Kriegsnachrichten.
Versailles. Die Contribution der Stadt Paris ist am 11. d. bezahlt worden.— Die Departements Jura, Doubs, Cote d'Or befinden sich nach dem Art. 1 der Convention vom 28. Januar auch jetzt noch in Kriegszustand. Bei der Behandlung des Waffenstillstandsvertrages wurde von deutscher Seite die Ausdehnung des Waffenstillstandes auch auf diese Departements gegen die Uebergabe von Belfort mit freiem Ab- zug der Garnison angeboten. Die Franzosen haben damals abgelehnt. Nach der Verdrängung der französischen Armee auf schweizerisches Gebiet wurde das Auerbteten wiederholt mit der Demar— cationslinie auf der Eisenbahn von Pontarlier, wodurch der Süden des Departements Cote d'Or freigelassen würde. Die Franzosen haben jedoch wieder ablehnend geantwortet.
Versailles. Französischer Seits wurde das Gesuch um Verlängerung des Waffenstillstandes gestellt.— Die wegen der Contribution von der Stadt Paris aufgenommene Anleihe wurde von Pariser Banquiers vollgezeichnet.— Die Ab- lieferung der Waffen der kriegsgefangenen Be— satzung von Paris geht langsam vor sich und ist noch dei Weitem nicht vollendet; bis zum 11. d.
waren 240 Kanonen, 46 Mitrailleusen und 24,000 Gewehre abgeliefert. Bersailles. Die Deutschen zerstören die
schweren eisernen französischen Geschütze, welche ihrem System der Geschützbewaffnung nicht ent— sprechen. Die Explostonen, welche man in Folge dessen in Versailles vernahm, verursachten einige Aufregung.
Versailles. Es heißt, der Einzug der deutschen Armee in Paris finde sicher am 19. statt. Der Kaiser, welcher an einem leichten Gichtanfall leidet, wird wahrscheinlich am 22. in die Tuilerien einziehen. Prinz Friedrich Karl hat Versailles verlassen..
— Einer Correspondenz der„Kreuzztg.“ aus Versailles zufolge haben vor Paris bereits Trup— penmärsche nach dem Süden und Norden statt— gefunden, um für jede Eventualität gerüstet zu sein. — Der Kaiser hat kürzlich in eine. Ohlpzöre ragendsten Waffentheten des Krieges vom rein militärischen Gesichtspunkt die Schlacht von Mars la Tour, die Gefechte der 17. Division vor Orleans und die Vertheidigung Werder's gegen Bourbaki bezeichnet.
— Zbwischen Choisy und Villeneuve wurden auf preußische Posten Revolverschüsse abgeftueit und in Folge dessen dort die Passage untersagt. Der General der Cavalerie v. Tümpling, Com- mandant des 6. Corps, erließ deßhalb folgende Proclamation:„In Anbetracht dessen, daß auf deutsche Soldaten von Personen, welche nicht der französischen Armee angehören, geschossen worden ist, bringen wir zur Kenntniß der Einwohner— schaft, daß 1) die Civilbehörden für ähnliche Verbrechen verantwortlich gemacht werden, und 2 daß die Häuser, aus denen Schüsse fallen, angezündet oder falls nicht sofort die Schuldigen ausgeliefert werden, die ganzen Ortschaften ver— brannt werden sollen.“
— Auch der sehr informirte Versailler Corre— spondent der„N. Zür. Ztg.“ meldet, daß der Einzug in Paris beschlossene Sache sei, falls der Friede nicht zu Stande kommt. Weiter sagt er: „Man trifft im deutschen Hauptquartier alle Vor⸗ bereitungen, um den Krieg mit erneuter Kraft wieder aufzunehmen. Die deutschen Regimenter werden completirt, eine neue Reserve-⸗Armee sam⸗ melt sich, 250,000 Mann Deutsche rücken bei Abbruch des Waffenstillstandes zwischen der Armee des Generals v. Tresckow(Manteuffel) und des Marschalls Prinz Friedrich Karl unter dem Ober— befehl des Kronprinzen nach dem Süden vor, während der Großherzog von Mecklenburg mit General v. Göben den Norden Frankreichs völlig zu unterwerfen die Aufgabe hat. Die Reserve und eine Armee vou etwa 100,000 Mann bleibt bei Paris.“
— Die„Correspon dance de Berlin“ veröffent⸗ licht eine Zusammenstellung über die in Frankreich
operirenden deutschen Armeen. Dieser Zusammen⸗ stellung zufolge zählt die 1. Armee, Goeben, 56 Bataillone, 56 Escadrons, 34 Batterien; 2. Armee, Prinz Friedrich Karl, 98 Bat., 136 Ese., 61 Batt.; 3. Armee, Kronprinz von Preußen, 129 Bat., 56 Ese., 58 Batt.; 4. Armee, Kron⸗ prinz von Sachsen, 93 Bat., 60 Esc., 98 Batt.; 5. Armee, Manteuffel, 118 Bat., 94 Esc., 91 Batt. Auf Etappen zur Bewachung der Eisen- bahnen und Straßen 27 Bat., 16 Esc.; in Garnison in festen Plätzen 89 Landw.⸗Bat., 24 Esc., 33 Batt.; zusammen befinden sich in Frank⸗ reich 615 Bat., 401 Ese., 290 Batt., mit einem Stande von circa 780,000 Mann. Diese Ziffern werden wohl eher wie alles Andere dazu angethan sein, die Franzosen von der Nothwendigkeit, Frieden zu schließen, zu überzeugen.
