Ausgabe 
9.2.1871
 
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scherseits vollzogenen Grenzregulirung, wobei auch Theile von Deutschlothringen, sowie Metz und Belfort inbegriffen find; eine Kriegsentschädigung von 2 Milliarden Thalern Graf Bismarck er- klärt in einer Circularnote an die Mächte, daß die Friedensabmachungen mit Frankreich den Kreis derjenigen territorialen Objekte nicht überschreiten werden, über die Frankreich, respektive Dentsch⸗ land nicht unbedingt und ausschließlich zu dis- poniren berechtigt seien. Im Falle der Fort⸗ setzung des Krieges ist auch den Städten Lyon und Bordeaux eine Contribution von je 200 Millionen Francs zugedacht. St. Cloud ist ein Trümmerbaufen, nur die Kirche ist übrig, die Fabriken sind nur mehr nackte Mauern. Aus Paris wird gemeldet, daß der Wunsch Jules Simon's, es mögen auch Picard und Ferry nach Bordeaux gesendet werden, von Jules Favre ab- gelehnt wurde, weil dann die Regierung in Paris von Bordeaux aus majorisirt würde.

Die englische Regierung hat dem deutschen Kaiser und Jules Favre zur Verproviantirung von Paris Mundvorräthe zur Verfügung gestellt, deren sofortige Lieferung erfolgt, falls sie beider seits gewünscht wird. a

Man nimmt an, daß Bestimmungen über die Cession der Eisenbahnen in Elsaß und Deutsch · Lothringen an Deutschland in das Friedensin- strument aufgenommen werden. Die Reise des Handelsministers nach Versailles will man auch hiermit in Verbindung bringen.

Altbreisach, 3. Febr. Seit heute früh anhaltendes Feuer aus schweren Geschützen von Belfort her hörbar. Es scheinen die in die Werder'sche Stellung verbracht gewesenen Geschütze wieder in Batterie zu stehen; die Belagerungs⸗ truppen sind rückenfrei, und nach Allem, was hier gehört wird, wird die Uebergabe der Feste als⸗ bald erfolgen.

Die Meldung derWeser Zeitung, daß bei Belfort ein Sturm versuch mißglückt sei, war leider richtig. Heute liegt in derBadischen Landes zeitung ein Bericht vom 27. Jan. darüber vor, der die schon bekannte Eröffnung der ersten Parallele am 22. Jan. gegen die Perches erwähnt und dann fortfährt:Da tagtägliche Ausspähungen sowohl durch Ingenieure, als durch Patrouillen feststellten, daß die beiden Perches schlecht besetzt seien, sollten dieselben vom 26. zum 27. durch Ueberrumpelung genommen werden. Leider schlug dieses Wagestück fehl. Unsere Absichten waren, trotz der Wachsamkeit unserer Vorposten und des Gebeimnisses, mit dem alle unsere Operationen vollzogen werden, dem Feinde verrathen worden. Die 45 er batten schon die zwischen den beiden Werken gelegenen Blockhäuser genommen, als sie so starkes Kreuzfeuer erhielten, daß es reine Un möglichkeit war sich zu halten. Nicht besser er⸗ ging es den 67 ern, die von Perouse her Hautes- Perches in der Kehle angreifen sollten. Der größte Theil der gesammten Besatzung stellte sich ihnen entgegen. Mit sehr bedeutenden Verlusten mußten wir uns zurückziehen.

Bei Dijon kämpfte, wie jetzt festgestellt ist, eine einzige Brigade des 2. Armeetorps(6000 Mann) gegen Garibaldi's 50,000; eine vielleicht noch glaͤnzendere Waffenthat als Werder's Defen⸗ sive in der festen Stellung bei Heritourt. Gari baldi befindet sich, nach Berichten von Reisenden, die derBund mitthtilt, mit 10,000 Mann in Lyon. Ueber Bourbaki, der nach den Einen ebenfalls nach Lyon, nach den Andenen nach Genf gebracht worden wäre, sind widersprechende Nachrichten verbreitet: sein Tod wird sogar offi⸗ ciell in Versailles gemeldet, nach Anderen ist er wieder in der Besserung.

Ueber die Räumung von Dijon schreibt derCourier de l' Ain:Nachdem der Commandeur der preußischen Streitkräfte, welche in der Umgegend von Dijon standen(General Haun v. Weyhern), den General Garibaldi be nachrichtigt hatte, daß der Waffenstillstand für das Departement Cote d'Or nicht gelte, ging derselbe gegen die Statt vor und forderte sie zur Uebergabe auf, indem er sie mit einem Bom- bardement bedrohte, wenn sie nicht sofort geräumt

würde. In Folge dessen fand die Räumung statt. Nachdem die Vorposten einige Schüsse gewechselt batten, wurde die Stadt am Abend des 31. Jan. besetzt. Einzelne Abtheilungen von Mobilgarden sind bereits in Chalon s. Saone eingetroffen.

