Ausgabe 
7.9.1871
 
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Lothringens haben Hrn. Keller mit der Verthei⸗ d.gung ihrer Interessen beauftragt. Herr Keller wird in ihrem Namen an die Kammer folgende Anforderungen stellen: 1) Verlängerung des Ter- mins für die freie Einfuhr der Producte der an- nectirten Länder bis zum 1. Januar; 2) eine Frist für die Ausführung der vor dem Kriege abgeschlossenen Handelsgeschäfte; 3) Ausfindig⸗ machung einer Einrichtung, welche eine vortheil hafte Fortsetzung der Beziehung zu den französi⸗ schen Märkten ermöglichen würde. Am 3. d. Nachmittags traf der König von Sachsen hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalte seine Reise zunächst nach Metz fort.

Mülhausen. Der Commandeur des 14. Armeecorps, General v. Werder, und General v. Glümer sind hier eingetroffen. Den hohen und verdienstvollen Offizieren wurde von der Capelle des 14. Infanterieregiments Nr 17 ein Morgenständchen gebracht.

Ausland.

Oesterreich. Wien, 4. Sept. Es ist nunmehr officiell, daß der Reichskanzler, Graf Beust, sowie die Ministerpräsidenten, Grafen An⸗ drassy und Hohenwart, der Salzburger Begeg nung beiwohnen werden. Kaiser Franz Joseph reist morgen Abend von hier nach Salzburg ab.

Schweiz. Vor Kurzem hatten alle franzö⸗ sischen und ihnen nach die schweizerischen Blätter die Mittbeilung gebracht, am 15. August habe die französische Regitrung die sechste Million an den Internirungskosten der Ostarmee bezahlt und die Zahlung des Restes solle von 14 zu 14 Tagen je mit 1 Million erfolgen. In der That sollte eine solche Zablung am 15. v. Mts. gemacht werden; allein es ist bis jetzt nicht geschehen. Dagegen ist die Schweiz der Gegenleistung für besagtes Versprechen nachgekommen und die fran zösische Regierung bereits im Besitze aller Ge wehre der Ostarmee und des größten Theils des Materials, welches der Eidgenossenschaft vertrags- mäßig als Pfand dienen sollte. Letztere hat im Augenblick noch 6 Millionen von Frankreich zu erhalten.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel schreibt: In Folge der Veränderung, welche das Gesetz vom 31. August in der Or- ganisatien der Exccutivgewalt veranlaßte, haben sämmtliche Minister ihre Demissionen gegeben, jedoch hat der Präsident der Republik sie gebeten, ihre Functienen wieder aufzunehmen.

General Ladmirault hat das JournalLa Veérité wegen eines Artikels, welcher eine Auf reizung zum Bürgerkrieg enthielt, suspendirt. Das Blatt hatte in dem incriminirten Artikel die Bürger in heftigen Ausdrücken aufgefordert, jedem consti- tuirenden Acte der Nationalversammlung den Ge⸗ horsam zu versagen. Das Blatt des Hrn. Eduard Portalis, eines talentvollen, aber etwas launen- haften und unberechenbaren Publicisten, war in der Zeit, namentlich seitdem es Hen. Gambetta zum Organe diente, zu einer Auflage von 25,000 ge- stiegen; das Verbot macht daher in der radikalen Partei viel böses Blut.

Aus den Departements eingelaufene, vom 4. d. datirte Telegramme lassen vermuthen, daß der Jahrestag der Proclamiruug der französischen Republik überall ohne irgendwelche Kundgebung verlaufen wird. In Paris herrscht vollständige Ruhe. Spätere Briefe aus Versailles constatiren, daß am 4. d. vollständige Ruhe in ganz Frankreich herrschte, mit Ausnahme von Nimes, wo unbedeutende Ruhe- störungen stattfanden.

