stehen. Sicherem Vernehmen nach wird auch der kaiserliche Cabinetsdirector, Staatsrath Braun, zurücktreten.
— 8. Nov. Graf Andrassy ist Nachmittags von Pest hier eingetroffen. Von Hübner's Can- ditatur für das auswärtige Ministerium ist, dem „Tel. Corr.⸗Bür.“ zufolge, nichts bekannt. Auf verschiedenen Seiten werden Kundgebungen zu Gunsten des Grafen Beust vorbereitet.— Nach einer Meldung der„Neuen Fr. Presse“ hat Graf Andrassy das Ministerium des Aeußern angenom- men.— Das„Telegraphen-Corresp.⸗Büreau“ meldet: Graf Andrassy hatte eine anderthalb stündige Audienz bei dem Kaiser und hierauf eine längere Unterredung mit dem Grafen Beust,
— 9. Nov. Graf Beust erhielt gestern Abend ein seine Entlassung genehmigendes kaiserliches Handschreiben. Der Wiedereintritt Hohenwart's in das Cabinet ist nicht unwahrscheinlich.
— Die neuesten Wiener Blätter bestätigen übereinstimmend, daß Andrassy das Portefeuille des Ministeriums des Aeußern angenommen habe.
Prag. Der böhmische Landtag hat die Vornabme von Reichsrathswahlen mit Einstimmig⸗ keit abgelehnt, worauf der Landtag geschlossen wurde.
Innsbruck. Sämmtliche Unterzeichner der Adresse an den Pfarrer Bernard in Kiefersfelden, der sich gegen die Unfehlbarkeit erklärte und vom Erzbischofe von München öffentlich excommunicirt worden war, wurden in der Kirche zu Jenbach feierlich excommunicirt.
Luxemburg. Die Deputirtenkammer wurde durch den Prinzen ⸗ Statthalter eröffnet. Die Thronrede betont die guten Beziehungen mit den aus wärtigen Mächten, welche durch die Kriegs- ereignisse nicht unterbrochen worden seien, und bedauert, daß die Frage der Liquidationen mit Holland noch nicht gelöst sei, hofft jedoch auf eine befriedigende Lösung.
Frankreich. Paris. Ein Decret erklärt eine Reihe politischer Beschlüsse für null und nichtig, die von den Arrondissementsräthen zu Apt, Carpentras und Avignon gefaßt worden sind. Die betreffenden Beschlüsse bezogen sich auf die Auflösung der Nationalversammlung, Trennung von Kirche und Staat, eine politische Amnestie, Militär Reorganisation und Unterdrückung des Cultusbudgets.
— Man telegraphirt der„Times“: Eine Depesche von Mr. de Saint Vallier, welcher dem Haupt⸗Quartier des General Manteuffel attachirt ist, meldet, daß gewisse Schwierigkeiten, welche sich zwischen der Occupations-Armee und den Be⸗ wohnern der betreffenden Departements ergeben hatten, durch das Einschreiten der Generale v. Manteuffel und Gröben, nunmehr glücklich be⸗ seitigt worden sind. Die deutschen Soldaten werden nicht mehr bei den Bürgern einquartiert, sondern in den Kasernen, oder in besonders zu errichtenden Holz⸗ Baracken untergebracht werden. Auch können fernerhin in den occupirten Departe⸗ ments Jagdscheine an französische Einwohner aus gestellt werden.
— Der Generalrath der Seine hat einstimmig den Gesetzentwurf angenommen, welcher den un— enigeltlichen und obligatorischen Unterricht einführt, verwarf jedoch den weltlichen Unterricht mit 41 gegen 37 Stimmen.
— Der Capitulations⸗Kriegsrath hat nach der„Union“ dem Commandanten der Festung Marsal, Capitän Leroy, der am 14. Aug. 1870 sich„auf Gnade und Ungnade“ dem bayerischen General Bothmer ergab, seinen Tadel ausgesprochen.
— Rochefort wurde nach Fort Bopard trans⸗ portirt.
— Der Kriegsminister beschloß, die in Metz functionirende französische Mission mit dem 30. Nov. aufzuheben.
Spanien Madeid Hiesige Blätter ver- öffentlichen ein Manifest, in welchem zur Bildung einer Association gegen die Internationale und gegen die Anhänger der Unabhängigkeit Cubas aufgefordert wird.
