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Samstag den 13. Mai.
A 56.
berhessischer Anzeiger.
g Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Durch Entschließung vom 1. J. Mis. bat S. K. H. der Großherzog den wirklichen Geheimerath und Präsidenten des Mi— nisteriums des Innern von Bechtold von den Functionen eines Directors und Mitglieds der Prüfungs⸗Commission für das Justiz- und Ver⸗ waltungsfach enthoben und an dessen Stelle den Oberappellations- und Cassationsgerichtsrath Dr. Otto Zentgraf zum Director der genannten Com- mission, den Ministerialrath Wilhelm Reuling aber zum Mitgliede derselben ernannt.
— Geh. Staatsrath Franck ist zum Präsi⸗ denten des Oberappellationsgerichts ernannt worden.
Mainz. In dem mehrerwähnten Octroi- prozesse ist nunmehr das Urtheil erfolgt. Den Geschworenen waren 14 Fragen zur Beantwortung übergeben. Nach 1 ½ ⸗stündiger Berathung ant⸗ worteten dieselben auf jede mit„Nein“, und wurden die Angeklagten vom Präsidenten freige⸗ sprochen, und soweit sie verhaftet waren, in Freiheit gesetzt.
— Am 10. d. Abends 8 Uhr trafen Jules Favre, Pouper⸗Quertier und die beiden Secretäre bei den Frankfurter Conferenzen, Comte de Bastard und Vicomte de Fenélon, von Frankfurt hier ein und stiegen im„Englischen Hof“ ab. Dieselben besuchten am folgenden Morgen das Lager der französischen Kriegsgefangenen und reisten Abends
per Extrazug direct nach Versailles zurück.
— In Folge des erfolgten Friedens abschlusses werden von den hier internirten französischen Kriegs- gefangenen 10,000 Mann sofort und auf dem kürzesten Weg nach Frankreich und von da zur Unterdrückung des Aufstandes nach Algier beordert werden.
Berlin, 10. Mai. Reichstag. Zweite Be⸗
tathung des von Wiggers vorgeschlagenen Ge—
setzentwurfes, betreffend die Cautionspflichtigkeit der periodischen Druckschriffen in tinigen einschlägigen Petitionen. An Stelle des Wiggers'schen wird ein von Völk vorgeschlagener Gesetzentwurf in längerer Debatte angenommen, welcher lautet:„Einziger Artikel. Die Vor⸗ schriften der Landesgesetze, welche die Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften zur Stellung einer Caution verpflichten, die Entziehung der Befugniß zum selbstständigen Gewerbebetrieb im Falle einer durch die Presse begangenen Zuwider⸗ handlung vorschreiben oder zulassen, werden auf— gehoben.“ Sodann wird der Commissionsantrag nebst einem, Unterantrag von Brockhaus, sowie tine von Biedermann vorgeschlagene Resolution angenommen, wonach der Antrag nunmehr dahin lautet, daß die vorbezeichneten Petitionen, soweit sse die Aufnahme von Bestimmungen über die Presse in die Verfassung beantragen, durch An- nahme der Verfassung erledigt zu erklären seien, im Uebrigen der Reichskanzler ersucht werden möge, dem Reichstage in der nächsten Session den Entwurf eines für das ganze Bundesgebiet geltenden Preßgesetzes vorzulegen, auch den be- treffenden Gesetzentwurf der öffentlichen Kritik vorher rechtzeitig zu unterbreiten. Der von Lasker vorgeschlagene Gesetzentwurf, betreffend die ge— schäftliche Behandlung eines ungewöhnlich umfang— leichen Gesetzentwurses, wurde an eine Commission don 14 Mitgliedern verwiesen.
