dar anerkennen. Der Commissions-Antrag auf Tagesordnung wird hierauf mit großer Majorität angenommen. Wil N betreffend die Besteuerung der Schlußscheine, wird nach kußzer Debatte zur Tagesordnung üb, ge· gangen, Bezüglich des von Wiggers vorgeschla⸗ genen Gesetzentwurfes, betreffend die Cautlons⸗ pflichtigkrit der periodischen Druckschriften und Entziehung der Befugniß zum Betriebe eines Preßgewerbes, wird eine zweite Berathung im Plenum beschlossen, nachdem Delbrück erklärt hat, daß er den Beschluß des Bundesrathes über diesen Antrag nicht mittheilen könne, da derselbe sich hiermit noch nicht beschäftigt babe, daß aber die verbündeten Regierungen seiner Ansicht nach sich nicht entschließen würden, aus dem System der Preßgesetzgebung einzelne Stückt he. auszuziehen. Im Falle der Erneuerung des französischen Handelsvertrags vor dem Friedensschluß wird Deutschland, wie verlautet, die Stellung der meist⸗ begünsligten Nationen beanspruchen.
München. Die hiesige Nuntiatur beabsich⸗ tigt, der Regierung ein römisches Actenstück vor⸗ zulegen, in welchem auszuführen versucht wird, daß das Unfehlbarkeitsdogma die baperische Staats- verfassung nicht alterire.
— Man sagt, es sti ein Abgesandter des Papstes mit Depeschen und speciellen Instruktionen auf dem Wege nach München, um zu verhindern, daß Professor Dr. Friedrich seine geiftlichen Funk⸗ tionen auszuüben fortfahre. 11300
— Das Gesuch des Dr. Friedrich, trotz der erzbischöflichen Communication seine geistlichen Funktionen als Hofbenesiciat fortsetzen zu dürfen, ist vom Oberhofmeisterstabe abschlägig beschieden worden.
Straßburg. In französischen Blättern wird der jährliche Ausfall, den die französische
Staatscasse durch dit Abtretung von Elsaß⸗Loth⸗
ringen erleidet, auf 59 Millionen Franken ge⸗ 2 t.. 4 14
f* Die Abschätzung der durch das Bombar⸗ dement unserer Stadt entstandenen Schäden hat, wie eine Zuschrift des„Niederrh. Kur.“ feststellt, Folgendes ergeben: Für die Stadt, den Bann und die Gemeinde Schiltigbeim beträgt der angegebene Schaden 59,993,103 Fr. Die Verification der Experten hat die Summe auf 49,517,581 Fr. vermindert. Die Reclamationen gegen die Ab⸗ schätzungen belaufen sich auf etwa 500,000 Fr., so daß sich ein Gesammtverlust von 50 Millionen herausstellen würde, vorbehaltlich der Controle der Centralcommission.
— Die„Straßb. Ztg.“ veröffentlicht eine Verordnung des Generalgouvernements, betreffend die Errichtung einer Zolllinie an der Grenze gegen die Schweiz.
— Außer Marsal sind von den festen Plätzen der erworbenen Landestheile auch Lützelburg und Lichtenberg zur Schleifung bestimmt. Für Pfalz⸗ burg, Bitsch, Neu⸗Breisach und Schlettstadt steh! hingegen die Entscheidung noch aus.
Ausland.
Frankreich. Paris, 2. Mai, Mittags. Das von dem„Moniteur, erwähnte Gerücht, wonach Dombrowski mit seinem Generalstabe gefangen genommen wäre, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Die Berichte des„Moniteur“ und der „Patrie“ über die in Issy stattgehabten Exeignisse sind gänzlich unrichtig. Die Versailler haben nie⸗ mals das Fort besetzt. Dasselbe wurde vielmehr von einer kleinen Zahl von föderirten Freiwil⸗ ligen um den Preis großer Opfer, wieder besetzt, Die Föderirten nahmen später den Versaillern sogar die 300 Meter von dem Fort belegenen Gräben ab, sowie eine von den Versaillern besetzte Barrikade auf der Linken des Forts, desgleichen den Kirchhof von Issy, von wo die Versailler sich auf Moulineaux zurückzogen. Die Föderixten versuchten hierauf die Position von Moulineaux wieder zu nehmen, wurden jedoch mit Verlust zu · rückgewiesen. 30974
— Abends. Berichte, welche von der Com- mune herrühren, sagen: Die Föderirten haben die Versailler aus ihren Positionen im Par! und
Ueber den Antrag Wittmann's, ben. Neue Werke sind zu Issy errichtet worden, 15 diese Stellung stärker als je machen Heute
Kirchhof von wo aus ihre Tirailleure die Aude Gosau tun 5 vertrie;