Amerika. Die letzte Newporker Post bringt wieder einige Einzelheiten über die Zerstörungen, welche das Feuer zu Chicago anrichtete. Zerstört
wurden 5 Getreideelevatoren mit 1,600,000 Bushels Getreide, während 11 Kornspeicher mit 5,000,000
Bushels unversehrt blieben. Die Hälfte der Vor⸗
räthe von Mehl und Schweinefleisch verbrannten; 50,000,000 Fuß gesägtes Stabholz verbrannten, 240,000,000 Fuß blieben übrig; Kohlen 80,000 Tons verbrannt, 79,000 Tons übrig. Die Vor⸗ räthe von Specereiwaaren, Schnittwaaren, Schuh- waaren verbrannten zum größeren Theil, während von fertigen Kleidungsstücken über die Hälfte zer⸗ stört wurde. Trotz alledem wurde kaum mehr als die Production von 3 Wochen zerstört. Es stehen noch 30,000 Häuser. Nach einer sorgfältigen Schätzung ergibt sich, daß Chicago nicht weniger als 20, aber nicht mehr als 25 pCt. seiner Mo- bilien und Immobilien verloren hat.
2 Friedberg, 7. Nov. Gestern wurde dem dirigiren— den Lehrer an der hiesigen Ackerbauschule, Herrn Rückert, von einem Eleven die vollständig ausgebildete Blüthe eines Apfelbaumes überbracht, welche Seltenheit und Merkwür⸗ digkeit verdient, in diesem Blatte registrirt zu werden.
2 Friedberg, 9. Nov. Von der gewiß gerech fertigten Ausicht ausgehend, daß eine Ackerbauschule ihre Schüler auch für das öffentliche Leben vorbilden und sie besonders für das landwirthschaftliche Vereinsleben gewinnen müsse, hatte Herr Kreis-Assessor Haas die Lehrer der Landwirih⸗ schaft an der hiesigen Ackerbauschule, die Schüler, die Landwirthe der Umgegend, sowie sonstige Freunde der Landwirtbschaft zu einer Besprechung bezüglich der Grün⸗ dung eines landwirthschaftlichen Casinos für die Siadt Friedberg und Umgegend auf gestern Abend in das Heri— lein'sche Local eingeladen. Die Versammlung war recht zahlreich besucht und nachdem Herr Kreis-Assessor Haas die Nothwendigkeit und die Zwecke eines landwuthschaft— lichen Casinos mit warmen Worten hervorgehoben halte,
erklärte sich die Versammlung einstimmig für die Errich—
tung eines solchen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Herr Kreis-Assessor Haas zum Vorsitzenden und Herr Rückert zum Schriftführer durch Acclamation erwählt. Ueber die Art der Einrichtung, ob die Versammlungen nur in loco Friedberg oder abwechselnd in den verschie— denen zum Kränzchen gehörenden Gemeinden gehalten werden sollten, darüber waren die Ansichten getheilt. Herr Rentamtmann Lindeck empfahl mit Rücksicht auf die Theil⸗ nahme der Schüler der Ackerbauschule, die Versammlungen nur in Friedberg zu halten und wurde dieser Vorschlag durch Majoritäl zum Beschluß erhoben. Als weiteren Gegen— stand für die Discussion schlug Herr Rückert die Vertilgung der gegenwärtig wieder in großer Vermehrung begriffenen Feldmäuse vor. Es sei Thatsache, daß sich die Mäuse bei dee günstigen Witterung in einzelnen Gemarkungen sehr vermehrt hätten und wäre deßhalb eine Bekämpfung dieser schädlichen Thiere gewiß angezeigt; allein in Be⸗ rücksichugung der großen Gefahren, welche man bei mangel hafter Ausführung einer Phosphorvergiftung, die unter allen Vergiftungen vorzuziehen sei, für die Vogel bereite, indem diese die auf der Oberfläche liegen bleibenden Körner fräßen und davon zu Grund gingen, sei es wünscheus⸗ werth, die Ansichten der anwesenden Herren Landwirthe tennen zu lernen. In der sich anschließenden Discussion hielt man die Natur als ihren eigenen Corrector in be sonders ungünstigen Verhältnissen nicht für hinreichend, sondern hielt eine Vertilgung durch Menschenhand für geboten. Das Fangen sei gewiß das Beste, doch sei es nicht überall ausführbar; wo eine Vergiftung nöthig sei, solle man zuerst alle Mäuselöcher zustampfen(zutreten) und dann erst das Gift in die neuen Oeffnungen legen. Herr Dr, Vogel erwähnte, daß die Vertilgung der Mäuse auch durch Rauch geschehen könne, den man mittelst eines transportablen Ofens erzeuge und durch Schläuche in die Gänge leite. Ob dieses Verfahren probalum ist, muß die Erfahrung lehren; jedenfalls dürfte Schwefeldampf dem gewöhnlichen Rauch vorzuziehen sein.— Nachdem die nächste Versammlung auf den ersten Miitwoch im Monat Dezember festgesetzt worden war, warde die Versammlung durch den Vorsitzenden geschlossen. Die darauf folgende Unterhaltung war recht amüsant und gab man sich beim Scheiden das Versprechen, auf der nächsten Versammlung sich ebenso zahlteich wieder einfinden zu wollen. Möze Jeder des Versprechens eingedenk bleiben!