— Während des Waffenstillstandes bekommt jeder Offizier und Beamte der Pariser Balagerungs⸗ Armee täglich 4 Thaler Zulage. Ob auch die übrigen Truppen und wie viel die Mannschasten bekommen, ist noch nicht bekannt. ö
— Das„Dresd. Journ.“ bringt die Liste der in Paris gefangen gehaltenen sächsischen Sol; daten, die durch die Capitulation befreit und aus- gewechselt sind. Es sind ihrer 448, fast die Hälfte der deutschen Gefangenen in Paris.
— Am 4. Febr. feierte zu Chaten ay der Commandant des zweiten baperischen Corps Ge- neral der Infanterie v. Hartmann seinen 76. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit wurde dem tapferen General— der nun ohne Feldzüge im 60. Jahre dient— eine Auszeichnung seltenster und ehrendster Art zu Theil. Der Oberbefehls⸗ haber der 3. Armee, Kronprinz Friedrich Wilhelm, überschickte dem Jubilar durch seinen General- stabschef, Generallieutenant v. Blumenthal, der von dem Oberquaxtiermeister Oberst v. Gottberg und dem Major v. Tressow begleitet war, einen Lorbeerkranz mit folgender Widmung:„Seinem verehrten Kriegsgefährten General v. Hartmann zu seinem Geburtstage im Feldlager vor dem be— siegten Paris.“ General v. Blumenthal gab überdies seinen persönlichen Gefühlen dadurch
Ausdruck. daß, er in einer Ansurache die W. akute des Jubilars pries und dabei besonders
betonte, wie er wünsche, den so bewährten General noch recht lange an der Spitze des zweiten Corps zu sehen.
— In Paris nahm nach vorliegenden Be⸗ richten vom 8. d. die Sterblichkeit noch immer zu, und sind die dortigen Zustände in hohem Grade unkrquicklich. Seit dem Beginn der Be— lagerung ist jene Zunahme eine ununterbrochen fortschreitende geweseu. Im ganzen Januar starben jede Woche 300 Personen mehr, als in der vor— hergegangenen Woche geslorben waren. Diese progressive Steigerung halt noch an. Vom 21. bis 27. Januar starben 4376, vom 28. Januar bis 3. Februar 4671, und der nächste Abschluß wird wohl die Sterblichkeit als auf nahe an 5000 angekommen ausweisen. Dem Vernehmen nach wird die Zufuhr nach Möglichkeit erleichtert, und beispielsweise trafen am 4. Februar sogar 112 Waggons mit Mehl in Paris ein; am 5. Februar sogar schon 122 Waggons wiederum mit Mehl und anderen Lebensmitteln, und so täglich in dem Verhältnisse mehr und mehr, wie die Herstellung der Verkehrsstraßen sortschrteitet Die Preise der Lebensmittel sind noch immer sehr hoch. Man zahlt für das Pfund Butter 6 Frs. Auch die übrigen Lebensmittel scheinen sehr theuer zu sein. In einem Pariser Journal finden sich Kartoffeln mit 16 Frs. für 12 Ko, notirt, Käse mit 6 Frs. pr. Pfd., Eier mit 7. Frs. pr. 100, ein Huhn mit 16 Frs. u. s. f.
