Ausgabe 
14.11.1871
 
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der Post. Nachdem die Gewichtegrenze für Druck sachen unter Band auf 1 Pfund erweitert worden ist, wird den Absendern derartiger Drucksachen empfohlen, zu den Streif- oder Kreuzbändern, welche übrigens die Außenfläche ganz bedecken können, festes Papier oder Leinwandstreifen zu benutzen, auch wenn nöthig eine Bindfadenum⸗ schnürung anzuwenden, dieselbe muß aber leicht zu lösen sein, um die etwa nöthige Controle zu ermöglichen. Bei Büchersendungen können die lediglich den Preis der Bücher betreffenden Rech- nungen beigeschlossen werden. Die Taxe von 3 Silbergroschen, bezw. 11 Kreuzer ist durch Verwendung von Freimarken zu entrichten. Druck sachen über 15 Loth, welche unfrankirt oder un zureichend frankirt eingelsefert werden oder den sonstigen Bedingungen nicht entsprechen, werden dem Absender zurückgegeben, bezw. als unbestellbar behandelt. 2) Packetbesörderung mit der Post. Das Signiren der Packete per Adresse hat in Folge der von der Postverwaltung gegebenen An- regung bereits bei dem überwiegend größten Theile des Publikums Eingang gefunden und wird in Anerkennung der Vortheile, welche diese Signi rungsweise für die sichere Ueberkunft der Sendun gen darbietet, schon gegenwärtig nach den ange stellten statistischen Ermittlungen bei dem hei Weitem größten Theil der Postgüter von den Absendern in Anwendung gebracht. Es baben sich dabei dieselben vortheilhaften Ergebnisse herausgestellt, welche jenes Verfahren im Feldpostpäckereiverkehre während des letzten Krieges bereits geliefert hatte. Um die Vortheile des Signirens per Adresse bei der zu erwartenden erheblichen Steigerung des Päckereiverkehrs während der bevorstehenden Weih- nachtszeit im Interesse des Publikums schon in vollem Umfang zur Geltung zu bringen, wird be stimmt, daß bis auf Weiteres vom 1. Dezember ab bei allen mit der Post zu befördernden Packeten die Bezeichnung(Signatur) die wesentlichen An gaben der Adresse enthalten muß, so daß nöthigen- falls das Packet auch ohne den Begleitbrief be stellt werden kann.

DasMilitärwochenblatt meldet: General- Lieutenant v. Podbielski wurde unter Entbindung von dem Directorium des allgemeinen Kriegs departements zu den Offizieren von der Armee versetzt und dem Generalstabschef der Armee zur Dispofition gestellt.

DerReichsanzeiger veröffentlicht ein 530 Namen umfassendee erstes Verzeichniß von Frauen und Jungfrauen, welche auf Vorschlag der Kaiserin mit dem Verdienstkreuz für Kranken- und Verwundetenpflege ausgezeichnet worden sind.

Als Commissarius des Bundesrathe für das Etatsgesetz hat, wie dieWestf. Ztg. meldet, Geh. Rath Michaelis die Erklärung abgegeben, daß in der Frühjahrssesston 1872 ein vollständiger Verwendungeplan in Betreff der französischen Milliarden dem Reichstage werde vorgelegt werden. Die Reichsregierung erkenne das Recht des Reichs tages an, auch in Betreff der Vertheilung an die Einzelstaaten und des Maßstabs der Vertheilung mitzusprechen, auch diese Vertheilung an die Er füllung gewisser Bedingungen zu knüpfen.

In den Motiven zu dem Gesetze vom 14. Juni, welches den Reichskanzler ermächtigte, den Bedarf für die Ausrüstung der elsaß-lothrin gischen Eisenbahnen bis auf die Höhe von 5 Millionen aus der Kriegscontribution zu be streiten, war bereits darauf hingewiesen, daß zur mäßigen Ausrüstung der 100 Meilen Eisenbahnen 10 Millionen überhaupt erforderlich sein werden. Zur Deckung des Bedarfs sind aus Kriegsfonde beschafft worden: 85 Locomotiven, 200 bedeckte und 341 offene Güterwagen im Werthe 1,862,000 Thlr.; das Reichskanzleramt hat 6,288,500 Thlr. ausgegeben resp. bestimmt für 92 Locomesiven, 436 Personenwagen, 14 Gepäck- und 5120 Güter wagen; in der Eisenbahn-Werkstätte zu Montigny werden oder sind für 245,500 Thlr. etwa 613 Güterwagen gebaut.

