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Frankreich.
Paris. Die„Corresp. Hava
8“ schreibt: Es scheint sicher zu sein, daß
Graf Bismarck in seinen Unterhandlungen mit
Jules Favre erwähnt bat, daß sich der Prinz Napoleon Preußen nicht als Regent im Namen des Sohnes Napoleons III. vorgeschlagen hat, sondern als Nachfolger des letzteren, mit kaiser—
lichen Vollmachten in allgemeinster Ausdehnung.(2)
— General Ducrot liegt, dem„Temps“ zufolge, schwer krank in Vincennes darnieder. Man zweifelt an seinem Aufkommen.
— Das„Journal officiel“ vom 9. Februar desavouirt das Dekret Cremieux über die Ab— setzung obrigkeitlicher Personen. Das Bureau— personal des Corps legislatif ist nach Bordeaux abgegangen. Dem„Univers“ zufolge hätte Priaz Napoleon in Corsica und im Dep. Charente in— ferieure kandidirt. Die Regierung soll der Nationalversammlung einen detaillirten Bericht vorlegen und Einzelheiten bezüglich des Abschlusses des Waffenstillstandes geben.
— Js Cherbourg ist bei Abhaltung der Wablen für das Departement Manche der Name des Prinzen von Joinville mit 97,000 Stimmen zuerst aus der Wablurne bervorge— gangen. Die Departemental-Commission zählte zwar die Stimmen, proclamirte aber statt seiner den böchstbezifferten unter den in der Minorität gebliebenen Candidaten. In Folge dessen sind Seitens der Wähler Proteste nach Bordeaux ab- gegangen.
Bordeaux. Eine Zusammenstellung der Wahlen ergibt ungefähr: 150 Republikaner, 53 Legitimisten, 400 Orleanisten, 20 Bonapartisten. — Der„Siecle“, Organ Gambetta's, nennt das Wahlergebniß eine„Dictatur der Unwissenheit.“
Bordeaux, 12. Febr. Jules Favre ist hier angekommen.
Bordeaux, 12. Febr. Heute um 3 Uhr wurde die vorbereitende Sitzung der Nationalversammlung eröffnet; anwesend waren 250 bis 800 Deputirte. Bensit d'Azy führte als Alterspräsident den Vorfitz. Er betonte, daß die gegenwärtigen Umstände eine sofortige Constituirung der Versammlung erheischten, wenn auch dieselbe noch nicht vollzählig sei. Seine Worte wurden allseitig bei⸗ fällig aufgenommen. Emanuel Arago bemerkte, die de⸗ finitive Constuuirung könne nicht vor einigen Tagen mer⸗ folgen, da die Protokolle über die Wahlen erst einzulaufen beginnen und die Resultate von 28 bis 30 Departements, insbesondere von Paris und den vom Feinde besetzten Departements, noch nicht bekannt seien. Der Präsident brachte den Antrag auf sofortige Coustiluirung der Ver— sammlung zur Abstimmung und wurde derselbe ohne Widerspruch angenommen. Jarcep schlug vor, die Wahl eines definitiven Bureaus solle erfolgen, sobald die Hälfte der Mitglieder anwesend sei; det Ernß der gegenwärtigen Lage gestatte nicht, die gewöhnlichen Regeln zu besolgen. Der Alterspräsident beantragte, die vier jüngsten Mit glieder zu Sekretären zu ernennen. Hierauf folgte eine kurze Debatte, an welcher sich Garnier-Pagss und Dupont betheiligten. Dalot betonte, das Land wützte, daß eine gesetzmäßige Gewalt an seiner Spitze stehe. Girard ver— theidigte ebenfalls die sofortige Ernennung der Sekretäre. Der Antrag des Präsidenten wird angenommen und Castellane, Tanneguy-Dechatel, Wilson und de Remusat werden in das Bureau berufen. Die Versammlung ver— tagt sich hierauf auf morgen 1 Uhr Nachmittags. Die Sitzung wird elsdann in dem gewöhnlichen Sitzungssaale stattfinden.
