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am 3. Sept. beendigt. Am 6. d. M. trifft der Kaiser in Salzburg ein, wo das Nachtlager ge- nommen wird. Am 7. erfolgt die Fortsetzung der Rückreise über München.
— Daß die deutsche Feldpost im letzten Kriege ganz Außerordentliches geleistet, ist von allen Sei⸗ ten unumschränkt anerkannt worden, doch werden einige statistische Notizen das Factum zur Evidenz beweisen Die Postoerwaltung stellte, unter Hin⸗ zufügung der Zahl der bei den Postanstalten in Elsaß-Lothringen und der bei den Postsammel stellen beschäftigten Beamten ein Personal von über 5000 Köpfen für die Zwecke des Krieges, dann 1933 Pferde und 465 Fahrzeuge. Es wurden auf dem Kriegstheater 411 deutsche Post⸗ anstalten errichtet. Aus den amtlichen Ermitt- lungen über den Feldpostverkehr für den Zeitraum vom 16. Juli 1870 bis 31. März 1871 ergeben sich folgende enorme Resultate: Es wurden be⸗ fördert 89,659,000 gewöhnliche Briefe und Corre⸗ spondenzkarten, 2,354,310 Zeitungen, in Militär- dienstangelegenheiten 43,023,460 Pfund in 36,704 Briefen und Packeten, in Privatangelegenheiten der Militärs 16,842,460 Pfund in 2,379,020 Briefen, 125,916 Packete in Militärdienstange⸗ legenheiten und 1,853,686 Packete in Privatan⸗ gelegenheiten.
— Bei den vielfach laut werdenden Klagen über Zurücksetzung der katholischen Kirche in protestantischen Ländern dürsten nachstehende An- gaben über die Ausstattung und besonders über die Gehalts⸗-Dotirung des Clerus in Preußen nicht ohne Interesse sein. Von den acht Kirchen- fürsten, welche an der Spitze der in den acht alten Provinzen des Staates bestehenden ebenso vielen Dibtesen stehen, erhalten, und zwar ledig— lich aus Staatsfonds, die Erzbischöfe von Köln und Posen⸗Gnesen ein jeder ein Jahrgehalt von 12,000 Thalern, ebenso viel die Bischöfe von Breslau und des Ermelandes. Die drei unter dem Erzbischofe von Köln stehenden Bischöfe von Trier, Paderborn und Münster, desgleichen der dem Erzbischof von Posen untergeordnete Bischof von Kulm, erhalten jeder ein staatliches Gehalt von 8000 Thalern. Daneben haben diese acht Herrrn auch noch auf Staatskosten erbaute und erhaltene Palais. Zu den Gehalten der Weih— bischöfe d. h. der Stellvertreter und ersten Ge— hilfen der Erzbischösfe und Bischöfe trägt der Staat ebenfalls ein Erkleckliches bei, nämlich jähr⸗ lich 50,621 Thaler. Dazu die Besoldung der acht Kirchenfürsten mit 80,000 Thaler, ergibt 130,621 Thaler. In dem katholischen Frankreich, wo der Bischof nur 4000 Thaler, der Erzbischof auch nur 5333 Thaler erhält, würden jene acht Herren nicht 80,000, sondern nur 34,666 Thaler dem Staate kosten. Die achtzehn Prälaten, deren die Kapitel zu Köln, Posen, Breslau, Münster, Paderborn, Trier, Frauenburg und Peplin jedes einen„Domdechanten“ haben, die Domstifte zu Gnesen und Aachen aber nur je einen Domprobst, beziehen an Besoldung zusammen 28,680 Thaler, also durchschnittlich jeder 1593 Thaler neben einer comfortabel eingerichteten Amtswohnung. In Frankreich haben Geistliche dieses Ranges gerade halb so viel Gehalt. Zur Besoldung der„Dom⸗ herren“ und der„Domvicare“ trägt der Staat die Summe von 92,893 Thalern bei; auch die Diöcesaninstitute werden zum großen Theile vom Staate unterhalten. Wie bedeutend aber der Staatssäckel für die Bestreitung der Bedürf⸗ nisse der bischöflichen Stühle, det Domkapitel und der Dibcesaninstitute herangezogen wird, geht daraus hervor, daß zur Besttreitung der Bedürf⸗ nisse die Summe von 351,055 Thalern jährlich aus Staatsmitteln hergegeben werden.
— 1. Sept. Die durch die Blätter kürzlich gegangene Mittheilung über die Standeserhöhung des Reichskanzlers, daß der Fürstentitel nicht erb⸗ lich verliehen sei, entbehrt nach der„Kreuzzeitung“ jeder Begründung. Der Färstentitel sei erblich nach dem Rechte der Erstgeburt verliehen und die Standeserhhung am Tage der Eröffnung des Reichstages vom Kaiser aus völlig eigener Be— wegung und in einem eigenhändigen Erlaß voll— zogen worden. Der Kanzler sei demnach auch
nicht in der Lage gewesen, irgend welche Ansichten darüber vorher zur Sprache zu bringen.
