Ausgabe 
12.9.1871
 
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Mainz. Concurrenzfähige Bewerber haben sich binnen einer Frist von acht Tagen anzumelden.

XII. Sterbefälle. Gestorden sind: am 28. Juli der pens. Schullehrer Jacob Bund zu Breitenbrunn; am 22. August der wirkliche Geheimerath und Oberhosmeister Seiner Großherzogl. Hoheit des Prinzen Carl Freiherr Carl Johannes v. Ricou.

Berlin. DerReichsanzeiger veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlaß:Aus allen Theilen Deutschlands sind Mir bis zur neuesten Zeit Tele gramme über den warmen und freudigen Empfang zugegangen, welcher deu heimziehenden Kriegern bei der Rückkehr in ihre Heimath bereitet worden ist. Neben dem erhebenden Bewußtsein, an der Größe und Einigung Deutschlands mitgewirkt zu haben, wird jeder von ihnen in dieser Aufnahme den Ausdruck der Dankbarkeit erblicken, welche das Vaterland ihnen zollt, und darin zugleich die Anerkennung finden, die ihnen nach so mühevoller Ausdauer und so bewunderungswürdigen Thaten. gebührt, Thaten, deren folgenreiche Bedeutung unausgesetzt lebhaft gewürdigt wird, wie gegen⸗ wärtig bei der Wiederkehr der glorreichen Tage von Gravelotte und Sedan Mir zahlreiche Glück wünsche von den verschiedensten Seiten her be kundet haben. Mit dem herzlichen Danke für diese begeisterten Zurufe drängt es Mich, über die feierliche Bewillkommnung unserer braven Truppen Meine volle Befriedigung auszusprechen. Bad Gastein den 4. Sept. 1871. Wilhelm.

Dem Vernehmen derC. S. nach soll der aus den französischen Kriegskontributionsgeldern zu bildende Reichsschatz von 40 Millionen Thalern die BezeichnungReichskriegsfonds erhalten, und ist es die Absicht, in dem über Gründung dieses Reichskriegsfonds festzustellenden Gesetze die Be stimmung zu treffen, daß die Disposttion über diesen Fonds dem deutscken Kaiser zustehe, die Verwendung aber der nachträglichen Genehmigung des Reichstags unterliege. Dem Reichskanzler soll die Verwaltung des Fonds überwiesen werden, während die Reichs schuldenkommission die Kontrole ausüben soll. Die ganze Summe von 40 Mil- lionen Thalern soll stets in baarem Gelde oder in Barren niedergelegt sein. Der Bundesrath dürfte bei seinem in nächster Zeit erfolgenden Zusammentritt sich bereits mit der entsprechenden Vorlage zu befassen haben.

Höesige Blätter wollen wissen, daß in Gastein auch die sociale Frage zur Sprache gekommen sei und daß man dort erkannt hat,es sei hohe Zeit, daß auf diesem Gebiete etwas und zwar etwas Durchgreifendes, nicht Halbes, ge schehe. Doch handle es sich nicht um polizeiliche Maßregeln gegen dieInternationalen, sondern um Erörterung der socialen Frege, um gemein same Berathung der Mittel ihrer Lösung, um eine Prävention, nicht um eine Repression. Die Mächte sind sich bewußt, daß sie mit einem Factor rechnen müssen, dessen Macht sich noch nicht taxiren läßt, und sie ziehen es vor, bei Zeiten auf die Lösung der socialen Frage hinzuwirken, in dem Kampfe zwischen Arbeit und Capital die Rolle des ver⸗ söhnenden Vermittlers zu übernehmen, statt sich von unberechenbaren Ereignissen überraschen zu lassen.

Der Wiener Correspondent derKreuz zeitung glaubt das Ziel und Ergebniß der in Gastein gepflogenen und in Salzburg erneuerten und bekräftigten Besprechungen dahin formuliren zu dürfen, daß Oesterreich und Deutschland zu⸗ nächst ihrerseits jede Aggresston von sich weisend, durch ein enges und sestes Aneinanderschließen jeder Ahgression mit aller Entschiedenheit entgegen treten wollen. Gleichzeitig sollte demonstrativ be⸗ kundet werden von Deutschland, daß es auf Er haltung eines intacten und kräftigen Oesterreich Gewicht lege, von Oesterreich, daß der Anschluß an Deulschland zu Friedenszwecken auch der Wille des Kaisers und aller leitenden Staatsmänner sei. DasMilit. Wochenblatt veröffentlicht noch immer die Verzeichnisse von vermißten Mann schaften, die bisher noch nicht zu ermitteln ge wesen sind. Das letzte Verzeichniß enthält 187 Namen von Unterossizieren und Soldaten, welche zum Theil seit den Tagen von Weißenburg und Wörth spurlos verschwunden sind.

