Ausgabe 
11.7.1871
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Die erste Kammer genehmigte in einer am 7. Juli stattgefundenen Sitzung gleichfalls die Militärconvention und zwar mit Einstimmigkeit.

Einer in den statistischen Mittheilungen enthaltenen Uebersicht der Production des Berg⸗ werks⸗, Hütten⸗ und Salinenbetriebs im Groß herzogthum im Jahre 1869 entnehmen wir die folgenden Daten: Im Ganzen waren 26 Werke in Thätigkeit, von welchen 3 auf Starkenburg, 20 auf Oberhessen und 3 auf Rheinhessen fallen. Unter diesen Werken sind 17 Gruben(Braun- kohlen, Eisenerze, Manganerze), 6 Eisenhütten und 3 Salinen. Was die Zahl der Arbeiter anlangt, so sind deren 804 Grubenarbeiter, 352 Hüttenarbeiter und 208 Salinenarbeiter, im Ganzen 1364, welche sich auf die Provinzen folgendermaßen vertheilen: 101 Mann fallen auf Starkenburg, 1219 auf Oberhessen und 44 auf Rheinhessen. Was die Production anlangt, so ergab dieselbe im fraglichen Jahre 773 470 Cent- ner Braunkohlen im Werthe von 155,976 fl., 783,844 Centner Eisenerze im Werthe von 106,567 fl., 91,250 Centner Manganerze im Werthe von 90,400 fl., 311,704 Centner ver schiedener Sorten Eisen im Werthe von 805,780 fl., endlich 289,533 Ctr. Salz(darunter 243,210 Etr. weißes Kochsalz) im Werthe von 242,873 (darunter 206,160 fl. für weißes Kochsalz). Die

Gesammtproduction betrug also 2,249,801 Ctr. im Werthe von 1,401,596 fl., von welch' letzteren 207,869 fl. auf Starkerburg, 1,170,613 fl. auf Oberhessen und 23,108 fl. auf Rheinhessen fallen.

7. Juli. Die Abgeordnetenkammer ge nehmigte mit 29 gegen 10 Stimmen das Gesuch der Bank für Süddeutschland, Noten über den Betrag von 9,863,000 fl. ausgeben zu dürfen, und zwar im Doppelten des Betrags, um welchen das Actiencapital durch Begebung resp. Wieder begebung von Actien oder Einzahlungen auf Actien erhöht worden ist, jedoch unter der Voraussetzung, daß sich die Bank zur Errichtung von Agenturen in Mainz, Worms, Offenbach und Gießen versteht.

Der Großberzog ist am 8. d. Morgens um halb 7 Uhr nach Bad Teplitz zu 14tägigem Auf enthalt abgereist und wird daselbst mit dem König von Sachsen zusammentreffen.

8. Juli. 2. Kammer. Zu Beginn der heutigen Sitzung beantragt Kolbe, Vermehrung des Staatszuschusses für die Realschule zu Als- feld. Die Regierung fordert eine Erhöhung der Dotation des hiesigen Polytechnikums um weitere 13,500 Gulden pro 1871. Hallwachs, Kempf und Genossen beantragen, alsbaldige Vor- lage eines neuen Wahlgesetzes. Der Stadt Lich werden 1630 fl. Entschädigung für Einrich- tung behufs Aufnahme einer Garnison nach kurzer Debatte bewilligt. Kempff erstattet hierauf mündlichen Bericht über den Beschsuß 1. Kammer hinsichtlich des Gesetzes, die Zusammenlegung der Grundstücke betr., wo sich eine ziemlich unbedeu tende Differenz ergeben. Das Haus stimmt dem Beschluß der ersten Kammer nach längerer Ver⸗ handlung bei.

* Friedberg. Der Kaiser von Deutschland ist am Sonntag Morgen Uhr mit Extrazug ohne Aufenthalt hier vorbeigereist nach Frankfurt, Es heißt, daß derselbe dort die Truppen besichtigt und sich alsbald nach Wiesbaden ebenfalls zur Truppenbesichtigung begeben habe, um am Abend in Ems einzutreffen, woselbst er mehrere Wochen zur Kur verweilen wird.