Bad- Nauheim. Die hiesige Kurcapelle wird einer an sie ergangenen Emladung zu Folge, und nach bereitwilligst ertbeilter Erlaubniß der Kurhausaoministration, am nächsten Sonntag den 12. November in Gießen, im Wenzel'schen Saale, concertiren. Es fällt demnach an diesem Sonntage das Concert im Kursaale aus, und ist die Red. d. B. gebeten worden, dieses den Besuchern der Sonntags⸗Concerte mitthenen zu wollen.
Frankfurt. Für Chicago sind bis jetzt hier fl. 35,000 eingegangen und vereits fl. 30 000 abgesandt.
Aßmannshausen. Die Lese der rothen Trauben ist beendet und der Extrag fast vollständig in sicheren Händen. Das Viertel(vier Maas) wurde bezahlt mit 25 Sgr. bis 1 Tylr. 15 Sgr. Der Most hat durchgängig eine ziemlich dunkle Farbe und wiegt 84— 8900.
Coblenz. Am 3. Nov. lief das zu Thal kommende Dampfboot„Schiller“ der Köln-Düsseldorser Gesellschaft bei Bingen in Folge des kleinen Wasserstandes auf einen Felsen, wodurch der vordere Thell des Schiffes eine be— deulende Leckage erlitt. Passagiere und Güter wurden
später mit einem von Mainz aus dorthin beorderten!
Schiffe genannter Gesellschaft weiter befördert.
Köln. Im Raubthierhause des Zoologischen Gartens ist eine Seuche ausgebrochen, der bereits der Königstiger und zwei junge Löwen erlegen sind. Die Löwin ist eben⸗ falls von der Seuche ergriffen und allein im Raublhier⸗ hause verblieben, während die übrigen Thiere aus demselben weggeschafft sind, um entziehen. A
In Soest ist ein in der Nähe der Stadt stehender Pulverthurm mit seinem Vorrathe an Pulver ausgebrannt. Ein wesentlicher, im Gewölbe noch befindlicher Pulver⸗ vorrath soll durch die eisernen Verschlußklappen vor der Entzündung beschützt worden sein. Unglücksfälle sind nicht vorgekommen; der die Wache haltende Soldat kam mit dem Schrecken davon.
Paris zählt nach der„Presse“ jetzt 71,251 Häuser, die 20,234 Eigenthümern gehören. Sie enthalten 650,631 Wohnungen. Von diesen bilden 16,694 Häuser mit 92,674 Wohnungen den Ueberschuß der Neubauten über die von 1852 bis 1870 vorgekommenen Niederreißungen. Es erhält daraus eine Zunahme von einem Hause auf 100 für das alte Paris und von 21 Häusern pro Hundert für das neue Parts mit der im Jahte 1860 annckkirten Baunmeile. Die normale Ziffer der leer stehenden Wohnungen stellt sich auf 30,000. Es folgt daraus, daß in gewöhnlichen Zeiten und bei einer Bevölkerung von 1.850000 Seelen(Volkszählung von 1866) in Paris auf jede Wohnung drei Einwohner kommen. Nun war aber Ende 1869 in Folge des Anwachsens der Bevölkerung die Zahl der leer stehenden Wohnungen auf 19,000 ge— sunken, was zur Genüge die andauernde Theuerung und das fortwährende Steigen der Miethen erklärt, welche man so vielen andern Ursachen zugeschrieben. In diesem Augenblick hat die Bevölkerung von Paris um 250.000 Personen abgenommen und die Zahl der leerstehenden Wohnungen ist auf 80,000 gestiegen. Es folgt daraus, daß der Werth des Geundeigenthums in Paris bedeutend gefallen ist und daß der Preis der Miethen, trotz des Widersiandes der Hausbesitzer gleichfalls heruntergehen muß.
