Ausgabe 
11.5.1871
 
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Reichsheerbewaffnete Macht zu setzen, in zweiter Lesung 207048 Malotität angenommen, nachdem Staatsmi ister Delbrück erklärt hatte, es entspreche den Intentionen des Kaisers daß die Vertheilung der Denk ze auch der Marine zu Theil werde. Es folgt nun die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Hafipflicht der Eisenbahnen, Bergwerke ic.§. 1 und 2 werden unter Verwerfung aller Aan nach der Regierungsvorlage angenommen. F. 3 wird mit einer unwesentlichen redactionellen Aenderung an⸗ genommen.

9. Mai. Reichstag. Der Gesetzentwurf betreffend die Redaction des Strafgesetzbuches des norddeutschen Bundes als Strafgesetzbuch für das deutsche Reich, welches mit dem 1. Jandar 1872 in Wirksamkeit tritt, wird in dritter Lesung de⸗ sinitiv angenommen, ebenso der Gesetzentwurf be treffend die Kriegsdenkmünze für das Reichsheer. Eine Bemerkung des Abgeordneten Schmidt wegen der geringen Leistungsfähigkeit der Marine im letzten Kriege wird zunächst von Staatsminister Delbrück, sodann von den Abg. Braun, Eulen- burg, Winter, Kusserow und Grumbrecht entschie⸗ den zurückgewiesen. Winter und Grumbrecht con- statiren, daß die Bewohner der Osl- und Nord-

vom Dank für die Thätigkeit der Marine erfüllt seien.

Als eine der wahrscheinlichen Ausrüstungs⸗ Aenderungen der preußisch-deutschen Armee wird neuerdings der Ersatz der Lederkäppis bei der Land wehr durch den Helm der Linientruppen bezeichnet.

Is Grund hierfür wird angeführt, daß im Ver- laufe des letzten Krieges gerade diese eigenartige Kopfbedeckung mehrfach den Feind bestimmt haben soll, seine Hauptangriffe auf die von ihm als weniger kriegstüchtig angenommeße Landwehr zu richten.

Franffurt, 8. Mai. Wie dasFr. J. bört, soll in den Conferenzen des Reichskanzlers Fürsten Bismarck mit Jules Favre außer der Milliardenfrage auch diePariser Frage, die Räumung der Forts und des Seine-Departements von Neuem und ebenso die Grenzregulirungsfrage zur Sprache gebracht worden sein. Das genannte Blatt meldet ferner: 70 Bismarck und Jules Favre reisen nächsten Mittwoch ab, die Detail- Angelegenheiten den beiderseitigen Unterhändler überlassend. In Brüssel sollen die Friedensver⸗ handlungen nicht wieder aufgenommen werden.

9. Mai. Nach derFrankf. Presse ist die Abreise des Fürsten Bismarck verschoben, da nochverschiedene bei den Brüsseler Verhand- lungen betbeiligt gewesene Personen erwartet würden.

Die Wiener Blätter bringen von hier einige Mittheilungen über die Ergebnisse der Con- ferenz: Im Wesentlichen besagen sie, daß alle Hauptpunkte angenommen seien und demFrem- denblatt wird eine Mittheilung des Brüsseler Nord telegraphirt, wonachaus guter Quelle seststünde, daß der Friede in Frankfurt unterzeichnet werden würde, sobald der Zahlungsmodus der Krirgsentschädigung ausgemacht sei. Und ein Gutunterrichteter derBrtel. Ztg. macht schließ⸗ lich geltend, daß Frankreich in den Stand gesetzt würde, eine Milliarden-Anleihe zu contra- hiren. Ein Telegramm der gut unterrichteten Weser Ztg. sagt: Fürst Bismarck zeigte sich den französischen Unterhändlern gegenüber nicht abge- neigt, die Forts zu überkiesern, bestand jedoch auf sricter Zahlung der Kriegskoslen und schlug eine Ankeshe vor. Die Unterhänkler acceptirten die Hauptpunkte. DerDaily ⸗Telegraph meldet, daß am Sonnabend eine Depesche des Kaisers Wil helm aus Berlin an den Fürsten Bismarck ange langt sei, des Inhalis, daß der Reichskanzler un- beschadet der stricten Befolgung der Friedensprä⸗ liminarien alles gewähren möge, was eine Eini⸗ gung herbeiführen und dem Pariser Aufständ ein Ziel setzen könne. DerFrankf. Ztg. wird be lichtet:Die Friedensvetandlungen sollen in Brüssel nicht fortgesetzt werden. Nachdem Fürst

