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Menzel von Berlin war aus der Ferne herzuge⸗ kommen, um der Eröffnungsfeier beizuwohnen. Zur besonderen Zierde gereichte derselben die An⸗ wesenheit des Präsidenten des landwirthschaft⸗ lichen Provinzialvereins, Sr. Erlaucht des Herrn Grafen von Laubach, sowie des landwirthschaft⸗ lichen Generalsekretärs, Herrn von Langsdorff aus Darmstadt. In längeren Ansprachen der letztgenannten Herren, sowie der Herren Regierungs- rath Trapp und Rentamtmann Lindeck wurden Nothwendigkeit und Bedeutung, Zwecke und Ziele der jungen Anstalt eingehend erörtert. Der In- halt dieser Reden ist insbesondere für die Leser d. Bl. aus landwirthschaftlichen Kreisen— zu interessant und beberzigenswerth, als daß er hier ganz unberührt bleiben sollte. Das A und das O derselben war: vermehrte, tiefgreifende und weitergehende Bildung ist unabweisbares Be- dürfniß nicht blos für den großen, sondern auch für den mittleren und kleineren Landwirth. Die Verhältnisse sind andere geworden, ein riesiger Fortschritt macht sich auf allen Gebieten mensch⸗ licher Thätigkeit bemerkbar. Ganz andere An- forderungen stellt unsere Zeit an den Landwirth, ganz andere Schwierigkeiten hat er zu überwinden; eine gewaltige Concurrenz mit den in fernen Ländern auf noch jungfräulichem, weniger mit Steuern belasteten Boden, mit weniger kostspieligen Arbeitskräften gewonnenen und durch die jetzigen Verkehrsmittel massenhaft auf unsern Markt ge— worfenen Erzeugnissen hat er zu bestehen. Darum muß mit dem alten Schlendrian überall gründlich gebrochen werden. Auf rationellere Weise und mit größerer Intelligenz muß Mehr und Werth⸗ volleres producirt, müssen vortheilhaftere Einrich- tungen getroffen, müssen die Fortschritte der Wissen⸗ schaft ungesäumt praktisch erprobt und ausgenutzt werden. Dazu gehören gründlichere allgemeine Bildung, tüchtigere Fachkenntnisse. Diese kann die Volksschule nicht in ausreichendem Maaße geben, schon darum nicht, weil sie, will sie nicht zum Schaden ihrer Wirksamkeit sich ihrer eigent- lichen Aufgabe entfremden, niemals Fachschule
werden kann. Im Gewerbeleben hat man das Bedürfniß tüchtiger Fachbildung schon längst er- kannt und allenthalben Gewerbe, beziehungsweise Handwerkerschulen gegründet. Nun gilt es, daß diese Erkenntniß auch unter den Landwirthen immer mehr zum Durchbruch kommt, daß die landwirthschaftlichen Bildungsanstalten zahlreich besucht und tüchtig ausgenutzt werden, denn davon hauptsächlich wird es auch abhängen, ob und in wie weit eine Unterstützung derselben von Seiten des Staates zu hoffen steht. Viel ist in unserm Großherzogthum für die Hebung des Acker— baues schon geschehen durch die Gesetzgebung, durch die Wirksamkeit der landwirthschaftlichen Vereine, durch verbesserten, allseitiger gebotenen Unterricht ꝛc.; daß es immer besser damit werde, dazu ist hauptsächlich erforderlich, daß die vor⸗ handenen Bildungsmittel recht gewürdigt und mit ernstem Fleiße benutzt werden.—
Ein nach Beendigung der Eröffnungsfeier von der Mehrzahl der Theilnehmer an derselben, im Hotel Trapp eingenommenes gemeinschaftliches (Mittagsmahl gab Herrn Seminarlehrer Wahl erwünschte Veranlassung, dem Curatorium der Ackerbauschule in einem auf dasselbe ausgebrachten Toast im Namen unserer Gegend, der hiesigen Stadt und der Lehrer der Anstalt für seine großen und uneigennützigen Bemühungen um das Zu— standekommen derselben den wohlverdienten Dank abzustatten, wie derselbe auch schon in der Eröff— nungsrede des Herrn Präsidenten des landwirtt— schaftlichen Provinzialvereins warmen Ausdruck gefunden hatte.
Wie sehr übrigens durch die Gründung einer Ackerbauschule gerade an hiesigem Orte, wo be— reits früher schon eine ähnliche Anstalt eine Reihe von Jahren existirt hat, einem allgemein gefühlten Bedürfniß entgegengekommen ist, dafür legt der Umstand erfreuliches Zeugniß ab, daß das erste Viertelhundert der angemeldeten Zöglinge bereits überschritten ist,— ein Resultat, das dem wacke— ren Sinn der Landwirthe unserer Gegend nur zur Ehre gereicht.
Mittheilungen aus dem Vereint der Haar--Adols-Stistung.