Ein Erlaß des Präsidenten der Republik vom 2. September verleiht das Offiziers- resp. Ritterkreuz der Ehrenlegion einer Anzahl von Notablen von Kopenhagen, Hamburg und Mecklen burg, so namentlich auch das Ritterfeeuz dem Kaufmann Noblée in Hamburg und dem In spector des Hospitals in Rostock, Herrn Züllich, für die ausgezeichneten Dienste, welche sit den französischen Gefangenen in Deutschland geleistet hätten. Ein anderes Dectet des Herrn Thiers ernennt den Justizminister Dufaure zun Vite⸗ Präsidenten des Ministerraths, der als solcher das

Recht hat, in Abwesenheit oder Behinderung des Präsidenten das Conseil einzuberufen und in dem⸗ selben den Vorsitz zu führen. 7

Gegen Rochefort werden auf Grund der Anklageschrift folgende Beschuldigungen erhoben: 1) Veröffentlichung eines suspendirten Blattes; 2) Verbreitung falscher Nachrichten, geeignet, die öffentliche Ruhe zu stören; 3) Aufreizung zu einer Handlung, die in Ausführung kam und welche Aufreizung zum Zwecke hatte, durch die Bewaff: nung der Bürger gegen einander zum Bürger- kriege aufzufordern und Zerstörung, Mord und Plünderung in der Stadt zu verbreiten; 4) Mit⸗ schuld durch Aufreizung an der Zerstörung von Privateigenthum; 5) Mitschuld durch Aufreizung, der die Ausführung folgte, an der Plünderung der Kirchen durch organisirte Banden und Streit- kräfte; 6) Mitschuld an Meuchelmord durch Auf reizung, gefolgt von der Ausführung.

Versailles. Nationalversammlung. Der Kriegsminister beantwortet die Anfrage in Betreff der verheißenen Einsetzung einer Erquete bezüglich des Marschalls Bazaine dahin, daß die Regie rung sich gegenwärtig mit der Ernennung der Mitglieder der Untersuchungscommission beschäftige, welche am 15. d. zusammentreten und sämmtliche Capitulationen, mit Sedan beginnend, in chrono logischer Reihenfolge prüfen soll.

Lille. Am 3. d. ereignete sich auf der Nordbahn bei Seclin, in der Nähe Lon Lille, ein großer Unglücksfall. Der Pariser Schnellzug stieß mit dem Personenzug von Douai zusammen. Die Maschine des Schnellzugs wurde zertrümmert, zebn Personen blieben todt, gegen 100 Personen sind schwer verwundet, viele erhielten Brandwunden. Der Unglücksfall entstand dadurch, daß der Schnell zug abgelassen wurde, obgleich sich der Personen zug verspätet hatte. Eine gerichtliche Commission ist nach dem Schauplatz des Unglücks abgegangen.

Großbritannien. London. Was die Londoner Blätter am Jahrestage der Schlacht von Sedan über die Kämpfe dort und ihren Aus- gang sagen, muß Napoleon wie Musik zum Ohre klingen, denn selbst seine entschiedensten Gegner bier sind nachgerade in Anbetracht der gegenwär tigen Lage Frankreichs geneigt, ihn milder zu be⸗ urtheilen als je zuvor. So erklärt sichDaily News, die zu keiner Zeit sich vor dem Glanz