Bismarck mit Jules Favre und Pouyer Qnertier über die Prihelpien be igt, were den die Schlußberhandlungen und die Unterzeich⸗ nung des Frledens hier stattsinden. Die Geheim-

secretäre sind mit der Abfassung der Protokolle beschäftigt.

Dresden. In unseren Zeitungen wird eine solche Fülle von Ungebörigkeiten mitgetheilt, deren unsere Soldaten in Pflege und Verwaltung unter- liegen, daß tine Untersuchung kaum zu vermeiden sein wird. Bisher hielt man das 12.(sächsische) Armeecorps für das bestgeordnete des deutschen Heeres.

Vom Oberrhein. Um die Bedkutung der Stadt Mühlhausen als eines der wichtigsten Fabrikorte der Welt gebührend würdigen zu können, wird die Bemerkung genügen, daß dort in einem Umkreise von 20 Stunden 60,000 Arbeiter be⸗ schäftigt sind, deren Löhne die Summe von 30 Millionen Franken im Jahr über steigen. Wäre diese Baumwollen-Industrie genöthigt, die Fabrikation auf eine unbestimmte Zeit einzustellen, würde sie überhaupt nur in erheblichem Maße nothleiden, so müßten die Folgen in Bezug auf diese Arbeiterzahl und ihre Familien sich sehr be⸗ denklich gestalten. Das in Gebäuden und Ma- schinen steckende Kapital wird auf 240 Millionen Franken angeschlagen.

Neu este s.

Paris, 9. Mai. Eine heute Mittag in den Straßen angeschlagene Depesche per Kriegs delegation meldet; Die dreifarbige Fahne weht auf Fort Issy, welches gestern Abend von der Garnison verlassen wurde,

Versgitles, 9. Mai, Abends. Nation alversammlung bestätigte Minister die Besetzuag des Forts Issy. Die Einzelnheiken fehlen noch.

Aus der Wetterau. Die Gemeinde Hausen bei Frankfurt batte bereits dis zu Ende verflossener Woche 164 fl. für eingelieserte Malkäfer bezahlt. Nach einer vorgenommenen Zählung gehen im Durchschnitt 652 Stück Maikäfer auf das Pfund, welches mit 6 Kreuzern bezahlt wird, was einer Gesammtzahl von 1,069,280 Maikäsern gleichkommt. In Sachsen hausen wurden bis jetzt nicht weniger als 10 Centner eingeliefert und einge⸗ stampft und auf der Grünedurg bei Frankfurt sammelten die dortigen Gärtner und Tagloͤhner allein schon 540 Pfd.

Gießen. Auf den Eisenbahnen kommen neuerdings nicht unbedeutende Diebstähle vor. Ein Ausschreiben der Polizei⸗Verwallung in Gießen erwähnt abermals dret Jälle. Ein Partie Bancazinn im Werthe von 4300 fl. verschwand zwischen Rotterdam und Frankfurt via Gießen; auf derselben Strecke verschwanden 18 Blöcke Zinn im Werthe von 1100 fl.; auf der Strecke von Frankfurt a. M. nach Kassel verschwanden 6 Stangen Rundkupfer im Werthe von ca. 290 fl. Es wird angenommen, daß die Urheber dieser Diebstähle schon lange ihre Diebereien be trieben haben und daß, wenn es gelänge, sie zu entdecken, man auf die Spur ganzer Diebesbanden kommen werde. Feankfurt. Dem Vernehmen nach wird der thälige In⸗ haber derConcordia in Bockenheim, Hr. W. Simon, dem Publikum nächsten Sonntag ein interessantes Concert bieten. Es wird sich nämlich daselbst die aus den franzoͤ⸗ sischen Kriegsgefangenen in Mainz gebildete, 50 Mann starke Musikkapelle productren. Dieselbe steht unter Leitung einco preußischen Musikers, Heu. Tricbl von hier. Die Kapelle soll tüchtige muflkalische Kräfte besitzen.

