1871.
Samstag den 4. März.
M27.
Oberhessischer Anzeiger.
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Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten.
Versailles, 1. März. Der Kaiserin und Königin in Berlin. Soeben kehre ich von Longchamp zurück, wo ich die Truppen des 6., 11. und 1. bayrischen Corps, 30,000 Mann inspicirte, die zuerst Paris besetzen. Die Truppen sahen vor⸗ trefflich aus. Die Avantgarde ist um 8 Uhr
eingerückt, ohne alle und jede Störung.
Wilhelm.
Versailles, 1. März. Heute Vormittag 11 Uhr bielten Se. Majestät der Kaiser und König auf der Rennbahn von Longchamps am Bois de Boulogne eine Parade über die zum ersten Einmarsch in Paris bestimmten Abtheilungen aller Waffen des 6. und 11. preußischen und 2. baperischen Armeecorps ab. Nach dem Vorbei— marsch rückten diese Truppen in der Stärke von etwa 30,000 Mann in Paris ein und bezogen in der Champs Elpsées, Trocadero und den an— grenzenden Stadttbeilen Quartier. Der vom schönsten Wetter begünstigte Einzug in die Haupt- stadt wurde durch keinen Zwischenfall gestört. v. Podbielskß.
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Versailles, 1. März. Um 10 Uhr wird das elfte Armetcorps die Ehre haben, als erste deutsche Truppe mit fliegenden Fabnen, klingendem Spiel und vollem Kriegspark, 30,000 Mann und 96 Kanonen stark, in Paris einzuziehen.
Aus Versailles wird der„Kreuzzeitung“ gemeldet: Die Verhandlungen mit Thiers hatten un letzter Zeit eine sehr scharfe und schwierige Wendung genommen, da Thiers gegen die Ab— tretung von Metz mit äußerster Heftigkeit Wider— spruch erhob und entschlossen schien, eher abzudanken, als die Verantwortlichkeit bierfür zu übernehmen. Vornehmlich soll ihn das Vertrauen auf die ver— meintliche Stellung Englands zu dieser Frage ermuthigt haben. An der Festigkeit der diesseitigen Politik scheiterte sein Widerspruch. Das Einzige, was zugestanden werden konnte, ohne ein wesent— iches Interesse der deutschen Sicherheit zu ge— ährden, war Belfort.
Aus Versailles wird der„N. Zürch. Ztg.“ nitgetbheilt, nach Kassel sei Weisung gegangen, daß Napoleon mit dem Tage des Friedens Wilhelmshöhe zu räumen habe; der Exkaiser wird zun, wie man sagt, sein Exil in der Schweiz durchmachen, um„seinem lieben Frankreich nahe u bleiben.“
Deutschland.
Darmstadt, 1. März. 2. Kammer. Eine Antwort des Finanzministeriums auf eine Inter- ellation des Abg. Möllinger wegen einer dem Heichstag zu machenden neuen Vorlage, die Ein— ührung einer Fabrikatsteuer auf Branntwein betr., sisagt, daß der Regierung nichts davon bekannt ei, daß eine solche Vorlage erfolge. Die Berathung über das Polizeistrafgesetz, resp. die durch das Hundesstrafgesetz bedingte Abänderung desselben ird fortgesetzt.— In einer am Nachmittag statt— sefundenen Sitzung wurde über den zu 231,000 fl. wranschlagten Bau eines Justizpalastes beratben. Cust alle Redner sprachen sich für die Nothwendig— it des Baues aus. Bei der Abstimmung wird
ein vom Abg. Curtman gestellter Antrag auf Vertagung mit 18 gegen 12 Stimmen abgelehnt, bingegen die Regierungsvorlage mit 19 gegen 11 Stimmen angenommen, das Ansinnen, die Stadt Darmstadt zur unentgeltlichen Abtretung des Bau— platzes zu veranlassen, mit 18 gegen 12 Stimmen verworfen, worauf sich die Kammer auf unbestimmte, jedenfalls längere Zeit vertagt.
— Dem Prinzen Heinrich von Hessen, Commandeur einer combinirten Gardecavalerit-
Brigade ist am 1. März das eiserne Kreuz
erster Klasse für sein tapferes Verhalten in der Schlacht von St. Quentin an 19. Jan. verliehen worden.
Mainz. Die Transporte des in Frankreich erbeuteten Kriegs materials bedeutenderen Umfang an. So passirte vor einigen Tagen, von drei Maschinen dugsirt, ein Zug von 80 Wagen hier durch nach Berlin. Seine Ladung bestand ausschließlich aus französischen Bronce- Geschützen.
