— 30. April. Nur drei Delegirte der Frei⸗ maurer erhielten gestern die Erlaubniß, die Linie der Versailler mit verbundenen Augen zu passiren. Sie wurden von dem Versailler General Mon- taudon, welcher selbst ein Freimaurer ist, empfangen; derselbe ließ zwei Delegirte nach Versailles weiter reisen und sandte den dritten nach Paris zurück. Durch einen Befehl Cluseret's werden Sappeur⸗ und Genie ⸗Compagnien zu dem Dienst auf den verschiedenen Bastionen der Enceinte beordert.
— In vergangener Nacht fand ein Gefecht bei Moulineaux statt. Die Regierungstruppen wurden hier zurückgeworfen und verloren 29 Ge⸗ fangene; während dessen rückte jedoch ein anderes Corps bis auf 200 Meter von den Gräben des Forts Issy vor. Das Fort befindet sich in einem trostlosen Zustande. Die Kasematten sind geborsten, die Schießscharten zerstört, 30 Geschütze von 60 demontirt. Auch ging die Munition für die Mi⸗ trailleusen aus. Gegen 5 Uhr Morgens brach unter der Garnison(300 Mann mit 30 Artilleristen) eine unbeschreibliche Panik aus. Die Artilleristen verweigerten dem Commandanten Mégy den Ge⸗ horsam, erklärten, das Fort nicht mehr länger halten zu können und vernagelten die Hälfte der Kanonen, worauf die ganze Garnison das Fort verließ. Mögy selbst begab sich nach Paris, stellte sich dem Centralcomite als Gefangener und er⸗ stattete diesem Bericht über die Lage des Forts, welches augenblicklich verlassen war. Cluseret, hiervon benachrichtigt, kam Mittags in die Stadt, um der Panik Einhalt zu thun, was ihm jedoch nicht gelang. Er beschloß gleichwohl, neue Truppen zur Wiederbesetzung des Forts abzuschicken. Die „Vengeurs“ von Paris marschirten bereits dahin ab. In Moulineaux dauert der Kampf fort. Auf der Linie von der Porte Maillot bis Asnidres herrschte den ganzen Tag vollkommene Ruhe. In diesem Augenblick beginnen vereinzelte Schüsse zu fallen.— Ein erwähnenswerther Zwischenfall er⸗ eignete sich bei St. Denis. Eine Escadron Chasseurs wurde von den Föderirten bis zu dem Dorfe La Garenne in der Nähe von St. Denis verfolgt. An der Brücke der Insel von St. Denis angekommen, wurden die Chasseurs durch die Preußen aufgehalten, welche zu feuern drohten, wenn die Chasseurs die Brücke beschritten.
— Die Nationalgarden haben Fort Issy ge räumt, nachdem dasselbe ein furchtbares Bom ⸗ bardement auszuhalten hatte. Auf dem Marsfeld ist große Bewegung; 40,000 Föderirte sind. zum Abmarsch bereit.— Der Erzbischof von Paris ist heute in Freiheit gesetzt worden.— Die Proviant⸗ züge für Paris werden angehalten.
— Abends. Seit 7½ Uhr diesen Abend ertönt eine furchtbare Kanonade und Gewehrfeuer auf der ganzen Linie von der Porte Maillot bis zum Montmartre. Alle Batterien der Föderirten feuern beständig in ganzen Salven. Seit dem Beginn des Bürgerkrieges wurde nichts dergleichen gehört. Man versichert, die Versailler begännen den allgemeinen Angriff auf der Westseite. Oko⸗ lowicz wurde durch die zufällige Entladung eines Revolvers schwer verwundet.
— 1. Mai. General Cluseret wurde des Obercommandos enthoben und durch Rossel pro⸗ visorisch ersetzt. Nach dem„Cri du Peuple“ ver⸗ fügte die Executivcommission mit Genehmigung der Commune die Verhaftung Cluseret's.
— Abends. Entgegen den Behauptungen der officiellen Mittheilungen scheint das Fort von Issy noch nicht von den Föderirten wieder besetzt. Man bemerkt in demselben Niemanden; das ganze Fort ist ein Trümmerhaufen.— Der„Moniteur“ er⸗ wähnt des Gerüchtes, daß Domorowski mit sei⸗ nem Generalstab in der vergangenen Nacht in Asnidres gefangen genommen sei.
—„Reveil“ schreibt:„Die Versailler haben in ver vergangen Nacht das Fort von Issy an- gegriffen; sie sind mit Verlust zurückgeschlagen worden.“— Eine officielle Depesche meldet von 10 Uhr 40 Min.: Nichts von Bedeutung ist vor⸗ gefallen. Das Fort Issy, welches wieder besetzt ist, wurde von Neuem zur Uebergabe aufgefordert; die Aufforderung ist zurückgewiesen worden. In einer sehr bewegten geheimen Sitzung der Com-
mune wurden schwere Anschuldigungen gegen Cluseret erhoben und es war selbst die Rede davon, Cluseret und Megy innerhalb 48 Stunden zu er⸗ schießen.— Berichten zufolge, welche von der Commune ausgehen, wäre Fort Issy keineswegs aufgegeben; dasselbe werde im Gegentheil in Ver⸗ theidigungszustand versetzt und große Truppen⸗ massen seien in dieser Gegend concentrirt.