Ueber die Cholera lauten die neuesten

Meldungen: In Danzig ist seit dem 30. August kein neuer Erkrankungsfall eingetreten; in Stettin hat sich die Zahl der Cholerafälle nach den dar⸗ über seit Sonnabend bei der Polizeibehörde ein⸗ gegangenen Meldungen um 4 vermehrt; in Königs- berg sind am 2. Septb. beim Polizeipräsidium angemeldet: erkrankt 50 und gestorben 24 Pers.; am 3. September erkrankt 38 und gestorben 13. Die Todtenliste für die Woche vom 25. August bis 1. September weist 327 Todesfälle an der Cholera nach. Hierunter befinden sich 122 Kinder. Am 6. sind an der Cholera erkrankt gemeldet 46, gestorben 26 Personen. Nach einer Bekannt- machung der Polizei in Tilsit sind seit dem 17. Aug. 49 Personen an der Cholera erkrankt, von denen 20 gestorben, 10 genesen, 13 sich noch in Behandlung befinden. Seit dem 25. Aug. ist kein Erkrankungsfall an der Cholera gemeldet.

Köln. Vom Commandirenden des 8. Armee⸗ Corps, General v. Göben in Coblenz, erhält die Köln. Ztg. folgende Zuschrift:Da ich auch in derKölnischen Zeitung vielfach Glückwunsch⸗ Telegramme S. Majestät des Kaisers und Königs an andere Armee⸗Corps und Truppenführer ver zeichnet finde und schließlich die Auffassung Platz greisen könnte, daß gerade dem 8. Armee-Corps solche Auszeichnung nicht zu Theil geworden, so erlaube ich mir, so sehr ich sonst allem Aus posaunen abgeneigt bin, doch der geehrten Re daction ergebenst mitzutheilen, daß Se. Majestät der Kaiser am 6. und 18. Aug. der tühmlichen Theilnahme des 8. Armeecorps an den Schlachten bei Spicheren und bei Gravelotte in an mich ge richteten Telegrammen Allergnädigst gedacht hat. Hochachtungsvoll v. Göben.

München, 8. Sept. Um 10 Uhr 45 Min. traf, von Salzburg kommend, der deutsche Kaiser hier ein und wurde von einer unzähligen Volks menge mit brausenden Hochrufen empfangen. Auf dem Perron des festlich geschmückten und beflaggten Bahnhofes waren zur Begrüßung des Kaisers die hier anwesenden Mitglieder des Königshauses, die Minister, die Gesandtschaften, die Generalität, und die Spitzen der städtischen Behörden erschienen. Bei dem Einlaufen des Zuges in die decorirte Ankunftshalle intonirte eine Militärcapelle die preußische Volkshymne. Nachdem der Kaiser ein Dejeuner eingenommen hatte, setzte derselbe um 11 Uhr 20 Min. die Reise nach Hohenschwangau fort.

Der deutsche Kaiser hat unterm 2. d. M. (als am Jahrestage der Schlacht von Sedan) an den k. bayerischen General v. d. Tann fol⸗ gendes Telegramm gerichtet:Empfangen Sie meinen Glückwunsch, daß es Ihnen vergönnt war, an der Spitze Ihres Corps so wesentlich zu den Ergebnissen der Kämpfe und Ereignisse beizutragen, deren Jahrestag wir feiern. Wilhelm.

DerVolksbote fordert die Kalholiken zu zahlreichem Besuch der in Mainz abzuhalten den Generalversammlung der Katholikenvereine Deutschlands auf, da es sich bei derselben darum handle, ein Zeugniß abzulegen für das treue Fest⸗ halten der Katholiken Deutschlands an dem Papst, da ferner das katholische Casino in Mainz muster⸗ gültig sei und der Clerus und das katholische Volk dort in allen Fragen einig seien, so daß man dort Disciplin lernen könne, um den gemein- samen Feind u bekämpfen.

Dem Papste Pius IX. ist zu seinem 25jährigen Papstjubiläum aus der Diöcese Passau außer dem ordentlichen Quartals⸗Peterspfennig ein außerordentlicher Peterspfennig im Beitrage von 10,129 fl. dargebracht worden.

9. Sept. Gestern Uhr Nachmittags erfolgte die Ankunft des Kaisers Wilhelm in Hohenschwangau. Der König und die Königin Mutter waren demselben entgegengefahren. Die Monarchen, welche sich in Civil befanden, wurden überall, wo sie sich zeigten, von der zahlreich herbeigeströmten Landbevölkerung mit Enthusias- mus begrüßt. Abends fand Beleuchtung des Schlosses statt. Die Abreise des Kaisers erfolgte heute 8 ½¼ Uhr Morgens über Füssen und Kempken in Begleitung des Königs und der Königin⸗Mutter.