Aus Baden. Vor einigen Tagen holte der badische Lazarethzug eine Anzahl der früher in Dijon zurückgebliebenen Verwundeten von Basel ab. Dieselben waren in Dijon am 31. Januar fortgeschafft worden und hatten die Reise über Lyon und Genf zu machen. In Lyon waren die zum Theil Schwerverwundeten den Insulten eines aufgeregten Pöbels ausgesetzt, der so weit gegangen sei, den Verwundeten, welche Krücken nöthig hatten, dieselben wegzunehmen. Mehrere Stunden lang blieben sie auf dem Pflaster liegen. Zwei Aerzte, welche damit zurückkamen, entwerfen eine trübe Schilderung von ihrer Behandlung in Dijon. Sie konnten nur in militärischer Begleitung aus- geden, und die Stimmung war so, daß sie schließ⸗ lich auf jeglichen Ausgang verzichteten und sich in ihrem kleinen elenden Zimmerchen hielten. Den Wärterinnen wurden in Lyon noch ihre Effekten gestohlen!

Die Großh. Hessische Pionier-Compagnie war bei dem letzten Zuge gegen Le Mans der 18. Division zugetheit und am 5. Januar bis Chamelle, westlich von Le Mans, nach höchst be⸗ schwerlichen Märschen gekommen. Nach der Rieden lage der frauzösischen Armee unter Chanzy ging die Compagnie über Conlie, Le Mans, Saint Calais wieder nach Ocleans, wo sie am 28. Jan. wieder anlangte.

Bern, 4. Febr. Bis jetzt sind 66,000 Franzosen übergetreten: 50,000 bei Verrieres, 16,000 bei Vallorbes und St. Croix. Gestern und vorgestern setzten die Deutschen den Kampf fort. In Neuenburg lagen mehr als 2000 Verwundete.

DasGenfer Journal enthält eine län; gere Schilderung des Rückzugs der Bourbaki'schen Armer, woraus wir Folgendes mittheilen: Die Leiden, denen diese französischen Soldaten in Folge eines ungewöhnlichen Winters und einer fehler. haften Einrichtung der Intendanz unterworfen waren, übersteigen allen Begriff. Unter den Kranken und Verwundeten, welche in diesen Tagen durch Genf gekommen sind, hatten Verschiedene erfrorene Füße, und Alle beklagten sich, daß sie seit drei Tagen nichts zu essen hatten und auf dem Schnee schlafen mußten, wobei sie kaum etwas hatten, um sich zuzudecken. Der Rückzug nach Süden ging unter schauderhasten Umständen vor sich. Der Feind, ein unermüdlicher Feind, beun⸗ ruhigte die Franzosen von allen Seiten und ließ ihnen keinen Tag, keine Stunde Zeit, um von ihren Strapazen auszuruhen und ihre desergani⸗ sirten Reihen wiederherzustellen. Die Spitzen seiner Colonnen kamen von allen Seiten zum Vorschein, im Rücken, in den Flanken, vorn, um die Rückzugslinie abzuschneiden und die Verbin- dungen zu unterbrechen. Alle Ausgänge waren auf Einen Schlag geschlossen; man marschirte, man schlief oder vielmehr man wachte umgeben von Gefahren: jeden Augenblick gab es eine Allarmirung; man mußte kämpfen Schritt für Schritt um ein Dorf, um ein Haus; dann, statt zu bleiben und Athem zu schöpfen, marschiren, unaufhörlich marschiren mit Hinterlassung einer langen Reihe von Todten, Kranken und Verwun⸗ deten. Und alles das ohne Lebensmittel, beinahe ohne Munition. Man kam so in weniger als zwölf Tagen von Clerval, Blamont, Pont de Roide und St. Hypolit bis Morteau und Pon: tarlier, blos einige Stunden von der Schweizer Grenze, auf schlechten, schneebedeckten Wegen, selten unter acht Grad Kälte. Bei Pontarlier, wie zu Maiche, St. Hypolit, Blamont, Pont de Roide war der Feind da, immer gegenwärtig und die Wege nach Nord, Süd und West mit seiner un- ermüdlichen Cavalerie abschneidend. Hinter der selben drangen starke Infanteriemassen in Gewalt- märschen von allen Punkten der Windrose vor, begleitet von dieser sormidablen Feldartillerie, deren

geschickt gezielte Schüsse für sich hinreichen, um Unord⸗

nung in eine Armee auf dem Rückzug zu werfen....

Hessen. Darmstadt. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog baben mittelst Allerhöchster Ent⸗ schließung vom 4. d. M. geruht: im 1. Reiter⸗ Regiment den Corporal Otto Fischer aus Birkenfeld zum Lieutenant der Reserve; im 2. Reiter Regiment den Oberlieutenant Otto zum Rittmeister, sowie den Oberlieutenant Lang s- dorf und den Lieutenant Seederer zu etats⸗ mäßigen Oberlieutenants; in der Feldartillerie die Lieutenante v. Dar ans und Simon, zu etatsmäßigen Artillerie- Offizieren und den Corporal Karl Wilhelm Böhler aus Seckmauern zum Portepeefähnrich, im 2. Infanterie-Regiwent den Oberlieutenant Winter zum Hauptmann, den Lieutenant Cullmann zum Oberlieutenant und den Portepetfähnrich Richard Eckstein aus Gießen zum Lieutenant zu ernennen.