des napoleonischen Gestirns gebeugt, sich doch

entschieden gegen die Behauptung des Generals Wimpffen, daß es möglich gewesen wäre, mit der geschlagenen Armee durch die deutschen Heere durchzubrechen.Der General(sagt das genannte Blatt) ist ein wackerer, tapferer Offizier, allein er war erst 48 Stunden vorher von Algier auf dem Kriegeschauplatz eingetroffen. Er hatte sich nicht persönlich von der großen Ueberlegenheit der preußischen Organisation überzeugen können. Die Gteschichte des Feldzuges zeigt, daß thatsächlich Niemand durch die preußischen Linien durchge brochen ist oder dem schrecklichen Griff der Preußen entrann. Bazaine, Trochu, Ducrot, Cbanzy und Bourbaki, Alle versuchten es nach der Reihe, und versuchten es vergebens. Es kann nicht sein, daß in allen diesen Fällen das Fehlschlagen auf Rech- nung der Unfähigkeit der Commandeure kommt. Die strenge Wahrheit ist, daß die Franzosen sich gut schlugen, daß aber die Deutschen gelernt hatten, sich noch besser zu schlagen. DieTimes be merkt:Napoleon fiel vor einem Jahre und sein Name wurde im ganzen Lande verwünscht; allein er war die Creatur des Volkes, welches er regierte. Er hielt die Zügel der Gewalt, wie es den Be dürfnissen dieses Volkes genügte. Man mag sich von ihm lossagen, allein nach einer gewissen Periode wird derselbe Geist, wenn nicht dieselbe Person, zurückkehren, um den Platz einzunehmen, der für ihn bereitet wird. Napoleon fand im Jahre 1849 das französische Volk als einen wüsten Haufen vor. Man nahm ihn hin, weil in seinem Namen das Versprechen lag, daß er die Franzosen zur Armee heranbilden werde. Heute nach 20 Jahren sind sie wieder ein wüster Haufen, und wir fragen uns, ob sie sich zur Nation ausbilden oder wieder unter eine Militärherrschaft fallen werden.

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tigen Organ in Verbindung mit einem Erdbeben heimgesucht wurde. Etwa 150 Personen wurden getödtet oder verletzt, und kein einziges Haus blieb unbeschädigt, während Hunderte in Trüm⸗ mern liegen.

= Friedberg. Dem Vernehmen nach besteht die Absicht, für die Slädte Friedberg und Nauheim auf den Wunsch der Localpolizeibehörde und in Berücksichtigung der besonderen lecalen Verbältnisse durch ein Polizeiregle⸗ ment zu bestimmen, daß sämmtliche Hunde stets mit vor⸗ schriftsmäßigen Maulkörben versehen sein müssen. Eine solche Anordnung würde gewiß vielfach Billigung finden, an zahlreichen Gegnern möchte es derselben aber wohl auch nicht fehlen. 5

Frankfurt. Der gestrige Sechskrenzertag des Zoolo⸗ gischen Gartens wurde von 5000 Personen benutzt. Die Palmengärten, welche des Vormittags für zwölf Kreuzer zugänglich waren, wurden von 2300 Personen besucht. Am Nachmiltag war die Frequenz daselbst eine ganz enorme, denn abgesehen von den Aktionären und Abonnenten, wurden über 1600 Tagesbillette ausgegeben.

Offenbach. Nächsten Sonntag wird dabier der Miltelrbeinische Feuerwehrtag abgehalten wer⸗ den, welcher den Anmeldungen nach einen zahlreichern Be⸗ such aus den benachbarten Städten erwarten darf.

Darmstadt. Die hiesige Turngemeinde feierte am 2. und 3. d. ihr 25jährigss Besteven. Obgleich der Tag der Gründung der 2. Juni ist, deschloß man jedoch die Feier auf den 2. Sept., den Jahrestag der Kapitulation von Sedan, zu verlegen und zwar haupfsächlich mit Rück⸗ sicht auf die vielen damals noch unter den Fahnen befind⸗ lichen Miiglieder. Eingeleitet wurde die Feier am Sams⸗ tag Abend durch ein dem um die Turnern hochverdienten Mitgründer der hiesigen Gemeinde H. Felsing darge⸗ brachtes Ständchen. Ein zweites Szändchen galt dem der⸗ zeitigen 1. Sprecher Dr. L. Büchner. Sonntag war zunächst festlicher Empfang der eintreffenden Deputationen und Gäste aus Mainz, Offenbach, Worms, Frankfurt, Wiesbaden, Aschaffe, burg, Hanau ꝛc. an der Bahn, hierauf Frühstück in der Turnhalle und alsdann Uebung der Feuerwehr⸗Mannschast, welche mit gewobnter Präcision von Statten ging. Nachmittags 3 Uhr begann das Schan⸗ resp. Kürlurnen, dem ein nahezu vierstündiges Preis⸗Turnen folgte. Die Leistungen in denselben waren recht befriedigende. Nach Beendigung des Preisturnens begann die Festkneipe, eingeleitet durch einen längeren Vortag des ersten Sprechers Dr. Büchner, dem die Preisvertheilung und Uebergabe der Ehrendiplome an die anwesenden Gründer der Gemeinde, 11 an der Zahl, folgte.