Bordeaux, 13. Febr. Die Nationalversammlung ist heule Nachmittag 2 Uhr eröffnet worden. Der Prä— sibent theilt mit, daß die Kammer, wie im Jahre 1849, in 15 Bureaus eingetheilt würde. Die Prüfung der Voll⸗ machten solle erfolgen, sobald die Umstände es erlaubten. Der Präsident verlas sodann ein Schreiben Garibaldi's, worin Letzterer sagt:„Als letzten der Republit erwiesenen Dienst ging ich nach Bordeaux, wo die Vertreter des Landes tagen, allein ich verzichte auf das Mandat, welches verschiedene Departements mir antrugen.“ Hierauf ergriff Jules Favre. das Wort, um Namens seiner Collegen in Paris und Bordeaux zu erklären, daß die Regierung der nationalen Vertheldigung die Gewalt in die Hände der Volksvertrelung niederlege.„Als wir die Last der Re⸗ gierung“, fuhr der Redner fort,„auf uns nahmen, hatten wir kesne andere Absicht, als die Gewalt, die wir unter den damaligen Umständen übernommen hatten, in die Hände ber Nationalversammlung zurückzulegen. Wir hoffen, das Land, belehrt durch das Unglück, werbe gelernt haben, seine Klagen zurückzudrängen, und die Bedingungen für eine normale Existenz wiederfinden. Wir kreten nun⸗ mehr völlig zurück, überlassen Alles ihrer Enischeidung und erwarten mit Vertrauen die Bildung eiuer neuen gesetzmäßigen Gewalt.“ Redner kündigte sodann an, daß die Minister, um den Gesetzen Achtung zu verschaffen, so lange auf ihrem Posten verbleiben würden, bis die neue Regierung gebildet worden wäre, und bat um die Er— laubniß, auf seinen Posten zurückkehren zu dürfen, um seine schwierige und heikle Aufgabe zu erfüllen. Jules
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Favre schloß folgendermaßen:„Ich erwarte Ihr Urtheil mit Vertrauen und hoffe Densenigen, mit welchen wir unterhandeln, mittheilen zu können, daß das Land im Stande sei, seine Pflicht zu erfüllen. Der Feind soll wissen, daß wir für die Ehre Frankreichs sorgen; er wird auch wissen, daß es ganz Frankreich ist, welches sich gemäß der Bestimmungen der Convention nunmehr zu entschelden hat. Die Verlängerung des Waffenstillstandes ist wahr⸗ scheinlich nolbwendig. Verlieren wir keinen Augenblick. Denken wir an die Bedrängnisse unseres vom Feinde be— setzten Landes. Ich hoffe, die Regierung kann auf Ihren Beistand zählen, um den nöthigen Aufschub zu erlangen.“ (Lebhafter Beifall.)
— Jules Simon veröffentlicht im„Journal de Gironde“ einen Brief, worin er sagt, daß die Wiederaufnahme des Krieges nothwendig sei für den Fall, daß die Friedensbedingungen unehren— haft seien oder Preußen Härte zeige. Die Par— lamentsberufung gebe jedoch ernste Hoffnung auf Frieden. Jedermann müsse das Seinige tbun zur Förderung des Friedens und zur Rettung des Landes.— Der Prinz von Joinville ist mit Changarnier in Bordeaux eingetroffen; Ersterer will gegen seine Ausschließung von der National— versammlung Protest erheben.
Havre. Die. Preußen haben der Stadt Rouen aufgegeben bis heute vier Millionen und bis Morgen weitere zwei Millionen Fres. als Contribution zu bezahlen. Im Verweigerungs- fall werden die Notabeln verhaftet werden und erhält die Stadt zur Strafe eine weitere Auflage. pon. Hier fand anläßlich der Fahnen- zutheilung an die drti elsässisch-lothringischen Legionen eine große militärische Ceremonie statt. Die Fahnen sind von den Damen ⸗Comitt's der Departements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Mosselle gestiftet und tragen die Inschrift:„Elsaß und Lothringen bleiben französisch.“ Der frühere Souspräfect von Mühlhausen, Herr Heinrich, übergab die Fahnen dem Commandanten der drei Legionen, Oberst Regnier, der bei dieser Gelegenheit die Offiziere zu dem Schwure auf— fordertt:„Schwöten wir, weil die Frauen von Colmar uns diese Fahnen gewidmet, sie nach Colmar zu tragen!“ Die drei Legionen sollen ctwa 10,000 Mann zählen.