— Wie die„D. R. C.“ hört, wird der Reichstag etwa zum 19. oder 20 Oktober zur diesjährigen Session einberufen werden.
— Nach der„Krzztg.“ ist über den amtlichen Aufwand an Packet⸗ und Briesportobeträgen ein Aversum aufgenommen worden, welchen Betrag die preußische Staatsregierung fortan jährlich an die Reichskasse zu zahlen gedenkt, um die Porto⸗ freiheit für amtliche Sendungen in früherer Weise wieder herzustellen.
— Die„Rhein. Ztg.“ hatte in einem die Einzugsfeierlichkeit in Berlin referirenden Berichte die kurze Mittheilung gemacht, daß den Strapazen bei den Einzugsfeierlichkeiten 18 Mann erlegen seien. Vor Gericht gestellt, wurde das Blatt zwar freigesprochen, aber Seitens des Kriegs— ministeriums constatirt, daß anläßlich dieser Feier auch nicht ein einziger Todesfall vorgekommen ist.
— Eine Correspondenz der„Kreuzzeitung“ aus Wien glaubt, daß bei der Gasteiner Be— sprechung auch die österreichischen Beziehungen zu Rußland zur Sprache gekommen seien und daß wohl Anschauungen gewonnen wurden, welche zu— lassen würden, von preußischer Seite dem Peters burger Cabinet über die Auffassung und Stimmung der leitenden österreichischen Kreise Mittheilungen zu machen, die für eine versöhnliche directe Aus einandersetzung die geeignete Brücke bilden können.
— Die„Kieuzzeitung“ enthält eine Wiener
Correspondenz, in welcher es heißt: Der Gedanke, über den Inhalt und die Ergebnisse der Gasteiner Begegnung den diplomatischen Repräsentanten des Auslandes eine authentische Mittheilung zu eigener Orientirung und geeigneter Benutzung an den betreffenden Höfen zu machen, sei aufgegeben. Man habe geglaubt, sich darauf beschränken zu müssen, Stellen, an denen eine gewisse Beun— ruhigung über die Dinge in Gastein Platz greisen sollte, Aufklärungen zugehen zu lassen. welche keinen Zweifel gestatteten, daß den Besprechungen jede aggressive Tendenz fern gelegen habe und nur eine möglichst umfassende Verständigung im Interesse des Friedens Seitens derjenigen Staaten⸗ gruppen angestrebt worden sei, deren Zusammen⸗ gehen jederzeit als sicherster Hort des Friedens sich bewährt habe. — Nach einer im Kriegsministerium veran- stalteten oberflächlichen Zusammenstellung der während des Krieges von 1870/71 zur Verthei⸗ lung gelangten Eisernen Kreuze beläuft sich die Gesammtzahl derselben auf circa 40,000; es ist das eine Zahl, welche, wenn man sie in Vergleich stellt zu den während des Feldzugs von 1813—15 verliehenen Kreuzen, hinter dieser Verleihung nicht unerheblich zurückbleibt. Denn während die deut— sche Armee in dem letzten Fele zuge mehr als das vierfache derjenigen Zahl betrug, welche in den Jahren 181315 die preußische Armee repräsen⸗ tirte, so betrug die Zahl derjenigen eisernen Kreuze, welche in den Befreiungs kriegen zur Ver⸗ tyeilung gelangten, doch circa 15.700. Ganz be⸗ sonders erheblich tritt aber dieser Umstand bei den Verleihungen der oberen Classen dieses Or- dens in den Vordergrund. So wurde z. B. während der Befreiungskriege das Großkreuz des Eisernen Kreuzes außer an den Kronprinzen von Schweden, an die Generale Fürst Blücher, von Gneisenau, Graf Jork, v. Tanentzien und von Bülow verliehen, während in dem letzten Feld- zuge diese höchste Classe des Ordens nur an sieben hervorragende Generale gegeben wurde, nämlich an die drei prinzlichen Marschälle: Kron⸗ prinz des deutschen Reiches, Prinz Friedrich Karl und Kronprinz von Sachsen, an den Feldmar⸗ schall Graf Moltke und an die Generale von Werder, v. Goeben und v. Manteuffel. In gleicher Weise bietet sich eine geringe Verleihung der Dekoration des Eisernen Kreuzes erster Classe während des letzten Feldzuges dar und hier tritt der Unterschied so auffällig hervor, daß die Zahl der 1870%71 verliehenen Decorationen dieser Classe fast um die Hälfte geringer ist, als die⸗ jenige war, welche 1813 bis 1815 zur Verthei⸗ lung gelangte.
