wußte, in unabweisbarer Form an die Staats— diener gerichtet werden, daß die Erziehung der Kinder, auch abgesehen von den oben schon berührten erhöhten Ausgaben fur Lebensmittel, Wohnung und Kleidung, viel großere Geldmittel als ehedem erfordert. Hierzu kommt, daß auch diejenigen Ausgaben, welche ein Civilstaatsdiener auf seine Vorbereitung und Ausbidung zum Staatsdienst verwenden muß, in ähnlichem Pro— greß wie die Lebensmittel gestiegen sind, fer— ner daß fast in allen Branchen des Staats— dienstes ein so früher Eintritt in den Dienst, wie vordem, nicht mehr moͤglich ist. Endlich sind aber durch die Gesetzgebung des Jahres 1869 die Gehalte der Offiziere dermaßen erhoͤht worden, daß sie in gar keinem Verhältnisse mehr zu denen der Civildiener stehen, und daß das einfachste Billigkeitsgefühl eine einigermaßen genügende Ausgleichung fordert.— Daß und warum die Gehalte unter 1000 fl. am dringend— sten der Aufbesserung bedürfen, wird wohl keiner besonderen Begründung beduͤrfen.“
— Der Großberzog hat folgenden Tages- befehl an die Diviston gerichtet: Soldaten! Bei der Wiederkehr des Friedens drängt es Mich, Cuch Meinen Dank für Euer rühmliches Verhalten während dieses Feldzuges auszusprechen. Ein langwieriger, blutiger Krieg liegt hinter Euch und mit dem erhebenden Bewußtsein, einen hervor— ragenden Antbeil an demselben genommen zu haben, kehrt Ihr als Sieger in die Heimath zurück. Eure Ausdauer, Tapferkeit und Hingebung in deu Schlachten und Gefechten, sowie Eure altbewährte Mannszucht und Euer Benehmen gegenüber den schuldlosen, durch die Drangsale des Krieges hart betroffenen Landeseinwohnern, haben die allgemeine Anerkennung Eurer Führer und unserer Bundesgeuossen gefunden. Mit Stolz und Freude begrüße Ich Euch— begrüßt Euch das dankbare Heimathland! Denen aber, welche in treuer Pflichterfüllung den Heldentod starben, sei ein geheiligtes Andenken in unseren Herzen bewahrt— das Vaterland wird nie vergessen, was es ihnen schuldet und ihren Hinterbliebenen Hort und Stütze sein. Es gereicht Mir zur höchsten Genugthuung, Euch Allen Mein vollstes Lob zu Theil werden zu lassen. Möchte es Euch vergönnt sein, die Segnungen des Friedens, welchen Ihr miterkämpft, noch lange zu genießen! Das walte Gott!!(gez.) Ludwig.
— Dem Vernehmen nach werden das vierte Infanterie-Regiment und das 2. Jäger-Bataillon, welches als solches aufgelöst und jenem als Füsilier⸗ Bataillon zugetheilt werden wird, bei ihrer Rück— kehr aus dem Felde in Mainz Garnison erhalten.
— Wie uns aus guter Quelle versichert wird, hat die Regierung den Ständen den Entwurf eines neuen Wahlgesetzes zum Landtag vorgelegt.
Mainz. Dem„Fr. J.“ wird von hier ge— meldet: Nachdem das deutsche Hauptquartier in Versailles aufgelöst ist, wird am 8. d. der Reichs- kanzler mit dem diplomatischen Cabinet hier ein- treffen. Es dürfte demselben auch der Kaiser folgen, wenn nicht noch schließlich die Route über Frankfurt genommen wird.
— Vom 9. d. ab wird der Privaiverkehr auf den rheinischen und pfälzischen Eisenbahnen bis auf Weiteres größtentheils eingestellt werden, da mit diesem Tage der Abmarsch der französischen Kriegsgefangenen beginnt, welche an die Nordküste und von da auf dem Seeweg nach Frankreich gebracht werden, während gleichzeitig die ersten deutschen Truppen mit den Bahnzügen auf ihrem Rückmarsch am Rheine eintreffen. Auch wird ein großer Theil derselben auf den Heerstraßen durch Rheinhessen kommen, und unsere Bevölkerung schickt sich, trotz der noch einigen Orten obliegenden Last der Einquartierung, freudig an, auf's Neue für die Aufnahme Derer zu sorgen, welche die schöne Provinz vor den Schrecken des Krieger bewahrt haben, und den heimkehrenden Kriegern den ver— dienten Empfang zu bereiten.
