Ausgabe 
12.8.1871
 
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Es heißt, der Finanzminister, welcher be⸗ absichtigt, die dritte halbe Milliarde am 25. d. M. zu zablen, habe mit dem General v. Manteuffel eine Vereinbarung berathen, nach welcher die deutschen Commandanten der auf dem rechten Seine⸗Ufer gelegenen Pariser Forts bereits schon jetzt mit der Räumung des daselbst befindlichen Kriegsmaterials beginnen sollen. General von Manteuffel bat die kaiserliche Genehmigung zu diesem Abkommen vorbehalten.

DasJournal officiel veröffentlicht ein Telegramm, durch welches der französische Com⸗ missär in Compidgne der Regierung anzeigt, daß die deutschen Behörden den Befehl erhalten haben, Troyes zu räumen.

Beim Wegräumen des Schuttes im Stadt- hause fand man eine beträchtliche Anzahl Papiere, Documente und Bücher, die kaum vom Feuer an gegriffen waren. Unter denselben waren Berichte über streitige Sachen der Stadt, deten Verlust unersetzlich gewesen wäre, mehrere Register mit den Namen der Leute, welche von der Stadt Pensionen erhielten, einige seltene Bücher der Stadtbibliothek und eine lange Arbeit über die Straßenbauten, welche 1869 und 1870 ausge⸗ führt wurden.

Am 8. d. feierten die deutschen Truppen in der Umgegend von Paris den Jahrestag der Schlachten von Wörth und Forbach. Die Feier ging ohne alles öffentliche Aufsehen und in Stille vor sich, da man die Franzosen nicht verletzen wollte. Man beschränkte sich darauf, bei dem ge meinschaftlichen Offiziers⸗Mittagstisch einige Toaste auszubringen und des Abends sich in den deutschen Bierwirthschaften zu versammeln, wo die Musik banden einige Stücke aufspielten.

8. Aug. U. Abends. Die zwischen Manteuffel und Pouyer abgeschlossene Convention stipulirt die sofortige Räumung der rechten Seine ufer Forts. Mit nächster Woche beginnt die Evacuirung der Gesammt⸗Departements mit Aus- nahme der Champagne und der Westtheile von Elsaß und Lothringen.

Das englische BlattDaily Telegraph gibt von dem Betragen der vor Gericht stehenden Communisten, während denselben die Anklageacte vorgelesen wurde, folgende Schilderung: Die Ge fangenen schien die Aufzählung ihrer Sünden wenig zu kümmern. Sie flüsterten einander zu, lächelten über die gemachten Bemerkungen und lasen ihre Zeitungen mit unermüdlicher Aufmerk samkeit. Im Ganzen schienen sie kein einziges Wort jener weittragenden Anklage weder zu achten noch zu hören. Gelegentlich jedoch gaben sie ihre anscheinend sorglose Haltung auf. Maitre Gereaud erzählt seeben die Ermordung der Geiseln eine schauerliche Episode, wie mir deucht. Allein Asst sieht zu Regere hin und weiter und über die Gesichter Mancher, welche Assi's Blick begegnen, läuft ein Lächeln. Grousset ist der Einzige, der nicht die Heiterkeit seiner Gefährten theilt und wie es scheint, mit schmerzlicher Spannung zuhört. Die Anklageacte gelangte hierauf an die Zerstörung des Hauses von Thiers und der Vendomesäule und auch dieser Passus gibt den Communisten Veranlassung, neue Spässe auszutauschen. Dicht

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bei den Gefangenen steht eine gut gelleidete, hübsche Frau; es ist die Gattin Urbain's. Die Zeugen blieben nach Verlesung der Anklageschrift über eine Stunde abwesend und diese Zwischen⸗ zeit wird von den Gefangenen zur ungezwungensten Unterhaltung benutzt. Sie stehen auf, lachen und witzeln mit einander und mit ihren Vertheidigern, und scheinen im Ganzen recht stolz darauf zu sein, daß sie der Mittelpunkt allgemeiner Beobachtung, kurz die Löwen des Gerichtshofs sind.