— Ueber die Belagerung von Belfort sagt ein Bericht aus Karlsruhe: Sicherlich hat der Commandant von Belfort, Oberst Denfert, der militärischen Ehre vollständig Genüge gethan; wenn er aber gleichwohl seiner angeblichen Aeußerung, sich bis zur letzten Patrone zu vertheidigen, treu bleiben will, so wird Belfort noch immer ein hübsches Stück vorzugsweise artilleristischer Arbeit bleiben. Die Einnahme der beiden Perches ist ein ungemeiner Fortschritt der Belagerung; aber,
wie mit der Localität vertraute Fachmänner wissen wollen, würden dieselben noch einigermaßen von den Forts La Justize und Les Barres dominirt, und würde es vor Allem darauf ankommen, von den eroberten Höhen schwere Belagerungsgeschütze wirken zu lassen. Ueber die Lebensmittel wund Munitionsvorräthe in der Festung gehen die Nachrichten sehr auseinander. Der neuliche fehl⸗ geschlagene Versuch auf die jetzt genommenen Forts war wahrscheinlich den Belagerten verrathen worden. Die letzte Einnahme erfolgte im Ver⸗ laufe ganz regelmäßiger Belagerungsarbeit mit Parallelen und schließlicher Glaeiskrönung.
Strasburg, 14. Febr. Aus Bersailles ist dem Vernehmen nach der Besehl eingetroffen, Vorbereitungen für eventuell bedeutende Truppen⸗ durchzüge nach Deutschland zu treffen.
— Einer Correspondenz des„Bund“ zufolge wurden die Perche⸗Forts bei Belfort ohne Sturm genommen. Die Franzosen waren durch das Geschützfeuer theilweise aus den Schanzen ver⸗ trieben worden, und so kostete die Wegnahme wenig Opfer. Jetzt feuern die Forts Justice und Miotte unablässig auf die genommenen Werke, um die Errichtung deutscher Batterien zu verhindern.
Bern. Der„Bund“ meldet:„Die Berichte aus den Cantonen ergeben 1798 internerte Ofsi⸗ ziere, 79,789 Mannschasten und 10,000 Pferde. General Herzog ist ermächtigt worden 2 Brigaden der Grenzbesatzung zu entlassen.
Deutschland.
Darmstadt. Der Großherzog hat unterm 12. d. 363 Militär- Verdierstkreuze, Sanitäte⸗ kreuze und Philipps Orden an hessische und zur hessischen Division commandirte preußische Offiziere, Militärbeamte und Civilpersonen verliehen.
Berlin. Es verlautet, der Kaiser werde Anfangs März nach Berlin zurückkehren, um den Reichstag persönlich zu eröffnen. Die Armee⸗ commandanten blieben auch in diesem Falle bis nach Beendigung des Krieges in Frankreich; unter welchen Verhältnissen dies geschehen, wird der
— Die„Kreuzztg.“ schreibt: Nach dem Aus- fall der Wahlen in Frankreich, welcher die Wie— deraufnahme des Krieges nicht erwarten läßt, dürfte an einer Verlängerung des Waffenstill⸗ standes kaum zu zweifeln sein. Wilhelmshöhe. Napoleon hat unterm 4. Febr. eine Proclamation an die Franzosen gerichtet, worin er zunächst die Gründe für sein bisheriges Schweitzen darlegt. Jetzt, sagt er, wo der Kampf unterbrochen und die Hauptstadt nach heldenmüthigem Widerstande gefallen ist, wo jede vernünftige Aussicht auf Sieg verschwunden ist, jetzt ist es Zeit, von Jenen, welche die Ge— walt usurpirt haben, Rechenschaft zu verlangen für das unnöthig vergossene Blut, für die aufge⸗ häuften Ruinen, für die verschleuderten Hülfs⸗ quellen des Laudes. Napoleon protestirt gegen das bisher durch die Regierung der Nationalver⸗ theidigung Geschehene, ohne selbst die Rechte in Anspruch nehmen zu wollen, die ihm vier Mal in 20 Jahren freiwillig übertragen worden seien; aber so lange nicht das Volk, in regelmäßigen Wahlen versammelt, seinen Willen kund gegeben habe, sei es seine Pflicht, als wahrhafter Repräsen⸗ tant der Nation sich an dieselbe zu wenden und zu sagen: Alles ist ungesetzlich.„Nur eine aus der Volkssouveränetät entsprungene Regierung welche über den Egoismus der Parteien sich zu erheben vermag, kann eure Wunden heilen, eure Herzen der Hoffnung, die entweihten Kirchen euren Gebeten wieder eröffnen vnd Arbeit, Einigkeit und Frieden in den Schooß des Vaterlandes wieder zurückführen.“
. München. Der König hat befohlen, daß die neu zu gießenden Geschütze die Namen tapferer baherischen Offiziere und gewonnener Schlachten erhalten sollen. Das Kriegsministerium erläßt die Anzeige, daß 72 kriegsgefangene bapyerische Soldaten, die in Paris internirt waren, bei ihren Abtheilungen wieder eingerückt sind. f
weitere Verlauf des Waffenstillstandes und die Weges gela uach bei Drenvigung desselben bedingen.
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