Ausgabe 
11.3.1871
 
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Jamstag den 11. März.

N 30.

berhessischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg,

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes über Portofreibeiten im Gebiete des Norddeutschen Bundes, dier die Averstonirung der von den Großherzoglichen Behörden in Nordbessen zu zahlenden

5 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großßerzoglichen Bürgermeistereien, Großherzogliche Polizei-Verwaltung Bad-Nauheim, Großherzoglichen Polizei Commissaͤr f 3 zu Wickstadt, die Kirchenvorstände und die Schulvorstände des Keeises. f Die Säumigen werden an Erledigung unserer Verfügung vom 11. v. Mis, Oderh, Anzeiger Nr. 19, erinnert.

orto- dc. ꝛc. Beträge.

Friedberg am 9. März 1871.

Ter a p p.

Be end zn n ma ch u n g.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht,

Freiherr Georg von Wedekind Friedberg den 7. März 1871.

daß nach dem Ergebnisse der Wahl im II., Wahlkreise iu Darmstadt als Abgeordneter für diesen

Hofgerichts⸗ Advokat

Kreis in den Reichstag gewählt worden ist.

Der Wahlcommissär Ter a pep, Regierungsrath.

Kriegs nachrichten.

Aus Versailles wird demStaats-Anz. geschrieben: Der Kronprinz hatte am 1. März guf jedenTriumphzug verzichtet. Erst am 2. fuhr derselbe in Begleitung des Großherzogs von Baden und gefolgt von den persönlichen Adjutanten durch das Boulogner Gehölz und den Triumph; bogen in die Stadt. Es war Nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, wo die Menge der Zuschauer ihre höchste Ziffer erreichte. die elyseeischen Felder nach dem Concor bis an den Garten der Tuilerien, dann Seine entlang, über den Trocadero durch Passy zum Point du jour. Der Kronprinz, der während der Ausßellung von 1867 mit seiner Gemahlin langere Zeit in Paris verweilte, wurde vielfach von der Menge erkannt.C'est le prince Fritz, rief man,le fils de Empereur.

schaft. Die Läden waren in Folge eines Polizei⸗ befebls geschlossen. Die Menge verhielt sich durchschnittlich ruhig und gemessen. Wenn Ca- valerie vorbeigeritten kam und die Mufikcorps ihre klangvollen Märsche spielten, theilte sich der Menge eine lebhafte Bewegung mit. Zurufe wurden hörbar, die von keiner Erbitterung zeugten, son⸗ dern in scherzhaftem Tone gehalten waren. Nur auf dem Concordienplatz trieben einige Banden

is 18 Jahren, denen sich Blousenmänner an- geschlossen hatten, ihr Wesen. Sie zogen umber und riefen noch immer: à Berlin, à Berlin. Sie tertetistrten in der bekannten Weise das dessere Publikum. Wo Jemand mit preußischen Offtzieren oder Soldaten sprach, ihnen über Straßen und Gebäude Auskunft gab, wurde er von diesen Trupps angefallen, die den Betreffenden zuriefen,

Der Kronprinz fuhr durch von Gassenjungen, junge Leute im Alter von 14

Ueber den Ein marsch der deutschens daß man mit den Preußen nicht sprechen dürfe.

Truppen in Paris schreibt derStaatsanz.: Als die Teten der ersten Truppen gegen das Triumphthor aurückten, versuchte ein Trupp von 2300 Menschen eine Demonstration, die jedoch höchst kläglich ausfiel. Die Franzosen hatten einen Wagen vor das Portal des Thores aufgestellt in der Absicht, den Zugang dadurch zu verbarrikadiren. Am Wege stehen die Reste eines Erdwerkes, das bier errichtet worden, um die Straße zu schließen. Von einem dieser Werke aus hielt ein Blousen⸗ mann, den Revolver in der Hand, eine Anrede an die Umstehenden, welche er mit dem drohenden Aus rufe schloß, daß die Preußen nie einziehen dürften. Da nun aber die Preußen mit ihren süppeutschen Bundesgenossen doch kamen, begnügte sich der französische Volksredner mit dem theatra lischen Effekt, den er hervorgebracht, und nahm zinen eiligen Rückzug. Die Truppen würden kaum daran gedacht daben, das Portal des Are de Triomphe zu betreten, da die Wege, die rechts und links vorbelführen, fast zehnmal so breit sind. Der Wagen, der den Zugang schloß, machte sie erst aufmerksam; sie schafften das Hinderniß mit größter Ruhe bei Seite, ein Zug Cavalerie ging mitten durch das Thor und im Uebrigen vollzog ich nun der Einmarsch ohne jede Störung. In den Champs Elpsees wartete eine außerordentlich ahlreiche Menschenmenge der ankommenden Truppen. Sit hatte langs des großen, mehr als 1200 Schritt langen Fahrweges bis zum Contordien- latz ein ununterbrochenes Spalier gebildet, das zur an den Straßendurchgängen, an denen Ca- valerie-Patronillen postirt, einige Lücken ließ. In den Nebenalleen circulirten Spaziergänger zu ielen Tausenden aus allen Klassen der Gesell