— Vor dem Point du jour haben die Ver- sailler neue Batterien demaskirt, mit welchen sie die Pariser Kanonenboote beschießen. Die Ver⸗ sailler nähern sich Paris immer mehr.
— Der gestern begonnene Generalangriff auf die Stadt ist heute fortgesetzt worden. Die Natio- nalgarden haben das Dorf Issy mit einigen Ka⸗ nonen wikder besetzt, aber die sehr nahe gerückten Batterien des Feindes machen den weiteren Wider⸗ stand unmoglich.—„Vengeur“ behauptet ent⸗ gegen dem„Moniteur“, die Föderirten hätten das Fort Issy wieder besetzt und hielten ebenso Mou- lineaux und Moulin de Pierre noch besetzt.
Versailles, 30. April. Thiers empfing gestern die zwei Parlamentäre der Freimaurer. Dieselben erklärten, ein bestimmtes Mandat nicht zu haben. Thiers ertheilte ihnen eine Antwort, welche mit seinen bereits bekannten Erklärungen übereinstimmt. Derselbe sagte: Niemand könne sehnlicher das Ende des Bürgerkrieges wünschen als er; sie möchten sich an die Commune wenden, um den Frieden herbeizuführen, welche denselben gestört habe.
— 30. April, Morgens. Zwei Brigaden überfielen heute Nacht den Park, das Schloß und den Kirchhof von Issy, nahmen dabei acht Ge— schütze und machten circa hundert Gefangene. Die Föderirten hatten auf dem Kirchhof von Issy viele Todte und Verwundete. Unser Verlust be— trägt einige Todte und 20 Verwundete. Der Kirchhof von Issy liegt ungefähr 200 Metres von dem Fort entfernt, dessen Einnahme jetzt als nahe bevorstehend erscheint.
— 30. April, Abends. Die Kanonade dauert an verschiedenen Punkten mit Heftigkeit fort. Etwa 150 Gefangene wurden in letzter Nacht gemacht,
sowie 10 Kanonen erbeutet. Dieseben trafen trafen heute ein. — 1. Mai. Gestern Abend wurde ein Parla-
mentär nach Issy gesandt, um es zur Uebergabe aufzufordern. Die Besatzung verlangte, daß ihr eine Frist bewilligt werde. Der Parlamentär kehrte zurück. Die Unterhandlungen werden wahr scheinlich heute wieder aufgenommen.
— Fort Issy capitulirte. Die Auf- regung ist furchtbar. Der moralische Ein— druck des Falls von Issp ist groß. Die Insurgen⸗ ten halten sich für verrathen.(Diese Nachricht von der Capitulatiob des Forts Issy verweist sich nach unten folgenden Berichten als voreilig und unbegründet).
— 1. Mai, Mittags. Heute Morgen um 10 Uhr hat das Fort von Issy die Parlamentärflagge aufgezogen. Ein Offizier hat sich hierauf dorthin begeben, um den Insurgenten die Bedingungen der Uebergabe zu überbringen. Alle Friedensunter⸗ handlungen sind entschirden abgebrochen.
— 1. Mai, Abends. Nach Abbruch der Unterhandlungen ist das Feuer gegen das Fort Issy wieder aufgenommen worden und ist im Augen- blick sehr heftig.— In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung bestätigte Picard, daß in Lyon Unruhen ausgebrochen waren, bei welchen der Präfect Valentin verwundet wurde. Die Ordnung sei wieder hergestellt.
— 2. Mai, Morgens. In der vergangenen Nacht hat ein Bataillon Jäger den Bahnhof von Clamart mit dem Bajonnette genommen; derselbe war von zwei Bataillonen Föderirter besetzt, welche einen Verlust von 300 Todten erlitten. Wir haben nur einige Verwundete. Gleichzeitig griffen zwei Regimenter das Schloß von Issy, welches wir für den Augenblick geräumt hatten, an, nahmen dasselbe und machten 300 Gefangene, welche heute in Versailles eintreffen werden. Das Fort von
Issy ist in Folge der Einnahme des Bahnhofs von Clamart und des Schlosses von Issy jetzt beinahe vollständig cernirt.
— Das Gesammtresultat der Municipalwahlen ist im Sinne der conservativen Republikaner, d. h. günstig für das Gouvernement Thiers ausgefallen.
Dijon, 26. April. Wie aus einem der „Krzztg.“ zugegangenen Schreiben eines Soldaten des pommerschen Füsilier⸗Regiments Nr. 34. her⸗ vorgeht, fanden dort die Besatzungstruppen vor einigen Tagen bei einer Haussuchung nicht weniger als 6000 Gewehre und außerdem eine ansehnliche Menge von Pulver und Patronen vor. Wie das Schreiben ferner mittheilt, finden fast allnächtliche Alarmirungen der Besatzung statt.
