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Boulevards und in der Rue Rivoli, sind gleich ⸗ falls die Läden und Kaffeehäuser geschlossen.
— 1. März. Die Stadt ist vollkommen ruhig, die meisten Kaufläden geschlossen. An der Porte Maillot und dem Are de triomphe stehen Volksmassen, die jedoch keine feindlichen Demon⸗ strationen machen. Die deutsche Infanterie, die durch die Avenue Friedland warschicte, zeigt bereits das beste Einvernehmen mit den Concierges und Bonnen. Das Wetter ist trübe. Die deutschen Truppen seben vorzüglich aus.
— 1. März, 4 Uhr 15 Min. Nachmittags. Der Einmarsch ist obne die mindeste Störung vor sich gegangen. Die Place de la Concorde, das Quai und die Rue Rivoli sind durch ver— schiedene mit Artillerie besetzte Barrikaden abge- sperrt. Der Berichterstatter des„Daily Telegraph“ spricht sich sehr begeistert über den Mutb des ersten preußischen Offiziers aus, der die Place de la Concorde betrat: es war ein zwanziglähriger Lieutenant vom 14. Husaren- Regiment. Der Correspondent der„Times“ rühmt die prachtvolle Haltung der Truppen. Es seien Anfangs nur wenige Zuschauer sichtbar gewesen, späterhin babe die Neugierde ihre Zahl vermehrt.
— Wie die Zeitungen melden, haben sich in der Nacht vom 27.— 28. Febr. statt der 100,000 Kämpfer, auf welche die Häupter des Wider— standes rechneten, nur 10,000 eingefunden, welche den Preußen mit Gewalt entgegenzu— treten entschlossen waren. Sie sind diesen Morgen ermüdet zurückgekehrt. Die Regierung — Thiers, Favre, Picard— mahnt in einer neuen Affiche zur Ruhe.
— Aus Paris melden die„Times“ vom 28. Febr. Das Bekanntwerden der Friedensbe⸗ dingungen wirkte wie ein Donnerschlag. Die Stadt ist rasend. Die Gemäßigten sind wie be— taͤubt. Das preußische Hauptquartier soll in's Elysee verlegt werden; dort wird der Kaiser, wenn er kommt, ein Frühstück einnehmen und nach einem balben Tage Aufenthalt nach Ver- sailles zurückkehren. General Aurelles de Paladines ist zum Commandanten der Pariser Nationalgarde bestimmt.
Bordeaux, 28. Febr. Thiers kam um 2 Uor an, begleitet von den Friedenscommissaren. Derselbe begab sich sofort nach dem Burcaux der Nationalversammlung. Nach kurzer Beratbung entschloß man sich zur Abhaltung einer öffent- lichen Sitzung. Victor Lefraux wird Namens der Commission berichten.
— 28. Februar. Thiers legt der Nationel- versammlung die Frietenepräliminarien vor. Die- selben lauten: Art. 1. Frankreich verzichtet zu Gunsten Deutschlands cuf ein Fünftel Lothringens, einschließlich Metz und Thionville, ferner auf ganz Elsaß, ausgenommen Belfort. Art. 2. Frank⸗ reich zahlt fünf Milliarden Francs. Davon eine Milliarde im Jahre 1871, den Rest der Summe im Laufe dreier Jahre. Art. 3. Räumung der occupirten Departements beginnt nach Ratification der Friedenepräliminarien. Die deutschen Truppen räumen aldann das Innere von Paris und ver— schiedene Departements West- Frankreich. Die Räumung der übrigen Departemente erfolgt schritt— weise nach Zahlung der ersten Milliarde und nach Maßgabe der erfolgten Zahlung der übrigen Milliarden. Für die Restbeträge zahlt Frankreich 5 pct. Zinsen vom Tage der Ratification an. Art. 4. Die deutschen Truppen werden sich in den occupirten Departements der Raquisitionen enthalten. Ihr Unterhalt erfolgt aber auf Kosten Frankreichs. Art. 5. Den Bcvölkerungen der anectirten Gebiete wird eine Frist gewährt, um zwischen der deutschen und französischen Nationalität zu wählen. Art. 6. Die Kriegsgefangenen werden sofort zurückgegeben. Art. 7. Die Eröffnung der definitiven Friedensver handlungen erfolgt zu Brüssel nach der Ratisication der Präliminarien, Art. 8. Die Verwaltung der occupirten De— partements wird französischen Beamten anvertraut, die unter dem Befehle deutscher Corps-Generale stehen. Art. 9. Gegenwärtiger Vertrag über— trägt keinerlei Rechte auf nicht occupirte Häsen oder nicht occupirtes Gebiet. Art. 10. Gegen-
wärtiger Vertrag wird unterbreitet der Ratification der Nationalversammlung.
