Ausgabe 
4.11.1871
 
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Samstag den 4. November.

2 130.

Oberhessischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

tirdberger Intelligenzblakt.

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1 Erscheint jeden Vienstag, Donnerstag und Sam stag

Deutsches Reich.

Darmstadt. Das General-Postamt macht Folgendes bekannt: Die gewöhnliche Schlußzeit für die Annahme von Packeten ohne Werthangabe ist bei allen Reichs⸗Postanstalten von zwei Stunden auf eine Stunde vor Abgang der betr. Post ab gekürzt worden. Bei Eisenbahn⸗Posten tritt, wie bisher, noch so viel Zeit hinzu, als zum Transport vom Posthause nach dem Bahnhofe erforderlich ist.

Friedberg. Die kürzlich gebrachte Nach

richt von der Pensionirung des Major v. Hesse

bedarf, wie wir bei veren Mittheilung schon ver- mutheten, der Berichtigung, indem eine Namens- verwechselung vorliegt. Die erwähnte Penstonirung betrifft den Major v. Hessert vom 3. Juf.-Rgt.

Offenbach. Anfangs dieser Woche haben die Maschinenarbeiter der Gebr. Heim ihre Arbeit eingestellt. In Folge dessen erklärten sämmtliche andere hiesige Maschinenfabriken(Collet und Engel bardt, Gebr. Schmaltz, Flinsch und Comp., Seebaß, Klein) ihrem Arbeitspersonal sofort, daß es ihnen, so lange der Conflict in der Heim'schen Fabri nicht beigelegt sei, ebenfalls nicht convenire, ihrer- seits weiterarbeiten zu lassen, worauf diese sämmt⸗ lichen Fabriken arch schlossen. Die Fabrikbesitzer voffen durch dieses gemeinschaftliche Vorgeben die Dauer und Aus dehnung der Arbeits einstellung zu beschränken. Harte Drohungen, in Folge dieser Vorgänge gegen Hrn. Heim ausgestoßen, machten nothwendig, daß dessen Haus- und Fabriks-Locali⸗ täten unter bewaffneten Schutz gestellt wurden.

Berlin. DieProvinzialcorrespondenz sagt: Noch im Laufe dieser Woche geht voraussichtlich dem Reichstage die Vorlage betreffs der Münz: reform zu. Man darf annehmen, daß die Session res Reichstags nicht über die dritte Woche des November dauert und noch in diesem Monat der preußische Landtag einberufen werden kann, um den Staatshausbalt pro 1872 vor Ablauf dieses Jahres fesizustellen.

DieKreuz ⸗Zeitung bestätigt, daß das kaiserliche Antwortschreiben an die Bischöfe zu nächst an den Eczbischof von Köln gerichtet sei. Eine authentische Veröffentlichung Seitens der Re- gierung wäre wohl mit Rücksicht darauf nicht er- folgt, daß auch die Adresse der Bischöfe nicht veröffentlicht ist.

DerReichsauzeiger veröffentlicht die Gesctze, betreffend die Zurückzahlung der Sproc. Anleihe vom 21. Juli 1870 und die Controle des Reichshaushalts pro 1871.

Durch Cabinetsordre ist der General von Stosch seiner Functionen als Director des Militär⸗Dekonomit-Departewents als auch als Chef des Stabes der Occupationstruppen in Frankreich entbunden und dem Kriegsminister zur Unlerstützung in seinem Amte zur Disposition gestellt worden.

Man meldet von hier, daß sich bezüglich des vom Reichstage beantragten, aber vom Bundes- rath verworsenen Gesetzentwurfs über die Cautions- pflichtigkeit periobischer Druckschriften die Regie⸗ rungen von Bapern, Baden, Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg durch ihre Vertreter innerbalb des Bundeeraths für Abschaffung des Cautions- spsteme erklärt haber. Das künftige Preßgesetz hingegen soll der mecklenburgischen Regierungzu liberal, andern Regitrungen wiederumzu wenig überal vorkommen.

Die Polizeibehörde hat ermittelt, daß eine erhebliche Summe falscher 25 Thaler-Darlehen- Kassenscheine in Umlauf sind. Es sind größere

Summen mit Beschlag belegt worden. An der Börse hieß es, dieselben seien aus Paris gekommen.

Der Kronprinz des deutschen Reiches ist hier wieder eingetroffen.