Potsdam. Die Mittheilung eines B liner Blattes, der Kronprinz sei vom Pferde ge stürzt, entbehrt jeder Begründung. Der Kron prinz erfreut sich des besten Wohlseins und ist von irgend einem Unfall keine Rede. 1
Eisenach. Die„Weim. Ztg.“ meldet von hier: In einer Sitzung des Kirchengemeindevor⸗ standes ist Pfarrer Marbach aus Obbornhefen
bei Gießen mit großer Majorität zum hiesigen
Oberpfarcer an Stelle des verstorbenen Kirchen⸗ rathes Dr. Stier gewählt worden.
Münster. Seitens des Militärgerichtes der 13. Division werden aus dem Bezirke des ersien westphälischen Landwehr- Regiments Nr. 13. 37, aus dem des fänften westphälischen Landwehr⸗ Regiments Nr. 53 64 Mann, theils Refruten, theils Reservisten, zum 9. December nach Münster vorgeladen, da gegen dieselben der Desertionspro⸗ ceß eingeleitet ist. 1 Marburg. Wie die„Oberhess. Zig.“ ver- nimmt, hat der jüngst in Santiago verstorbene Wilhelm Deichert von hier Denjenigen aus Mar⸗ burg, Kassel und Hanau, welche an dem Kriege gegen Frankreich theilgenommen, für jede dieser drei Städte Eintausend Thaler testamentarisch ausgesetzt.
Frankfurt. Die hiesigen Zeitungen melden: Die jungen Leute aus Homburg und Biedenkopf, sowie eine ältere Serie junger Frankfurter, letztere schon einmal durchgefallen, welche sich am 1. Sept. im Examen für den einjährigen Militärdienst be⸗ fanden, hatten entschiedenes Pech, denn sämmtliche, nämlich 17, fielen durch. Von den 60 an diesem Tage Examinirten bestanden überhaupt nur 3. Die von Jahr zu Jahr sich steigernde Strenge in den Prüfungen dürfte den Eltern eine Mahnung sein, ihre Kinder nicht eher aus den höheren Bildungsanstalten zu nehmen, als bis sie dieselben vollständig absolvirt haben.
Lübeck. Der hier versammelt gewesene volks wirthschastliche Congreß hat bezüglich der Münz⸗ frage folgende Resolution mit Einstimmigkeit ange⸗ nommen: Dem Reichstage möge in der nächsten Session ein Gesetzentwurf zur Herstellung eines einheitlichen decimalen Münzsystems auf Grundlage der reinen Goldwährung mit der Rechnungseinheit im Werthe von 20 Silbergroschen der gegenwar⸗ tigen Währung vorgelegt werden. Die bisherigen Silbercourantmünzen werden suctessive eingezogen, gelten aber bis auf Weiteres als gesetzliches Zah⸗ lungsmittel. Die Ausprägung von Silbercourant findet nicht mehr statt. Alle provisorischen Maß- regeln ohne Durchführung eines ganzen Reform- plans sind zu vermeiden.
Ausland 5 Oesterteich. Gastein. Kaiser Wilhelm reist sicherem Vernehmen nach in Begleitung des Fürsten Bismarck Mittwoch nach Salzburg ab, wo derselde Donnerstag mit dem Kaiser von Oesterreich zusammentrifft.— Frankreich. Paris. 1. Sept. Briefe aus Versailles constatiren, daß das gestrige Votum der Kammer mit allgemeiner Befriedigung in den Departements aufgenommen wurde, und daß man hofft, es werde hierdurch ein allgemeiner Auf⸗ schwung der Geschäfte erzielt werden. Thiers hat Beglückwünschungs Telegramme von allen Regie- rungen erhalten. Man glaubt, die Verhandlungen mit dem Grafen Arnim bezüglich der Räumung der Departements um Paris werde durch das Votum der Versammlung erleichtert. Die Nach- richt, daß Thiers heute eine Botschaft an die Nationalversammlung richten wird, in welcher er seinen Dank ausspricht, wird bestätigt. Das Ge- rücht von Veränderungen im Ministerium wird dementirt Larcy hat seine Demission zurückge- zogen. Die Ferien der Nationalversamnlung werden wahrscheinlich gegen den 15. d. beginnen. — Die Krise im Innern hindert die öffentliche Meinung nicht, den auswärtigen Angelegenheiten ein reges Interesse zu widmen. Die österreichisch⸗ italienisch-deutsche Allianz macht noch immer die Köpfe warm. Der Gasteiner Correspondent der
„Verite“ bemüht sich, in anderthalb Spalten nach · 1 zuweisen, die Intentionen des deutschen Reichs ⸗ 3
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