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nicht rechnen können, die Regierungsvorlage sei von dem Gedanken geleitet, die Steuerlast der untersten Bevölkerungsschichten zu erleichtern und dem directen Steuersystem weitere Geltung zu verschaffen. Die Regierung habe sich nicht auf die in dem Etat vorgesehene eine Million be⸗ schränkt, sondern schlage unter Berücksichtigung der Ersparnisse für 1872 und 1873 vor, die Mahl- und Schlachtsteuer aufzuheben und die unterste Stufe der Classensteuer in Wegfall zu bringen. Die betreffenden Steuerpflichtigen würden vom 1. Juli künftigen Jahres von der Classensteuer befreit. Die Mahlsteuer solle am 1. Jan. 1873 aufhören, die Schlachtsteuer für Rechnung des Staates völlig aufgehoben, für Communalzwecke indeß bedingungsweise zugelassen werden.
Berlin. Der Bischof von Straßburg, Misgr. Dr. Räß, welcher ganz unerwartet vorigen Sonnabend in Berlin eingetroffen war, ist bereits am 8. d. mit seiner Begleitung über Köln nach Straßburg zurückgekehrt. Der greise Prälat wurde vom Kaiser empfangen, der sich in huldvollster Weise mit ihm unterhielt und soll der Bischof über den ihm gewordenen Empfang sehr befriedigt sein. Der Bischof, eine untersetzte markige Gestalt von icht süddeutschem Typus und trotz seines hohen Alters, 78 Jahre, äußerst lebhaft und rüstig wie ein wohl erhaltener Fünfziger, spricht die deutsche Sprache vorzüglich. Er ist in Sigolsheim(Ober- elsaß) geboren, machte einen Theil seiner Studien in Deutschland und begleitete zwölf Jahre lang eine Professur am theologischen Seminar zu Mainz.
— Dem Vernehmen nach ist die Antwort des deutschen Reichskanzlers auf das Ruadschreiben Andrassy's in der Form einer Instructionsdepesche an den diesseitigen Vertreter in Wien, General v. Schweinitz, erfolgt, und zwar bereits in den letzten Tagen der vorigen Woche. Die Erklärun⸗ gen, welche General v. Schweinitz beauftragt war, dem Grafen Andrassy mitzutheilen, betonen, wie es heißt, einerseits den Umstand, daß beide Re— gierungen sich in dem rückhaltlosen Bestreben, den Frieden Europas zu sichern, begegnen, anderseits das darauf begründete Vertrauen, daß die Politik Deutschlands und Oesterreich-Ungarns demnach Hand in Hand gehen werde.— Der Reichs- kanzler hat dem Bundesrathe den Entwurf des Gesetzes über die Einrichtung der Forstverwaltung in Elsaß⸗Lothringen vorgelegt.
— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ widerlegt die Erfindungen französischer Zeitungen
über das Verhältniß Deutschlands zu Rußland,
erwähnt des Georgenfestes und sagt:„Sollten nicht vielleicht den Franzosen die Augen auf⸗ gehen?“— In einer Petersburger Corre— spondenz des genannten Blattes wird der herzliche Empfang des Prinzen Friedrich Karl Seitens des Kaisers Alexander, der Groß— fürsten und der russischen Bevölkerung hervor— gehoben.
— Aus Berlin wird den„Schw. Mrk.“ gemeldet: Privatnachrichten aus Nersailles zufolge wird Frankreich bald auch den belgischen Handels- vertrag von 1861 kündigen.
Stuttgart. In der Abgeordnetenkemmer brachte Mohl die ausführlich begründete Inter⸗ pellation ein, ob die Regierung gesonnen sei, der Ausdehnung der Reichscompetenz auf das ge⸗ sammte Civilrecht mit allen rechtlichen Mitteln entgegenzuwirken? Der Justizminister v. Mittnacht
antwortete vorläufig dabin, daß der betreffende
vom Reichstage beschlossene Gesetzentwurf dem bezüglichen Ausschusse des Bundesrothes über⸗ geben sei; beror dieser Bericht erstattet habe, wäre es wenig schicklich, sich über die Intention der Regierung auszusprechen.