Die„Decentralisation“ verlangt, die Assemblee möge Gambetta's unheilbringende Dicta— torialherrschaft in Anklagezustand versetzen. An der gestrigen Börse fanden bedeutende Ver— käufe von Lembarden für Wiener Rechnung statt.
— Am 7. d. M. hat in Dünkurchen in der Patronenfabrik eine große Explosion stattge⸗ funden, welche das Gebäude ganz zerstörte. Gegen 200 bis 250 junge Mädchen und Frauen waren zu der Zeit in dem Gebäude beschäftigt, und die Folge davon war ein großer Verlust an Menschen— leben. Die Zahl der Getödieten ist noch nicht genau ermittelt.
Belgien. Brüsse l.„Independance“ meldet: Der König hat dem Comite zur Unter— stützung der in Paris lebenden belgischen Unter— thanen 10,000 Frances überwiesen.— Prinz Napoleon ist hier angekommen.
Großbritannien. London. Dem„Daily Telegraph“ wird aus Versailles gemeldet:„Die Forts von Panxis sind deutscherseits derart mit Kanonen versehen, daß eine Zerstörung der Haupt— stadt innerhalb sechs Stunden möglich ist.“
— Ein Leitartikel des„Times“ tadelt den Aufruf Napoleons. Sein Anrecht auf den Thron sei durch seine Unfähigkeit annullirt. Der Krieg habe gezeigt, daß sein angebliches Herrscher-Taleut eine Illusion gewesen sei.
Darmstadt, 14. Febr. Gestern Vormittag 5 Minuten vor ½11 Uhr fand wieder ein ziemlich hestiger Erdstoß stalt. Heute Nacht und Morgens gegen 6 Uhr wurden eben— falls mehrere, indessen leichtere Erschütierungen verspürt.
Heute Morgen wurde mit allen militärischen Ehren die Leiche eines hier verstorbenen französischen Capitains zu Grabe geleitet. An dem großen Leichenconduct be— theiligten sich der Stabteommandaut, General Kehrer, die diensisreien hessischen Offiziere und die hier internirten französischen Offiziere; außerdem noch eine große Anzahl sranzösischer Soldaten.
Darmstadt. Das auf dem Exercirplatz errichtete Varakenlager für die Kriegsgefangenen kam in Folge der Gapitulatlon von Paris nur zu ¼ der projectirten Aus— dehnung zur Ausführung und bietet nunmehr ganz com⸗ sortable Unterkunftoräume für etwa 2000 Mann. Außer den Mannschaftsbaraken sind noch solche für die Küche,
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die Wacht, Handwerker, Lazareth, ja selbst für das unver⸗ meibliche Arrestlokal eingerichtet, gleichwie eine Wasser⸗ leitung in das mit einem tiefen Graben umschlossene Lager führt.
