Ausgabe 
7.12.1871
 
Einzelbild herunterladen

E 8 5

bert gutt edit Ofen ertstgen.

Cual

Der,

1871.

Oberhes

Donnerstag den 7. Dezember.

sischer!

, 144.

11

nzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag

Für den Monat Dezember kann auf denOberhessischen Anzeiger bei der Verlags-Expedition mit 10 kr., bei den Poststellen mit 16 kr. abonnirt werden.

* e

Deutsches Reich.

Darmstadt. Dem Mitgliede und Rathe bei dem Administrativ-Justizhose Regierungsrath Maximilian Freiherrn von Preuschen wurbe der Character alsGeheimer Regierungsrath verliehen, ferner sind die Kreisassessoren bei dem Kreisamte Mainz Dr. Friedrich Hoffmann und Dr. Julius Braden zu Mitgliedern der Pro⸗ vinzialdirection Rheinhessen für die derselben durch die Verordnung vom 1. Nov. 1869 übertragenen Entscheidungen in Gewerbe- Angelegenheiten er⸗ nannt worden. 5

Berlin. Im ganzen Umkreise des Occu⸗ pationsrayons in Frankreich ist der Belagerungs⸗ zustand proclamirt worden. Verbrechen gegen deutsche Soldaten werden durch deutsche Militär- gerichte abgeurtheilt. Der Kaiser hat am 4. d. den Bischof von Straßburg empfangen.

DerAllg. Mil. ⸗Zig. zusolge soll die Entscheidung über die deutsche Bewaffnung von Seiten der technischen Behörde bereits getroffen sein und nur der kaiserlichen Sanction noch unter- liegen. Der Sieg der sehr zahlreichen Concur⸗ renten ist, dieser Nachricht zufolge, dem deutschen Büchsenmacher Mauser zugefallen. Dae System Mauser soll eine Combination der Mechanismen der Dreyse- und Vetterlischen Einlader darstellen.

Es ist die Weisung ertheilt worden, für 150 Millionen Thaler neue Goldmünzen auszu⸗ prägen, so daß es an denselden nicht fehlen dürfte.

In Abgeordnetenkreisen will man wissen, schreibt dieTribüne etwas mysteriös, daß die Staatsregierung unmittelbar nach dem Schlusse des Reichstages gegen ein hervorragendes Mit- glied der clericalen Fraction eine Maßretzel zu ergreifen beabsichtige, wel de zwa verbinplich in der Form, aber von materiellen Folgen für den, davon Betroffenen begleitet sein möchte. N

Wie derBörs. Cour. erfährt, soll der nächste 18. Januax, der Jahrestag der Kaiser⸗ erklärung in Versailles und zugleich 171. Ge⸗ dächtnißtag der Erbebung Brandenburgs zum Königreich Preußen besonders festlich begangen werden, Namentlich soll zu dem mit der Feier dieses Gedächtnißtages seit einer langen Reihe don Jahren verbundenen Ordensfeste noch eine letzte, auf die jüngste Geschichtsperiode bezügliche * statthaben, wobei namentlich auch das bürgerliche e N. des letzten

ieges Berücksichtiguntz finden solll. 14. Die l übe die beabsichligten Ge⸗ haltserhöhungen der preußischen Beamten ist jetzt erschienen⸗ Die Erhöhungen betragen u. A. für Ministertal- Direktoren 500 Thaler, vortragende Räthe und Negierungepräsidenten 300 Thlr., Re- gierungs- und Appellationsräthe 200 Thlr., Kreis richter 150 Thlr., Regierungssekretäre, Oberfbrge, Ober- und Bauinspectoxen 150 Thlr., Landräthe 200 Thlr., Kreissekretäre 100 Thlr., Gerichts⸗ sckretäre 75 Thlr., Schutzwänner 50 Thaler, Gensdarmen, Förster, Grenzaufseher 35 Thlr. Für Seminarlehrer wird ein Normaletat von 450 bis 800 Thaler, Direktoren von 1000 bis 1400 Thaler aufgestellt. Das Minimum der Richtergehälter steigt von 600 auf 700 Thlr., das Maximum für Richter erster Instanz auf

1400 Thlr.

S. Königl. Hoheit Prinz Friedrich Carl ist am 3. d. M. Abends zur Beiwohnung des St. Georgfestes nach Petersburg abgereist; seine Abwesenheit dürfte etwa 14 Tage dauern. Eben⸗ so haben Graf Moltke und die Generale Prinz August von Würtemberg, von Alvensleben, v. Barneckow, v. Budritzki, Prinz zu Hohenlohe⸗ Ingelfingen und v. Werder die Reise nach Ruß- land zu gleichem Zweck angetreten. 8

Zur Statistik des Reichstags entnehmen wir einem biesigen Blatt folgende Ziffern. Der Reichstag hat 36 Plenarsitzungen gehalten und in diesen 27 Vorlagen der Regierung erledigt, nämlich 23 Gesetzentwürfe, 2 Verträge und 2 anderweitige Vorlagen. Von den Mitgliedern des Reichstages sind 5 felbstständige Anträge und 9 Interpellationen gestellt worden, welche sämmt⸗ lich erledigt worden sind. Die Zahl der einge⸗ gangenen Petitionen beträgt 367. Davon sind 19 dem Reichskanzler überwiesen, 117 wegen Schlusses der Session unerledigt geblieben. Sechs Mandate sind zur Zeit erledigt. f

Der General-Post⸗Director Stephan hat sich in Begleitung des Ober⸗Post⸗Raths Günther behufs der Postvertrags- Unterhandlungen mit Frankreich nach Paris begeben. f

Königsberg. Am 4. d. M. ist der letzte Dampfer, das zweizöllige Eis durchbrechend, glück- lich in Pillau angelangt. Die Schifffahrt sowohl für Segel- als für Dampfschiffe ist hiermit als geschlossen zu betrachten.

