teren Verlauf der Debatte erklärt der Reichskanzler, er bezweifle nicht den guten Willen des Reichs ⸗ tages, die Interessen des Elsaß ebenso wahrzu⸗ nehmen, wie die Regierung, sondern die Möglich⸗ keit, daß 400 Mitglieder mit verschiedenen Mei- nungen dies besser könnten, als die Regierung. Gegenüber Kardorff, der für den 1. Januar 1874 als Schlußtermin der Dietaturperiode stimmen will, falls der Reichskanzler die Zusicherung gebe, daß spätestens im Herbst d. J. durch ein Gesetz das Wahlgesetz in Elsaß Lothringen eingeführt werden solle, verspricht Fürst Bismarck, in dieser Richtung seinen ganzen Einfluß nach Kräften geltend zu machen. Das ganze Gesetz wird mit großer Majorität angenommen.
Berlin. Wie die„Kreuzzeitung“ meldet, trifft der Kaiser von Rußland am 9. Juni hier ein und verweilt bis zum 11. Juni in Berlin. Demselben Blatt zufolge wird die Enthüllung des Denkmals König Wilhelm III. nicht am 17. Juni, sondern am 16. nach dem Einzug der Truppen Statt finden.
— Das Reiche kanzleramt hat die ungesäumte Vollziehung der durch Napoleonisches Decret auf den 6. und 7. August 1870 bestimmten Muni⸗ cipalraths- Wahlen angeordnet, welche in Folge des Einmarsches der deutschen Truppen in einem großen Theile von Elsaß-Lothringen unterblieben waren. Diese Wahlen bilden das erste Construe— tions⸗Moment zu der vom Reichskanzler erwähn⸗ ten Landes repräsentation für das Elsaß.— Wie wir erfahren, hat die Anwesenheit des Grafen Moltke in Straßburg hauptsärchlich die Feststellung der fortificatorischen Werke für die Festung, sowie die Hinausschiebung der Werke und die Anlegung neuer Forts bei Mundolsheim, Hausbergen u. s. w. zum Zweck. Kehl soll in den Festungsrayon hereingezogen und die Festung überhaupt so an— gelegt werden, daß bei einer enventuellen Beschie⸗ ßung die Stadt selbst außer Gefahr bleibt.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen allerhöchsten Erlaß des Königs. Derselbe lautet: „Durch Gottes Gnade ist dem schweren, vor einem Jahre üder uns verhängten Kampfe ein ehrenvoller Friede gefolgt. Was wir bei dem Beginn des Krieges in gemeinsamem Gebete er— flehten, ist uns über unser Bitten und Verstehen gegeben worden. Die Opfer der Treue und der Hingebung unseres Volkes auf den Schlachtfeldern und daheim waren nicht vergeblich. Unser Land blieb von den Perwüstungen des Krieges verschont. Die deutschen Fürsten und Völker sind in gemein samer Arbeit zu einem Reiche vereint. Für solche Barmherzigkeit dem Herrn zu danken, das neu geschenkte Gut des Friedens in aufrichtigem, de⸗ müthigem Geiste zu seines Namens Ehre zu pflegen, ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe. Ich bestimme, daß am 18. Juni in den Kirchen und Gottes- häusern meines Landes ein feierlicher Dankgottes⸗ dienst unter Einläutung mit allen Glocken am Vor⸗ abende und mit Absingung des Tedeums gehalten werde. Zugleich genehmige ich gern eine allgemeine Collecte an den Kirchenthüren bei dem Vor⸗ und Nachmittagsgottesdienst zum Besten der Invaliden und der Hinterbliebenen der gefallenen Krieger.“
— Bezüglich der neuen Grenzbefestigung in Elsaß⸗ Lothringen wurde auf Antrag Moltke's im Kriegs- rath vorläufig beschlossen, nach dem vorgelegten Plane drei Forts am rechten Rheinufer zu erbauen. Die Ausführung dieses Beschlusses persönlich ein— zuleiten, wird als Reisezweck Moltke's bezeichnet.
München. In einer unter dem Vorsitze des Staatsministers Grafen v. Bray abgehaltenen Sitzung des Ministerrathes dürfte, wie man ver⸗— nimmt, die Stellung der Staatsregierung zu den kirchlichen Verhältnissen der Gegenwart den Haupt- gegenstand der Berathung gebildet haben, und es sollen denn auch die in dieser Beziehung schon seit einiger Zeit erwarteten Entschließungen der Staatsregierung nunmehr in naher Aussicht stehen.