Die umherziehenden Volksmassen erfüllten übrigens selbst die von ihnen ausgegebene Losung nur in sehr unvollkommenem Maße: sie marschirten zur Seite der Soldaten, baten hie und da um Geld und stritten sich untereinander, wenn ihnen einige Münzstücke dargereicht wurden. Für die Harm losigkeit der Demonstrationen mag als Beispiel angeführt werden, daß man den großen Stein- figuren, welche den Concordienplatz umgeben, Dar- stellungen großer französischer Städte, schwarze Masken vor das Antlitz gebunden hatte. Verhältniß der niedrigeren Volksschichten trug demnach wohl den Stempel des Uebermuths, aber nicht der Böswilligkeit. An der Demarkations- linie, die am Tuileriengitter und der zur Kirche Madelaine führenden Rue Ropale beginnt, hielten französische Linientruppen Wache. Ihre Haltung war eine durchaus würdige.(Weitere Mittheilungen enthält dasUnterhaltungsblatt. D. Red.)

Die nun dem Wortlaute nach zur Ver öffentlichung gelangten Friedenspräliminarien ent halten in Art. 1 folgende, die zukünftige Grenze des deutschen Reiches betreffende Bestimmungen: Frankreich verzichtet zu Gunsten des deutschen Reiches auf alle Rechte und Ansprüche auf die jenigen Gebiete, welche östlich nachstehend bezeichneter Grenzen belegen sind. Die Demarcatlonslinie beginnt an der nordwestlichen Grenze des Cantons Cattenom nach Luxemburg zu, folgt südwärts der westlichen Grenzen der Cantons Catenom und Thionville, durchschneidet den Canton Brieg, in- dem sie längs der Westgrenze der Gemeinden Montois la Montagne und Roncourt sowie der Ostgrenzen der Gemeinden Marie aux Chosnes,

St. Ail, Habonville hinläuft, berübrt die Grenze

des Cantons Gorze, welche sie längs der Grenzen der Gemeinden Vionville, Buxieres und Onville durchschneidet, folgt südwärts resp. der Südgrenze des Arrondissements Metz, der Westgrenze des Arrendissements Chateau Salins dei der Gemeinde Pettoncourt, wovon sie die West⸗ und Sürgrenze einschließt, solgt dem Kamme der zwischen der Seille und Montcel gelegenen Bergen bis zur Grenze des Arrondissements Saarburg, südlich Garde. Sodann fällt die Demarkationslinie mit der Grenze dieses Arrondissements zusammen bis zur Gemeinde Tautonpille, deren Nordgrenze sie berührt. Von dort folgt sie dem Kamme der zwischen den Quellen der Sarne blanche und der Vezouze befindlichen Bergzüge bis zur Grenze des Cantons Schirmeck, geht die Westgrenze desselben entlang, ließt die Gemeinden Saales, Bourg-Bruche, Colrogz la Roche, Plaine, Ranrupt, Saulxures, St. Blaise la Roche, fällt dann mit der Westgrenze der Departements Nieder- und Oberrhein zusammen bis zum Canton Belfort. Sie verläßt dessen Südgrenze unmeit Vournevans, durchschneidet den Canton Delle bei der Süd grenze der Gemeinde Bourogne und Froide Fontaine und erreicht die Schweizergrenze längs der Ostgrenze der Gemeinden Jonchery und Delle hinlaufend. Das deutsche Reich wird diese Ge biete für immer mit voller Souveränetät und vollem Eigenthumsrecht besitzen. Eine internationale

Das Commission, beiderseits aus einer gleichen Zahl

von Vertretern der Contrahirenden bestehend, soll unmittelbar nach dem Austausch der Ratificationen dieses Vertrags beauftragt werden, an Ort und Stelle die neue Grenze gemäß den vorstehenden Stipulationen festzustellen. Die Commission wird die Vertheilung des Bodens und der Capi- talien leiten, welche bisher gemeinschaftlichen Distrieten angehörten, die nun getrennt werden. Bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten über die Ausführungsbestimmungen betreffs der Grenze holen die Commissionsmitglieder die Entscheidung der respektiven Regierungen ein. Vorstehende Grenze ist auf zwei Exemplaren der Berliner G eneralstabskarte mit grüner Farbe verzeichnet. Die augegebene Grenzlinie erfuhr mit Ueberein⸗ stimmung der kontrahirenden Theile folgende Ab- änderungen: Im ehemaligen Moseldepartement werden Marie aux Chenes und Vionville an Deutschland abgetreten. Dagegen werden Stadt und Festungswerke Belfort mit spater festzusetzendem Rayon bei Frankreich verbleiben.

Nach Mittheilung desStaatsanzeigers wird das Hauptquartier des Kaisers von Ferridres wahrscheinlich nach Meaux verlegt