§ Friedlerg. Da die Bewohner der Stadt Friedberg das größte Interesse an der Garnisonsftage bethätigen, so wird es denselben nicht unwillfommen sein, das dahin Utzügliche aus der Debatte rer zweiten Kammer vom 6. d. M. genauer zu erfahren, weßhalb das Folgende hier eine Stelle finden mag. Abg. Curtman: Er müsse einer offenbaren Unbill gerenken, die die Militärconvention der so ost stiefmütterlich be handelten Provinz Oberhessen zufüge. Nach der jetzigen Formation erhalte Starkenburg 5, Rhein- hessen 4, Oberhessen nur 2 Infanterie- Bataillone in Garnison, wehrend die letztere Provinz mehr

als Bataillon zur hessischen Division stelle

und bezahle. Recht und billig wäre es ge⸗ wesen zunächst 3 Regimenter zu 3 Bataillonen zu bilden, und jeder Provinz ein solches Regi⸗ ment, wie es ihr gebühre, in Garnison zu geben; die zwei dann noch übrigen Bataillone aber in ein Regiment von zwei Bataillonen zu formiren und nach Befinden der Behörde zu gar⸗ nisoniren. Man werde Das vielleicht kleinlich finden, allein man müsse im Kleinen wie im Großen Gerechtigkeit üben, und er fühle sich um so mehr berufen, seiner Erwähnung zu thun, als er die großen Schäden, welche eine solche Unge rechtigkeit hervorrufe, in seiner Heimathstadt un mittelbar vor Augen sehe. Er habe daher einen Antrag vorbereitet, wonach die Kammer die Re gierung dringend ersuchen solle, mit allen Kräften auf Verlegung eines 3. Bataillons in oberhessischt Garnison hinzuwirken, diesen Antrag jedoch mit einem ähnlichen, etwas allgemeineren des Abg. v. Wedekind vereinigt und empfehle der Kammer

denselben angelegentlichst zur Annahme, er empfehle

ihr, Gerechtigkeit an Oberbessen zu üben! Abg. v. Wedekind: Er habe ganz vorzugsweise im Interesse der Stadt Friedberg seinen Antrag dahin gestellt:die Kammer wolle die Regierung er⸗ suchen, bei dem deutschen Kaiser dahin zu wirken, daß vorbehältlich militärischer Rücksichten die Gar

fl. nisonen nach Maaßgabe der Bevölkerungsziffer ver⸗ Er betone die

theilt resp. beibehalten werden. große Schädigung einer Stadt, die so lange Gar- nison besessen, ihre Einrichtungen darnach getroffen und es an Patriotismus nicht habe feblen lassen, deß halb um so mehr berechtigt sei, nicht ge⸗ schädigt zu werden. Abg. Kraft: Er mißbillige ebenfalls die Oberhessen und insbesondere Fried⸗ berg verletzende Garnisonirung, er finde es ganz wunderbar und unerklärlich, warum das jetzt sofort zu errichtende 3. Bataillon des 3. Inf.⸗Regts. nicht ebenso gut nach Friedberg gelegt werden könne, als wo anders hin. Er hoffe daher, daß man sich an maßgebender Stelle noch bekehre, und daß in Folge hiervon in ganz kurzer Zeit dieses Bataillon in Friedberg einmarschire. Der Antrag Wedekind, Curtman und Genossen wurde hierauf mit 27 gegen 12 Stimmen angenommen, von der ersten Kammer jedoch verworfen, so daß das be treffende Gesuch blos von der zweiten Kammer an die Regierung gerichtet worden ist.

Friedberg. In dem Landwahlbezirk Fried⸗ berg wurde am 7. d. der großherz. Bürgermeister Keil von Melbach zum Landtagsabgeordneten des Bezirks gewählt.

Mainz. Das Präsidium des Centralcomites der Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands macht bekannt: Da sich der Ab baltung der dießjährigen Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands in Regensburg Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben, so wird dieselbe nicht dort, sondern in Mainz tagen.

Berlin, 7. Juli. Der Kaiser hat die Ab reise nach Ems auf den 8. Abends 9 Uhr be fohlen. Die Abreise erfolgt mittelst Extrazuges.

Seitens des großen Generalstabs sind eine Anzahl von Ingenirurgeographen und Offizieren neuerdings wieder, nachdem die Demobilmachung des großen Generalstabes ausgesprochen ist, nach Frankreich zurückgesendet und den betreffenden Truppentheilen der Occupationsarmee zugetheilt worden, um genaue Aufnahme des occupirten Terrains in topographischer Beziehung vorzunehmen. der Componist derWacht am Rhein, Karl Wilhelm, welcher sich seit Kurzem zu Bad Elgersburg aufhält, wo er Befreiung von den Folgen eines Schlaganfalls sucht, hat von dem Fürsten Bismarck ein sehr freundliches Schreiben erhalten, worin es heißt:Ihr Verdienst, Herr Mustidirector, ist es, unserer letzten großen Er hebung die Volksweise geboten zu haben, welche daheim, wie im Felde dem nationalen Gemeinge⸗ fühle zum Ausdruck gedient hat. Ich folge mit Vergnügen einer mir von dem geschäfsführenden Ausschuß des deutschen Sängerbundes gewordenen Anregung, indem ich der Anerkennung, welche Ihnen von allen Seiten zu Theil geworden ist, auch dar urch Ausdruck gebe, daß ich Sie bitte,

die Summe von Eintausend Thaler aus dem Dispositionsfonds des Reichskanzleramtes anzu⸗ nehmen. Ich hoffe, daß es mir möglich wird, Ihnen alljährlich den gleichen Betrag anbieten zu können. Die Reichs ⸗Hauptlasse ist angewiesen, Ihnen die für das laufende Jahr bestimmte Summe

alsbald gegen Quittung auszuzahlen.