— Das hier versammelte Theologencomite hat den Stiftsprobst Dr. v. Döllinger beauftragt, die Beentwortung des jüngsten Hirtenbriefes des deutschen Episcopats auszuarbeiten. Die Ant— wort wird dem Vernehmen nach auch kirchliche Reformvorschläge enthalten.
— Vom Kaiser Wilhelm ist auf das Tele. Der Schaden an Mobiliar allein beträgt allein gramm, welches der erste Bürgermeister der Stadt gegen eine halbe Million. 8 München bei der kürzlich stattgefundenen Pflanzung Frankreich. Paris. Einer Ordre des der Friedens- oder Kaisereiche an denselben ge- Chefs der Executive zufolge müssen alle Waffen richtet hat, folgende vom Kaiser eigenhändig un unverzüglich bei den von der Regierung bierzu l an e 170 babe ernannten Behörden abgeliefert werden. Die as Telegramm, mit welchem mir der Magistrat Nationalgarden von Paris und dem Seine-De⸗ don der 1 e einer deutschen Kai- partement sind aufgelöst. Die bereits abgeliefer⸗ b e e e e dee f 1 0 mpf ommen. Stück.— Noch immer werden Weiber verhaftet, 15 ne 1 5 0 Pappen d we e en sind, e. die Keller 5 er Haäu. Glider dee ven enstandenen beuüscen Reiche, verhaftet hnude, war nit zuel evoldern ben. die Wiederauftichtung des deutschen Kaiserthums net; eine andere prahlte damit, 22 Soldaten ge⸗ in so sinnreicher Weise gefeiert worden ist. Möge tödtet zu haben.— Dem„Monde“ zufolge ist Ihre Kaisereiche, das Symbol deutscher Kraft, die Fusion zwischen den Orleanisten und Legiti⸗ ausdauernden Strebens und einigenden Gemein- misten nunmehr vollständig. 8 sinns, wachsen und bis in die fernste Zukunft ge[ Versailles. Der„Gaulois“ meldet: Ge— 5 5 sich 6 1 91 N neral Leflö geht als Gesandter nach Petersburg. elche beim anzen derselben zum Ausdruck ge- M is Gabri 5 4 i 1 5 sind, zum Segen der deutschen Nation er⸗ Beal Bl. eee ene ganisation der Armee beschloß mit Einstimmigkeit, Fürsten und Völker, sich seien Wachsthums erfreuen ee 3 g i orzuschlagen. an innerer Kraft zur gedeihlichen Förderung seines 1 2 Rochefort* am 3. Juni vor dem ad . e 1 hoc niedergesetzten Kriegsgerichte die Reihe Derer, Paste, Benn, 22, Ant 8 Wilhelm„welche der Aufreizung zum Bürgerkriege, zur Regensburg, Nach hier ecgentoßene e 5 beir ee 115 . 0 röffnen.— Di i i i Telegrammen von Offizieren des 11. Infanterie-* e e. r K regiments sind die Bayern, trotz des Friedens— Wie es heißt, würde Lambrecht Minister ee eee de e ee e een eee 5. 8 er, werden.— Einer in Paris angeschlagenen Be— zweifelten Durchbruchsversuch bei den bayerischen kanntmachung zufolge werden die Verbindungen
Linien ausfübren, wurden aber kräftigst und ohne mit Paris vom 3. Juni ab vollständig frei sein.