der Kampf auf der ganzen Linie verhältniß⸗ mäßig„ Kanonen⸗ nnd Gewehrfeuer sind hauptsächlich auf der Seite von Ternes und Levallois vernehmbar. L Ein äußerst heftiger Kampf ist bei Issy entbrannt. Die Batterien der Regierungstruppen unterhalten ein furchtbares Feuer. Eine Anzahl Nationalgarden kehrten entmuthigt in die Stadt zurück. a L 3. Mai. Die Faubourgs Montmartre und Batignolles werden von einem Granatregen überschüttet.. Im- — Morgens. Die Commune verbreitet fol- gende Nachrichten: Moulin Saquet wurde in der vergangenen Nacht heftig angegriffen. Die Ver⸗ failler wurden zurückgeworfen. Ein Infanterie gefecht fand im Dorfe Issy statt. Die Versailler drangen bis zur Mairie vor, wurden aber als- dann wieder zurückgedrängt. Die Verluste sind auf beiden Seiten empfindlich. 8 — Die Versailler schieben ihre Annäherungs⸗ arbeiten mit wachsender Energie vor. Es scheint, daß der Entscheidungskampf unmittelbar bevor steht. Das officielle Journal der Commune theilt mit, daß die Commune einen Parlamentär nach St. Denis gesandt habe, um von der deutschen Milflärbehörde gewisse Aufklärungen zu verlangen. — Abends. Die Versailler verfolgen ihre Angriffsoperationen.— Ein preußischer Parla- mentär hat verlangt, daß die Garnison des Forts von Vincennes, wie die Friedenspräliminarien vorschreiben, entfernt werde.— Die Commune hat bei einer großen Anzahl von Notaren Siegel anlegen lasse. — Die Commune war genöthigt, auf Ver⸗ langen der Preußen die Garnison im Fort von Vincennes zu vermindern. Heute hat das Ge⸗ schütz⸗ und Gewehrfeuer auf der Seite von As- nisres, Neuilly und Gennevilliers nachgelassen, dagegen ist die Kanonade in der Richtung nach Vanvres, Issy und Montrouge sehr lebhaft Die Versailler beschießen besonders Vanvies mit großer Heftigkeit. In einer Reihe von Gefechten sind die Föderirten zurückgedrängt worden, und haben die Versailler in der vergangenen Nacht den Park und beinahe das ganze Dorf Issy wieder besetzt, sowie die Redoute zwischen Issy und Vanvres. Fort Issy wird gegenwärtig vom Süden und Westen don den in großer Nähe errichteten Ver⸗ sailler Batterien und von der Seite von Paris her von den im Park und dem Dorf verschanzten Versailler Truppen bedroht. Heute Nachmittag feuerte das Fort noch. Die Bewegungen der Versailler lassen einen nahe bevorstehenden heftigen Angriff auf das Fort Issy vermuthen. Versailles, 2. Mai, Abends. Die Kano⸗ nade dauert auf der ganzen Linie fort. Unsere Artillerie beginnt in Forts Issp Bresche zu schießen. — In der Nationalversammlung erklärte Picard, daß in vergangener Nacht und heute Vormitlag Operationen von großer Wichtigkeit bewirkt seien. Der Minister bestätigte die Besetzung des Bahn— hofs von Clamart und des Schlosses ron Issy und fügte hinzu, daß diese Resultate beträchtlicher seien, als die bisher errungenen Vortheile. Die Operationen würden fortgesetzt.
— 3. Mat, Morgens. Eine lebhafte Kano⸗ nade wird gehört, jedoch versichert man, daß vergangene Nacht nichts von Bedeutung vorge⸗ fallen sei. Nachrichten aus Paris don 3 Uhr Morgens melden, daß die Journale den Wortlaut der am 30. April an das Fort Issy gerichteten Aufforderung zur Uebergabe veröffentlichen, sowie die Antwort Rossel's, in welcher derselbe erklärt, wenn man ihm aufs Neue eine solche beleidigende Aufforderung senden würde, so würde er den Parlamentär erschießen lasen..
— Mitternacht. In Versailles erwartete Alles, daß die Truppen der Regierung Paris mit Tagesan⸗ bruch besetzen würden. Drei Divisionen avancirten nach dem Boulogner Holze. Ein Armeecorps folgte
den Vorposten. Umstände verhinderten dir Aus- fübrung des Angriffsplanes. 1
24. Mai, Morgens. Die Annäherungs⸗ arbeiten gegen das Fort Issy werden fortgesetzt. Die Besatzung 50 en kann nicht ent- kommen. Das Geschütz. und Gewehrfeuer dauert fort, jedoch hat sich bis jetzt nicht von Bedeutung ereignet. 60 Gefangene sind gestern in Versailles eingebracht.— Jules Favre ist in vergangener Nacht nach Brüssel abgereist, um die Friedens- verhandlungen zu beschleunigen.—„Soir“ theilt mit, daß der Procurator der Republik in Dreux
an die Prinzen von Orleans die Aufforderung
gerichtet hat, Frankreich zu verlassen.
Lagny. Die fälligen Verpflegungsgelder in der Höhe von 19 Millionen sind am 1. Mai in Rouen und Amiens richtig gezahlt worden.