— 28. Febr. Die heutige Sitzung war sehr stack besucht, nur wenige Deputirte fehlten. Louis Blanc und Victor Hugo waren anwesend Die Verlesung der Friedensbedingungen wurde mit tiefstem Stillschweigen entgegengenommen. Nach- dem der Deputirte Barthelemy St. Hilaire, Mit, glied der Friedenscommissien, die Friedensprä⸗ liminarien verlesen, brachte er ein Attenstück zur Kenntniß der Versammlung, welches den Einzug der 30,000 Mann deutscher Truppen in Paris regelt. Die Regierung verlangt die dringliche Berathung des Präliminarvertrages. Ein elsässischer Deputirter verlangt Vorlesung der Specialbestim⸗ mungen bezüglich der künftigen Grenzlinie. Thiers ergreist das Wort, um nochmals die dringliche Berathung zu befürworten; er spricht sich dahin aus, daß der Beschluß nicht die vollständige Ver⸗ zichtleistung auf eine Berathung dis Vertrages bedeuten würde. Es sei nur höchst wichtig, die Discussion nicht zu verschieben. Wenn man gegen- wärtig von Schande für irgend Jemanden sprechen wolle, könne sie nur Diejenigen treffen, deren Ab- stimmungen jederzeit dazu beitrugen, den Unter- gang des Landes herbeizuführen. Thiers schließt mit einem ergreifenden, leidenschaftlichen Appell an den Patriotismus der Versammlung. Dem Antrag der Regierung entsprechend, beschließt die Versammlung die dringliche Berathung
— 1. März. Die Sitzung der Nationalver— sammlung begann um 1 Uhr Nachmittags. Zwei Mitglieder protestiren gegen jede Gebieksabtretung. Hierauf erklärt der Berichterstaster der Friedens- commission Lefranc, die Beschlüsse der Commission seien einstimmig gefaßt worden. Es sci ein Gebot des Patriotismus, für die Friedenspräliminarien, wie sie sind, zu stimmen. Alles, was die Sach— lage gestattete, sei geschehen, die Ebre Frankreichs sei gerettet. Der Redner begründet alsdann die Annahme der Präliminarien; die Ablehnung derselben würde die Besetzung von Paris, die Ueberfluthung Frankreichs durch den Feind zur Folge haben. Lefrane fordert die Versammlung auf, sich nicht der Verzweiflung zu überlassen und bittet schließlich, Niemand möge sich der Ab— stimmung enthalten. Edgar Quint protestirt energisch gegen die Annahme der Präliminarien, welche die Gegenwart und die Zukunst Frankreichs vernichten würden. Man glaubt die Sitzung werde heute nicht geschlossen, ohne daß über die Präliminarien abgestimmt worden sti. Ein Extrazug steht fortwäbrend zur Abfahrt nach Paris bertkit.
— 1. März. Im Verlaufe der heutigen Sitzung der Nationalversammlung hielt Conti, der frühere Chef des kaiserlichen Cabinets, eine Rechtfertigungsrede für das Kaiserreich. Die Versammlung beschließt durch Acclamation eine Resolution, durch welche die Absetzung der na— poleonischen Dynastie nochmals ausgesprochen und der Kaiser für das gegenwärtige Unglück Frankreichs verantwortlich erklärt wird.
— Alle Journale bedauern die bis jetzt be⸗ kannt gewordenen Friedensbedingungen, rathen aber zur Annahme derselben, behufs der noth— wendigen Reorganisation Frankreichs. Ein Trost sei die Hoffnung auf eine günstigere Zukunft. Der„Siecle“ verzichtet auf eine Besprechung der Situation. 0
R. Friedberg. Die am 10. d. Mis. staltgehabie Gcnetalversammlung des Mathildenstiftes hat bekanutlich zu Ausgaben für Erfrischung der aus dem Kriege kem⸗ menden, den biesigen Bahnhof passirenden verwundeten und kaanken Soldaten einen Credit von 2000 fl. ver willigt und sind seitdem bis zum Schlusse des nun ab— gelaufenen Monats in 11 Extrazügen zusammen 4694 Mann und in 19 fahrplanmäßigen Personenzügen in jedem 50 bis 60 Mann hier durchgekommen, nach Mög— lichkeit verpflegt und dafür laut contrelitter Rechnung 35 1 fl. 8 k., also im Durchschnitt per Minn circa Silbergroschen gebraucht worden, was cine Verschwen⸗ dung gewiß nicht wird genannt werden können.
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VBerloos ungen.