Versailles. Der Antrag auf Verlängerung der Amtsgewalt Thiers' soll in der Sitzung vom 11. d. eingebracht werden. Wie verlautet, wäre der Wortlaut des Antrags sehr kurz und die beantragte Verlängerung als im Interesse der Befestigung der Ordnung und der Wiederaufnahme der Geschäfte geboten bezeichnet. Gleichzeitig mit der Verlänge⸗ rung der Vollmachten auf drei Jahre würde die Verleihung des Titels: Präsident der Republik an Thiers beantragt. Letzterer soll jedoch in dem Falle, daß sich die gegenwärtige Landesvertretung vor Ablauf der drei Jahre auflöste, seine Voll⸗ machten an die neue Versammlung zurückzugeden verpflichtet sein.

Großbritannien. London. DerStan⸗ dard meldet, daß die französischen Panzerschiffe Magenta,Magnanime undRevanche, An- gesichts der möglichen Verwickelungen im Orient, in Toulon zum Auslaufen bereit stehen.

Spanien. Madrid. Eine Massen-Deputation hat sich zum König begeben mit der Bitte, den Papst zur Uebersiedelung nach Spanien zu bewegen.

Offenbach. Dieser Tage hielt J. Ronge im Saale des Gasthausegzum Schwan dahier einen Vortrag über den Syllabus und das Unfehlbarkeitsdogma. Scit sieben Jahren durfte derselbe Offenbach nicht besuchen. Der Zu⸗ drang des Publikums war außerordentlich und Viele mußten wegen Mangel an Raum an der Thüre umkehren.

In Baden-Baden wurde in der Nacht vom 30./31. Juli in einer Kirche ein bedeutender Diebstahl verübt. Der Dieb hatte sich in die Kirche einschließen lassen und ist dann während der Nacht mit der Monstranz, goldenen Kelchen, Leuchtern u. s. w. ausgebrochen. Alle Nachforschungen waren bis jetzt ohne Resultat.

München. Während der Belagerung von Paris fanden einige bayerische Soldaten in ihrem Standquartier Sceaux eine Casette mit etwa 100,000 Frs. Werth⸗ papieren, die sie, obgleich sie deren Werth genau erkannten, an ihren Major ablieferten. Dieser ließ, nachdem er die Casette in sichere Hände nach Deulschland gelangen ließ, es sich angelegen sein, die Eigenthümer dieses Reichthums aufzuspüren, was ihm auch nach manchem vergeblichen Versuche endlich gelungen. Dieser Tage reiste nun ein Schwager des Majors nach Paris ab, um die Casette der Familie, als deren Eigenthum sie erkannt wurde, aus⸗ zuhändigen.

Aus Freifing schreibt man derA. Aboͤztg.: Während andere Orte zu wenig Auszeichnungen mit dem neuen Orden erhielten, bekam Freising eine Belohnung zu viel. Eine alte Frau im Bürgerspital(Namens Bauer) suchte nämlich beim Magistrate um eine Unterstützung nach. Der Bürgermeister schrieb deren Namen in die Liste der zur Belohnung Vorgeschlagenen, statt in das Armen⸗ verzeichniß. Das Belohnungsdiplom wurde in Folge dessen der Pfründnerin, welche mit dem Hülfsverein nicht in geringster Beziehung stand, bereits zugestellt.

Berlin. Aus den Friedens⸗Unterhandlungen heilt man noch folgende Anekdote mit: Als Bismarck und Jules Favre die Kriegsentschäeigung besprachen, war bekanntlich der Banquier Bleichröder als Sachverständiger zugegen. Favre war außer sich über die Forderung von 5 Milliarden und meinte, um seinem Gegner das Uebertriebene der selben einleuchtend zu machen: selbst wenn man von

Christi Zeiten bis auf diese Stunde zählen wollte

würde man mit einer solch ungeheuren Summe nicht Stande kommen.Oh, erwiederte Bismarck,sei Sie außer Sorgen. Dafür habe ich diesen Herrn mit

bracht. er deutete dabei auf Bleichenröderder zählt

von Erschaffung der Welt an.