Aus Köhn ist eine vom hiesigenKatholischen Central-Comite angeregte, mit einer Anzahl von Unterschriften versehene Petition an den Reichstag,

betreffend die Beseitigung des Jesuiten⸗ ordens im deutschen Reiche, nach Berlin abgegangen. W

Ausland. 99

Oesterreich. Wien. DieAmtszeltung veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben vom 8. November an den Grafen Beust, worin der Kaiser denselben auf seine durch Gesundheitsrück sichten begründete Bitte von dem Amte des Reichs- kanzlers, sowie als Minister des kaiserlichen Hauses und des Aeußeren in Gnaden enthebt, demselben für die ausdauernde, selbstlose Hingebung, womit er seinen Pflichten obgelegen, aufrichtigen Dank ausspricht und hinzufügt:Ich werde die Dienste nie vergessen, welche Sie in der fünfjährigen er eignißreichen Epoche Ihrer Wirksamkeit mir, meinem Hause und dem Staate geleistet haben. Ein zweites kaiserliches Handschreiben an den Grafen Beust beruft denselben als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus des Reichsrathes.

DasTelegr. Corresp.⸗Büreau meldet: Unterrichteterseits wird bestätigt, daß Graf An drassy das Ministerium des Aeußeren übernommen hat. Die Journale bezeichnen Andrassy's künftige Politik als Fortsetzung der seit längerer Zeit von dem Wiener Cabinette befolgten Friedenspolitik.

DieTagespresse enthält eine Darstellung über die Vorgänge, welche zur Entbebung des Grafen Beust von seinem Posten geführt hätten, und bezeichnet diese Enthebung als auf den Wunsch des deutschen Kaisers erfolgt, welchem Fürst Bismarck den Grafen Beust als einziges Hinderniß eines innigen Verhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich bezeichnete. In wohl unterrichteten Kreisen hält man die ganze Darstellung als eine absichtlich unwahre, und die Behauptung, daß der deutsche Kaiser oder Fürst Bismarck irgenwie Wünsche für die Ent laͤssung des Reichkanzlers ausgesprochen hätte, für absolut erfunden.

Anläßlich verschiedener Verfionen, nach welchen die Ernennung des Grafen Andrassy zum Minister des Aeußern in Petersburg einen un günstigen Eindruck gemacht habe, soll Graf An- drassy sich gegenüber den hlesigen Diplomaten mehrfach dahin geäußert haben, er werde be müht sein, nicht minder gute Beziehungen zu Rußland zu unterhalten, wie Graf Beust.

Der Kaiser machte dem Grafen Beust einen halbstündigen Besuch. Der Gemeinderath von Teplitz verlieh dem Grafen Beust das Ehrenbürger⸗ recht; die Universität entsandte eine Abschieds⸗ Deputation an den Grafen.

Schweiz. Bern. Im Natioralrath wurde die Berathung der Bundesrevision sortgesetzt. Art. 18 wird nach dem Antrag der Revisions- commission angenommen, wonach jeder Schweizer vom 20. bis 44. Altersjahr militärdienstpflichtig ist.

Frankreich. Paris. DieAgence Havas erklärt es für unrichtig, daß die Regierung der Nationalversammlung ein Gesetz vorlegen werde, welches die Mitglieder der Familie Bonaparte aus Frankreich verbannt.

DerSidcle berichtet:Man schreibt uns aus Berlin, daß Hr. Rouher bei Fürst Bis- marck die dringendsten Schritte thut, um die Rückgabe der auf Schloß Cercay gefundenen Papiete zu erlangen. Bis jetzt war der Staats- rath nicht sehr glücklich in seinen Forderungen; aber das Spaßhafte an der Sache ist, daß Herr Rouher diese Papiere als sein persönliches Eigen- thum reclamirt. Wie derFigaro erfährt, habe Herr Thlers den Grafen Bondy zum Ver- treter Frankreichs in Berlin ausersehen. Der Graf könne die deutsche Sprache gründlich und sei schon französtscher Gesandter in Dresden und Kassel gewesen.

Die Capitulations-Untersuchungs-Commisston hat dem General Cremer eine neue Aufforderung zugehen lassen. Wird der General in seiner Weigerung sich zu stellen veharren und sich ferner annexirter Lothringer nennen, so soll der Gen darmerie Weisung ertheilt werden, den Gambket tistischen General in seine Heimath zu transportiren, wo ihm als eidbrüchigem Ossizier Seitens der

reußischen Behörden eben keine ec 1

iche Aufnahme bevorstehen dürfte. Wie diePatrie meldet, sollen

von Deutschen besetzten sechs französischen Departe⸗ ments demnächst eine Erleichterung erfa Besatzung besteht aus vier Dienen, ie Artillerie und Cavallerie auf dem Kriegsfuß Ganzen 50,000 Mann stark sind. Da nun gesammte deutsche Armee auf den Friedensstand herabgesetzt werden soll, so wird diese Maßnahme auch auf die Occupationsarmee angewandt und die letztere um 5000 Mann vermindert werden. Das Blatt fügt die unwahrscheinliche Nachricht hinzu, daß die complette Räumung in Folge neuer Arrangements schon im nächsten Frühjahr erfolgen werde und daß die Lieferungsverträge für Nahrungs mittel nicht über den Schluß des Winters hinaus abgeschlossen worden sind. L

Spanien. Madrid. Die Cortes beschlossen der Regierung ein Vertrauensvotum wegen ihrer der Internationale gegenüber beobachteten Haltung zu ertheilen, und zwar mit 191 gegen 83 Stimmen.