bedeutenden Verlust unsererseits zurückgewiesen.— 3. Juni. Die Nationalversammlung hat Straßburg. Am 1. Juni wurde bei der mit Einstimmigkeit einen Credit von 1,053,000 Fr. hiesigen Banksuccursaale die erste Rate der fran: für die Wiederherstellung des Hauses Thiers' be⸗ zösischen Kriegsentschädigung im Betrage von 40 willigt. Die zur Prüfung des Antrages auf Millionen Francs in Noten gezahlt.— Der hier Aufhebung der Verbannungsgesetze gewählte Com- anwesende Graf Moltke besichtigte die Festung mission ist fast durchweg der Aufhebung günstig. aufs Genaueste. In seinem Gefolge sah man Wie es heißt, würde der Antrag auf Verlängerung nach einigen süddeutschen Blättern den Comman- der Vollmachten Thiers' am Montag eingebracht deur des Ingenieurcorps, Generallieutenant von werden.— Die Entwaffnung, die Haussuchungen Kamecke, nebst General von Stiehle. und die Verhaftungen dauern in Paris fort, ohne Aus dem Elsaß. Die für die Verkehrs⸗ auf Widerstand zu stoßen. Die Kriegsgerichte Interessen, namentlich des Elsaß und Lothringens, werden Dienstag ihre Thätigkeit beginnen. Die dringend nöthige beschleunigte Regelung der Post⸗ beiden Paris-Versailler Eisenbahnen haben diesen verhältnisse mit Frankreich ist sofort nach dem Morgen den Dienst in derselben Weise wie früher Frieden in Angriff genommen worden; der General- wieder aufgenommen. Der Andrang der Rei⸗ Postdirector Stephan hat sich zu diesem Zwecke senden ist groß. Der Verkehr ist völlig unge⸗ bereits nach Frankfurt a. M. begeben. Derselbe hindert. Die Geschäfte in Paris kommen wieder wird zugleich die Vereinbarungen mit der großher- in Gang. zoglich badischen Regierung wegen definitiver— Der„Figaro“ veröffentlicht ein nament— Uebernahme des dortigen Postwesens in die Reichs- liches Verzeichniß von 49 Ausländern, welche der postverwaltung treffen; es kommt dabei namentlich Commune Hülfe geleistet haben oder selbst zu das Verhältniß dur Schweiz und zu Frankreich, so ihren Mitgliedern gehörten. Es finden sich da⸗ wie die Trennung des badischen Post⸗ und Eisen⸗ runter 22 Polen, 8 Italiener, 7 Deutsche, je 2 bahnwesens in Betracht, welches bisher zu Einer Spanier, Wallachen, Portugiesen, Amerikaner,
Verwaltung verschmolzen war. und je 1 Aegypter, Belgier, und Holländer. Die
aufgezählten deutschen Namen sind: Eschenlaub, Ausland. Fränkel, Herzfeld, Syneck, Thaller, Wetzel, Zengerle. Oesterreich. Wien. Sitzung des Reichs— In Havre arbeitet die antipreußische raths vom 2. Januar. Der Präsident theilt die Liga mit aller Rührigkeit; sie veröffentlicht die Antwort des Kaisers auf die Adresse des Abge— Namen und Wohnungen aller dort sich befindenden ordnetenhauses mit. Der Kaiser habe mit Be- oder ankommenden Deutschen, fordert die Einwohner friedigung die erneuten Versicherungen der Treue auf, keinem derselben eine Wohnung zu vermiethen entgegengenommen und erklärt, er theile vollkom- noch in Geschäftsverkehr mit ihnen zu treten, kurz, men die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, nicht Ein Wort mit ihnen zu wechseln, um ihnen den Verfassungskampf zu beendigen; er hege die durch eine solche Isolirung das Leben in Havre Zuversicht, daß es der Regierung gelingen werde, unerträglich und unmöglich zu machen. Eine gestützt durch das volle Vertrauen des Kaisers, vielleicht noch stärkere Triebfeder bei dieser Deutschen⸗ die stets wiederkehrenden Keisen im verfassungs“ hetze als der Haß ist der Brodneid. mäßigen Wege, wirklich in Abschluß zu bringen. Soisy. Aus Paris wird vom 2. Juni ge— Der Kaiser sprach die Erwartung aus, daß das meldet: Der freie Verkehr mit der Hauptstadt ist Abgeordnetenhaus auch seinerseits hierzu mitwirken[geordnet. Der Telegraphendienst für Private ist werde. noch nicht wieder hergestellt. Der Bischof Dupan⸗ — Nachrichten aus Florenz zufolge ist die loup ist zum Erzbischof von Paris ernannt. Die Spannung Frankreichs und Italiens ernsthaft. allgemeine Lage ist zufriedenstellend. Visconti Venosta verlangte in einem Schreiben.. Belgien. Brüssel. Das„Echo du Parle- an Thiers die Abberufung des französischen Ge- ment“ meldet: Felix Pyat und Grousset sind in sandten in Rom, Marquis d'Harcourt, wegen der Schweiz verhaftet worden. Die Nachricht effenkundiger Agitation gegen die Intentionen der ihrer Verhaftung wurde der belgischen Regierung italienischen Regierung. amtlich mitgetheilt.— Das Tribunal de Com- Schweiz Zürich. Die hiesige neue Kaserne merce hat sein Urtheil in der Angelegenheit wegen
brannte in der Nacht vom 1. auf 2. Juni nieder. der definitiven Schuldtitel der letzten Pariser An⸗
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