Paris. vardspresse wird schon längst allenthalben richtig gewürdigt; einen ihrer glänzendsten Triumphe aber feiert sie in der folgenden Notiz, die dasParis-Journal? seinen Lesern auftischt und die vomGaulois(vom 5. August) mit einer passenden Bemerkung reproducirt wird:Am vorigen Donnerstag fand in Straßburg die Wiedereröffnung des großen Theaters statt. Man gabKarl VI. und Herr

von Bismarck-Bohlen, der Neffe des Reichskanzlers und

Gouverneur des Elsaß, wohnte nebst einer großen Anzahl von Offizieren und hohen Beamten der Aufführung bei. Alles ging gut bis zum dritten Acte. Als aber der be rühmte patriotis e Chorguerre aux tyxans angestimmt wurde, erhob sich die gesammte Zuhörerschaft wie ein Mann und setzte das Lied mit der Variante fort:jamais Bismarck ne régnera. Die Herren Deutschen räumten

schleunigst den Saal unter dem lauten Klatschen unserer

Landsleute. Das Stück wurde ruhig zu Ende gespielt, aber gegen fünfzig Personen wurden beim Herausgehen verhaftet. Selbstverständlich verschwand die Oper fofort von der Affiche. Da dieser erstaunliche Bericht direct von Paris kommt, bemerkt dieStraßb. Ztg., so sollte es nicht wundern, wenn einige Straßburger Patrioten trotz des Anblickes des noch immer in Ruinen liegen⸗ den Theaters ihm Glauben beimessen und sich sogar nachträglich einreden, daß sie bei dieser brillanten Demon⸗ straulon mitgewirkt haben.

Mittheilungen aus dem Verein der Gustav⸗ Adolf Stiftung. 1

Am 6. Auguft vorigen Jahres wollte Mac⸗Mahon in

der Schlacht bei Wörth um jeden Preis die Weinberge,

hinter welchen der Ort Fröschweiler liegt, behaupten. Nach mehreren vergeblichen Anläufeu wurden sie aber doch von den Unsrigen erstürmt. Aus ihrer festen Stellung

verdrängt, lösten sich die feindlichen Schaaren in wildester

Flucht auf. Ein Theil der Flüchtigen suchte in Frösch⸗ weiler Schutz, über welches in Folge davon die Schrecken des Bombardements hereinbrachen. In weniger als einer Stunde war der Ort ein Trümmerhaufen und auch die schöne Kirche ein Raub der Flammen geworden. f

Der Ort war früher vorzugsweise evangelisch und die zerstörte Kirche das Eigenthum der evangelischen Gemeinde. Als aber Elsaß an Frankreich abgetreten werden mußte, wurde die Kirche durch die Gewalithätigkeit Ludwig XIV. zu einer Simultan⸗Kirche umgewandelt, an der die Katho⸗ liken gleiche Rechte hatten. Nachdem seither die nolh⸗ wendigen Bauten im Orte wieder hergestellt worden sind, soll nun auch zur Erbauung der neuen Kirche geschritten werden. Die Evangelischen wollen sich eine besondere Kirche errichten und haben dazu bis jetzt von den Vereinen der Gustav⸗ Adolf⸗Stiftung, wie von den Städten Nürnberg, Hamburg, Bremen, Lübeck, Berlin reiche Gaben erhalten.

Am 6. August d. J. konnte man den Jahrestag der Schlacht mit der Grundsteinlegung der neuen Kirche feier⸗ lich begehen.