Berlin. Der„Staatsanzeiger“ enthält eine kaiserliche Verordnung, durch welche alle noch be— stehenden Ausfuhr- und Durchfuhrverbote mit dem 4. März außer Kraft treten.
— Der„Weser-Ztg.“ wird telegraphirt: Die Rückkunft des Kaisers und Bismarcks nach Berlin wird zwischen dem 12. und 15. März erwartet.
— In der nächsten Woche wird die Ent- lassung der Landwehr beginnen, auch gleichzeitig der Rücktransport derjenigen Landwehr-Regimenter, welche bereits auf dem Kriegsschauplatz disponibel sind. Zunächst werden die ältesten Jahrgänge der Landwehrmannschaften, namentlich soweit sie zu den Garnisonbataillonen eingezogen sind, ent- lassen, wie überhaupt diese Bataillone, sobald ste irgend disponibel werden, aufgelöst werden. So- dann wird die Entlassung der älteren in den Landwehr-Regimentern eingereihten Mannschaften
erfolgen. Die Auflösung dieser Regimentsverbände
jedoch erst nach mehreren Wochen geschehen.
Münster. Ein Protest, den kriegsgefangene flanzösische Offiziere in Münster, die offenbar zu den Bonapartisten gehbren, gegen Gambetta's Kriegführung veröffentlichen lassen, sagt u. A.: „Im Namen des Rechts protestiren wir kriegs— gefangene Offiziere in Deutschland, wir, die Opfer einer militärischen Organisation, deren Schwäche zicht unser Werk gewesen ist, gegen alle Ernen— nungen, die von einem wahnsinnigen Advokaten mit Nichtachtung aller Gesetze und Rechte ge— macht worden sind.— Diese Ernennungen hatten ihren Ursprung in einem leichtverständlichen Partei— Interesse, sie wurden nicht von der Nothwendig— keit geboten.— Die Genossenschaft eines Detropat, eines Lissagaray, eines Bordone und so vieler Anderer jeden Grades wüede für uns nicht nur beleidigend sein, sie würde sogar in unsere Armee einen Keim des Verfalls und der Auflösung hineinpflanzen. Diese traurigen Elemente, welche, Dank dem Unglück der Zeit, allein durch das Gesetz des schimpflichsten Despotismus auskommen konnten, müssen wieder mit ihm verschwinden. Also nach Hause mit der Familie Garibaldi! Ostfrankreich hat genug an den Plünderungen dieser Leute, ihre Verdienste keant es nicht. Die Advokaten mögen wieder in ihre Studirstube, die Apotheker in ihre Apotheke gehen. Wenn wir nach Frankreich zurückkommen, werden wir nicht weniger heftig gegen die diejenigen protestiren, welche, nicht zufrieden damit, die Solidarität ver- kannt zu haben, welche sie mit ihren gefangenen Soldaten vereinigte, trotz des freiwillig gegebenen Ehrenwortes es gewagt haben, wieder in Frank— reich oder Afrika Dienste zu nehmen. Weg mit aller zweideutigen Falschheit!“
Frankfurt. Die amtlich festgestellten Resul- tate der Reichstagswahlen im hiesigen Bezirk sind folgende: Die Zahl der gültigen Stimmen 7083, die absolute Stimmenmajorität beträgt daher 3542. Es haben erhalten: Hr. L. Sonnemann 3060, Herr v. Rothschild 2540, Herr Bürgers 621, Herr Jacob Schmidt 447, Herr Thissen 228, Herr Dr. Kugler 185, zersplittert 2, Summa 7083 Stimmen Da mithin die absolute Majo rität nicht erreicht ist, findet engere Wahl zwischen den Herren Sonnemann und Rotthschild statt.
Oesterreich. Der Statthalter in Graz hat ein Verbot gegen das öffentliche Abhalten deutscher Siegesfeste in Steiermark erlassen.
Frankreich. Paris, 4. März, Abends. Die Aufregung in Belleville, Villette und Mont— martre beginnt zu schwinden. Bis jetzt ist es zu eigentlichen Ruhestörungen nicht gekommen.
— Die„Presse“ versichert, die Regierung habe Maßzfegeln ergriffen, die erste Abzahlung auf die Kriegskosten im Betrag von 500 Millionen zu leisten. Sämmtliche Linientruppen werden Paris verlassen und durch 40,000 Mann, welche aus den verschiedenen in den Provinzen stehenden Corps gebildet werden, ersetzt werden. Nachrichten aus Versailles besagen, daß sich die 2. deutsche Armee in Marsch nach Deutschland setzen wird. Das Hauptquartier des Kaisers wird Dienstag den 7. März Versailles verlassen.
