— Das„Journal officiel“ zeigt die Ernen⸗ nung von Gontaut-Biron zum französischen Ge⸗ sandten in Berlin an. Ein Versailler Correspon⸗ dent des„Journal des Debats“ sagt: die Majorität der National ⸗Versammlung schien mit dem Wunsche zurückgekehrt zu sein, die Regierung Thiers' in conserdativ⸗liberalem Sinne zu unter⸗ stützen; sie werde aber allen revolutionären Be strebungen mit Festigkeit entgegentreten und das Land darüber nicht im Zweifel lassen.
Großbritannien. London. Der große Rath der Internationale hat in seiner letzten Sitzung eine Dankadresse an Herrn Bebel für sein Auf- treten im deutschen Reichstage als Vertreter der Internationale beschlossen.
Rußland. Der Kaiser bat dem Unter- richtsminister auf dessen Antrag die Universität Dorpat zu„reformiren“, d. h. zu„russificiren“, den Bescheid gegeben:„Meine Ueberzeugung von dem großen Verdienst der deutschen Universität Dorpat um die Bildung in meinem Reiche wird man vergebens zu erschüttern suchen.“
In Odessa sind ungeheure Unterschlagungen bei der Post entdeckt und viele Beamte verhaftet worden. Die Post mußte für Geldbriefe auf 24 Stunden geschlossen werden.
Amerika. Die„Newyorker Handelsztg.“ schreibt:„Allgemeine Entrüstung hat das Be- nehmen einiger Deutschen Chicagos hervorgerufen, welche das dortige Hülfscomite aufforderten, die Gaben des deutschen Kaisers und seiner Familie, 3000 Thaler, als zu klein zurückzusenden, eine Anforderung, die ihrer Gemeinheit wegen selbst— verständlich abgelehnt wurde. Zur Ehre der Deutschen Chicagos sei erwähnt, daß die Anzahl Derer, die sich bei diesem gemeinen Act bethei⸗ ligten, so klein ist, daß die„Illinois Staats- zeitung“ sich viel Mühe geben mußte, der in Chicago selbst erst von auswärts bekannt gewor⸗ denen Geschichte auf den Grund zu kommen.“
Washington. Die Botschaft des Präsi⸗ denten an den Congreß gedenkt bei Besprechung der auswärtigen Politik der friedlichen Lösung der langjährigen Streilfrage mit England und dankt dem Kaiser von Brasilien, dem Könige von Italien und dem Präsidenten der Eidgenossenschaft für ihre Theilnahme am Schiedsgericht. Der Besuch des Großfürsten Alexis sei ein Beweis für die cordialen Beziehungen mit Rußland, wenn auch die Haltung des russischen Gesandten die Forderung auf Abberufung nothwendig mache. Die Botschaft fordert schleunige Erledigung der Fischereifrage, hofft eine friedliche Regelung des Conflictes zwischen Spanien und Cuba, und betont, daß die Regierung entschlossen sei, der barbarischen Behandlung von Schiffbrüchigen in Japan und China ein Ende zu machen. Die Botschaft erwähnt ferner der freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland, sagt, daß der den Deutschen während des Krieges durch den Ver- treter Amerikas zu Theil gewordene Schutz Deutsch⸗ land befriedigt habe, ohne die Empfindlichkeit Frankreichs zu verletzen, und erwähnt der Seitens der Union erfolgten Anerkennung der Verlegung der Hauptstadt Italiens nach Rom, sowie des Abschlusses eines Vertrages mit Italien betreffs des Schutzes des Eigenthums zur See im Kriegsfalle.
Aus Oberhessen. Der Personen⸗ und Süterver⸗ kehr der Oberhessischen Bahnen hat während bes letzten Monais sowohl auf der Linie Gießen⸗Gelnhausen als auch auf der Linie Gießen⸗Tulda beträchtlich zugenommen; namentlich ist der Localverkehr auf der letzteren im be⸗ ständigen Zunebmen begriffen. Zu Anfang des nächsten Jahres soll eine directe Beförderung von Personen und Reisegepäck zwischen Stationen dieser Bahnen einerseits und der Bebra⸗Hanauer und Frankfurt⸗Hanauer Bahn andererseits stattfinden.