Frankfuct. DasFr. J. schreibt: Wie jetzt definitiv festzustehen scheint, wird die bier tagende internationale Commission ihre Thätigkeit am nächsten Samstag, den 9. d. M., einstellen können. Wir vernehmen, daß der hier verabre⸗ dete internationale Vertrag nicht hier, sondern in Berlin und Versailles von den Ministern unter- schrieben wird und die Ratificationen dann auf diplomatischem Wege ausgewechselt, werden sollen. Nachträglich wollen wir bemerken, daß seit der Abwesenheit des Grafen Harrh v. Arnim in Ver⸗ sailles die interuatibnale Commission nur mit Feststellung von Post⸗ und Telegraphen⸗ Verträgen, sowie mit den Tarifsätzen eines Zollvertrags mit Frankreich beschäftigt war. 5

In Höchst a. M. fand am verflossenen Sonntag eine Katholikenversammlung statt. Den Vorsitz führte Frhr. v. Wamboldt, welcher sich des Längeren über die Angriffe verbreitete, welche von allen Seiten auf die katholische Kirche erfolgten. Nach ihm sprachen Graf v. Walderdorff, Pfarrer Dr. Rudy von Bornheim, Caplan Hofbauer(für die Jesuiten), Pfarrer Dr. Gans von Schwan- heim, sowie der Dekan von Königstein. Letzterer elferte namentlich gegen den Gedanken einer Nationalkirche, und empfahl Adressen an den Reichstag, mit der Bitte, ein Verbot der Pro⸗ teslantendereine als Feinde des Vaterlandes und der Wissenschaft auszusprechen. Unter Hochrufen auf den Bischof von Limburg ging die etwa von 800 Personen besuchte Versammlung auseinander.

München. Bei einer Predigt, welche Prof. Friedrich in der Gasteigkirche abhielt, machte er u. A. auch die Mittheilung, daß fünf armenische Bischöfe der Reformbewegung ihre Sympathien ausgedrückt haben.

Beide Kammern des Landtags wurden auf den 12. Dezember einberufen. a

Mannheim. DieN. B. L. schreibt: Man wird sich noch erinnern, welches unliebsame Aufsehen während des letzten Krieges eine Straf⸗ art machte, die darin bestand, daß der Betroffene an einen Baum gebunden wurde. Sollte man glauben, daß diese grausame Strafart, für die da⸗ mals dasC'est la guerre eine Entschuldigung abgeben mußte, auch im Frieden, im Garnisons⸗ dienst, noch zur Anwendung gebracht wird? Leider, müssen wir diese Frage bejahen, nachdem am 1. Dezember ein Soldat der hiesigen Garnison, ein Dragoner der 4. Escadron, auf Befehl seines Rittmeisters zur Strafe drei Stunden angebunden worden ist. Was immer das Vergehen des Sol⸗ daten gewesen sein mag das natürliche Gefühl sträubt sich gegen solche Barbarei. Man denke nur an die Temperatur des bezeichneten Tages, die unter Null war, so wird man die Qualen begreifen, die der Aermste auszustehen hatte, der vergebens um einen Teppich bat, seine Füße vor dem Erfrieren zu bewahren. 0

Ausland.

Frankreich Paris. Bei der Kammer- Eröffnung waren ungefähr 400 Abgeordnete an⸗ wesend. Auf ausdrücklichen Wunsch des Ministers des Innern ist die Deportation Rochefort's nach Caledonien angeordnet. 8

Die Anhänger der Rückkehr der National- versammlugg nach Paris beabsichtigen, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, die Einbrin⸗ gung eines auf die Uebersiedelung gerichteten An⸗ trages wegen des durch die, Brüsseler Rugestö⸗ rungen hervorgebrachten schlechten Eindruckes zu vertagen.

Wie denDebats aus Rom berichtet wird, sagte Pius IX. zu den Deputationen, die er im Vatican empfing, während Victor Emanuel auf dem Monte Citorio die Kammern eröffnete, daß keine Vereinbarung möglich seizwischen Jesus und Belial, zwischen Licht und Finsterniß, zwischen Wahrheit und Lüge.

Der Jahrestag des 2. Dezember gibt den ultrarepublikauischen Blättern Gelegenheit zu hef⸗ tigen Expectorationen. So richtet derRadical an den Ex⸗Kaiser eine Ansprache, die mit den Worten beginnt:Edler Galeerensträfling von Chislehurst, Du magst in Deiner behaglichen Zurückgezogenheit lächeln, wenn der Widerhall der Exetutionen Deine Muße versüßt; Du hast ge⸗ herrscht durch die Gewalt; Du hast mit einer Schlächtevei begonnen und mit einem Verrath ge⸗ endet, und gleichwohl lebst Du ruhig und glück⸗ lich; die Huldigungen. Deiner Bedienten genügen Deinem Hochmuth und Du brauchst nicht zu fürchten, daß tin Gensdarm Deine blutigen Hände in Keiten schlage, Deine erlauchte Person in einen Kerker schleppe und Deine erhabene Stirn mit dem glühenden Eisen der Schande brandmarke.

Man versichert, die Prinzen Aumale und Joinville würden Tbiers ihre Absicht kundgeben, ihre Plätze in der Nationalversammlung einzu⸗ nehmen. DerAgence Havas zufolge wird gehofft, daß sie auf den Rath Thiers von ihrem Vorhaben zurücktreten.