Frankfurt. Auf dem heute kröffne sehn Frübjahrs⸗ Pferdemarkt, zu welchem sich viele Kauflustige von Nah und Fern eingefunden batten, waren bei 2000 Pferde aufgestellt. Hierbet erhielten von den neun concurrirenden Paarenleichter Zugpferde die zwei braunen Wallachen von Gebr. Bentheim aus Friedberg den Preis(Cigacrenkassen mit Pferden in Silber).

Frankfurt. Der Gasthof zum Schwan, der als Sitzunglokal der Friedensconferenz gegenwärti Interesse erregt, bar eine ziemlich reiche Geschichte. W hend der Freiheitekriege wohnte u. A. deu alte Lfücher iußdemselben und hielt, wie sich ältere Leute noch recht wohl erinnern, vom Balkon herab Ansprachen an das Publikum, das ihm zahlreiche Ovationen brachte. Zu Börnc's Zeit war ber weiße Schwan Zusammenkunftsort der Frankfurter Literaten und Künstler.

Darmstadt. Hauptmann Kattrein, der mit seiner 70 Mann staken Compagnie am 8. December vorigen Jahres ohne einen Schuß zu thun Schloß Cham⸗ bord stürmte, 3000 Franzosen, von denen 300 gefangen genommen wurden, aus dem Schloß vertrieb und 5 Ge schütze erbeutete, hat von Herrn Gürtler Habich einen von

areiberg nach! bekannt sei ergaben

diesem gefertigten prächtigen Ehrensäbel mit der te

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pen 10 tragen zu wollen. 42 rleruhe. DieKatler. Zig. thellt mit, daß

nach einer eingetroffenen Depesche des Polizeicommissärs in Spaa der angebliche Capitän Godfrey und Frau, welche dahier den bedeutenden Juwelendiebstahl bei Golbarbeiter Steln verübt haben, verdastet worden sind und sich noch im Besitz eines Theiles der entwendeten Gold waaren be⸗ fanden. Nach dem bestehenden Staatsvertrag mil Belgien steht der Auslieferung des Gaunerpaares kein Hlnderniß entgegen.

Köln. Die Arbeiten am biesigen Dom find trotz bes Krieges so entschieden gefördert worden, daß man damit begonnen hat, in der schwindelnden Höhe das Vaugerüst auf den beiden Wesithürmen um eine Etage zu erhöhen. Bei gleichmäßigem Weiterbau barf man die Bollendung dieses hehren Baues im Jahr 1877 erwarten.

Leipzig. Hiesige Mätlet bringen über einen ras⸗ finirten Gauner, welcher im Laufe der letzten Zeit auch das Königreich Sachsen unsicher gemacht bat, folgende Mittheilungen. Hugo v. Sennefeld aus Freibe nennt sich der Industrieritter), 24 Jahre alt,