— Die„Provinzialcorrespondenz“ schreibt: „Die Frankfurter Verhandlungen werden hoffent- lich von entscheidender Bedeutung für das defi— tive Friedenswerk sein. Man darf überzeugt
Verbindung mit
sein, daß Fürst Bismarck sein persönliches An- sehen eventuell einsetzen wird, um alle Zweifel und Bedenken, welche gegenüber den Präliminarien noch möglich erschienen, endgültig zu beseitigen und somit die vorläufigen Friedensgrundlagen als Bestimmungen des wirklichen Friedens zu gestalten und zu ergänzen. Nicht um die Befeitigung ein⸗ zelner Schwierigkeiten kann es sich jetzt handeln, sondern um die allseitige, vollständige Anbahnung des wirklichen Friedens. Hr. Favre bewies bei den früheren Waffenstillstandsverhandlungen, daß er sich über die Lage Frankreichs keinen Täuschungen mehr hingibt. Er wird seinen Patriotismus ge- wiß auch jetzt bewähren, indem er ohne Weiteres Schritte thut, welche zu Frankreichs Ehre nöthig sind.“ Das genannte Blatt schreibt ferner:„Der erfreuliche Abschluß der Verhandlungen scheint unmittelbar bevorzustehen. Die Reichstagssitzungen dürften bis Pfingsten dauern. Die Berufung der Provinzial⸗ und Communal Landtage ist für den 4. Juni beabsichtigt.“
— Ueber den Friedensabschluß verlautet: Die Kriegsentschädigung von fünf Milliarden ist bei⸗ behalten; die Zahlungsfristen werden verkürzt, die Occupationsfristen verlängert. Eine Zahlung von 500 Millionen erfolgt 30 Tage nach der Ein⸗ nahme von Paris. Für Abtretung der Bahnen in Elsaß⸗Lethringen ist eine Entschädigungssumme von 800 Millionen gefordert, schließlich wurden 300 Millionen vereinbart.
— Die von dem Regierungspräsidenten v. Ende in Schleswig angeregte Idee der Pflanzung von sog.„Friedenseichen“ hat in den Herzogthümern in Stadt und Land außerordentlichen Anklang gefunden. Die Zahl der in dieser Veranlassung unter entsprechenden Feierlichkeiten an hervortre— tenden Punkten gepflanzten Bäume, natürlich aus- gesucht schöne und kräftige Exemplare bis zum Alter von 10 bis 15 Jahren, beläuft sich im ganzen Lande gewiß auf mehrere Hunderte.
Köln. Die an den Erzbischof von München- Freising gerichteten Sendschreiben von Dr. von Döllinger und Dr. Friedrich u. A. haben den Bischof von Münster und den hiesigen Erzbischof veranlaßt, sich nach München zu begeben, um dort eine Berathung abzuhalten. Anderen Nach- richten zufolge wäre von München aus eine Auf— forderung an alle deutschen Bischöfe ergangen, zu einer gemeinsamen Berathung dort zusammenzu— treten, und ebenso gemeinsame Schritte gegenüber der altkatholischen Bewegung ins Auge zu fassen.
— Dieser Tage reisten ca. 100 Fabrik- und andere Arbeiter und Arbeiterinnen von Straß— burg, wo es infolge der Belagerung und deren Folgen an Beschäftigung fehlt, durch Köln nach Belgien, hoffend, daselbst in Arbeit genommen zu werden. Von hier aus begeben sich dagegen viele Bauhandwerker nach Straßburg, dort die Neu— bauten und Restaurationen ausführen zu helfen.
Frankfurt. Das„Fr. J.“ meldet vom 10. d.: Es wird uns mitgetheilt, daß der Cardinal punkt der seitherigen Verhandlungen auf der Con- ferenz darin bestand, sich deutscherseits zu verge— wissern, ob die Versailler Regierung einigermaßen sicher sei, den Bürgerkrieg zu beenden und damit Frankreich vor der Zerrüttung und Erschöpfung seiner Kräfte, deren es zur Erfüllung der Friedens- bedingungen wie zu seinem eigenen Gedeihen be— darf, zu bewahren. Falls die Versailler Herren diesen Nachweis schuldig blieben, würde die fran— zösische Angelegenheit alsbald zur deutschen. Damit siimmt auch der Umstand, daß die Versailler Re-
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gierung in ihrer neuesten Proclamation an die Pariser sagt:„Die Euch bedrückende Minderheit setzt Euch auch neuen Angriffen der Deutschen aus, welche sie nach ihren eigenen Erklärungen rücksichtslos in's Werk setzen würden, wenn wir nicht selbst die Insurgenten zu ersticken vermögen.“ Es ist indeß aus den seitherigen Mittheilungen zu schließen, daß man über diese Schwierigkeit hinaus ist und der Fall des Forts Issy ist ein neues gutes Omen.
