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Gesellschaft, die Wahrung des confessionellen Friedens und der Schutz der Geistesfreiheit und Geistescultur erfordern das staatliche Verbot des Jesuitenordens in Deutschland, und betrachtet es als eine ernste Pflicht der deutschen Protestanten und der ganzen deutschen Nation, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß jede Wirksamkeit in Schule und Kirche den Angehörigen und Affiliirten des Jesuitenordens verschlossen werde.“ Den Be⸗ rathungen des engeren Ausschusses wohnten bei: Bluntschli, Schenkel, von Holtzendorf, Holtzmann, Schiffmann, Schwarz, Schlager, Fresenius, Seydel, Simons, Uhly, Manchot, Creuznacher und Baum- garten.— Abends 6 Uhr hielt Prediger Dr. Manchot aus Bremen in der Stadtkirche eine von echt patriotischem Geiste durchwehte, das Be⸗ streben und die Ziele des Protestantenvereins dar legende Predigt, zu welcher ein zahlreiches Audi⸗ torium sich eingefunden hatte. Bei der am Abend im Ritsert'schen Saale stattgehabten geselligen Zu⸗ sammenkunft von 500 Delegirten und Quartier- gebern begrüßte Adv. Hoffmann von bier die Versammlung. Schenkel toastirte, darauf antwortend, auf die kirchlichen Vorkämpfer Hessens, Ohly auf den Protestantenverein, Prediger Lang(Zürich) auf das Wohl des 5 Hochgeber(Passau) auf die Altkatholiken. England ist vertreten durch Professor Taplor, die Schweiz durch Prediger Lang und Botzing, ferner sind anwesend Iwann (Holstein), Constantin Scharf(Madrid), ein Pfarrer aus Straßburg ꝛc.
— 4. October. Die Verhandlungen des Protestantentages wurden heute Morgen in der Stadtkirche eröffnet. Zur Berathung gelangten zunächst die beiden von der Delegirtenversammlung beschlossenen Resolutionen, betreffend das Unfebl- barkeitsdogma und den Jesuitenorden. Bluntschli begründete die Resolutionen, entwickelte die Ge⸗ schichte des Jesuitenordens, seine heutige Organi- sation und Wirksamkeit, und wandte sich zuletzt gegen die Behauptung. die Jespiten stünden unter dem Schutze des Vereinsgesetzes. Jedes Recht, das der Einzelne für sich in Anspruch nehme, sei bedingt durch die allgemeine Rechtsordnung, und so wenig ein Sklavenzüchter sich auf die persön⸗
hat. Sollte die Reichsregierung dem Reichstage noch keine vollständige genaue Aufstellung des Etats für das Reichsheer vorlegen können, so würde doch die Feststellung der Gesammthöhe der nächstjährigen Ausgaben für das Heer zu erfolgen haben. Zu erwarten seien noch Vorlagen über Gehältererhöhung, die Stellung und die Pensions⸗ verhältnisse der Reichsbeamten, die Münzreform, die Errichtung eines Reichskriegsschatzes.— Die Vorlagen, betreffend die Reform auf dem Gebiese der Rechtspflege, sowie ein Reichspreßgesetz dürften erst in der nächsten Frühjahrssitzung zur Berathung gelangen. In Betreff der Münzreform erklärt die „Provinzial⸗Correspondenz“ die Ausprägung von Goldstücken 30, 20 und 15 Mark, gleich 10 Thlr., 6 Thlr. und 5 Thlr., für wahrscheinlich.
— Die„Prov.⸗Corresp.“ widmet ihren heutigen Leitartikel der beabsichtigten Münzreform und gibt Aufschlüsse über die Grundlagen des Reform projects, die zum Theil nur die bisherigen Mit⸗ theilungen darüber im Wesentlichen bestätigen, vorzugsweise aber die Nothwendigkeit darlegen, unverzüglich mit der Prägung von Goldmünzen vorzugehen, während die Begründung eines ein⸗ heitlichen Mänzsostems auf Grundlage der Deei— maltheilung erst danach ins Auge zu fassen sei. Aus dem weiteren Inhalt des Reformvorschlages höre ich noch, daß aus einem Pfund feinen Goldes 46½ Stück der Haupt- Reichsgoldmünzen, also
30 Mark-(10 Thaler) Münzen, geprägt werden sollen, und daß das Mischungsverhältniß des Münzmetalls auf 900/000 Theile Gold und 100/1000 Theile Kupfer festgestellt ist.
Frankfurt. Der Kaiser wird heute, Freitag den 6. d. M., Abends 8 Uhr 10 Minuten per Extrazug auf der Main-Neckar Bahn hier ein treffen, im Hotel Westendhall das Souper ein- nehmen und um 10 Uhr 15 Minuten die Reise nach Berlin auf der Main-Weserbahn fortsetzen.
