegbrauste, ohne daß er bedeutenden Schaden genommen hätte. Wäre der Führer nicht auf der Maschine gewesen, welch' fürchter⸗ liches Unglück hätte passiren können, wenn die Maschine allein die Bahn entlang geras't und einem herankommen⸗ den Zug begegnet wäre?

Offenbach. Der fünfte mittelrheinische Feuerwehr⸗ tag in Offenbach war von etwa 2000 Feuerwehrmännern

bach, Friedberg, Gießen, Herbstein, Lauterbach, Nidda, Schotten und Wieseck. Die Uebungen der Offenbacher Feuerwehr befriedigten im Allgemeinen sehr. Herr Lösler von der Frankfurter Feuerwehr manövrirte mit seinem Selbstretter unter allgemeiner Anerkennung. Auf der Delegirtenversammlung wurde beschlossen, zur Erzielung der Gleichstellung der Schlauchgewinde innerhalb des Ver⸗ bandes die großherz. Regierung zu ersuchen, ein Normal- gewinde für alle hessischen Feuerwehren festzusetzen und zu verordnen, daß neu anzuschaffende Spritzen mit diesen Gewinden persehen sein muͤssen. Beschlossen wurde ferner, eine Unterstützungscasse für im Dienste verunglückte Feuer⸗ wehrmänner zu gründen und statt alle Jahr, alle zwei Jahre einen Feuerwehrtag abzubalten. Als Ort für den nächsten Feuerwehrtag wurde Mainz bestimmt.

Mainz. Die Mainzer Wildprethändler haben sich vereinbart(mit Ausnahme eines Einzigen), den Jagdbe⸗ ständern nicht mehr als 1 fl. 20 kr. für einen Hasen zu zahlen, bei Meidung einer hohen Conventionalstrafe. Wir wollen hoffen, daß die Wildprethändler mit einem bescheidenen Nutzen sich begnügen, damit das Pulikum erensalls einen kleinen Vortheil aus dieser Coalition zieht.

Aus Köln wird abermals ein Eisenbahnunfall ge⸗ meldet. Am 11. d. Abends gegen Uhr verunglückte der Schnellzug der Bergisch⸗Märkischen Bahn auf der Slation Haan. Die Locomotive kam aus dem Geleise; der Gepäckwagen stürzte um; dem Bremser des Gepäck⸗ wagens zerbrachen mehrere Rippen; sonst wurde g uͤck⸗ licher Weise Niemand verletzt. Die Passagiere würden von dem spätee eintreffenden Personenzug aufgenommen. Der Schnellzug traf statt 9 Uhr ecst 11½ Uhr auf dem Centralbahnhof hier ein. i

Au der Sitzung des Lokalgewerbpeceius den 16. September, Abends 8 Uhr, bei Herrn C. Walz wird mit dem bereits begonnenen Vortrag über die neue

Der Vorsland Neuß.

175755 Interessirenden sind eingeladen.

Die Hinfahrt Die Temperatur in den Waggons betrug 25 Gr. C. Bei der Rückfahrt war der Tunnel vollkommen Die Probefahrt war sehr befriedigend.

Spanien. Die officiellen Angaben über die Anleihe constatiren, daß der aufgelegte Betrag

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Die Neubildung des Ministeriuns

zum Großvezier, Essad Pascha zum Seraskier und Minister des Aeußern ernannt. Nach Al⸗ Rußland. Während die Cholera in Pe,

tritt sie in Kiew immer heftiger auf und gewinnt

Mexico bestätigen die erfolgte Wiederwahl des Weitere

* Friedberg. Seit Kurzem kommen die bisher so N

besucht. Vertrelen waren aus Oberhessen: Alsfeld, Butz⸗

Naß- und Gewichtsordnung fortgesabren werden. Alle sich

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