Ausgabe 
11.3.1871
 
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werden. Die Anordnungen zur Frankreichs Seitens der deutschen Truppen nach Maßgabe des Friedensvertrages sind ohne Verzug getroffen worden und bereits in der Ausführung degriffen. Es handelt sich zunächst um die Zurück- ziehung der deutschen Truppen hinter die Seine, mithin um die Räumung des Gebietes südlich und westlich von Paris, welches bisher von der 2. Armee des Feld marschalls Prinzen Friedrich Karl besetzt war, sowie um die Zurückziehung der südlichen Cernirungstruppen vor Paris, welche der 3. Armee unter dem Feldmarschall Kronprinzen von Preußen angehörten, wogegen die nördlichen Forts von Paris, welche von der Maas-Armee unter dem Kronprinzen von Sachsen besetzt sind, einstweilen und bis zur ersten Zahlung der Kriegs- contribution noch in unserer Gewalt bleiben. Da jedoch zur weiteten Besetzung des Gebietes dies- seits der Seine überhaupt nur ein verhältniß mäßig geringer Theil der bisherigen Feldarmee erforderlich sein wird, so kann der größere Theil aller Armeen alsbald den Rückmarsch in die Heimath antreten. Die Besatzungsarmee wird voraussichtlich aus Truppen verschiedener Armee⸗ corps gebildet werden; die endgültigen Bestimmungen darüber sind noch nicht bekannt geworden.

Ueber die Truppen des 11. Corps, ins- besondere der 22. Diviston, hat der Berichterstatter derTimes, Russel, bei Gelegenheit der Schil derung des Einzuges in Paris folgendes Urtheil gefällt:An der Spitze der Truppen des 11. Armeecorps ritt der wohlbekannte General von Bose, der bei Wörth schwer verwundet wurde und vor Kurzem wieder zu seinem Corps gestoßen ist. Es ist ein ganz prächtiges Corps, das 11. Die Fahnen zerfetzt. Durchgängig jugendliche, von Kraft strotzende Männer. Und was das stolze, straffe Auftreten der Offiziere betrifft, so lächeln wir darüber in England, weil wir es an den unserigen zicht gewöhnt sind, sollten aber bedenken, daß es der Exponent eines wackeren, militärischen Geistes ist. Die ganze 22. Division unter Wittich hat ungeheuere Kämpfe zu bestehen gehabt und hat sie trefflich bestanden; solche Re- gimenter aber, wie die 83. und die Jäger, finden in der Kriegerwelt nicht leicht ihres Gleichen.

Es ist schon gemeldet worden, daß für die Rückbeförderung unserer Truppen die Eisenbahnen auf französischem Gebiete nur ausnahmsweise zur Verwendung kommen werden. Diese Verwendung ist jetzt angeordnet worden ausschließlich für die nach Elsaß und Deutsch⸗ Lothringen bestimmten Truppen, für das Kriegs- material, für die Landwehr-Infanterie und die Festungsartillerie. Alle anderen Truppen werden erst von der deutschen Grenze an die Bahnen benutzen.

Die Uebergabe der Festung Bitsch sollte am 7. ds. stattfinden. Hierauf bezüglich wird gemeldet: Die Garnison zieht unter klingendem Spiel mit allen Handwaffen ab. Nur das zur Feslung gehörende Material bleibt zurück. Das Cernirungscorps wird in Paradestellung die tapferen Vertheidiger des Platzes vorüberziehen lassen. Das Verhältniß zwischen den beiderseitigen Truppen ist das freundschaftlichste von der Welt.

Deutschland.

Darmstadt. Das Großherzogliche Regie⸗ rungsblatt Nr. 9 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Rentämter Reinheim und Groß⸗Umstabt beireffend.

II. Bekanntmachung Großherzoglichen Oberstudien⸗ Direction, Veröffentlichung eines Auszugs aus der Ab⸗ ministrationsrechnung der Schuluntertüßungs Stiftung des Regierungsrath May von 1869 betreffend.

III. u. IV. Uebersicht der für das Jahr 1871 ge⸗ nehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der ifraeclitischen Religionsgemeinden der Kreise Nidda und Vilbel.

V. VII. üebersicht der für das Jahr 1871 geneh⸗ migten Umlagen zur Bestreitung von Communalbedürf⸗ nissen in den Gemeinden der Kreise Bingen, Alsfeld und Wimpfen.

(Nr. VIII- bereits mitgetheilt.)