DerReichsanzeiger veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Penstionirung und Versorgung der Militärpersonen des Reichsheeres und der Marine, sowie die Bewilligungen für die Hinter- bliebenen solcher Personen. c

Der Kronprinz ist in London mit unge⸗ meinem Enthusiasmus von dem Volke empfangen worden. Liedertafeln begrüßten ihn mit Gesängen und Deputationen sprachen die Sympathien aus, welche im englischen Volke für den Kaiser, ihn, das preußische und deutsche Volk herrschen.

Es finden augenblicklich zwischen den öster⸗ reichischen und den Behörden des Zollvereins Verhandlungen statt, welche, derVoss. Zeitung

zufolge, bezwecken, die Revision des Passagierge⸗ päcks auf der Zollgrenze bei den sogenannten durchgehenden Eisenbahnzügen zu beseitigen. hat sich nämlich herausgestellt, daß das hierzu erforderliche Beamtenpersonal mehr kostet, als die Zolleinnahme aus der Versteuerurg des Wenigen, was die Passagiere mit sich führen, beträgt.

Durch unsere Stadt sieht man jetzt werth⸗ volle Transporte fahren, ohne daß dieselben in's Auge fallen, wenn nicht die militärische Bedeckung sie bemerkbar machte. Man sieht nämlich drei bis dier niedere Rollwagen durch die Straßen fahren, auf denen von der Ladung fast gar nichts zu merken ist. Alte wollene Decken präsentiren sich auf denselben; unter ihnen aber liegen in schweren leinenen Säcken Tausende in Gold und Silber, welche aus Frankreich hier angelangt sind und unter militär'scher Bedeckung nach dem Schloß und zur Münze gebracht werden.

Nach Ausweis der für die dauernde Occu

pation der noch besetzt gehaltenen französischen Landestheile bestimmten deutschen Truppenkörper werden hierzu zunächst noch 72 Infanterie-Ba⸗ taillone verwendet werden, welche, nach der für sie verfügten Reduction auf je auf 800 Mann das Bataillon, eine Stärke von 57,600 Mann besitzen. Die ihnen zugetheilte Cavallerie und Artillerie inbegriffen, können diese Truppen in ihrer Gesammtstärke auf etwa 64,000 bis 66,000 Mann geschätzt werden. Dem Vernehmen nach dürfte jedoch gegen den Herbst hin, wofern bis dahin keine neuen Zwischenfälle eintreten und die französischen Zahlungen richtig eingehalten werden, wahrscheinlich eine abermalige Reduction eintreten und steht bis dahin vielleicht auch noch eine Rück⸗ berufung einer oder der andern der hierzu be⸗ stimmten Divisionen zu gewärtigen. In diesen Tagen erhielt der Wilhelms verein aus Californien als Beitrag der dortigen Deutschen eine sauber gearbeitete Chatoulle mit sehr kostbarem Inhalt. Die Chatoulle enthält einen feinen Goldbarren, der ein Gewicht von 31 Pfund und einen Werth von 13,470 Thlr. hat; der Goldbarren war umgeben von über 18 Pfund feinem Silber in Körnerform, im Werth von 530 Thlr., so daß der ganze Inhalt überhaupt die Summe von 14,000 Thlr. reprä; sentirt. Auf der inneren Seite des Deckels be fand sich ein silbernes Schild mit der Widmung: Die Deutschen Californiens ihren bedürftigen Landsleuten in der Heimath.

Straßburg. Am 7. d. ist eine weitere Abschlagszahrung auf die französische Kriegsent schädigung im Betrage von 104 Millionen Fres. in 12 Waggons hier angekommen. Dieselbe ge hört, wie gemeldet wird, bereits zur zweiten halben Milliarde.

Der Rücktransport der Gefangenen wird demnächst beendigt sein, ebenso die Beförderung deutscher Truppen in ihre Heimath, so daß dann ein regelmäßiger Eisenbahndienst wieder beginnen kann. Der Zug der Reisenden durch unsere Stadt ist ein sehr beträchtlicher. Ein starkes Contingent liefern England und Amerika.

Es

friedit Beust durch bring 5 beites tilant 150 nach

llussen Staat

Sacht gierut von! feren, daß

wurd mente

deute

welch triotit 2 über steuer. Ausle die Auf Jule. deutu wert Geft Unzu inf wesen nögli,