— Wie berichtet wird, ist der stellsertretende Maire von Straßburg, Hr. Klein, hier einge⸗ troffen, um gleichfalls mit dem Reichskanzler zu conferiren.
— 10. Mai. Die officiöse„Frankf. Presse“ bringt über die Friedensverhandlungen folgende Mittheilungen: Fürst Bismarck hat gestern Nach⸗ mittags Logis im„Schwan“ auf weitere 8— 10 Tage belegt. Von Berlin und Brüssel sind weitere Conferenzmitglieder, darunter auch ein preußischer General, angekommen. Nachmittags fand eine Sitzung von 3—6, eine weitere Abends von 8½ Uhr an statt. Vor der ersten Sitzung fuhr Fürst Bismarck weit hinaus nach der Bockenheimer Landstraße, um draußen ungenirt zu promeniren.
— Nachmittag 2½ Uhr. Soeben ist der definitive Friedensschluß von sämmt⸗ lichen Bevollmächtigten unterzeichnet worden. Fürst Bismarck war nur in der Absicht hierher gekommen, Schwierigkeiten zu ebnen; der Verlauf der Verhandlungen war jedoch ein so günstiger, daß wider Erwarten der definitive Abschluß des Friedens erreicht wurde. Die Bürgschaften für Ausführung des Friedens sind verstärkt.
— Obengenanntes Blatt schreibt ferner: Durch den heute hier erfolgten definitiven Abschluß des deutsch-französischen Friedens ist die Geschichte Frankfurts um einen denkwürdigen Moment reicher geworden. Ueber die endgültigen Abmachungen verlautet zur Stunde noch nichts; doch ist anzu⸗ nehmen, daß die Friedenspräliminarien im Großen und Ganzen unverändert geblieben find. Die Details der Ausführung werden selbstverständlich noch festzustellen sein und in Zusatzprotokollen codi- ficirt werden. Ob die ersten 500 Millionen Frs., zu deren Vorstreckung ein Consortium, welchem auch hiesige Bankiers angehören sollten, angeblich bereit war, bereits bezahlt sind oder in kurzer Frist bezahlt werden, haben wir nicht erfahren können. Sobald es aber geschieht, sind die beiden Bedingungen erfüllt, unter denen bekanntlich deutscherseits die Räumung der Nord- und Ost⸗ sorts erfolgen muß. Fürst Bismarck und Gefolge werden morgen nach Berlin zurückkehren. Dadurch erledigt sich die Nachricht in unserm 1. Blatte, daß für den Reichskanzler auf's neue 8—10 Tage im Schwan Quartier belegt sei. Die franzö⸗ sischen Bevollmächtigten wollten noch heut abreisen.
— 11. Mai. Aus den Berichten des„Fr. J.“ über die Friedensverhandblungen theilen wir folgende Stellen mit: Die Unterzeichnung des Friedens- protokolls erfolgte gestern Nachmittag um 4½ Uhr. Die Nachricht, daß der Friedensschluß erfolgt sei, verbreitete sich mit großer Schnelligkeit durch die Stadt und große Menschenmassen standen bei der Abfahrt Jules Favre's vor dem„Holel zum Schwan“. Instinctiv— möchte man fast sagen — zog die Menge den Hut, als Favre in den Steinweg einbog, denn Jeder mochte fühlen, daß der 10. Mai 1871 historisch sei. Fürst Bismarck verließ kurze Zeit nach dem Hinweggang der


