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Auch auf dem Wege zum Gouvernement wurde der Kaiser mit großartigen Ovationen und Blumen · spenden empfangen. Nach dreistündigem Aufenk balt bei dem Geuverneur, während dessen die Musikcorps vor dem Palast eine Serenade aus- führten, erfolgte um 3 Uhr die Abreise nach Homburg.— Prinz Ludwig von Hessen befand sich im Gesolge des Herrschers, und zwar in der Uniform eines Reichsgenerals(deutscher oder preu⸗ ßischer Adler am Helm.)
Königsberg. Bis zum 3. August Mittag sind als an der Cholera erkrankt im Ganzen 25 Personen angemeldet und von diesen 17 veistor⸗ ben; in den letzten 24 Stunden also eine Zu- nahme von 7 Erkrankungsfällen.
Frankfurt. Am Montag Nachmittag 2¼ Uhr traf der Kaiser mit Gefolge von Wiesbaden und Mainz kommend mit der Taunus bahn ein. Der Extrazug wurde sofort auf die Homburger Bahn gezogen und verließ nach wenigen Minuten Aufenthalt den Bahnhof.
Homburg v. d. H. Zum würdigen Em⸗ pfange des Kaisers hatte unsere Stadt am 7. d. ihren schönsten Schmuck angelegt; überall wehten die Flaggen in des deutschen Reiches und preu⸗ ßischen Farben; vom Bahnhof aus führte eine doppelte Reihe venetianischer Masten zum Trirmph⸗ bogen mit dem Gruß:„Heil unserm Kaiser“ am Eingang der Hauptstraße; in dieser selbst waren die Fagaden der Häuser kaum zu erkennen, solch' reicher Flaggenschmuck bedeckte dieselben. In den Straßen und besonders hinter dem Kurhaus im Freien war das großartigste Getreibe und Gewühl, was Homburg je gesehen. Den Gipfelpunkt aber bildete die ebenso brillante als geschmacksolle Illu- mination des Kurgartens. Auch in der Stadt glänzten manche Gebäude in reichem Licht und an Stelle der Gaslaternen strahlten überall die großen blendenden Sterne.
Coburg. Die stark abgenutzten und be⸗ schmutzten alten Coburger Ein⸗Thalerscheine im Gesammtbetrage von 200,000 Thaler sollen nach und nach aus dem Verkehr zurückgezogen und durch neue, ersetzt werden.
München. Der„Allg. Zeitung“ schreibt man von hier:„Neuerlich eingegangene Nachrichten aus Algier lassen es als zweifellos erscheinen, daß unter den dortigen französischen Truppen noch eine gute Anzahl von Deutschen eingereiht ist, welche während des Krieges zum französischen Militärdienst gewaltsam gepreßt und trotz des Friedensschlusses bis jetzt nicht freigegeben worden sind. Da unter den Betheiligten sich auch baye⸗ rische Angehörige befinden, so sind von der bayerischen Regierung dringende Reclamationen in Versailles erhoben worden.
— Kaiser Wilhelm hat an Angehörige der bayerischen Armee wiederum 13 eiserne Kreuze erster Classe und 350 eiserne Kreuze zweiter Classe für Offiziere und Soldaten des 2. bayerischen Armeecorps, sodann 16 eiserne Kreuze zweiter Classe am weißen Bande an bayerische Militär- beamte verliehen.
Heidelberg. Bei der dahier stattgehabten Versammlung der Altkatholiken stellte die Dis⸗ cussion als einmüthige Absicht der Anwesenden das Streben nach durchgreifenver kirchlicher Re⸗ form heraus, um das ursprüngliche katholische Princip der heutigen Culturstufe entsprechend zur vollen Wirksamkeit und Geltung zu bringen.— Nach einem Telegramm der„Allg. Z.“ hat die Versammlung für den 22. bis 24. Sept, die Ab⸗ haltung eines Katholikencongresses in München mit öffentlichen Vorträgen und organisatorischen Special berathungen beschlossen. Der von Professor Huber in München ausgearbeitete ausführliche Organi- sationsplan für diese Versammlung wurde nach den eigenen Angaben der Mitglieder mit geringen Modificationen einmüthig angenommen.
Straßburg. Herr Schuldirector Baumeister aus Halberstadt bereist gegenwärtig Elsaß-Loth⸗ ringen, um sämmtliche höheren Schul- und Bildungs- anstalten dieser Landestheile zu reorganisiren, da— mit dieselben mit Beginn des neuen Schuljahres, 1. October, eröffnet werden können.
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Ausland. Al
Oesterteich. Wien. Wie verlautet, wird Fürst Bismarck demnächst zur Cur in Gastein erwartet. — Ueber die Kaiserbegegnung wird jetzt von österreichischen Blättern mitgetheilt, daß der deutsche Kaiser das österreichische Kaiserpaar in Ischl be⸗ suchen werde, dort sei kein Diplomat zugegen, aber der Kaiser Franz Josef erwiedere den Be⸗ such in Gastein und dort würden sowohl Fürst Bismarck als Graf Beust anwesend sein.
