Ausgabe 
15.7.1871
 
Einzelbild herunterladen

seinem unvergleichlichen heldenhaften Heer unsern begeisterten deutschen Gruß. Im Namen zahl- reicher deutschen Oberösterreicher Friedrich Frei⸗ herr zu Weichs. Von Berlin erhielt der Absender darauf folgendes eigenhändig unterzeichnete Ant wortschreiben des Kaisers:Ich habe den mir von Ihnen im Namen zahlreicher Gesinnungsge nossen übersendeten Gruß gern entgegengenommen, und sage Ihnen hierfür meinen aufrichtigen und herzlichen Dank. Wilhelm. Berlin, 27. Juni.

DieProv.⸗Corresp. sagt in einem Ar- tikel über die innere Entwickelung in Frankreich, nachdem sie hervorgehoben hat, daß die Stellung der jetzigen französischen Regierung sich inzwischen wesentlich befestigt habe, Folgendes: Deutschlaud wird der ntuen Entwickelung des großen, an äußern Gütern so reich ausgestatteten Nachbar landes mit voller Ruhe und unbefangener Theil- nahme folgen. Der innere Aufschwung Frankreichs wird uns keine Sorge bereiten, da wir gleichzeitig mit voller Zuversicht den stetigen und kräftigen inneren Ausschwung des neuen deutschen Reiches erwarten dürfen. Um so aufrichtiger wird der Wunsch in ganz Deutschland sein, daß Frankreich in der ernsten inneren Wiedergeburt nicht blos den eigenen Frieden, sondern auch ein ehrenvolles Verhältniß zu den übrigen Mächten wiederfinden möge, welches ihm um des gemeinsamen Friedens und der gemeinsamen Culturentwickelung willen überall gern gegönnt würde. DieProvinzial Correspondenz theilt ferner mit, daß die Zahlung der ersten halben Milliarde in vollem Gange be griffen und zum größten Theil bereits ausgeführt sei, und daß zufolge der Bestimmungen des Friedensvertrags nach der Zahlung der ersten halben Milliarde die Departements Somme, Seine inferieure und Eure von den Occupationstruppen geräumt würden.

Der Kronprinz wird am 13. d. in Gravesend eintreffen und den 14. früh in Antwerpen landen. Von dort fährt der Kronprinz über Köln nach Frankfurt, wo derselbe übernachtet und trifft am 15. d. Abends in München ein. Der Aufenthalt in München wird muthmaßlich zwei Tage dauern. Auf der Rückreise wird der Kronprinz den Majestäten in Ems bezüglich Coblenz einen kurzen Besuch ab⸗ statten.

DerD. R.⸗A. veröffentlicht eine Aller- höchste Ordre, derzufolge die Räumlichkeiten der früheren Ecole d'application de Partillerie et du genie in Metz bis zum 1. Januar 1872 zu einer Kriegsschule einzurichten, und die Kosten dieser Einrichtung und der Unterhaltung des Instituts auf den Etat zu bringen sind.

Ein Kgl. Erlaß bestimmt den Anzug und die Abzeichen des 14. Armeecorps(Baden). Aus demselben ist zu ersehen, daß die Einführung einer allgemeinen Bundeskokarde beabsichtigt ist. Ein anderweiter Erlaß betrifft die Gewährung von Geschütz- ꝛc. Doucturgeldern für die im Feldzuge 1870/71 eroberten Trophäen.

DerSp. Ztg. zufolge wird eine regel mäßige Vertretung des deutschen Reichs bei der französischen Regierung erst nach der Räumung von ganz Frankreich durch die Occupationsarmee eingerichtet werden. Dasselbe Blatt bestätigt, daß die Frage betreffs der Aufhebung des Artikels 3 des Prager Friedens Seitens des hiesigen aus wärtigen Amtes in keiner Weise angeregt worden sei.

DerReichsanzeiger veröffentlicht folgendes Gesetz, betreffend die Verleihung don Dotationen in Anerkennung hervorragender, im letzten Kriege erworbener Verdienste, vom 22. Juni 1871: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden, deutscher Kaiser, König von Preußen ꝛc., verordnen im Namen des deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrathes und des Reichstages, was folgt: Zur Verleihung von Dotationen an diejenigen deutschen Heerführer, welche in dem letzten Kriege zu dem glücklichen Ausgange desselben in hervor ragender Weise beigetragen haben, sowie an deutsche Staatsmänner, welche bei den nationalen Erfolgen dieses Krieges in hervorragender Weise mitgewirkt haben, wird dem Kaiser eine Summe von vier Millionen Thalern aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung zur Verfügung ge

stellt. Urkundlich unter unserer höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem kaiserlichen Insiegel. Gegeben Berlin, 22. Juni 1871.(L. 8.) Wilhelm. Fürst v. Bismarck.