Fraukfurt. Unter Vorsitz des Hrn. Grafen Otto zu Solms⸗Laubach fand am 4. d. die constituirende Genergtpersammlung der„Landwirthschaftlichen Credit⸗ bank“ statl. Nach den durchberathenen und angenommenen Staluten hat die Bank ihren Sitz in Frankfurt a. M. Dieselbe hat zum Gegenstand ihres Unternehmens vor⸗ zuggweise den Landwirlhen die Gelegenheit zu verschaffen, durch merkanulische Betreibung ihrer Geldgeschäfte die Vortheile und Verkehrserleichterungen des Kaufwanns zu genießen, sowie ihnen die zu ihrem Wirthschafts⸗ und Geschafisbetriebe nöthigen Credite und Geldmittel zu ge⸗
währen und zu beschaffen. Die Bank kann Filialen und Agenten fruit sowie mit Privaten, Gunten, Wa. einen, Gesellschaften, Gemeinden, Genossenschaften, Spar⸗ kassen in Geschäftsverbindung treten. In den Aufsichtsrath wurden gewählt die Herren: Otto Graf zu Solms-Laubach, Borgnis⸗Beihmann; J. H. Angelheim auf dem Neuhof, J. Bach in Mittelgründau, Director L. W. Baist in Griesheim, P. Behrens in Frankfurt a. M., A. Berg⸗ sträßer auf dem Hof Haina, Dr. jur. Bender in Frank⸗ furt g. M., L. Diefenbach auf dem Mönchhof, Justizrath Dr. Geyger in Assenheim, Gutsbesitzer W. Günther in Bayern, Dr. Haag Ruttenberg von der Grüneburg, Pfarrer Groh in Kirch⸗ Brombach, Dr. jur. Ferd. Hahn in Frankfurt a. M., P. J. Hammerschlag in Limburg a. L., Rentier F. Horn in Babenhausen, Generalsekretär v. Langs⸗ dorff in Darmstadt, R. Schum in Herrnharz, S. A. Scheidel in Frankfurt a. M., W. Sturmfels in Ulfa, F. Wirth in Frankfurt a. M., H. Stoll in Niederwöllstadt, L. Löb aus Landau, O. Marcius vom Hof Mechtilshausen, A. Dettweiler in Winlersheim, Baron Dael v. Köth zu Sorgenloch, K. Keibel von Oberingelheim, Renlamtmann Lindeck, Kreisassessor Haas in Friedberg, Kuhlmann in Rödelheim, Heil in Dorheim, Heller vom Kinzigheimer Hof, Pfarrer Becker in Bingerbrück, Bender aus Rocken— berg und Fresentus von Assenheim.
Frankfurt. Am Montag 4. Dec. übergaben die Veteranen der Frankfurter Freiwilligen aus den Jahren 1813 und 1815, die Herren G. F. Rabenau, C. Lauer und J. C. Petry, die Fahne, zu der sie geschworen und unter welcher sie im Felde gestanden, dem Herrn Ober— bürgermeister Mumm auf so lange Zeit zur Aufbewahrung, bis das in Aussicht stehende Alterthums Museum vollendet sein und dieselbe dann aufnehmen wird.
Mainz. Nach hier eingetroffenen Privatnachrichten von sonst zuverlässiger Seite soll im Essener Kohlenrevier am 4. d. kurz nach der Anfahrt der gesammten Mann— schaft der Haupischacht einer Zeche eingestürzt sein und wären gegen 400 Mann rettungslos verschürtet. Von anderer Seite wird die Katastrophe als in Verbin⸗ dung stehend mit dem bekannten Umstande gemeldet, daß die Stadt Essen selbst seit geraumer Zeit von dem Stollen— bau der Koblenwerke unterfahren ist. Die Nachceicht wird, trotz der Glaubwüröoigkrit der Quelle, vorerst mit allem Vorbehalt gegeben..
Auch in Kassel sind neuerdings Leute in Folge Ge nusses von Schinken an der Trichinose erkrankt. Gegen den Verkäufer des Schinkens soll Uniersuchung eingeleitet sein.