„Unter allen U 0 Gemeinden im Elsaß bat keine durch den letzten Krieg schwerer gelitten, als die von Bitsch. Die Gründung dieser Gemeinde war mit großen Schwierigkeiten verbunden; denn die dortige bei Weitem überwiegende katholische Bevölkerung hegte gegen die Pro⸗ lestanten sehr übelwollende Gesinnungen. Mit großem Mißvergnügen sah sie die Gründung eines evangelischen Gottesdienstes in ihrer Mitte; noch heftiger wurde sie aufgeregt, als man dort ein anusehnliches Haus kaufte und in bemselben einen Betsaal und eine Schule ein⸗ richteie. Die Stimmung derselben war so seindselig, daß unsere Glaubensgenossen sich lange des Gesanges in ihren goitesdienstlichen Versammlungen enthalten mußten, um sich keine Insulten zuzuziehen. Nach und nach in⸗ dessen legte sich dieser Fanatismus; die katholische Be— völkerung gewöhnte sich an das Dasein einer protestanti⸗ schen Gemeinde und ließ sie in der Feier ihres Gottesdlenstes ungestört.— Nun kam der Krieg. Als Alles sich zur Belagerung dieser Bergfeste anschickte, verließen viele Ein⸗ wohner der an dem Fuße derselben gelegenen Stadt ihre Wohnungen und suchten in den benachbarlen Orten und Waldungen ihre Zuflucht. Auch unsere evangelische Ge⸗ meinde zerstreute sich gänzlich. Nicht ungegründet war die Furcht, die sie antrieb, denn die Stadt wurde durch das Bombardement großentheils eingeäschert und auch das den Betsaal und die Schule umschließende Gebäude von den Flammen bis auf den Grund zerstört. Erst nach der Uebergabe der Festung kehrten die Einwohner wieder aus ihren Zufluchtsstätten zurück, und sind nun damit beschäftigt, ihre Wohnungen wieder herzustellen. Uusere Kirche liegt indessen noch in Trümmern. Wir haben aber nicht gesäumt, die ersten Schritte zu ihrer Wieder⸗ herstellung zu thun. Da der Platz, wo sie bisher stand, sehr undequem war, so hat der Kirchenvorstand der Ge— meinde beschlossen, einen andern geeigneteren Platz für zie anzukaufen. Auch ist man, in der Erwartung, daß sie auch von den evangelischen Soldaten der Garnison werde benutzt werden, gesonnen, sie in etwas größerem Maß⸗ stabe aufzuführen. Sollten aber auch die früheren Dimen— stonen beibehalten werden, so wird die Einrichtung dieses die Kirche und Schule in sich fassenden Gebäudes auf wenigstens 20,000 Fr. zu stieben kommen. Die bisher für Bitsch uns aus Deutschland zugekommenen Liebesgaben sind sehr weit ent⸗ fernt, diese Ausgabe zu erreichen. Indessen soll auch dieser Bau sobald als möglich in Angriff genommen werden, in der Hoffnung, auf fernere Unterstützungen von unsern Glau— bensgenossen und mit desto größerer Zuversicht, seitdem Bitsch sich unter denjenigen Orten befindet, die für die in der näch⸗
sten Haupt⸗Versammlung des Gustav-Adolf⸗Vereins zu be⸗ willigende Liebesgabe werden in Vorschlag gebracht werden.
Veröffentlichung aus dem S Handelsregister.
2696 Heute find in das Handelsretister folgende Ein⸗
träge erfolgt:
Nr. 152. Christian Werner zu Friedberg be⸗ treibt seit dem 18. März 1864 ein Handels ⸗ geschäft mit Spezerei⸗Waaren unter der Firma Christian Werner.
Nr. 153. Eduard Oppenheimer zu Friedberg betreibt seit dem 20. April 1869 einen Handel mit Cigarren, Tabak und Schreibmaterialien unter der Firma E. Oppenheimer.
Nr. 154. Jakob Stern zu Friedberg betreibt seit
dem 1. Januar 1871 einen Handel mit Mehl und Frucht unter der Firma Jakob Stern. Friedberg am 26. Oktober 1871. eee, Aae Friedberg. lt
Versteigerungs⸗ Anzeige. 2715 Montag den 6. November d. J., Vormittage 10 Uhr, sollen in hiesigem Rathhaust 8000 Stück Kiel⸗ federn öffentlich meistbietend versteigert werden.
Friedberg den 2. November 1871. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Foucar.
Güter ⸗ Verpachtung.
4 Die Verpachtung des Hospitalguts vom Oktober ist genehmigt. Die ausbedungene Bürg⸗ 575 ist binnen 8 Tagen zu leisten. Friedberg am 3. November 1871. Die Armencommission.
Italienische Brunellen!
und türkische Zwetsehen 2585 bel Wilh. Fertsch.
Louis
2718 Saison empfehle alle besseren Sorten Filz⸗,
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jeweiligen Tages⸗Course zu haben.
Ungarische H. 100. Prämien- Loose.
2648 Diese Loose, von der Königl. Ungar. Regierung garantirt, gehören unstreitig zu den sichersten
Ziehungen am 15. November, 15. Februar, 15. Mai, 15. August. 200,000., 150,000., 100,000 zc. Jedes Loos muß mit mindestens fl. 108. gezogen werden.
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