Eine Bekanntmachung des kgl. Bankdirec⸗ toriums zeigt an, daß die Bankcommandite zu Frank furt a. M. ihre Wirksamkeit am 18. Juli beginne.

DerD. R. A. macht darauf aufmerk- sam, daß der Eintriit in Frankreich nur gegen Vorzeigung eines gültigen Reisepasses gestattet, und daß dazu das Visa eines französischen Con- sular⸗Agenten erforderlich ist. Die Gebühren für ein solches Visa betragen zehn Franken. Dieser Hinweis ist für nöthig erachtet, da es sich häufig zuträgt, daß Reisende an der Grenze Halt machen müssen, welche der Meinung gewesen, eine Paß karte wäre hinreichend, oder welche sich(obne Erfolg) darauf berufen, daß ihre resp. Ortsbe hörde ihnen gesagt habe, die Paßformalität sei längst abgeschafft, und man könne unbehindert ohne Paß nach Frankreich reisen.

Frankfurt. Vom 13. d. M. an werden sämmt⸗ liche Truppentransporte auf der Main-Neckar⸗, der Main Weser⸗, sowie auf allen süddeutschen Bahnen eingestellt werden.

Dresden. Am 11. d. bat der Einzug der Truppen hierselbst stattgefunden. Der König er schien um 11 Uhr an der Spitze der Truppen- aufstellung und beauftragte den Divistonär, den Truppen bekannt zu geben, daß der Kaiser den Kronprinzen von Sachsen zum Feldmarschall er nannt habe, und überreichte dem Kronprinzen zu gleich den Marschallstab. Der Jubel der Truppen und des zahllosen Publikums war unbeschreiblich. Dem Defilése wohnten neben dem Könige der Großberzog von Hesser, Prinz Karl Theodor von Bayern und der Herzog von Genua an.

München. Das Commando über die zum fei rlichen Siegeseinzug bestimmten Truppen führt General v. d. Taun; Chef des Generalstabs ist Oberst Heinleth und Feldartilleriedirector General major v. Malaisé. Zunächst zieht die Jafanterie ein, sodann die Cavallerie, und dieser folgt die Arillerie; der Vorbeimarsch der Truppen vor dem Könige erfolgt in Zugscolonnen.

Stuttgart. Anläßlich ihres 25 jährigen Ebejubiläums gründete die Königin eine Karl- Olga⸗ Stiftung mit einem Capital von 105,000 fl. zu 30 Jahrespräbenden für unverheirathete bedürf⸗ tige Töchter verstorbener Beamten und Offiziere.

Auf Römer's Antrag beschloß die Abge ordnetenkammer, des Bischof Hefele Verkündigung der Unfehlbarkeit, die ohne die gesetzlich vorge schriebene Einholung der staatlichen Genehmigung geschehen sei, der staats rechtlichen Commission zur Berichterstattung zu überweisen.

Straßburg. Wie derNiederrh. C. er fährt, ist dieser Tage zwischen dem General-Gou verneur Graf v. Bismarck-Bohlen im Auftrage und als Vertreter des Fürsten Reichskanzlers einerseits und Herrn Hartmann in Münster an dererseits ein Vertrag über Ankauf der Bahnstrecke Münster⸗Colmar im Betrage von 2,500,000 Fr. zu Stande gekommen.

Mülhausen. Am 9. d. entstand hier ein Auflauf, der leider wie der ähnliche vor einigen Tagen ein Menschenleben gekostet. Ein Arbeiter wurde tödtlich, jedoch wie die Zeugen aussagen, durch einen Schuß, der aus dem Publikum kam, verwundet. Constatirt ist, daß das Militär, welches die aus Anlaß der Ruhestörung ver hafteten Personen abführte, nicht geschossen hat. (Der Getödtete ist bereits mit etwas Demonstration begraben worden; ein Mülhauser legte ihm eine eiserne Krone auf's Grab.)

Ausland.