Wie derKöln. Ztg. gemeldet wird, sind zwei Befehle hinter einander ergangen, welche die Entlassung, und zwar die möglichst schleunige Entlassung der Reservisten zum Gegenstande haben.

Leipzig. Am 2. Nov. hat hierselbst der festliche Einzug der Leipziger Garnison stattgefunden.

Aus der Pfalz. In der Oggersheimer Baumwoll⸗ Spinnerei und Sammtfabrik haben am Dienstag sämmtliche Arbeiter, 650 an der Zahl, die Arbeit eingestellt. Dieselben verlangen Be- willigung einer zehnstündigen Arbeitszeit und 25 Prozent Lohnerhöbung.

Ausland.

Oesterreich. Wien. DieNeue freie Presse meldet, daß Baron v. Kellersperg auf der Grundlage der Rückkehr zur Verfassung mit der Neubildung des Cabinets beauftragt worden sei.

Schweiz. Bern. Am 31. Oct. erfolgte zwischen dem Bundespräsidenten und den Gesandten Deutschlands und Italiens der Austausch der Ratificationen, betreffend den Beitritt Deutschlands zum schweizerisch⸗italienischen Gotthardtbahnvertrag.

Frankreich. Paris. Am 31. Oct. sind die Ratificationen der zwischen Frankreich und Deutschland abgeschlossenen Convention, betreffend die territorialen Veränderungen an der französisch; deutschen Grenze und die elsässisch-lothringische Zollangelegenheit, ausgetauscht worden. Die Ver bandlungen über den neuen französisch⸗deutschen Postvertrag werden von Herrn v. Rémusat und dem Grafen v. Arnim fortgeführt.

DieAgence Havas bestätigt, daß Thiers auf den geforderten Modisicationen des französisch⸗ englischen Handelsvertrags beste he, erklärt es jedoch als ungenau, wenn die von Thiers an das Handels- ministerium gerichteten Mittheilungen als Ultimatum bezeichnet seien; es sei vielmehr zu erwarten, daß der Handelsvertrag nicht gekündigt werde.

Aus Paris wird derTimes vom 30. Oct. telegraphirt:Falls die französische Regierung die Ernennung eines Botschafters für Berlin und die Wiederaufnahme der diplomatischen und consulari schen Beziehungen noch weiter verzögern sollte, wird die deutsche Regierung wahrscheinlich ihren außcrordentlichen Gesandten abberufen und durch einen einfachen Geschäftsträger ersetzen.

Versailles. DieAgence Havas meldet, daß der Handelsvertrag mit England nicht ge kündigt, sondern nach nunmehr erzielter Verstäu⸗ rigung nur modificirt werden wird; die Grundzäge der zu treffenden Abänderungen waren bereits theilweise festgestellt. Das Gerücht, wonach die Regierung das allgemeine Stimarecht zu beschränken gedenke, wird für grundlos erklärt.

Großbritannien. London. Die amt⸗ licheLondon Gazetta veröffentlicht einen Erlaß der Königin über die nach der Abschaffung des Stellenkaufs platzgreifenden Normen bezüglich des Eintrittes in den Offiziersstand und die Besörde- rung in demselben. Die Königin befindet sich bedeutend wohler.

Belgien. Brüssel. DemMoniteur zufolge wird der selt dem 5. Mai für die von Frankreich nach Belgien Reisenden eingeführte Paß⸗

zwang vom 4. d. M. wieder aufgehoben.

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Aus Oberhessen. Die Ausführung der Eisenbahn⸗ linie Alsfeld⸗Hersseld, welche bereits seit Jahren projectirt ist, soll dem Vernehmen nach jetzt verwirklicht werden. Die Concession zum Bau ist von dem betreffenden Comite an die Cöln⸗Mindener Bahn abgetreten worden, die be⸗ reits die staatliche Concession zur Ausführung der nöthi⸗ gen Vorarbeiten erhalten hat. Die Oberhessische Bahn will alsbald den Bau einer Zweigbahn von Salzschlirf nach Schlitz ausführen, falls in Ausführung des Berlin⸗ Frankfurter Projectes die Stadt Schlitz unberührt bleiben sollte. Die nöthigen Vermessungsarbeien sollen in Kürze vorgenommen werden.