Viele Söhne des Vaterlandes haben hier den Tod und die letzte Ruhestätte gefunden, und wir können darum den Wiederaufbau dieser Kirche nur mit unserer wärmsten Theilnahme begleiten. Indessen zeichnet sich die Gemeinde noch durch ihre deutsche Gesinnung aus. Am 6. Aug. d. J. feierte sie das Gedächtniß der gefallenen Helden, indem sie eine Friedens- und Kaisereiche pflanzte. Der Geistliche schreibt, daß sie vertrauensvoll in die neue Zukunft schauen, nachdem sie wieder mit der alten germanischen Heimath einverleibt seien, und veisichert, daß mit dieser neuen Kirche ein Friedenswerk entstehe, das immer mehr ver⸗

söhnend und einigend die so innig und unauflöslich ver⸗

wandten Bruderstämme verbinden werde.

Verlosung. Piemontester Loose von 1849. Ziehung em 31. Juli. Haupttreffer: Nr. 9568 à Fres. 36865. Nr. 5006 à 11060. Nr. 11707 à Fres. 7375. Nr. 982 3 Fres. 5900. Nr. 3843 à Fres. 1000.

Hofraithe- und Garten-Versteigerung.

1980 Montag den 14. August d. J., Vormittags 11 Uhr, sollen in hlesigem Rathhause dle zum Nachlasse der Leopold Buchecker's Wittwe dahier gehörenden Immobtllien Gemarkung Friedberg. Flur. Nr. Klftr. 1. 49. 25,6. Hofralihe in der Stadt, 1. 50. 37,8. Grabgarten daselbst, nochmals öffentlich meistbtetend versteigert und bei an⸗ nehmbarem Gebot dem Meistbietenden die Genehmigung alsbald ertheilt werden. Friedberg den 7. Auguft 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fouc ar.

Alle Unterleibsbrüche heilbar.

370 Bei der Expedition d. Bl. kann jederzeit die Schrift eines berühmten Brucharztes mit Belehrung und vielen 100 Zeugnissen bezogen werden, aus welchen mit Be⸗ shimmtheit hervorgeht, daß Unterleibsbrüche geheilt

werden können.

Jagd⸗ Verpachtung zu Rödgen, Kreis Friedberg. 1987 Montag den 14. August, Vormittags 9 Uhr, soll in hiestgem Rathbaus die Jagd in hiesiger Gemarkung von circa 800 Morgen auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Rödgen am 8. August 1871. Großherzogliche Bürgermeifterei Rödgen. Wolf. Lieferung von Waizenstroh. 2010 Montag den 14. August d. J., Vormittags 9 Uhr, soll in biesigem Rathhause die Anlieferung von einem Fuder Watzenstroh für den Faselstall der Stadt Fried⸗ berg an den Wenigfifordernden verfteigert werden. Friedberg den 10. August 1871. Großberzogliche Bürgermeisteretl Friedberg. Fo uc ar.

airischer Malzzucker!

1996 bei Wilhelm Fertsch.

Vergebung von Bauarbeiten. 1997 Die zur Herfstellung des Giebels zwischen den

beiden Thürmen der Kirche zu Ilbenstadt erforder⸗

lichen Arbeiten, veranschlagt: fl. kr. Maurerarbeit 307 24 Mauermaterialien 216

Steinbauerarbeit 152 sollen Mittwoch den 16. l. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Submissionswege an die Wenigfifordernden vergeben werden. Voranschlag, Zeichnung und Be⸗ dingungen liegen auf unserem Büreau zur Einsicht offen und müssen die Abgebote in Prozenten versiegelt und versehen mit der AufschriftSubmission zur Uebernahme der.... Arbelt an dem Giebel der Kirche zu Ilben⸗ stadt bis zu obigem Termin bei uns eingereicht Jein.

Friedberg den 9. August 1871. ehelichte ue Friedberg. e u 5.

Gute Serbelalwulst

2004 bei

Emmerich Hanstein.

Die Wahrheitsliebe der französischen Boule⸗