XI. Concurtenzeröffnunzen. Erledigt sind: 1) die evangelische Pfarrstelle zu Billertshausen, im Dekanate Alsfeld, mit einem Gehalte von 1275 fl. 23 kr.; 2) die Distriktseinnehmerel Schotten I., wofür eine Dilenstcaution von 2500 fl. erforbert wird. Concurrenzfähige Bewerber

Räumung baben sich binnen 14 Tagen anzumelden. 3) Die evan⸗

gelische Pfarrstelle zu Groß⸗Karben im Dekanate Rodheim, mit einem Gehalte val 666 fl. 53 15 Folge Verzichte des Kirchenpatrons wird diese Stelle für diesmal von Sr. K. H. dem Großherzog unmittelbar besetztz 4) die evanzelische Pfarrstelle zu Wörrstadt, im Dekanate Wörr⸗ stadt; der künftige Geistliche hat aus dem zu 2182 fl. veranschlagten Einkommen einen Gehalt von 2000 fl. neben freier Wohnung und Accidenzien zu beziehen. XII. Gestorben; am 20. Juni v. J. der penfionirte Stations-Controleur Steuerrath Rötzel zum Darmstabt; am 14. Januar der Hofgerichtekanzlist Schwalb zu Gießen und der evang. Pfarrer Schuknecht zu Nauheim; am 15. Jan. der evang. Schullehrer Weder zu Appenrod; am 18. der Landgerichtsdiener Neuhaus zu Reinheim; am 21. der Kreisarzt Dr. Caprans zu Mainz; am 24. der Controleur Gompf zu Mainz; am 25. der evang. Pfarrer Frank zu Hainchen; am 1. Febr. der Steuer⸗ ausseher Jost zu Zwingenberg; am 3. der kath. Schul⸗

lehrer Ruhl zu Darmstadt; am 6. der pens. Förster Zulauf zu Altenhain und der pens. Seminar-Direktor

Dr. Curtman zu Gießen; am 10. der Kreisamtsbiener Meister zu Heppenheim; am 15. Febr. der kath. Schul⸗ lehrer Crönlein zu Flonheim.

Auch das 2. Infanterie-Regiment wird, wie verlautet, als solches zu bestehen aufhören und mit je 1 Bataillon dem 1. und 3. Infanterie- Regiment zugetheilt werden. Das 1.(Leibgarde) Regiment wird in seinen Werbbezirk nach Darm- stadt zurückverlegt werden.

In den letzten Tagen traf wieder bedeu tendes Artilleriematerial von der in Metz gemachten Beute als hessischer Antheil hier ein.

Die gegenwärtig gepflogenen Verhandlungen über verschiedene Modificationen der preußisch hessischen Militär-Convention vom 7. April 1867 haben, wie man derFr. Ztg. von hier meldet, gutem Vernehmen nach, bis jetzt zu folgenden Resultaten geführt:Hessen begibt sich der ihm durch diese Convention zugestandenen Selbstständig⸗ keit der Militärverwaltung; das Kriegsministerium kommt in Wegfall. Aus den vier Infanterie⸗ regimentern der Division, welche seither nur zwei Bataillone zählten, werden alsbald nach dem Eintreffen der Truppen aus dem Felde drei Regi- menter zu je drei Bataillonen(2 Musketier- und 1 Füsilier- Bataillon) formirt. Das zweite Infanterie-Regiment, als das jüngste der hessischen Infanterie-Regimenter, wird aufgelöst und seine beiden Bataillone zur Formation der dritten Ba- taillone des seitherigen 1. und 3. Infanterie⸗ Regiments verwendet. Das seitherige 4. Infanterie- Regiment erhält sein drittes(Füsilier⸗) Bataillon durch das gleichfalls zur Auflösung kommende 2. Jägerbataillon. Wie ferner verlautet, liegt es nicht in Absicht, die hessische Diviston mit der badischen zum achten deutschen Armeerorps zu vereinigen; sie soll vielmehr in ihrem seitherigen Verbande als geschlossene Division beim elften Armeecorps verbleiben. Preußischerseits wurde die Stellung eines hessischen Infanterie-Regiments zur Garnison von Mainz gewünscht, und hat sich der Großherzog für das vor dem Krieg dahier in Garnison befindlich gewesene 4. Infanterie⸗ Regiment entschieden.

* Friedberg. Unsere Mittheilung über das Resultat der Reichstagswahl im Großherzogthum bedarf insoferne einer Berichtigung, als im dritten Wahlkreise(Alsfeld, Lauterbach, Schotten) nach den mittlerweile veröffentlichten offiziellen Berichten die meisten Stimmen auf den Erbgrafen Friedrich zu Solms-Laubach gefallen sind.

Berlin. DieKreuzzeitung schreibt: Die Rückkehr des Kaisers ist etwa in acht Tagen zu erwarten. Der Kaiser wird erst bei seiner Heim- kehr über das deutsche Reichswappen, die Inau guration und die Siegesfeier befehlen. Alles bisher hierüber Veröffentlichte ist verfrüht. Von der Krönung ist vorläufig gar nicht die Ride, sondern nur von einer großen militärischen Feier, welche mit dem Einzug unserer Truppen und der Deputationen des gesammten deutschen Heeres, der Bayern, Sachsen, Würtemberger, Badenser und Hessen, verbunden sein wird. Wahrscheinlich wird ein Trauergottesdienst für die Gefallenen in Ver bindung mit der kirchlichen Friedensfeier oder am Abend derselben stattfinden. DieNational Zeitung nennt als den Tag, an welchem der Kaiser zurückkehren wird, den 16. März.