In Köln hat das Friedensgericht in der Sache des (altkatholischen) Appellationsgerichtsraths Rottels erkannt, daß derselbe zur Fortzahlung der Kirchensteuer in der (cömisch⸗katholischen) Pfarrei St. Gernon nicht verpflich- tet sei. Bei der Verschiedenheit der richterlichen Urtheile über diese Frage läßt sich erwarten, daß sie erst in der obersten Instanz zum gerichtlichen Aus trage kommen wird.
Berlin. Entsprechend den Vorgängen von 1864 und 1866 sollen die Stangen der Fahnen und Standarten der Armeen, welche im letzten Kriege zerschossen oder sonst beschädigt worden sind, zu ihrer Reparatur nach Berlin übergeführt werden. Es geschieht diese Reparatur durch silberne Ringe, auf welchem sich die Schlacht, in welcher das betreffende Feldzeichen die erlittene Beschädigung da⸗ vongetragen hat, verzeichnet befindet.— Von dem deuischen Kriegsschiffe„Gazelle“ wird der„Flensb. Nordd. Ztg.“ aus der Caraibischen See unterm 27. Oct. geschrieben: -Ein französischer Matrose, Straßburger von Geburt, Namens Franz Krüger, der sich nach Verlust seines Schiffes eine Zeitlang auf der Insel(Barbados) umhergetrieben hat, stellte sich gestern unter den Schutz der deutschen Flagge, vielleicht der erste Elsässer, der dies gethan. Wir haben den Mann bis auf Weiteres an Vord ge⸗ nommen, wo er als Schiffskoch seinen Unterhalt verdient.
Es ist ein fröhlicher, munterer Mensch, den unsere Matrosen
schon recht lieb gewonnen haben.
Prämien ⸗Loose der Stadt Mailand
3008 sind wohl unter allen Loosgattungen diejenigen, welche einerseils durch die ihnen innewohnende Solidität, als auch anderseits durch die, durch dieselben gebotenen großen Gewinn ⸗Chancen, stets mehr und mehr sich der Beliebtheit des Publikums zu erfreuen haben. Vorzugs⸗ weise aber glauben wir gerade im jetzigen Moment um so mehr auf dieses billige Loos aufmerksam machen zu sollen, als es sich mehr wie irgend ein anderes zu passen⸗ den Festgeschenken eignet. Neben einem von Jahr zu Jahr steigenden Capitalwerthe, welcher in dem fortwährend im Aufblühen begriffenen finanziellen Wohlstande der alten Reichsstadt Mailand die größtmöglichste Sicherung finbet, bieten diefe Loose in Folge des jüngst im Reichs⸗ tage angenommenen neuen Prämienloose⸗ Stempelgesetzes auch noch eine sichere Aussicht auf eine weitere Cours⸗ steigerung, welche um so gewisser eintreten muß, als bei gleich großem Absatzgebiete das zur Verfügung stehende flottante Material naturgemäß immer kleiner und die Nachfrage daher immer größer werden muß. Fügen wir noch bei, daß trotz des kleinen nominellen Werthes dieser Loose von Francs 10.— in den jährlich slatthabenden 4 Ziehungen dennoch Gewinne bis zu Frs. 100,000 dar⸗ geboten werden, so glauben wir gewiß Jedermann, die Anlage in biesen im Jahre 1866 ausgegebenen, in 55 Jahren rückzahlbaren und in je 4 jährlichen Ziehungen mit mehr als 6 Millionen Franken prämlirten Anlehens⸗ Loose empfehlen zu bürfen.
Die nächste Ziehung findet am 16. Dezember falt und ist die Nachfrage diesmal noch weit stärker, als sie gewöhnlich zu sein pflegte.
3014— Während die älteren Börsen 175 n beinahe ausschließlich die Interessen der Barn rs 1255 ihrer Agenten und Vermittler wahrnebmen, heißt es von der in Berlin erscheinenden„Neuen Börsenzeitung“ sie wolle sich vor Allem auf das der Börse nicht ange⸗ hörende Publikum stützen. Wenn das neue Blatt seine Aufgabe richtig erfaßt und reblich durchführt, so läßt sich ihm ein guter Erfolg und eine in der That gemeinnützige Wirksamkeit in Aussicht stellen.
Frankfurt a. M., 5. Dezember 18 71. 2 Börsenbericht.