Vom Taunus. Der Bau des neuen Feldberg⸗ hauses ist glücklich vor Winteranbruch noch unter Dach gebracht worden. Der Neubau, welcher einen 11 Meter langen und 9 Meier breiten Saal hat, besitzt 8 schöne Zimmer. Die Feldberghauscommission beabsichtigt eine Sammlung der dem Taunus eigenthümlichen Naturalien auizustellen und mit Hülfe des physikalischen Vereins in Frankfurt ein meteorologisches Observatorium zu errichten.

Frankfurt. Gegen verschiedene hiesige Cisenbahn⸗ Verwallungen schweben gegenwärtig Processe von den⸗ jenigen Personen, welche in jüngster Zeit schwere Körper⸗ verletzungen dei Eisenbahnunfällen erhalten hatten.

Frankfurt. Zu einem hiefigen Lehrer kam am Minwoch ein neuer Barbier. Der Lehrer darüber ver⸗ wundert, eikundigte sich nach dem Grunde der Verände⸗ rung und erfuhr so, daß seine werthe Person mit noch anderen am Abend vorher Gegenstand des Spiels gewesen und verloren worden sei. Dabei wurde ihm bemerkt, daß dies nichts Seltenes sei und der Herr Kunde vielleicht von seinem früheren Barbier wieder zurückgewonnen werden könne. Ein Beweis, daß die Kunden der Barbiere doch noch etwas werth sind.

Mainz. Ju Mainz ist eine Anzabl bochachtbarer Bürger zusammengetreten, welche das schöne Werk unter⸗ nommen haben, jetzt zu billigem Preise Kartoffeln einzu⸗ kaufen, um sie während des Winters an ihre Mitbürger zum Einkaufspreise arzugeben und damit zugleich der Speculation mit den nothwendigsten Lebensmitteln für arme Leute eine Schranke zu setzen. Bereits sind 1200 Malter Kartoffeln angekauft worden, sämmtlich zum Preise von 3 fl. 30 kr. bis 3 fl. 50 kr., also weniger als 4 fl. per Malter. Sehr nachahmungswerth!

Aus Heppenheim schreibt man: Am Freitag den 3. Nov. beginnt dahier die allgemeine Weinlese. Läßt auch dieses Jahr gegen früher an Qualität und Quanti⸗ tät Vieles zu wünschen übrig, so sind doch die Trauben nicht so schlecht, als man sie öffentlich verschrieen. In allen Lagen sind sie genießbar, der grüne Oestetreicher sogar süß, und was unreif war, ist bei dem letzten Froste erfroren.

Aus dem Reichenbacher Thal. In der letzteren Zeit hat man hier wieder mehrere Erdstöße verspürt; einen ziemlich starken am 20. Oct. Abends ½8 Uhr, zwei leise am 28. Oct. Morgens gegen 5 Uhr ganz in der Weise wie enischieden die meisten Stöße erfolgten, von West nach Ost, ihr Herannahen mit dumpfem Geräusch ankündigend, dann unter dem Haus hersahrend und in der Ferne verschwindend, dald mit verhallendem, dald mit schwungweisem Tone.

Straßburg. Auf der Strecke nach Weißenburg, bei Hördr, ist ein Personenzug mit einem Güterzuge zusam⸗ mengesloßen, wodei mehrere Wagen zertrümmert und der Verkehr um einige Stunden gehemmt wurde. Ein Rei⸗ sender soll bei diesem Unfall sehr erhebliche Körperver⸗ letzungen erlitten baben.

Eröffnung der Acker bauschule.

Friedberg, am 1. November. Ein für die Provinz Oberhessen und insbesondere für unsere Wetterau erfreuliche Thatsache ist zu verzeichnen: die von dem landwirthschaftlichen Provinzialverein gegründete Ackerbauschule ist nunmehr in's Leben getreten. Dieselbe wurde heute in dem geschmackvoll dergerichteten, mit den mannichfachsten Lehrmitteln für die verschiedenen Unterrichtsgegenstände reich ausgestatteten Lokal durch das Curatorium der Anstalt, bestehend aus den Herren Regierungsratb Trapp, Rentamtmann Lindeck und Kreisassessor Haas, und im Beisein der Lehrer der Anstalt, der Mitglieder des hiesigen Stadtvorstandes und der bereits anwesenden Zöglinge und Angebörigen derselben dahier eröffnet. Der in landwirthschaft⸗

lichen Kreisen rühmlichst bekannte Kriegsrath