Der Reichstag wird am 21. d. vom Kaiser eröffnet werden. Die Fürsorge der k. Regierung

ist vor Allem darauf gerichtet, die der Landwehr sobald als möglich ihr und Berufskreisen zurückzugeben.

unschaften

Der Magistrat in Berlin hat an die Stadt⸗

verordneten den Antrag gestellt, Namens der Haupt- und Residenzstadt Preußens, der Preußi⸗ schen Provinzial-Hauptstädte, der Haupt- und Residenzstädte der übrigen Deutschen Staaten, der Deutschen Städte mit 20,000 und meht Ein⸗ wohnern und Namens derjenigen Städte, welche am 1. Januar 1792 im Besitze der Reichsunmiltel⸗ barkeit waren, den Grafen Bis marcck und den Grafen Moltke zu Ehrenbürgern des Deutschen Reichs zu ernennen und in der als Familienstück später von den Angehörigen der Gefeierten auf zubewahrenden Urkunde die Namen aller bei getretenen Städte ausdrücklich zu erwähnen. Die Kosten sind auf 50,000 Thlr.(22) vorgesehen und soll ein städtischer Credit bis zu diesem Betrage gewährt werden.

Zwischen Dis mark und Thiers kamen, wie der WienerPresse aus Berlin gemeldet wird, nach authentischer Aussage allerdings ban⸗ delspolitische Interessen zur Sprache, wenn auch obne Resultat. Thiers will auf Grund des Krieges und des Regierungswechsels die Han- delsverträge mit allen Mächten als gelöst erklären und durch erhöhte Zölle einen Theil der Contribution hereinbringen.

Nach Privatbriefen derN. Preuß. Ztg. aus Paris vom 1. März wurden in Paris mehrere Deutsche, darunter Deininger, Besitzer des Hotels gleichen Namens, die bereits wieder nach Paris zurückgekehrt waren, verhaftet. Die Behörden sagten ihnen, sie hätten noch kein Recht, sich in Frankreich wieder aufzuhalten.

Dienstag Abead brachte auf der Anhalter Bahn ein Commando von 2 Offizieren und 20 Mann einen Transport von etwa 70 Centnern Gold und Silber aus Frankreich hierher. Das⸗ selbe ist ein Theil der Pariser Contribution.

9. März. Graf Bismarck traf heute Uhr Morgens auf dem Anhalter Bahnhof im besten Wohlsein ein und wurde daselbst von seiner Gemahlin, seiner Tochter und mehreren hoch- gestellten Beamten empfangen.

Bremen. In Wilhelmshafen an der Jade ist dieser Tage dieAugusta angekommen, welche unter ihrem kühnen Führer Capitän Weikhmann den Franzosen im Angesicht ihrer Strommündungen und Leuchtfeuer verhältnißmäßig so vielen Abbruch gethan hat. Es ist den auf die Jagd nach ihr ausgesandten französischen Kreuzern also nicht gelungen sie zu überholen.

Frankfurt, 9. März. Gestern Abend nach 6 Uhr traf Graf Bismarck mit einem Extrazuge von Mainz ein, dessen Locomotive festlich geschmückt und mit der InschriftEinigkeit macht stark versehen war. Herr Polizeiprästdent v. Madai und Herr Oberbürgermeister Dr. Mumm begrüßten den Grafen, worauf Herr Dettmer auf denStolz Deutschlands, den Grafen v. Bismarck, ein Hoch ausbrachte, in welches die inzwischen ziemlich an⸗ geschwollene Menschenmenge einstimmte. Der Reichskanzler erwiderte mit einem lebhaft auf⸗ genommenen Hoch auf dendeutschen Kaiser. Um 6 ½ Uhr setzte er seine Reise über die Ver⸗ bindungsbahn mit der Hanauer Bahn fort, auf

deren Bahnhof ihm ebenfalls eine Ovation ge⸗

bracht wurde.

München. Alle in Bayern internirten fran⸗ zöͤsischen Gefangenen aus dem Civilstand (Franctireurs, Mobilgarden und Nationalgarden) erhalten die Erlaubniß, sofort in ihre Heimath zurückkehren zu dürfen, wenn sie die hierzu erfor⸗ derlichen Reisemittel besitzen. Die unbemittelten, den genannten Kategorien angehörigen Gefangenen werden später auf Kosten der französischen Re⸗ gierung in ihre Heimath befördert und erst hierauf wird der Transport der gefangenen Linientruppen erfolgen.

Oesterreich. Wien. Fürst Metternich wird auf seinem Botschafterposten in Paris verbleiben.

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