Belgien. Brüssel. Das ossiciöseJournal de Bruxelles bespricht in heftigem Tone den Artikel derNordd. Allg. Ztg. über das Zu⸗ sammengehen der schwarzen und rothen Inter nationalen. Es bezeichnet denselben als den Be ginn eines gleichsam annexionistischen Kreuzzuges gegen Belgien und fragt, ob denn Deutschland ein ebensolches Schreckgespenst für letzteres werden solle, wie es das kaiserliche Frankreich war.

Der Gemeinderath des Departements der Drome hat mit Stimmenmehrheit den Antrag zum Beschluß erhoben, es möge die vom Cassationshof decretirte gerichtliche Verfolgung der Helfershelfer Louis Napoleons beim Staatsstreich vom 2. Decem⸗ ber 1851 wieder aufgenommen werden.

Griechenland. Athen. Der König hat seinen bisherigen Minister Cumanduros ent- lassen und Zaimis mit Bildung eines neuen Cabi⸗ nets beauftragt.

In Gerstungen wollte am 9. d. der Frankfurt⸗ Berliner Tagesschnellzug eben die Ausgangsweiche passixen, als zwel vor einen mit Holz beladenen Wagen gespaunte Pferde vor der Anfahrt in das Geleise sprangen und einige Secunden vor der Maschine herliesen. Diese hatte den Wagen schnell gefaßt und zertrümmert, konnte aber noch so zeitig gestellt werden, daß die Pferde gerettet und größeres Unglück verhütet wurde. Eine Weiche ist gänz⸗ lich zerbrochen, dagegen das Geleise fahrbar geblieben.

Neustadt a. d. H. Ein von Kaiserslautern kom- mender Personenzug stieß am 10. d. auf die im Geleise stehenden Kohlenwagen mit solcher Wucht, daß die Maschine nebst Packwagen total zertrümmert wurde. Menschenleben sind keine zu beklagen; einige leichte Verwundungen ab⸗ gerechnet, kamen die Passagiere mit dem Schrecken davon.

Freiburg i. Br. Der Ausschuß für Errichtung eines Denkmals für das 14. Armeecorps und seine Führer in Freiburg hatte während der Anwesenheit des Kalsers Wilhelm in genannter Stadt demselben durch eine Ab⸗ ordnung auch den Wunsch ausdrücken lassen, zu dem Denkmal auch französisches Geschützmaterial verwenden zu können, und es war thunlichste Berücksichtigung dieses Wunsches zugesagt worden. Vor einigen Tagen erhielt nun auch der Vorsitzende des Ausschusses ein Schreiben von dem preußischen Kriegsministerium, worin ihm an⸗ gezeigt wird, daß das Artillerte-Depot zu Straßburg an⸗ gewiesen sei, aus den dortigen Beständen der französischen Kriegsbeute drei 16 Centim. glatte broncene Haubizröhre dem Ausschuß auf Verlangen zu verabfolgen.

Aus Bayreuth wird unterm 8. d. über eine da⸗ selbst statigefundene Pulverexplosion gemeldet: Gestern Abend machte sich ein Soldat in einer Mannschaftsstube des östlichen Traktes der hiesigen Infanteriecaserne Nr. 1 das sonderbare Vergnügen, einen sog. Speiteufel zu sabriciren und anzuzünden, während eine größere Quanli⸗ tät losen Pulvers, von entleerten Patronen berrührend, im Zimmer lag. Die Folge was, daß dieses sich mitent⸗ zündete, wodurch eine große Explosion stattfand. Die heftige Detonation war auf weite Entfernung hörbar und die gleichzeitig emporzüngelnde Flamme weithin zu sehen, da der Bau bis zum Dachboden hinaus durch schlagen wurde. Die im Zimmer befindlichen drei Sol⸗ daten wurden tolal versengt und in's Militärspital ge⸗ bracht. Dieselben erlitten übrigens keine lebensgefährlichen Verletzungen. Ein Soldat, welcher im oberen Stocke auf dem Bette lag, wurde sammt der Lagerstätte in ein lieferes Stockwerk versenkt. Derselbe erhielt jedoch eben⸗ falls keine nennenswerthe Beschädigungen, obwohl ihm die obere Zimmerdecke nebst Umfassungswänden nachge⸗ folgt war. Der zur Zeit in der Kaserne logitende Haupt⸗ mann Schoch wurde durch das Eindrücken seiner Zimmer⸗ wand derartig verletzt, daß er heute in das Milklärspital

verbracht werden, mußte. Die Wirkung der Explosion war, was die Zirstörung betrifft, wirklich großartig.