Auerbach. Am 3. d. Nachmittags entlud sich über unsere Gegend ein äußerst starkes, von Hagel begleitetes Gewitter. Die Eissticke fielen so groß wie Taubeneier zur Erde und ist der dadurch namentlich in den Weinbergen angerichtete Schaden nicht unbedeutend.

Aus dem Odenwald. Die Arbeiten an dem größeren Tunnel der Odenwaldba en zwischen Wiebelsbach und Höchst sind nun fast vollständig vellendet, so daß die Betriebser⸗ öffnung voraussichtlich noch Ende d. M. stattfinden kann und so die Bewohner des Mümlingthals endlich der so dringend notbwendigen Eisenbahnderbindung in wenigen Wochen tbeilhaftig werden.

Worms. Vor einigen Nächten wurde im hiesigen Dome ein frecher Kirchendiebstahl begangen. Der kuchlose Verbrecher, welcher sich wahrscheinlich nach dem beendelen Abendgottesdienste im Dome versteckte, machte vergebliche Versuche, die Opferkästen zu sprengen, erbrach aber das Tabernakel und entwendete einen Kelch sowie einen Theil der Monstranz. Wie es scheint, war der Dieb mit Schlosser⸗ werkzeug versehen, denn er entfernte sich durch die Abends verschlossene Thüre. Hoffentlich gelingt es, den Thäter eines solchen Frevels dem Gerichte zu überliefern. Vom Bodensee. Louis Napoleon scheint vor der Hand den Plan, nach Arenenberg überzusiedeln, auf⸗ gegeben zu baben, da dieser Tage die Pferde, die er von Wilhemehöhe dahin hatte bringen lassen, wie dieThurg. Zig. meldet, nach England abgeführt wurden..

Berlin. In Bezug auf die hiesigen Mielhpreise ist bemerkenswerth, daß im ersten Viertel d. J. 71 Wohnungen vermiethet waren zu 1001-1250 Thle., 505 zu 1251 1500, 279 zu 15011750, 205 zu 1751 2000, 202 zu 20012500, 117 zu 2501-3000, 64 zu 3001-3500, 61 zu 35014000, 24 zu 4001-4500 u. s. w. Selbst zu einem Mielbswerthe von über 10,000 Thalern finden sich nech über 33 Wohnungen.

Vom Rhein. Wie tief der Deuischenhaß nicht nur bei der niederen Classe in Frankreich, sondern auch in höheren Kreisen eingewurzelt ist, dafür erhalten wir immer mehr Beweise. Den neuesten hat der berühmte Pianofortefabrt⸗ kant Ekard geliefer. Nachdem derselbe seit wehr als 20 Jahren dem bekannten Concertunternehmer Herrn Ullmann seine Instrumenie nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika zur Verfügung gestellt hatte, erklärte er neuerdings in einem an Herrn Ullmann gerichteten Schreiben, daß er auch in der Folge dies zu thun bereit sei, jedoch Deutsch⸗ land ausnehmen müsse. Herr Ullmann geräth durch diese Weigerung in micht geringe Verlegenheit, indem sich Alfreb Jael ausbedungen har, nur auf Erard'schen Flügeln zu spielen und sich von dieser Eigenheit durchaus nicht ab⸗ bringen ließ, so daß der bereits mit ihm abgeschlossene Contract gelöst werden mußte. An seiner Stelle wird nun

in den bereits angekündigten Concerten Fräulein Auna Mehlig wirken, eine Künsilerin, welche mit Rech einen

Amerika. Ueber Newyork wird gemeldet, daß St. Thomas am 21. August von einem hef⸗ 9

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