Die heutige Börse litt unter der Nachricht von Berlin, daß im ganzen Umkreis des noch decupirten Terrains in Frankreich der Belagerungszustand erklärt wurde. Die sich immer mehr häufenden Verbrechen gegen die noch dort stationirten deutschen Truppen geboten diese Maßregel als einen Act der Sorgfalt für unsere Truppen, die noch ge⸗ zwungen sind, auf französischem Boden zu weilen. Die Börse natürlich läßt sich wenig von patriotischen Gedanken leiten, sie ist außerordentlich sensible und im ersten Augen⸗ blick sogar ängstlich, wenn irgend etwas eintritt, was nicht in ihre politische Combination bereits hineingezogen. Es fanden in Folge dessen umfangreiche Realisationen statt
und erlitten alle Speculationseffecten eine ziemliche Ein⸗ buße. Am festesten verkehrten noch: franz. Staatsbahn, da die bekannt gewordene Wochen-Einnahme mit einem Plus von F. 8000— gegen die vorjährige allgemein be⸗ sriebigte. Die gestern so beliebte Silberrente behaupfete zwar ihren Cours, das Geschäft darin war jedoch lange nicht so beträchtlich, als am vergangenen Tage. Verlooste Amerikaner wurden mit 96 umgesetzt; der Cours für amerikanische Coupons stellte sich auch etwas niedriger. Deutsche Staats⸗Obligationen gesucht. Wir wollen nicht verfehlen, unsere Leser auf den noch billigen Cours der 40% Luxemburger Staats-Obligationen aufmerksam zu machen. Dieselben notiren ca. 4½% billiger als 4% Württemberger und Badenser und empfeblen sich sehr als Tauschobject gegen diese. Am 11. und 12. d. M. werden an verschiedenen deutschen Plätzen 20,000 Stück 3% Prämien⸗ Obligationen à fl. 100 der Gesellschaft für Ge⸗ meinde⸗Anlehen zu Amsterdam, 3 90 zur Subscription aufgelegt. Die Rückzahlung dieser Loose findet vermittelst Prämien-Ziehungen innerhalb 68 Jahren statt. Die Prämien sind von fl. 25,000 bis abwärts fl. 150.— Die definitiven Stücke erscheinen am 20. December, die erste Gewinnziehung findet am 15. Jan. nächsten Jahres statt. Die Besitzer von Leipziger Hypothekenpfandbriefen machen wir darauf aufmerksam, daß zur Wahrung ihrer Rechte dte Obligationen bis zum 15. Februar nächsten Jahres bei dem Concoursgerichte in Leipzig angemeldet werden müssen. Es sind bereiis in Stuttgart und Berlin Obligationen Inhaber zusammen getreten um ein Comité zu bilden, das gemeinschaftlich ihre Interessen wahre. Unzweifelhaft wird auf dem hiesigen Platz sich auch ein Comité constituiren und werden wir nicht ermangeln, seiner Zeit Weiteres darüber mitzutheilen.
Bitte.
Da wir beabsichtigen auch in diesem Jahre eine Christbescheerung für die Kinder, welche die hiesige Kleinkinderschule besuchen, zu veranstalten, so bitten wir die Bewohner unserer Stadt uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen.
Zwar sind die Ansprüche an die Barmherzig⸗
machen als sonst; aber eben diese hohen Preise
thätig erscheinen. Die Kleinkinderschule ist zudem eben sehr zahlreich besucht. Deshalb hoffen wir für unsere Kleinen keine Fehlbitte zu thun. Friedberg den 27. November 1871.
Th. Dieffenbach. E. Trapp.
A. Klipstein.
Joh. Klipstein.
Lahrer Hinkende Bote, gestempelt 11„ Katholischer Bilderkalender 8 Herriedener Laubfroschkalender 9
Illustr. Familienkalender 18„ Wand⸗ und Notizkalender 5957 7 Kleiner Wandkalender ira
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keit vielfach, und die hohen Preise der Lebens⸗ mittel werden Manchem das Geben schwerer
lassen auch unsere Christbescheerung doppelt wohl⸗
1 an
Kalender für 1872.
Landkalender en e . durchschossen 6„ Hess. Hausfreund 1 Gustav Adolf Kalender 89
3—
Borräthig bei Bindernagel& Schimpff.