im März d. J. circa 14 Tage lang in einem a1 e Frakatt 3. M. oufgybalien und si für ben denten der Medicin, in Heidelberg studitend, ausgegeben. Er machte in dieser Zeit die Bekanntschaft eines Mädchens aus Bayern, erzählte dieser viel von Nürnberg und gab ferner an, daß sein Vater in Freiberg in Sachsen wohne und Director der königlichen Hitttenwerke sei. Er selbst sei bei den letzun Unruhen in Zurich betheiligt gewesen, habe dabei einen französischen Offizier tödtlich verletzt und deshalb von da flüchten müssen. Durch seine Vorspiegelungen, die er durch gefälschte Briese aus Freiberg zu verstärken wußte, brachte er das Mädchen so weit, daß sie ihm 250 fl. lieh, mit welchen er sohnan am 30. März sich von Frank⸗ furt angeblich nach Heidelberg enifernte, um dort sein Examen zu machen. Er forderte dabei das Mädchen auf, ihm poste restante Heidelberg zu schreiben, was sie auch geihan ba, und übergab ihr vor einer Abreise noch einen Wechsel über 1500 fl., ausgestellt von ihm auf 1 v. Sennefeld, Director der k. sachsischen Hütten⸗ werke in Freiberg, zahlbar bei Hammer und Schmidt in Leipzig, mit der Weisung, diesen Wechsel sofort zum In⸗ easso nach Heipzig zu senden. Als nun dieser Wechfel don damm ie Schmidt zurfilkam, wal v Schneschd in e jetzt auf Privatweg angestellten Nachforschungen, daß der angebliche Sennefeld sich in der letzten Zeit in der Schweiz aufgehalten hafte und zwar unter dem Namen eines Baron v. Duplansky. Er scheint namentlich in Zürich seyr gut bekaunt, zuletzt aber in Bern gewesen zu sein und hat auch dort überall Schwindeleien verübt. Während der letzten Osterfeiertage hat sich der Gauner in Mittweida unter dem Namen eines NitergussbesitzersFrancisco v. Duplansky aus Luplin aufgehalten, daselbst Zutritt in wohlangesehenen Familien zu erlangen gewußt und sich mit der Schau⸗ spielerin Helene Hanisch verlobt, Letzterer auch 150 Thlr. abgeschwindelt und ist mit derselben nach Italien abgereist, wo er von Verona aus den in Mittweida wohnthasten Stiefbater der Hanisch auch noch um 200 Thlr zu prellen versucht hat, was ihm jedoch, da bereits Verdacht vorlag, nicht gelungen ist, vielmehr ist er auf deßfallsigen tele⸗ grapbischen Antrag in Verona festgenommen worden.

In Paris soll die Cbolera im Anzuge sein, Vorboten haben sich schon eingestelll. In Petersburg wüthel sie schon seit mehreren Monaten und in Bassora in Irak Arabi ('em alten Babylonien und Chaldäag) ist dieselde in einer noch kaum dagewesenen Heftigkeit aufgetreten. Vorbeugende Maßregeln, sowobl in Bezug auf Lebensweise der Menschen, wie Desinfektion der Aborte ꝛc., haben sich bis jetzt als die wirksamsten Schutzmittel gegen diese Epidemie, die eine wahre Geißel für die Länder ist, die sie heimsucht, bewährt.

Paris. Einer Correspondenz aus Paris zufolge soll sich auf einer Wand in der Zelle von Mazas, die augen⸗ blicklich Cluseret zu ihrem Bewohner hal, die solgende Inschrist vorgefunden haben:Bürger Cluseret! Sie haben mich hier eingesperrt; binnen einer Woche hoffe ich Sie hier zu sehen. Gencral Bergeret.

Literarisches.

Zwei lustige Soldaten Lieder, illusteirt von Ludwig Löffler.(Stuiltgart, Eduard Hallberger.) Diese köstlichsten Produkte echten Volkshumods, welche während des nunmehr glücklich beendigten glorreichen Krieges entstanden, sind, mit volksthümlichen Sanges⸗ weisen versehen, allüberall in Deutschland mit Jubel auf- genommen und ebenso heimisch geworden, wie sie unsern braven Seldalen auf dem anstrengenden Marsche und im Bivouak allezeit aufheiternde, ermunternde, freundliche Begleiter waren. Es find, wiePrinz Eugen, der edle Ritter, Volkslieder im besten Sinne, welche die Zeit, die sie hervorgebracht, überdauern, und im Volke und der Armee noch lange, lange fortleben werden. In der vor- liegenden, wie wir hören auf vielfach ausgesprochene Wünsche erfolgten Ausgabe, welche mit Löffler'süber⸗ aus ko mischen Illustratsonen geschmückt ist, bilden die Lieder ein sehr ansprechendes Erinnerungozeichen be sonders für die heimkehrenden Soldaten der tapferen deutschen Armee, denen sie umsomehr empfohlen sein mögen, als der Reinertrag vom Verleger für die deutsche

Invalidenstistung bestimmt ist.

Für die Monate Mai und Juni kann auf denOberhessischen. Verlags- Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden.

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