Gießen. Die Schwurgerichts⸗Sitzungen vom I. Qlar⸗ tal 1872 werden Montag den 8. Januar, Vormutans 9 Uhr unter dem Vorsitze des zum Pläsidenten des Schwurgerichtshofs besummten Großherzoglichen Hof ꝛe⸗ richte Raths Herrn Muth, beziehungsweise des zu dessen Stellverueter ernannten Großherzoglichen Hofgetic ts⸗R rihs
zoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen, Geschworenen in folgender Ordnung ausgeloost worden. Haupt⸗Geschworene: 1) Isaac Goloschmidt, Frucht⸗
Tire 5 baben fast alle den Pari⸗Cours erteicht und da, Herrn Völker ihren Anfang, nehmen und sind demzufolge Verhandlungen aus der Wüctlembergischen Kammer uns in der heute staltgehabten öffentlichen Sitzung Großher⸗
die Haupt- siehen, so wendete
händler in Vilbel. 2) Adam Moscherosch, Bürger⸗ meister in Burg⸗Gräfenrod. 3), Karl Hoos, Fabrikant; in Lauterbach. 4) Philipp Casimir Feuerbach II., Bür⸗ germeister in Ober-Wöllstadt. 5) Gustav Übrich, Com⸗ missionär in Gießen. 6) Louis Weynandt, Gastwirth da⸗ selbst. 7) Gustav Windecker, Commissionär daselbst. 8) Wilhelm Schmidt, Bürgermeister in Reichelsheim. 9) Philpp Schlatter, Kaufmann in Gießen. 10) Jacob Bingemer, Ockonom in Rendel. 11) Johannes Lerch II., Kaufmann in Schlitz, 12) Lorenz Kübel, Leinwandfabri⸗ kant in Herbstein. 13) Friedrich Möhl III., Metzger in Gießen. 14) Richard Scheel, Ellenwaarenhänoler daselbst. 15) Ernst August Häberle, Ellenwaarenhändler in Fried⸗ berg. 16) Conrad Muhly II., Müller in Allendorf a. d. Lumda. 17) Heinrich Fendt, Lederhändter in Hungen. 18) Johannes Aller, Landwirth in Berstabt. 19) Ludwig Hofmann, Pachter in Hof Gill(Muschenbeim). 20) Theo- dor List I., Fabrikant in Lauterbach. 21) Eduard Karl Ferdinand Beier, Landwirth in Freienseen. 22) Franz Peppler, Müller in Gießen. 23) Andreas Euler, Schneid⸗ müller daselbst. 24) Johannes Weil II., Bürgermeister in Berstadt. 25) Johannes Sehrt III., Kaufmann in Grünberg. 26) Heinrich Ihring, Bierbrauer in Lich. 27) Georg Kees, Essigfabrikint in Ortenberg. 28) Wil⸗ belm Semm, Buchhändler in Lauterbach. 29) F. A. L. Chr. Koch, Commissionär in Gießen. 30) Daniel Ritter, Bürgermeister in Laubach.
Zur Oetroifrage in Friedberg.
Der Einsender des Artikels in Nr. 140 fühlt sich be⸗ tufen dem Einsender des Artikels in Nr. 145 Folgendes zu erwiedern:
Nachdem Einsender den Artikel in Nr. 140 mit un⸗ gehörigen Ausdrücken begonnen, kommt er, den volks— wirihschaftlichen Standpunkt vorerst unberührt lassend, zur privatrechtlichen Frage. Nun ist aber die privatrechtliche Seite dieser Angelegenheit durch die Gewerbeordnung des deuischen Reichs rechtlich klar gestellt, dort heißt es pag. 7, Abs. 6:
„Vorbehaltlich der an den Staat und die Gemeinde zu entrichtenden Gewerbesteuern, sind alle Abgaben, welche fär den Betrieb eines Gewerbes entrichtet werden, sowie die Berechtigung dergleichen Abgaben aufzuerlegen, aufgehoben.“
Nun kann aber die Abgabe für Ein⸗ und Ausfuhr von Getreide und Mehl nicht Octroi genannt werden, denn Octroi besteuert den Consum, nicht aber den Handel, und daß Letzteres in Friedberg der Fall, wird der Umstand be— weisen, daß weder die eine noch die andere Abgabe bei der Ausfuhr im Großhandel zurückvergütet wird. Die Gründe, welche der Einsender für Beibehaltung der Abga be vorbringt, sind nicht privatrechtlich, sondern eigen- nützig zu nennen. Er will auf Kosten einer Klasse seiner Mitbürger einen Theil seiner Steuern sparen und will schon deßhalb die ungerechtfertigt Abgabe beibehalten,
weil er kinen„Pfifferling“ Vortheil davon hat, wenn dieselbe nicht erhoben würde. Der Vergleich mit Zehnten u. s. w. hinkt. Ueberhaupt
würde der Verfasser seine Ideen und Ansichten eher in der Mecklenburger Ritterschaftsversammlung zur Gellung bringen, dor würden seine Ausdrücke:„Pfifferling, Zehnten, von Vorfahren überkommene Rechte, welche dem Bundesgesetz widerstreben u. s. w.“ Anklang finden, hier aber, wo Stadtrath und Bürgerschaft die den Fortschriit beingende Vundesgesetze zu würdigen wissen und nicht an alten von Feudalherrschaft und Par sicularismus diktirten Satzungen hängen, konnen solche Ansich ten nicht durch⸗ dringen.