Belgien. Brüssel. Die„Etoile belge“ meldet aus Paris vom 30. v. M., 7 Uhr Abends: Der Kampf dauerte bis zum Einbruch der Nacht. Das Bombardement von Issy ist sehr beftig; 2000 Granaten fielen in dasselbe, worauf es von den Föderirten geräumt wurde.
Großbritannien. London. Das deutsche Friedensfest, welchem der deutsche Botschafter Graf Bernstorff beiwohnte, ist glänzend verlaufen. An demselben betheiligten sich ungefähr 2000 Men- schen. Ein eingetroffenes Schreiben des deutschen Kaisers wurde verlesen.
— Aus Paris melden englische Blätter vom 30. April: General Biot, welcher mit Truppen von Cambrai nach Versailles gehen wollte, erhielt deutscherseits nicht die Erlaubniß, die Passage der Truppen zu bewerkstelligen. 8
Rußland. Die unerhörten Osterexesse des Pöbels von Odessa gegen die Juden haben nach Petersburger Berichten in den dortigen maßgeben⸗ den Kreisen große Entrüstung hervorgerufen. Der Kaiser hat Befehle gegeben, die Chess der Polizei⸗ und Militärbehörde zur Rechenschaft zu ziehen und falls sich ein Verschulden derselben herausstellen sollte, strenge Bestrafung eintreten zu lassen.
*„ Friedberg. Die dahler internirt gewesenen fran⸗ zösischen Gefangenen sind nun in mehreren Transporten bis auf etliche 30 Mann in ihre Heimath zurückgekehrt. Dieser kleine Rest wird wohl auch in der Kürze den Heimgekehrten folgen. Die am letzten Sonntag abgegangenen 110 Mann sind, escortirt von einem Detachement unserer Jäger, nach Straßburg befördert und von der dortigen Bevölkerung mit Jubel begrüßt worden. Vor ihrer Abreise in das Innere Frankreichs wurden die Gefangenen von den Straßburgern gastlich bewirthet und auch unsere Jäger hierzu freundlichst eingeladen.
Frankfurt. Verflossenes Jahr kam einer hiesigen Familie aus ihrem Cassaschrank bei einem Umzug eine bedeutende Summe in Staatspapieren, 8000 fl., hinweg. Alle Nachforschungen in dem Schrank und dei den in Verdacht gestandenen Personen blieben erfolglos. Am Samstag fand nun wieder ein Umzug statt; als des Nach⸗ mittags die Casse geöffnet wurde, lagen plötzlich die abhan⸗ den gekommenen 8000 fl. da. Die Platte, auf welcher sie gelegen, war nämlich wieder in ihre alte Lage zurückgefallen. Das Merkwürdigste an der Sache ist, daß kein Sachverstän⸗ diger gesehen, daß die Platte sich oben eingeklemmt hatte.
r. Frankfurt a. M. Mit dem Eintritt der besseren Jahreszeit hat auch der Zoologische Garten sein Früh⸗ lingsgewand angelegt, die Thiere haben die Winterbehälter verlassen und erfzeuen sich der milden Luft und des Sonnen⸗ scheins. Schon ein oberflächlicher Blick auf den Thierbe⸗ stand des Gartens genügt, um sofort zu erkennen, daß weder die schweren Zeitereignisse noch der strenge Winter einen bleibenden nachtheiligen Einfluß auf das Institut zu üben vermochten. Viele Thiere haben sich nicht nur ganz vorzüglich gehalten, sondern sich in erfkeulichster Weise entwickelt und mitunter Junge gezeugt. In ersterer Beziehung heben wir besonders den männlichen Löwen hervor, dem an Größe, Stärke und Schönheit wohl kaum ein anderes in Gefangenschaft befindliches Exemplar gleich⸗ kommen dürfte, und in letzterer Hinsicht sei unter anderen die Geburt eines Bisons oder amerikanischen Büffels er⸗ wähnt, welche mitten im Winter während der stiengsten Kälte erfolgt ist. Aber auch an neu erworbenen Thieren fehlt es nicht. So ist eine junge Löwin angekauft wor⸗ den, welche sobald sie herangewachsen sein wird, was etwa bis zum nächsten Frühjahre der Fall sein dürfte, dem männlichen Löwen beigegeben werden soll, ferner ein Andenbär aus Chili, der sich von den übrigen Bären⸗ arten durch seine Körperform sowie eine eigenthümliche weiße Zeichnung im Gesicht unterscheidet. Nächst diesen ist der zierliche ostindische Muntjakhirsch zu erwähnen, sowie ein weißer mexikanischer Kranich.
Fulda. Auf der Kassel⸗Bebraer Bahn entgleisie am Sonntag Abend der Nordbahngüterzug. Elf Wagen wurden zertrümmert, andere beschädigt. Mit Ausnahme leichter Conlusionen sind beim Beamtenpersonal keine Verletzungen vorgekommen. 0
b VBerloosungen.
Wien, 1. Mai. Bei der heuligen Gewinnziehung der 1860er Loose fielen auf Serie 13670 Nr. 4 300,000 fl., Serie 5664 Nr. 14 50,000 fl., Serie 7054 Nr. 17 25,000 fl., Serie 8221 Nr. 11 und Serie 13453 Nr. 4
e 10,000 fl.
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