— Das folgende Telegramm des Herrn Dr. Petermann in Gotha an den hiesigen Verein für Geographie und Statistik ist eingelaufen:„Payer's Nordpol⸗-Expedition, zu welcher Frankfurt frei— gebigst beisteuerte, ist am 3. d. M. sehr erfolgreich nach Tromsö zarückgekebrt. Offenes Meer öslich
liche Freiheit berufen könne, dürfe der Jesuiten- orden sich auf das Vereinsgesetz berufen. Redner, verlangt auf Grund der Bundesverfassung das Verbot des Jesuitenordens.
von Spitzbergen und günstigsten Weg zum Nord— pol entdeckt! Petermann.“ München. Durch das publicirte Erkenntniß
An der hierauf fol- des Generalauditoriats wurde die Nichtigkeitsbe—
genden Debatte über das Referat und die vorge- schwerde des(wegen Feigheit zum Tode verur-
schlagenen Resolutionen betheiligten sich Pfarrer theilten) Unterlieutenants Freiherrn von Waldenfels
Schellenberg von Mannheim, Kirchenrath Dr.
verworfen.
Schenkel von Heidelberg, Professor Heußkler von— Das„Südd. Corresp.⸗ Bureau“ meldet:
Bern u. A. Schließlich sprachen noch Professor Nippold(Heidelderg) und Dr. Schröder(Worms) für die Annahme der Resolutionen, während Dia— conus Stier(Jena) in denselben die Sympathien für die Bestrebungen der Altkatholiken vermißt.
Zuverlässigen Mittheilungen zufolge beträgt die zur Aufbesserung der materiellen Lage der Schul- lehrer Seitens der Regierung geforderte Summe 1,200,000 fl.
Karlsruhe. Der deutsche Kronprinz ist
Nach kurzem Schlußwort des Referenten Bluntschli mit der Kronprinzessin und der Großherzogin von
tritt die Versammlung einstimmig den vorge⸗ schlagenen Resolutionen bei.— Nach Schluß der Sitzung fand im Hotel zur„Traube“ das Fest⸗ bankett statt, bei welchem Professor Bluntschli auf den Kaiser, Obly auf den Großberzog toastirte. 0 — Wie bereits bekannt, erhielt das Großh. Hessen in Folge des Reichsgesetzes über die Ge währung von Beihülfen an Angehörige der Re⸗ serve und Landwehr die Summe von 149,201 fl. 30 kr. Die Zahl der Reservisten und Landwehr⸗ männer beträgt 11,983. Auf die Provinzen ver⸗ theilt erhält: Starkenburg 64,596 fl. bei 5188 Mann, Oberhessen 43629 fl. bei 3504 Mann und Rheinhessen 40976 ½ fl. bei 3291 Mann.
Mainz. Gegenwärtig wird durch einen be sonders hierzu von Berlin gekommenen höheren Ingenieur⸗Offizier eine eingehende Inspection der Festung, namentlich auch rücksichtlich des Umbaues derselben, und die Prüfung der hierzu ausgearbei⸗ teten Projektionen an Ort und Stelle vorgenommen.
Berlin. Der„Provinzial Correspondenz“ zufolge wird die Reichstagssesston, deren Dauer nicht sehr ausgedehnt sein könne, etwa in der Mitte des laufenden Monats eröffnet werden. Die wichtigste Vorlage wird der Reichshaushallsetat bilden, wobei der Reichstag zum ersten Mals über
Baden nach dem Elsaß abgereist, um die Schlacht— felder von Weißenburg und Wörth zu besichtigen.
Ausland.
Frankreich. Paris. Seit 1. October werden in Paris von jedem Billard jährlich 60 Fr. Steuer und vom 15. Oct. ab wird ein Zuschlag von 10 pCt. zu den Fahrbilleten auf Eisenbahnen, öffentlichen Fuhrwerken, Schiffen ꝛc. erhoben.
— Das„Journal officiel“ veröffentlicht einen Bericht des interimistischen Kriegsministers, Ad— mirals Pothuan, in welchem derselbe vorschlägt, den Marschall Baraguay d'Hilliers zum Präsi⸗ denten, die Generäle Charon, Thiry, Aurelles und Autemarre zu Mitgliedern des Untersuchungs⸗ rathes zu ernennen, vor welchem die Generäle, Offiziere und sonstigen Persönlichkeiten, welche eine Capitulation unterzeichnet haben, erscheinen sollen. Der Bericht ist von dem Präsidenten der Republik genehmigt und gezeichnet.
— Der„Armeemoniteur“ veröffentlicht das Schreiben Changarniers, des Präsidenten der Prüfungscommisston für die während des Krieges ernannten Offiziere, an den Kriegsminister, in welchem der General über die Beendigung des
die Ausgaben für das Reichsheer zu beschlichen
ersten Theiles der Commissionsarbeiten berichtet.
Ein einleitendes Schreiben nennt das berüchtigte Decret Gambetta's vom 18. Sept. 1870, welches die gefangenen Offiziere zur Flucht und zum Bruch des Ehrenwortes aufforderte,„einen trau ⸗ rigen Beweis der Geistesverwirrung, welche in jener Zeit Platz gegriffen habe;“ es kann dieser Aussoruch die Commission nur ehren, die zum ersten Male die von deutscher Seite im Interesse der Ehrenhaftigkeit der französischen Nation so streng getadelte Ehrenwortbrüchigkeit verschiedener französischen Offiziere laut zu rügen wagte.