— Die„Rumänische Post“ meldet: Einer Note des deutschen Reichskanzlers zufolge seien die Rechte der Besitzer rumänischer Eisenbahn⸗ Obligationen bei der Pforte geltend gemacht, die eine europäische Commission zur Erledigung dieser Angelegenheit berufen werde.
Frankreich. Paris. Der Bericht, welcher bei der Eröffnung der Kriegsgerichte verlesen wurde, weist nach, daß die Insurrettion ihren Ursprung in der Vereinigung der revolutionären Partti und der internationalen Assotialion hatte. Die In- surgenten zogen aus der unglücklichen Lage des Vaterlandes und aus der Gegenwart der Preußen Nutzen, um ihre Pläne auszuführen. Der Be⸗ richt legt schließlich den durchdachten Plan zu einer allgemeinen Einäscherung von Paris dar. 238 Gebände sind von dem Feuer zerstört worden. Diesem allgemeinen Berichte folgen Berichte über verschiedene Angeklagte.
— Aus Versailles wird aus guter Quelle ge⸗ schrieben, daß die Deutschen in acht Tagen die Departements Oise, Seine et Oise, Marne und Seine räumen werden. Man ver— sichert, daß zwischen der Regierung und der be⸗ treffenden Commission über die Frage der Ent- schädigung der während des Krieges besttzt gewesenen Departements ein Einvernehmen be⸗ wirkt ist.
Der Anklageact gegen die Chefs der Commune ist erschienen. Derselbe gibt eine Dar stellung der Aufwiegelungen der Internationale, wodurch die Empörung vorbereitet wurde, erzählt hierauf den Verlauf des Aufstandes vom 18. März und die Verbrechen, welche in Folge desselben begangen wurden. Dann folgen die Berichte über die Einzelnen. Assi ist angeklagt der Aufreizung zum Bürgerkrieg, der Usurpation der Civil und Militärgewalt, sowie von Regierungsfunktionen. Derselbe habe ferner für Decrete gestimmt und dieselben ausführen lassen, welche Zerstörung, Nieder ⸗ metzelung, Plünderung, Brandstiftung, Meuchelmord im Gefolge hatten. Die Anklagen gegen die übrigen Angeschuldigten lauten ähnlich. Courbet ist besonders der Mitschuld an der Zerstörung der Vendomesäule angeklagt; Lhullier, aufständische Truppen gesammelt und befehligt, Staatsgebäude besetzt und Militärpersonen zum Ueberlaufen auf Seite der Rebellen überredet zu haben. Pascal Grousset wird angeklagt, öffentlich zum Ungehor⸗ sam gegen die Gesetze aufgefordert und die National- versammlung beleidigt zu haben. Verdure und Billioray nebst Ferre werden der willkürlichen Se⸗ questration und absichtlichen Zerstörung von Privat- und öffentlichen Gebäuden angeklagt. Jourde ist angeklagt des Erbrechens der Siegel der Staatskassen und der Verschleuderung von öffentlichen Geldern, Feret und Clement werden beschuldigt, die Wassen gegen Frankreich getragen zu haben.
— Im Quartier Latin hat eine communistische Demonstration stattgefunden. Ungefähr 300 In- dividuen in excentrischen Costumen durchzogen das genannte Stadtviertel und riefen:„Es lebe die Commune!“ Die Polizei schritt ein und ver⸗ haftete einen großen Theil derselben. In Blois fand ebenfalls eine communistische Demonstration statt. Eine Bande von 600 Individuen, von denen eines eine rothe Fahne trug, folgte den Trompetern, welche den Zapfenstreich bliesen, und rief:„Es lebe die Commune!“— Die mili⸗ tärischen Plane, mit welchen Herr Thiers sich herumträgt, sind großartig. Derselbe will nicht allein die Festungo werke von Paris gänzlich um- gestalten, sondern auch für die von Belfort und Besangon 60 Millionen verausgaben, dann Laon befestigen und ein befestigtee Lager aus Soissons
Seine et
machen, welches bekanntlich bis jetzt nu eine e ganz unbedeutende Festung ist. Thiers selbst tritt
während der Ferien der Nationalversammlung
eine Inspectionsreise in allen Festungen und See⸗ häfen an.— Es hat sich jetzt heraus daß
der Retter von Paris. Herr Ducatel, nicht nur am 21. Mai den Truppen der Versailler den großen Dienst geleistet, sie von der Räumung der Position am Point du Jour durch die Föderirten zu benachrichtigen, sondern, daß er dergleichen Auskünfte schon seit dem 8. Mai täglich an die Militärbehörde hat gelangen lassen.