Wien, 1. März. In der heutigen Ziehung det österrelcthischen Prämien- Auleibe von 1863 fielen folgende Hauptzewinne: auf Serie 3261 Nr. 28 20,000 fl., Serie 1,92 Nr. 86 50 000 fl., Serie 3755 Nr. dg 15 000 fl., Serte 3261 Nr. 78 10,000 fl. Ferner wurden gezogen die Serien 530 700 2168 2596 3003.
T Friedberg, 2. März. Das war heute Abend ein Fest von dem der Festredner mit Recht
sagen konnte, daß Kindeskinder noch davon er⸗
zählen und in der Erinnerung daran schwelgen werden, so freudig und begeistert, so würdig und erhebend. Nachdem der in Persailles vollzogene Friedensschluß schon einige Tage bekannt gewesen,
wartet: man von Tag zu Tag und von Stunde
zu Stunde auf die Nachricht von der Genehmigung derselden durch die französische Nationalversamm- lung zu Bordeaux. Heute Mittag nun zwischen 2 und 3 brachte ein Zug beimkehrender Kranken und Verwundeten diese Nachricht hierher. Ihr Freudenschießen aus den Eisenbahnwagen heraus lockte eine große Menge an die Bahn, doch wußte man trotz ihrer zuversichtlichen Versicherung noch nicht recht, woran man war, bis gegen 4 Uhr Glockengeläute von unseren beiden Kirchen die frohe Kunde über unsere Stadt hin trug“). Da erfüllte jubelnde Freude alle Herzen. In den Straßen wurde es lebendig, die Häuser wurden beflaggt und die letzten Vorbereitungen zur Illu⸗ mination der ganzen Stadt auf den Abend ge— trossen. Einstweilen trugen gewaltige Böllerschuͤsse von der Seewiese aus die Freudenbotschaft hinaus in die Umgegend.
Um 7 Uhr Abends verkündete abermaliges Glockengeläute den Beginn der eigentlichen Feier, und nun wogte eine zahlreiche Menschenmenge von Stadt und Land, so groß sie die breite Straße fassen konnte, inmitten der im strahlenden Licht glanz prangenden Häuser auf und ab, hie und da besonders angezogen von der Schönhtit des Lichterschnucks, von auf die Feier bezüglichen Aufschriften oder transparenten Bildern, unter denen man vielfach die„Germania“ und das Bild unseres greisen Heldenkaisers Wilhelm be— merkte. Es ist in der That blendend schön, eine Stadt im Fahnenschmuck und im Glanz einer Illumination; doppelt schön aber und erhebend, wenn all' die Pracht der Ausdruck ist einer großen Idee, die dadurch verherrlicht werden soll. Das war keine gewöhnliche Festfreude einer lär— menden Menge; man merkte es der feierlichen Stimmung, die überall herrschte, wohl an, daß man durchdrungen war von dem Gefühl: es gilt hier der Feier des Abschlusses einer ewig denk— würdigen Zeit mit ihrer unsäglichen Gefahr für unser Vaterland, ihren Großthaten und den durch sie unserm Volke errungenen Gütern der Einheit und Machtfülle der deutschen Nation.
Um 8 Uhr ordnete sich in der Burg ein imposanter Fackelzug, der seinen Weg durch die breite Straße nach dem Haagk und der Eisenbahn und von da durch die Usagasse nach dem Rath⸗ haus nahm, wo die Festmenge sich nun zum wür⸗ digen Abschluß concentrirte. Zunächst erscholl aus tausend Kehlen der Choral:„Nun danket Alle Gott“ zum stillen Nachthimmel empor. Als hierauf Herr Dr. Köhler, Professor am biesigen Prediger Seminar, das Wort ergriff, um dem, was Aller Herzen bewegte, einen passenden Aus⸗ druck zu geben, da lauschte die weithin Kopf au Kopf slehende Versammlung in andächtiger Stille der markigen Rede, um mit donnerndem Jubel einzustimmen in das vom Redner am Schluß aus⸗ gebrachte Hoch auf den Kaiser Wilhelm„den Siegreichen“.
Wir würden nicht unterlassen, den Inhalt der Festrede wenigstens andeutungsweise mitzutheilen, wenn wir nicht glaubten im Namen Vieler den Wunsch aussprechen zu sollen, es möchte dieselbe, ein wahres Meisterstück einer Volksrede, zum Besten der Bewirthung der heimkehrenden Krieger oder des Invalidenfonds durch vollständigen Abdruck in die Oeffentlichkeit gelangen.
Möge der Lenker der Völker es geben, daß wir, die wir dieses Friedensfest gefeiert, keinen Krieg mehr erleben.
*) Der Berichterstatter bat irrthümsich das Glecken⸗ geläute als Zeichen der Ankunft der o fieiellen Dapesche angeseben. Eine solche ist zur Stunde noch nicht da; doch haben wir darum das Friedensfest nicht vergeblich gefeiert.
Anm. d. Red.
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