— Das„Journal officiel“ veröffentlicht die Ernennung des Generals Aurelles de Paladines zum Commandanten der Nationalgarde der Seine
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und die Roger's du Nord zum Generalstabschef desselben.— General Paladines ist bereits hier eingetroffen und hat sofort den Oberbefehl über die Nationalgarde des Selne-Departements über- nommen.
— Das„Journal des Döbats“ schildert ver⸗ schiedene Manifestationen, welche auf dem Bastillen⸗ platz stattgefunden haben. Mehrere Redner sprachen sich dahin aus, daß man auch der gegenwärtigen Regierung mißtrauen müsse.
— Das„Sidcle“ meldet die Ankunft der ersten Detachement der früberen Loire-Armee in Paris. Dieselben bilden einen Theil der zur Ver⸗ stärkung der Pariser Garnison bestimmten Divi⸗ stonen.
— Die„Daily News“ berichten, daß Favre und Simon ihre Demission erbeten haͤtten. Thiers habe darauf bestanden, daß sie bis nach Verlauf der jetzigen Krisis auf ihrem Posten bleiben sollen.
Bordeaux, 4. März. Ein in der National- versammlung gestellter Antrag besagt, die Ver sammlung möge der Schweiz, England und Amerika den Dank für deren Verhalten aussprechen. Ein Abgeordneter verlangt die Absetzung aller von der Regierungs- Delegation in Bordeaux ernannten Präfekten. Picard beunsprucht hiergegen Aetions⸗ sreiheit für die Regierung. Dieselbe werde die Stellen nur nach persönlichem Verdienst besetzen. Ein anderer Antrag beabsichtigt, die Mitglieder der Regierungs Delegation von Bordeaux in Anklagezustand zu versetzen.
— Die Minister und die Nationalversamm-
lung beabsichtigen, sich in einigen Tagen nach Versailles zu begeben, um den Regierungesitz in eine Stadt zu verlegen, wo die Executivgewalt vom Drucke der Emeute unbelästigt ist.
— Die Botschaft des Präsidenten Grant, worin derselbe die Aehnlichkeit der staatlichen Formen Deutschlands und der Nordamerikanischen Union behauptet, ist einem Theile der französischen Presse verdrießlich, und selbst die gemäßigsten Blätter, wie die„Debats“ und der„Temps“, können nicht umhin, ihrem Unwillen und, wie sie sagen, ihrem Erstauren, über die Haltung des Generals Grant, Luft zu machen.„Kein Wort der Sympathie für Frankreich, gerade im Gegen theil, ein pomphaftes Lob Deutschlande ꝛc.“
— Die Bureaux der Nationalversammlung haben 15 Commissare gewählt, welche ihr Gut⸗ achten über den Antrag auf Anklage der früheren Minister der nationalen Vertheidigung abgeben sollen. Bei der Discussion der Bureaux über die Verlegung des Sitzes der National-Versammlung waren die Meinungen verschieden. Genannt wurden Paris, Bordeaux, Blois, Fontainebleau, Orleans, Tours, Versailles und St. Germain en Lape. Am meisten in Betracht kommen Bordeaux, Ver⸗ sailles und Paris. Die Mehrheit wird ßich wahr- scheinlich für Paris aussprechen. Andernfalls dürf' ten die Pariser Deputirten ihr Mandat nieder- legen. Thiers dürfte gleichfalls die Verlegung nach Paris befürworten.
Belgien. Brüssel. Der„Etoile belge“ wird aus Paris gemeldet, daß die Eröffnung der definitiven Friedens verhandlungen zwischen dem 10. und 15. März stattfinden wird. Jules Favre soll Frankreich bei den Verhandlungen allein vertreten,
Großbritannien. London, 6. März. Wie verlautet, wird Napoleon bald in Chislehurst eintreffen. Eine Depesche der„Times“ aus Ver— sailles vom 5. März meldet, daß die deutschen Truppen bereits begonnen haben, das vertrags- mäßig zu räumende Gebiet zu verlassen. Der deutsche Kaiser soll sich im Laufe dieser Woche nach Ferridres begeben und auf der Fahrt dorthin die sächsischen, baperischen und würtembergischen Truppen besichtigen. Man glaubt, die Räumung des Mont Valérien werde bis zum 10. März, die des linken Seineufers bis zum 19. März vollendet sein.
— Die„Times“ publicirt einen Brief Victor Emanuel's an Kaiser Wilhelm, in welchem der Erstere seiner Ueberraschung und Enttäuschung über die Frankreich abgezwungenen harten Be dingungen Ausdruck gibt.