Frankfurt a. M., 10. Dezbr. Wochenbericht. Wir erwähnten bereits in unserem vorigen Wochenberichte, baß es der Speculation gelungen sei, die Spielpapiere auf einen Preis zu treiben, wie noch nie. Wir glaubten nicht, als wir dleses schrieben. daß die Börse so rasch eine veränderte Physiognomie annehmen würde, und doch ge⸗ nügte nur das Gerücht, die Seehandlung in Berlin habe ihre Depots gekündigt,— ein Gerücht, das sofort demenlict wurde— um ber seitherigen Hausse⸗Tendenz ein Ende zu machen. Oesterr. Credit Actien waren den größten Schwankungen unterworfen, von 323 ½ gingen dieselben bis 214½ zurück schließen jedoch die Woche mit 316½½. Weiter fanden greße Variationen in Darmstädter Bank⸗Actien statt, die von 464 auf 46 gingen, jedoch an der Samstagsbörse wieder gesucht waren. Staatsbahn hielten sich recht sest, ebeuso behaupteten Lombarden fast den ganzen Ausschwung, den sie in der ltzun Zeit erzielten. Die an deren österr. Bahnen waren vielfach angebo en, mit Ausnahme von Franz Josephbahn, auf welche das Bezugsrecht der neuen Actien einen günstigen Einfluß übt. Von ausländischen Staatspapieren waren Silbertente die ganze Woche gesucht, dagegen ist der Umsatz in Spanier und französischer Rente sehr klein geworden. Für Russen herrscht gute Nachfrage. 1882er Amerikaner mußten gestern im Cours etwas nachgeben auf die bereits erwähnte Nachricht, daß der Finanz⸗Minister am 7. März 1872 weitere Ooll. 20 Mill. 1882er 2. Serie einzie)en werde. Deutsche Staatspapiete erhöben juccessive ihren Coues und sind 5% Württemberger und Bazenser sehr beliebt, da vor 1880 dieselben nicht zurück bezahlt werden dürfen. Die 4½% deutschen Obligationen, wie die
zeigen, wellere Tilgungen dieser 4½% Gatlungen bevor⸗ 1 das Privat ⸗Eepilal, um nicht dem häusigen Wechseln unterworsen zu sein, se ine Aufmerksam⸗
Oeffentliche Vorträge.
Friedberg. Von dem berühmten griechischen Redner Demosthenes wird erzählt, daß er einst, enkrüsiet über die Theilnahmlosigkeit seiner Zuhörer, mitten im Fluß seiner Rede abgebrochen habe, um eine berne Ge⸗ schichte zum Besten zu geben von einem Manne, der seinen Esel vermiethet hatte und mit dem Miether als⸗ dann darüber in Streit gerathen war, ob er mit dem Esel auch dessen Schatten vermiethet oder nicht. Alsbald lauschte sein Publikum mit der gespanntesten Aufmerksam⸗ keit; Demosthenes aber hielt demselben eine derbe Straf— predigt über den kindisch⸗frivolen Sinn, mit welchem man Nichtigkeiten begierig anhörtie, während man gleich⸗ gültig blieb bei den wichtigsten und ernstesten Angelegen⸗ heiten Athens.— r
Die Bewohner Friebbergs und seiner Umgebung zeigen sich darnach in einem ungleich günstigeren Lichte als die weiland Athener. Nicht nur, daß die dankenswerthe Wiederveranstaltung der durch das Kriegsjahr unter⸗ brochenen Wintervorträge allgemein mit Veisal begrüßt wurde; das Interesse daran zeigte sich bereits thatsächlich wieder in dem zahlreichen Besuch des am letzten Dienstag stattgehabten ersten Vortrags und in der ungetheilten Aufmerksamkeit, womit die den Saal bis zum letzten Platz füllende Zuhörerschaft demselben bis zum Schlusse solgie. Herr Bergrentmeister Nebhuth entrollle ein mit
einer Fülle schöner Gedanken ausgestattetes Bild über