Oester rei). Die Reichsrathsdelegation genehmigte ohne Debatte das Mehrerforderniß, welchts durch die Erhebung des Gesandischafts postens in Berlin zu einem Botschafterposten ver anlaßt wird, und ging sodann in die Debatte über das Budget des Kriegsministeriums über. Der Reichs ⸗Kriegsminister erklärt, er habe alle möglichen Ersparnisse bewirkt, aber die durch das Wehrgesetz bedingte Wehrhaftmachung von

800,000 Mann erheische wachsende Auslagen, und fügt hinzu, er könne jetzt nur 650,000 Mann

aufstellen. Graf Beust erklärt, die Wehrhaft⸗

machung des Staates sei nothwendig, um jedes

Unrecht mit eigner Macht zurückweisen zu können. Gerade der gegenwärtige Moment sei zur Durch⸗ führung der Heeres⸗Reorganisation geeignet, ohne Mißtrauen zu veranlassen.

sei; aber in der Armee lebe nur ein Gedanke: Oesterreich⸗Ungarn dürfe keinen unglücklichen Krieg mehr führen, wenn es zum Krieg gezwungen würde. In der hierauf folgenden Specialdebatte weest der Reichs⸗Kriegsminister die Nothwendigkeit der Aufstellung eines 13. Artillerieregiments nach. Nach längerer Discussion wird die Errichtung eines 13. Artillerieregiments mit 26 gegen 25 Stiu⸗ men abgelehnt, dagegen zur Errichtung für Cadres für die 13. Batterien die Forderung der Regie- rung im Betrage von 89,991 fl. mit 28 gegen 26 Stimmen bewilligt.

Aus Alexandrien wird gemeldet, daß der französische Consul die französischen Staatsange⸗ hörigen zum offenen Widerstande gegen die Maß nahmen der Landesregierung aufgefordert haben soll. Die ägyptische Regierung hätte die Sache bei dem Consularcorps anhängig gemacht und beabsichtige bei der französischen Regierung ernste Reclamationen.

Schweiz. Aus der der Bundesversammlung in Bern zugegangenen Botschaft des schweizerischen Bundesrathes ist die interessante Mittheiluug zu entnehmen, daß die Kosten für Aufnahme und Verpflegung des Bourbaki'schen Heeres und für die erforderliche Bereithaltung der Bewachungs- mannschaft sich auf 11,000,000 Fr. belaufen, so daß auf den Kopf mehr als 3 Fre. täglich zu stehen kommen. ö

Frankreich. DerTemps constatirte vor Kurzem, daß die große Zahl der verhafteten Arbeiter, die theils zu Versailles, theils auf den Pontons und theils auf dem Wege nach Cayenne sind, eine unausfüllbare Leere in dem französischen Wohlstande machen würde. Die an den Pariser Handel gerichteten Aufträge, die nicht ausgeführt werden können, werden ins Ausland gehen, nach England, nach Deutschland, nach der Schweiz oder nach Belgien. Es ist Thatsache, daß es der Pariser Industrie an intelligenten und fähigen Arbeitern fehlt. Die Mehrzahl derselben ist ge⸗ tödtet, verwundet, arbeitsunfähig oder gefangen, das heißt außer Arbeit gesetzt. Ein großer Stiefelfabrikant vom Faubourg du Temple hatte 100 Arbeiter nöthig, aber trotz aller Aufrufe hat er diese Zahl nicht zusammenbringen können. Und während so in Paris das Flend noch immer groß , machen sich die Toilesten der Halbwelt wieder gerade wie früher in den Wiesen von Longchamps, von Chantillyß, von La Marche oder Vincennes breit und werden Vorbereitungen zur Abhaltung der Wettrennen getroffen. Die Rennen zu Havre werden am 30. und 31. Juli stattfinden, die von Caen und Bauville am 13. August und endlich die großen Rennen von Paris am 5. und 15. Sep- tember. Zwar wird die Stadt diesmal nicht den großen Preis von 100,000 Fre. auswerfen, da ihre finanzielle Lage ihr einen solchen Luxus nicht gestattet, aber die französischen Sportsmen haben die Absicht, ihr Möglichstes zu thun, um die Sache in guten Schwung zu bringen.

DerBien public zeigt an, daß man in Le Mans in großer Anzahl das Manifest des Grafen von Chambord vertheilt hat. Was in Le Mans gemacht wurde, sagt derBien public, ist wohl auch in anderen Städten geschehen. Wir haben nicht nöthig, unseren Lesern mitzutheilen, daß derartige Austheilungen politischer Plakate ungesetzlich sind; aber wenn die Regierung dieses Mal tolerant war, so glauben wir, sie habe sehr weise gehandelt. Je mehr das Manifest des Hrn. Grafen von Chambord verbreitet sein wird, desto completter und entscheidender wird die Schei dung zwischen dem neuen Frankreich und dem Principe, welches er vertritt, vor sich gehen.

Der geheimnißvolle Abenteurer Regnier, welcher seiner Zeit den General Bourbaki ver anlaßte, Metz zu verlassen und nach England zur

Die Armee wie das Volk seien überzeugt, daß ein Krieg ein Unglück

srengu

Monk ungenü bischen Seiten. steunds ob es sschen gehen! nellen daß bi wertige Ministe