Großbritannien. London. Die„Times“ melden aus Paris vom 3. Mai: Die Batterien binter Issy feuern ununterbrochen fort. Eine Re- rognoscirung der Föderirten nach Clamart wurde zurückgeschlagen. Pyat ließ gestern im Stadthaus Waffen vertheilen. Die Barrikaden werden von Weibern vertheivdigt. Das Bombardement der Südforts dauert mit voller Heftigkeit fort.
— Im Unterhause wurde der Antrag Bright's, den Frauen das Stimmrecht zu verleihen, mit 220 gegen 151 Stimmen verworfen.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Ein Decret des Fütsten von Rumänien verordnet aus Ersparungerücksichten die Auflösung der dritten Bataillone der gesammten Infanterie und des ge · sammten reitenden Jägercorps.
— Bei den Municipalitätswahlen in Bukarest erlitten die Rothen eine vollständige Niederlage.
Metz. Die ungeheuren Schlachtfelder rings um Metz hören— nach den Schilderungen in dem Feldpostbriefe eines Berliner Landwehr⸗Pionniers— noch immer nicht auf, Stätten des Entsetzens und grauenvoller Kriegsarbelt zu sein. Wie aufreibend gewiß die großen Kämpfe der Augusttage vorigen Jahres gewesen us, heißt es in jenem Briefe, einen wie enisetzlichen Anblick die frischen Schlachtfelder damals mit ihren Tausenden von Todten und Verwundeten gewährt haben mögen und wie schrecklich unzweifelhaft die während der Belagerung aus den flachen, schlechtbedeckten Massengräbern aussteigenden Dünste ge⸗ wirkt baden müssen, der hohe Grad von Entsetzen, Grausen und Ekel kann damals doch nicht erteicht worden sein, der bei den gegenwärtig in der Ausführung begriffenen
Desinfieirungsarbeiten 1 drei Wochen Tag für Tag auf uns Pionniere einwirkl. Das Aüshöhen schlechibedeckter
scheußliche Miasmen ausathmender Massengräber, aus denen hie und da ganze Leichentheile unter dem vom Regen fortgewaschenen Erdreich hervorschauen, ißt noch eme verhältnißmäßig leichte und angenehme Arbeit zu nennen gegenüber der Aufgabe, diese äber theilweise zu öffnen, die halbverwesien verstümmelten Leichen tiefer zu legen, sie einzukalken, einzelne Koͤrper, namentlich von Offizieren, daraus hervorzusuchen und mehrere Kilometres weit zu transportiren oder gar den ganzen Leicheninhalt eines auf Felsboden angelegten Massengrabes zu sortiren und auf besset. geeigneter Stelle neu zu betten, wenn nicht, wie dies auch schon wiederholt angeordnet und aus⸗ geführt werden ist, das Wiederbegraben ganz fortfällt und die Leichen dafür auf einen Haufen gepackt, mit Theer und Petroleum übergossen und verbrannt werden, welcher letzteren Procedur allerdings aus sanitären Gründen der Vorzug zu geben ist. Nothwendig sind diese Arbeiten allerdings, weil sonst die Gegend ganz unbewohnbar werden würde. Allein das Loos, welches uns dabei betrifft, ist ein überaus hartes, fast unerträgliches. Der Leichengestank bat unsere Kleider bereits, so vollständig durchsetzt, daß wir ihn weder Tag noch Nacht los werden. Ekel und Enisetzen rauben uns Appetit und Schlaf; selbst der Brannt⸗ wein schmeckt uns nicht mehr und verfehlt seine Wirkung, da nach seinem Genusse die Phantasie im Schlafen und Wachen nur noch mehr mit den srausenvollen Bildern erfüllt wird, welche unsere scheußliche Arbeit uns vor Augen sührt. Das Traurigste aber ist, daß noch gar kein Ende dieser Tbätigkeit abzusehen ist, und daß wir alten Wehrleufe von der ersten Festungscompagnie des dritten Pionnier⸗Bataillons bis zur vollständigen Erledigung der Desoinficirung mittelst derartigen aufreibenden und ge⸗ sundheitsgefährlichen Arbeiten bei den Fahnen bleiben sollen, während längst schon viel jüngere Mannschaften anderer Waffengattungen singend und jubelnd an uns vorbeimarschirt sind, um in dir Heimath entlassen zu werden.
Wien. Ein hiesiges Blatt meldet;„Eine Bande geflüchiete'r Franzosen hält sich im Owinsker Walde auf und hat sich daselbst vollständig als Räuberbande organi⸗ sirt, welche gewaltthälige Requisitionen vornimmt und vor der kein Fuhrwerk, kein Reisender, der den Wald passiren muß, sicher ist. Bei der Posener Commandantur liefen kürzlich ganz erschreckliche Berichte über das Treiben dieser Bande ein, so daß man es sofort für nothwendig erachtete, ein Detachement Soldaten, Jufanterie und Cavallerie, be⸗ hufs Absuchung des Waldes zu entsenden. Das Resultat
nach. Mac Mahon ging um 11 Uhr Nachts zu
dieser Expedition ist noch nicht bekannt.“
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