die Fortschritte auf volkswirthschaftlichem Gebiet von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Er verweilte dabet mit Nachdruck auf den Hauptmomenten gährenden Vorwärtsdrängens, wie sie sich zetaen z. B. im 15. Jabrhundert in dem durch großartige Erfindungen
und Entdeckungen veranlaßten Erwachen der Völker zu
fruchtbringender Thätigkeit auf allen Gebieten menschlichen Strebens; im 16. Jahrhundert in dem Bauernketeg zur Abschüttelung erdrückender Verhältnisse und Lasten; im 18. Jahrbundert in dem allseitig sich kundgebenden Drängen nach Aufklärung und Bildung der Massen, dem wir die Anfänge der heutigen Volksschule verdanken und in der Beförderung solcher und ähnlicher Bestrebungen von Seiten hochsinniger Fürsten, wie Friedrich der Große und Joseph II.; in dem Riesenkampf der blutigen fran⸗ zösischen Revolution zur Ausgestaltung neuer Formen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens; in den ge⸗ waltigen Fortschritten unseres Jahrhunderts in Bezug auf Industrie und Verkehr durch Benutzung der Dampf⸗ kraft; in Aufhebung der Zollschranken durch Gründung des deutschen Zollvereins und in den segensreichen Er⸗ rungenschaften der neuesten Zeit, dem Freizügigkeitsgesetz, dem einheitlichen Maaß und Gewicht, der nunmebr ge⸗ schaffenen einheitlichen Reichsmünze, dem verbesserten Post⸗ und Eisenbahnwesen, dem Schutz der deulschen Interessen durch die beutsche Reichs macht zu Land und zur See c. ꝛc. Besonders interessant wußte der Herr Redner seinen Vortrag zu machen durch eine Menge illustrirender Einzelheiten, wie z. B. über den Zustand der früheren Volksschule, über die Verkehrsbeschwernisse in den Schlagbaum⸗ und Douanenzeiten seligen Angedenkens, worauf einzugehen hier zu weit führen würde.
3057 Wir balten es für verdienstlich auf das in dieser Nummer befindliche Juserat des Herrn H. Herzog in Frankfurt a. M. besonders aufmerksam zu machen, welcher als Besitzer eines Nähmaschinen⸗Lagers für seinen Theil und in seiner Branche das socislistische Problem der Leistung und Gegenleistung auf höchst anerkennenswerthe Weise zu lösen sucht;z indem er seine Fabrikate namentlich den Bedürftigen und Unbemittel ten zur Anschaffung auf längeren Credit offerirt, denselben also indirect ein Be⸗ triebskapital in Händen gibt, welches ihre Existenz fördert und die Abzahlung besselben in liberalster Weise ermöglicht.
Personen-Posten.
Abgang und Ankunft.
Friedberg:
Nach Homburg 81d V., in Homburg 106 V., aus Homburg 4 N., in Friedberg 6 N.
Nach Lauterbach 8 V., in Lauterbach 846 N., aus Lauterbach 625 V., in Friedberg 46 N.
Nach Hungen 7ʃ= N., in Hungen 10 N., aus Hungen 515 V., in Friedberg 740 V.
Nach Ortenberg 735 N., in Ortenberg 10% N., aus Ortenberg 435 V., in Friedberg 7% V.
Nach Scholten 7 N., in Schotten 120 N., aus Schotten 4 B., in Friedberg 9 V.
Bad- Nauheim:
Nach Usingen 920 V., in Usingen 1145 V., aus Usingen 425 N., in Bad⸗Nauheim 60 N.
Nieder ⸗Wöllstadt:
Nach Altenstadt 110 VB., Jus N., in Altenstabt
1255 V., 9 N., aus Altenstadt 10½ B. 3 N., in Nieber⸗Wöllstadt 12 V., 8 N.
Nach Hanau 6 N., in Hanau 855 N., aue Hanau 7 B. in Nieder⸗Wöllstadt 955 V. J
Schwarze Kaiser-Tinte
ist in Flaschen à 8 und 14 kr. stets zu haben bei
keu mehr den 4% zu.
Bindernagel& Schimpff.
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292³ dreßluf zur Ber sehr gu dadurch reicher anweist