Bei dem am 14. v. M. erfolgten Ab- zug des nach Briare vorgeschobenen Detachements Gr. Truppen vermochten die verwundeten und kranken Soldaten, welche in der Lazareth-Ambu-

lance und dem Schwestern-Asyl daselbst sich be⸗

fanden, nicht zurückverbracht zu werden. Der diesem Lazareth zugetheilt gewesene Assistenzarzt Dr. Köhler vom Gr. Sanitäts- Detachement wurde von dem französischen Divisionsgeneral du Temple aufgefordert, seinen ärztlichen Dienst bei den Hess. Soldaten fortzuversehen, welchem An⸗ sinnen derselbe Folge leistete. Nach einem hier- her gelangten Briefe desselben vom 21. v. M. befinden sich die verwundeten und kranken Soldaten in bester Verpflegung, insbesondere in Folge der opferwilligen Fürsorge des Herrn Fabrikanten Felix Bapterosse, sowie der barmherzigen Schwestern und des Maire von Briare.

Ueber einzelne Soldaten wird zugleich Folgen⸗ des von Dr. Köhler mitgetheilt:

1) In der Ambulance zu Briare befanden sich am 14. v. M.: 2. Reiter⸗ Regiment. Gholgr. Joseph Heuster v. d. 3. Schw. Schuß i. d. r. Seite 2. Infanterie-⸗Regiment.

Musk. Ludwig Todt v. d. 5. Comp. Schuß d. d. rechten Oberschenkel.

Musk. Bernhard. Hagg v. d. 5. Comp., Schußfraktur d. J. B. unter d. Knie, amputirt am 9. Januar.

Gefr. Friedrich Rühling(Büyling) von d. 4. Compagnie, Schußfraktur d. r. Oberschenkels amputirt am 9. Jan. und gest. am 17. Jan.

Musk. Georg Johannes Nies von der 4. Comp., Schuß i. d. l. Lunge, gest. am 16. Januar.

Musk. Wilh. Suppes von der 4. Comp., verwundet an d. l. Seite. l

Musk. Wilh. Wolf von der Leib⸗Comp., Brustkatarrh.

Musk. Philipp Muth v. d. 2. Comp., Drüsenentzündung.

Musk. Karl Leuk v. d. 3. Comp., starke Contusion durch einen Fall.

Musk. Theodor Faatz v. d. 3. Comp., Fleischwunde d. d. r. Oberschenkel, l. verw.

Corporal Carl(7) Spieß v. d. 8. Comp., Fleischwunde d. d. zwei Oberschenkel, l. verw.

Musk. Weber v. d. 6. Comp., Schuß d. d. Kopf, gest. am 16. Januar.

2) In dem Asile des Socurs zu Briare waren als an Blattern erkrankt aufgenommen und verblieben fol⸗ gende Angehörige des 2. Infanterie⸗Regiments:

Peter Petzer v. d. Leib⸗Comp., Georg Dietrich Ertling, Heinrich Tenges, Philipp Krebs, August Schaarmann, Caspar Jost, Johannes Kais(7), sämmtlich v. d. 2. Comp.; Joh. Göckel(Jöckel), Johs. Metz, beide v. d. 6. Comp.;

Orch. Wagner, Johs May und Corporal Ph. Rühl v.

d. 8. Comp.; sodann Conrad Gerlach v. d. 5. Comp. und Hrch. Elsenbein von der 2. Comp.; Die beiden Letzgenannten sind am 18. und 20. Jan. gest. und gleich den in der Ambulance gestorbenen Militärpersonen(Rühling, Nies u. Weber) in anständiger pafsender Weise beerdigt worden. Die übrigen Kranken sind größtentheils außer Gefahr.

Hieran anschließend berichtet Dr. Köhler weiter, daß bei dem Gefecht am 14. Jan. bei Briare nachfolgende Militärpersonen in franz. Gefangenschast gerathen und sodann in das Innere Frankreichs verbracht worden sind: Trompeter Saam und Grünewald, sowie die Cholgrs. Paser, Steuernagel und Häuser von der Leibschw. des 2. Neiter⸗Rgis., sodann Corp. Krantz, sewie die Musk. Hrch. Jourdan und Hrch. Wahl von der 6. Comp. ades 2. Infanterie⸗Regiments.

DieDarmst. Zeitung bringt folgende

Verlustliste: 2. Jäger⸗Bataillon. (Gefecht bei Vienne am 28. Januar 1871.) 2. Compagnie.

Jager Joh. Hrch. Heß, Grofß⸗Gerau, schw. v., Sch. d. d. r. Bein, Laz. Vienne. Jäger Jac. Wagner, Offenbach, (. verw., Sch. a d. r. Hand, Laz. Vienne. Jäger Bernh. Lang, Kostheim l. v., Sch. a. l. Ohr, Laz. Vienne. Ferner

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