— Die zuerst von der„Cloche“ gebrachte
Nachricht von einer für die Communegefangenen
wichtigen Maßregel bestätigt sich. Die Regierung hat in der That alle weiteren Verhaftungen ein⸗ zustellen den Befehl ertheilt; und alle Verhafteten, die nicht der directen Theilnahme an der In · surrection beschuldigt sind, sollen freigelassen werden.
— Wie hier versichert wird, werde die preu⸗ zische Regierung energisch fordern, daß die fran; zösischen Offiziere, welche auf Ehrenwort Gefangene in Deutschland waren, und dieses Ehrenwort brachen, vor ein Kriegsgericht gestellt würden.
— Die„Agence Havas“ meldet: Zufolge eines neuen Uebereinkommens mit dem deutschen Commandirenden soll Letzterer die gänzliche Räu⸗ mung des Departements Oise angeordnet haben.
— Der„Francais“ schreibt:„Man weiß, wie unzulänglich sich unsere Cavalerie in dem letzten Kriege bei allem Heldenmuth, den sie ent⸗ wickelte, gezeigt hat. Der Kriegsminister hat seine Ausmerksamkeit auf diesen Punkt gelenkt und so⸗ eben ein langes Circular erlassen, durch welches die unserer Reiterei gegebene Ausbildung verbessert werden soll. Namentlich wird darin vorgeschrieben, den Dienst der Recognoscirungen und das Ter⸗ rainstudium recht sorgsam zu pflegen.
— In Dijon, wo, in Folge von Angriffen gegen deutsche Militärs die verschärfte Belagerung erklärt und die allgemeine Entwaffnung angeord- net wurde, sind mehrere Personen wegen Ver⸗ heimlichung von Waffen, Aufläufen und Plünderung gegen deutsches Militär zu verschiedenen Gefäng⸗ nißstrafen verurtbeilt worden, die sie in Deutsch⸗ land absitzen müssen. Ein gewisser Gillot und ein Gerbermeister erhielten ein Jahr, ein gewisser Vallot sechs Monate, der Advocat Vallot und ein Kaffeehaus-Kellner drei Monate.
Spanien. Madrid. In der Cortes⸗ mit 123 Stimmen zum Präsidenten der Cortes gewählt. Der Regierungscandidat Rivero erhielt 113 Stimmen. Der Ministerpräsident erklärte, das Ministerium würde seine Entlassung geben. Die Cortes beschlossen, bis zur Lösung der Minister- krisis die Sitzung zu vertagen.
— Nachdem Espartero die Neubildung des Cabinets abgelehnt hatte, unternahm Malcampo die Misston, am 3. d. Abends das neue Cabinet zu bilden. Die Ruhe wurde weder in der Haupt- stadt noch in den Provinzen gestört.
Gießen. In der hiesigen Turnhalle findet eben eine Ausstellung der Schülerzeichnungen von 40 Handwerker⸗ Fortbildungsschulen, sowie der Gymnasien und Realschulen des Großherzogthums Hessen statt. Modelliren, Freihand⸗ zeichnen, darstellende Meßkunst, Bau⸗ und Maschinen⸗Con⸗ struclion sind in zahlreichen, oft in überraschend schön und verständig ausgeführten Leistungen vertreten, und bieten ein erfreuliches Bild der regen und trotzdem(baupisächlich was die Handwerker- Fortbildungsschulen betrifft) noch lange nicht'genügend gewürdigten und unterstützten, segens⸗ reichen Thätigkeit auf diesem Gebiete. Interessenten sollten nicht versäumen, diese Ausstellung zu besuchen.
Gießen. Die Reallehrerversammlung, welche am 29. Sept. in Gießen abgehalten wurde, war sehr zahlreich besucht. Interessant waren die Debatten über den bildenden Werth der neuen Sprachen, da mehrere der anwesenden Professoren für das Latein und Griechisch eintraten und anderseits sich Opponenten fanden, die dem Latein und Griechischen seinen formellen Werth recht gern zugestanden und das Studium desselben für gewisse Berufsklassen noth⸗ wendig fanden, es aber enischieden bekämpften, daß wayre Geistesbildung nur durch Latein und Griechisch zu erzielen sei. Ein weiterer Verhandlungspunkt war„der Schwer punkt der Realschulfrage“. Der Referent forderte hier das Anstreben einer Gbeichstellung der Realschulen mit den Gyninasien in Bezug auf Stellung, Mittel und Kräfte. Zur Aufstellung einer festen und einheitlichen deutschen Orthographie wurde eine Commission ernannt, bestehend
aus den Herren Professor Dr. Weigand in Gießen,
Gymnasialdirector Wiegand in Worms, Realschuldirectot
sizung wurde Sagasta in zweiter Abstimmung
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