Aus Honolulu ist über San Francisco die Nach⸗ richt von einem großen Unglück eingetroffen, welches die amerikanische Wallfischflotte im nördlichen Eismeer be⸗ troffen hat. 20 Schiffe, welche im nördlichen Eismeer zwischen Point Belcher und Wainwright Inlet vom Eise eingeschlossen waren, wurden am 13. Sepiember verlassen, nachdem vorher 13 andere gesunken oder aufgefahren waren. Die Mannschaft dieser 33 Schiffe, 1200 Mann und 90 Offiziere, wurde von den übrigen Schiffen der Wallfischflotte gerettet, so daß keine Menschenleben zu be⸗ klagen sind. Die Mannschaften sind in Honolulu und die 90 Offiziere in San Francisco eingetroffen. Der Schaden wird auf 1,500,000 Doll. angesetzt.
Auf der Halbinsel Macao, zur chinesischen Provinz Canton gehörig, wüthete am 13. September ein furchtbarer Sturm. Mehr als 200 Häuser sind zerstört; 30 Pagoden, in welche 100 Chinesen geflüchtet, sind zu⸗ sammengestürzt. 200 Schiffe, darunter mehrere holländische Kauffahrer, haben Schiffbruch erlitten. Eine portugiesische Kriegscorvette ist stark beschädigt worden. Man zählt nicht weniger als 2000 Opfer.
Verloosungen.
Genueser 130⸗Frs⸗Loose von 1870. Ziehung vom 2. Nov. Haupigewinne: Nr. 31704 100,000 Frs., Nr. 38116 40000 Francs, Nr. 20788 10,000 Francs, Nr. 26298 5000 Francs, Nr. 6297 8863 9667 21225 28119 32739 47107 je 500 Frs.
Neggio⸗Prämien⸗Loose von 1870. Ziehung vom 1. Nov. Hauptgewinn: Nr. 90593 15,000 Frs.
Finnländer 10⸗Thlr.⸗Loose von 1868. Ziehung vom 1. November. Hauptgewinne: Serie 10560 Nr. 20 25,000 Thlr., Serie 6306 Nr. 5 2500 Thaler. Die Zablung ersolgt am 1. Februar k. J.
Lahrer Hinkender Bote. Eine Auflage von 75,000 Exemplaren ist eine so bedeutende, daß sie höchst selten von irgend einem Buche erreicht wird. Beim Kalender des Lahrer Hinkenden Boten beträgt allein nach der Angabe des Verlegers die für Amerika gedruckte Auflage die obige hohe Ziffer. Diese Exemplare, in 75 Ballen verpackt und über 150 Ctr. schwer, gingen vor einigen Tagen über Bremen nach Amerika ab, und werden jetzt in kurzer Zeit auch die deutschen Aus⸗ gaben, mit den für die einzelnen Länder und Provinzen nöthigen Marktverzeichnissen und astronomischen Mil⸗ theilungen, überall zu haben sein.
2760 Aus Potsdam schrieb zur Zeit der Cholera Herr C. Druwe:„Ich konnte keine Speise genießen, brach das Genossene wieder aus; das Hoff'sche Malzextrakt⸗
Gesundheitsbier aus Berlin war das erste Nahrungs⸗
mittel, das ich im Leibe behtelt; das allein hat mich auch erhalten und wunderbar gerettet!“— Bei der Cholera kommt es eben darauf an, schnell ein höchst leicht verdauliches Nährmittel zur Blutbildung dem Magen zu übergeben und Wärme mit Schweiß zu erhalten. Dies bewukt, nach den Berichten aus Stettin und Berlin, ganz vorzüglich das Hoff'sche Malzextrakt, wenn es warm getrunken wird. Es ist nicht lange Zeit zum Experimenüren mit andern Fabrikaten, wozu nur der Gesunde disponirt wird.— Bei rechtzeitigem Gebrauch ersolgt die Genesung nach wenig Stunden.
Schwarze Kaiser-Cinte
in in Flaschen à 8 und 14 kr. stets zu haben bei
Bindernagel& Schimpff.
sie womöglich der Ansteckung 1