Aus Westpreußen. In einer unserer Festung desertirten vor Kurzem zur Nachtzeit drei französische ge⸗ sangene Soldaten, welche von einer Schildwache bemerkt wurden. Als die Flüchtlinge nach erfolgtem Anrufe nicht stehen blieben, gab der Posten Feuer, in Folge dessen einer der Franzosen zusammenstürzte, die beiden andern aber nach der Festung zurückflohen. Der von der Kugel schwer Getroffene wurde sosot nach dem Hospital gebracht, woselbst er, als er sein nahes Ende verspürte, nach dem Priester verlangte, um die letzte Beichte abzulegen. Dierbet bekannte der Sterbende, daß er in der Schlacht bei Gorze. am 17. August einen schwer verwundeten preußischen Soldaten gesunden, dem er den Todesstoß versetzt, und die goldene Uhr, Geldbriese und das Portefeuille genommen habe. Diese verwerfliche That habe ihm fortwährend Ge⸗ wissensbisse gemacht, und füble er sich gedrungen, ehe er vor dem ewigen Richter erscheine, dieses Verbrechen hiermit öffentlich zu bekennen. Auf die Frage, wo sich die ge— raubten Sachen befänden, bekannte er ferner, daß er die Uhr in Metz verkauft, das Geld verausgabt, jedoch die Brieftasche noch in seinem Besitze habe. An dem nun zum Vorschein gebrachten Portefeuille erkannte man, daß es einem zum 2. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 11 gehörigen Unteroffiziere gehört hatte, der sein junges Leben auf diese Wetse verloren, und der bei Gorze neben seinen braven gefallenen Kameraden im kühlen Schooße der Erde gebettet liegt.
Die künftige Gränze zwischen Deutschland und See
Allmählich erfährt man Genaueres aus Ver— sailles über die im deutschen Hauptquartier fest— gestellte künftige Gränzlinie zwischen Deutschland und Frankreich. Darnach würde sie westlich von Dietenhofen(Thiondille) beginnen, in der Ecke, wo das hollänkische Luxemburg an das belgische stößt, und von da zunächst in südlicher Richtung zwischen Metz und Verdun durchschneiden, so daß Metz sammt den blutgetränkten Schlachtfeldern von Mars la Teur, Gravelotte und Rezonville auf deutsche Seite zu liegen kommen. Von da wendet sie sich östlich, überschreitet in der Nähe von Pont à Mousson, dieses einschließend, die Mosel und geht diesseits dieses Flusses in einer Entfernung von etwa 7 Stunden vor demselben nach den Vogesen, um auf der Wasserscheide der- selben nach Süden zu um Belfort herum nach Montbeliard zu ziehen und in etwas östlicher Biegung einige Stunden weiter bei Blamont die Schweizergrenze zu erreichen. Belfort, Metz und Thionville bilden sonach die starken Eckpunkte der neuen Gränze.
Es fallen also an Deutschland zurück auße; dem Elsaß(Departement Ober- und Niederrhein) ein Zipfel vom Doubs Departement im Süden, und von Lothringen Theile des Vogesen- un Meurthe- Departements, sowie fast das ganze Mosel Departement. Von den durch die Kriegs- ereignisse allgemein bekannt gewordenen Orten liegen darnach auf deutscher Seite: Courcelles, Falkenberg, Pont à Mousson, Montbeliard und die Festungen Belfort, Metz, Thionville nebst Pfalzburg, Lützelstein und Bitsch; jenseits der Gränzlinie dagegen: Verdun, Toul, Nanep, Lune⸗ ville und Epinal. Dem genauer Zusehenden zeigt sich alsbald, daß dabei die Linie, bis zu welcher Jahrhunderte lange systematische Anstrengungen die deutsche Sprache nicht haben ausrotten können, ziemlich eingehalten ist. Selbst in der Südecke bei Montbeliard befinden wir uns auf ächt deut schem Boden. Diese Stadt, deren eigentlicher Name Mömpelgard ist, war bis 1793 der Haupt ort der den Grafen und Herzögen von Würtem— berg gehörenden Grafschast gleichen Namens und die Bewohner der dortigen Gegend reden noch jetzt die allemauische Mundart. Rur bei Metz ist die heutige Sprachgränze um einige Wegstunden überschritte nt
Neuest es.
Die„Karlsr. Ztg.“ veröffentlicht unterm 14. d. folgendes Telegramm des Etappencomnandos Muͤhlbausen an das badische Kriegsministecium: „Belfort hat Waffenstillstand abge- schlossen und will capituliren.“
Istaclitischer Gottesdienst in Friedberg. Beginn: Freitag Abends 5 Uhr. 5 Samstag Morgens 8½ Ube