Karlsruhe. DieKarlsr.⸗Ztg. gibt fol⸗ gende Beschreibung der neuen Abgrenzung von

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Elsaß Lothringen gegen Frankreich: Die neue Grenzlinie weicht von der unmittelbar vorher⸗ gehenden am meisten im Nordwesten ab; diese Aenderung beruht bekanntlich auf den schließlichen Bestimmungen des Frankfurter Friedens. Der äußerste Grenzort im Nordwesten ist Hussigng an

der Luxemburger Grenze. Von dort senkt sich die Linie, die vorher scharf nach Osten einbog, nun⸗

mehr in ziemlich gerader Richtung nach Süden

und läuft nach einer leichten Einbiegung nach

Osten nördlich von Mars-la-Tour bis Chambley, zwei kleine Stunden südlich von dem edengenannten

Ort. Von hier wendet sie sich in leichter Bie⸗ gung, Gorze einschließend, in südöstlicher Richtung

nach Pagny, wo sie die Mosel überschreitet (4 Stunden oberhalb Metz). Die weiteren Ab⸗

weichungen der neuen Grenzlinie von den früheren bis zu den Vogesen fällt nicht allzuschwer ins Gewicht. Als Vorzüge der neuen Grenze fällt sofort in die Augen: 1) Das Großherzogthum Luxemburg grenzt fortan nur noch auf einer Strecke von kaum 2 Stunden(bei Lougwy) an Frank⸗

reich; 2) Deutschland gewinnt einen zwar nicht

sehr zahlreichen, aber von Haus aus vorwiegend deutschen Bevölkerungszuwachs im Nordwesten mit

den großartigsten Eisenwerken; 3) alles strategische

Vorland im Westen, Südwesten und Süden von Metz sammt den Schlachtfeldern vom 16. und 18. August gehört fortan in einem Umkreis von 4 5 und 6 Stunden zum Deutschen Reich. Nürnberg. Am 7. d. Abends gab es hier eine kleine Revolte. Metzger und Bäcker hakten in den letzten Tagen mit den Preisen aufgeschlagen. Nach 9 Uhr sammelten sich auf den öffentlichen Plätzen Volkshaufen an, durchzogen mit wildem Geschrei die Stadt und demolirten die Läden und Wohnungen der Metzger und Bäcker, bevor die Polizei einschreiten und, unterstützt von Mili⸗ tärpiquets, die Ruhe wiederherstellen konnte. An zwanzig Verhaftungen wurden vorgenommen. Straßburg. Wie einer Gasteiner Corre⸗ spondenz derAllg. Ztg. zu entnehmen ist, haben sich von den bisherigen Richtern Elsaß⸗Lothringens nur acht zum Eintritt in die deutsche Verwaltung bereit gefurden. Das übrige Personal wird zu⸗ nächst bestehen aus 41 preußischen, 28 bayerischen, 9 hessischen, 5 badischen, 1 k. sächsischen und 1 sachsen⸗coburg⸗gothaischen, sowie einem Altenburger Richter. In Metz fand am 7. d. eine große Trauer⸗ feier zu Ehren der bei Vertheidigung von Metz gefallenen französischen Soldaten statt. Früh Morgens schon schlossen sich Magazine und Wirth⸗ schaften, die Bevölkerung strömte in Masse der Kathedrale zu und hier wurde ein Trauergottes- dienst gefeiert. Nach Beendigung desselben be⸗ gann der Zug zum Kirchhofe vor dem Chambidere⸗ Thore, Bischof und Geistlichkeit an der Spitze, dann Maire und Stadtrath, endlich die Volks⸗ menge, welche vielleicht die Zahl 10,000 erreichen mochte. In ernster Haltung zog man zum Kirch⸗

hofe, wo ein großes Grabmal zu Ehren der 7203 0

in den Ambulanzen von Metz gestorbenen franzö⸗ sischen Soldaten errichtet ist. Nachdem hier die kirchliche Einweihung des Denkmals geschehen war,

bewegte sich der Zug zur Stadt zurück, ohne daß

irgend welche Störung stattgefunden hätte.

Ausland. Oesterreich. Wien. DemTelegraphen⸗

Correspondenz-Bureau wird aus Salzburg von angeblich gut unterrichtete Seite gemeldet: Als Resultat der früheren Besprechung in Gastein und

der neuerlichen Begegnung der beiden Kaiser in Salzburg wird die offene Bezeugung des An- schlusses Oesterreichs an das deutsche Reich zu Zwecken der Friedenserhaltung bezeichnet, ohne daß es zum Abschlusse eines Vertrages oder son⸗ stigen Uebereinkommens gekommen wäre. Als Consequenz des bethätigten österreichisch-deutschen Freundschaftsverhältnisses gilt die Verständigung über die Rothwendigkeit einer gemeinsamen Prü- fung jeder in Zukunft auftauchenden politischen Frige. Auch wurden die Verhältnisse der Inter⸗ nationalen in den Kreis staatsmännischer Be⸗

sprechungen nicht nur bezüglich einer etwa noth⸗ 5 1

faltet Kaiser

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