Versailles. Nationalversammlung. Auf eine Anfrage erklärt der Kriegsminister, der Herzog von Chartres, welcher von der Delegation zu Tours provisorisch angestellt und unter dem Namen Robert Lesort decorirt wurde, habe nachgesucht, ohne Sold dienen zu dürfen; bieraufhin habe ihn der Kriegsminister ermächtigt, in Algerien zu dienen, und zwar provisorisch als Escadronschef. Der Justizminister legt einen Gesetzentwurf vor, welcher die Theilnahme an der internationalen Association, sowie an den separatistischen Kund⸗ gebungen, welche in gewissen Gegenden Frankreichs stattgefunden haben, mit Strafen belegt. Die vorgeschlagenen Strafen sind: 1) eine Geldstrafe von 50 bis 1000 Fis., 2) Gefängniß von zwei Monaten an bis zu zwei Jahren, 3) Aberkennung der bürgerlichen Rechte, 4) Aberkennung der Rechte und der Eigenschaft eines Franzosen. Die Dring⸗ lichkeit wurde beschlossen.
Italien. Der italienische Minister des Aeu⸗ ßern, Visconti⸗Venosta, notificirte den Mächten, daß seine Regierung die Pässe und anderen Legitimationen, welche von den päpstlichen Nuntia⸗ turen ausgestellt sind, nicht mehr anerkennt.
Rom. Der Gemeinderath votirte eine Million Franken für ein Denkmal der Einheit Italiens und schreibt dafür eine Conturrenz unter den italienischen Künstlern aus; die Concurrenzfrist ist ein Jahr; die Ausführung soll binnen zwei Jahren auf dem Treviplatz erfolgen.
Frankfurt. Der Regierung soll ein Plan überreicht werden, nach welchem der Centralpersonenbahngof flat vor die Stadt mit Hülfe des Elzbacher'schen Projectes der Straßenerweiterung in die Stadt verlegt werden soll.
— Wie hiesige Blätter melden, soll dieser Tage hier ein Mann an Bleivergiftung gestorben sein. Derselbe hatte eine Reihe von Jahren seine Haare mit einem bleihaltigen Waschwasser gefärbt,
Darmstadt. Die nachstehende Mittheilung der„H. V.“ verdient wohl allgemeine Beachtung. Ein hiesiger Geschäftsmann, welcher früher kerngesund war, wurde in letzter Zeit häufig von Uebelkeiten befallen, die sich so steigerten, daß der ihn behandelnde Arzt eine Badekur an⸗ ordnete. Zur selben Zeit stellten sich auch bei dem Kinde des betr. Geschäftsmannes ganz ähnliche Krankheits⸗ symplome ein, wofür ein Erklärungsgrund kaum vorlag, bis dem Arzt die glänzende Farbe der Tapeten in den Wohnungsräumen, in welchen die Erkrankten gewöhnlich zuzubringen pflegten, auffiel und er deßhalb eine chemische Untersuchung der Tapeten anordnete. Die Analyse ergab denn auch einen sehr starken Arsenikgehalt, worauf natür⸗ 1 8 Entfernung der lebensgefährlichen Tapeten sofort erfolgte.
Oberursel. Dieser Tage kam ein Mann von Weiß⸗ kirchen auf sehr traurige Weise ums Leben. Derselbe war Flurschütz und wollte einem pflügenden Ortseinwohner ge⸗ fällig sein, indem er das durch Fliegen belästigte und un⸗ ruhig gewordene Pferd eine Weile sührte. Bei dieser Gelegenheit gelangte eine der Fliegen durch den Mund in die Luft⸗ oder Speiseröhre des Mannes, wo sie sich fest⸗ setzte und durch einen Stich eine Entzündung und ein Geschwü vwerursachte, in Folge deren der Unglückliche unter den fürchterlichsten Schmerzen nach einigen Tagen starb.
Die Feldtelegraphie.
Der Ordonnanzdienst im Felde ist erleichtert und wesentlich verkürzt. Der Telegraph hat den größten Tbeil dieses Dienstes übernommen. Nie wird wohl unter eivilisirten Nationen ein Krieg ohne Telegraph mehr geführt werden. Zum dritten
Male hat sich derselbe im Felde glänzend bewährt 4
duich seine Schnelle und Pünktlichkeit, mit der er wichtige und geheime, die Operationen oder Ver⸗ pflegung betreffende Depeschen, befördert hat. Wie schleppend war früher der Ordonnanzdienst bei Nacht und Nebel mitten durch Feinde, oft ohne Bescheid des Weges! Und wie oft ist nicht eine Ordonnanz aufgefangen und wichtiger Depeschen beraubt worden. Wie wäre es im letzten, so ausgedehnten Feldzuge möglich gewesen, wichtige
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