Berlin. Das Kriegsministerium hat schon eine beträchtliche Zahl von Lazarethen auf— gehoben. Im Ganzen sind dabei etwa 20,000 Lagerstätten eingegangen. Es bestehen aber noch so viele Lazarethe, daß sie selbst einem weit stär— keren Bedürfniß, als dem jetzt noch vorhandenen, genügen würden. Die in anderen deutschen La— zarethen sich befindenden preußischen Kranken und Verwundeten, sofern sie transportsäbig sind, wer— den nunmehr nach inländischen Lazarcthen über— geführt. Ebenso siedeln andere deutsche Bewohner diesseitiger Lazarethe nach ihrer Heimath über. Aus Anlaß dieser Verlegung finden gegenwartig
viele Transporte von kranken und verwundeten,
Kriegern statt.
— Obgleich die englischen Zeitungen durch ihre bitter tadelnde Besprechung der Präliminarien die französische Kriegspartei ermuthigt haben, wird die Annahme durch die Nationalversamm-⸗ lung keineewegs bezweifelt, weil Thiers und die Commission sonst zurücktreten würden.
— 1. März. Neueren Bestimmungen zusolge ist der Zusammentritt des ersten deutschen Reichs- tages vom 16. März auf den 20. März ver— schoben.
München. Die„Allg. Ztg.“ meldet: Bayern erhält Landzuwachs im Elsaß(Weißenburg) mit mehr als hunderttausend Seelen.— Die Kriegsentschädigung berücksichtigt die 30 Millionen von 1866.
Bordeaux, I. März, 1 Uhr Nachts. Die National-Versammlung hat die Friedenspräliminarien mit 546 gegen 107 Stimmen angenommen.
Frankreich. Paris, 27. Febr. Die Directoren von 43 Journalen haben ein Manisest erlassen, in welchem sie die Bevölkerung auffordern, die Ruhe und Würde zu bewahren, welche die Umstände gebieterisch forderten. Gleichzeitig wird mitgetheilt, daß die betreffenden 43 Journale während der Occupation nicht erscheinen werden. — Die Börse und die Theater bleiben bis zur Wiederräumung der Stadt geschlossen.
— 27. Febr. Das„Journal ofsiciel“ be— richtet über die gestrigen Unruhen, daß die Auf— rührer einen Polizei-Agenten in die Seine warsen. Der Polizei- Agent, dem es zuerst gelang, das Ufer zu gewinnen, wurde wieder zurückgetrieben
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und ertrank. Magistratepersonen, die ihn retten wollten, mußten sich flüchten, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen.
Die Journale loben Thiers, daß er lieber
den Einzug in Paris bewilligt, als Belfort auf gegeben habe. — Eine Proklamation, unterzeichnet von Thiers, Favre, Picard, an die Bewohner von Paris sagl:„Die Regierung wendet sich an Euren Patriotismus und Eure Weisgbeit. In Euren Händen ruht das Schicksal von Paris und Frankreich. Von Euch hängt es ab, beide zu retten oder zu verderben. Nach heldenmüthigem Widerstande hat Euch der Hunger gezwungen, die Forts auszuliefern. Nachdem die Armeen binter die Loire zurückgeworfen waren, sah sich die Re⸗ gierung genöthigt, Unterhandlungen zu eröffnen. Sie that, was nur menschenmöglich ist, um weniger nachtheilige Bedingungen zu erlangen. Die Ver⸗ längerung des Waffenstillstandes konnte aber nur unter der Bedingung riner zeitweiligen Occupation tines Theiles von Paris erlangt werden. Wenn die Convention nicht geachtet, der Waffenstillstand gebrochen wird, so würde der Feind die ganze Stadt besetzen. Ganz Frankreich würde dem Unglück preisgegeben sein. Die Verbeerungen des Krieges, welche sich gegenwärtig nicht über die Loire hinaus erstrecken, würden bis zu den Pyrenäen getragen werden. Wiederholt also nicht den Febler Derjenigen; welche vor acht Monaten nicht glauben wollten, als wir sie beschworen, den Krieg nicht zu unternehmen. Die französische Armte wird die Ausfübrung des neuen Waffenstillstandes sichern und die Nattonalgarde ihr behülflich sein, die Ordnung auftecht zu erhalten.
— 28 Febr., Mittags. Die Aufregung nimmt ab, ohne in einigen Vorstädten ganz geschwunden zu sein. Die Proklamation der Regierung und ein Tagesbefehl Vinop's sind von guter Wirkung. Alle Journale, selbst die radikalsten, empfehlen Ruhe und Würde.
— 28. Febr., Abends. Der heutige Tag ist ruhiger verlaufen, indeß sind die beunruhigen— den Anzeigen in einigen Stadtvierteln noch nicht verschwunden. Umfassende Vorkehrungen sind getroffen worden, um zu verhindern, daß die Exaltirten die Deutschen angreifen. Es wird nöthig sein, den von den Deutschen be— setzten Stadttheil mit einem Truppencordon zu umgeben. Der gemäßigte Theil des Publicums macht große Anstrengungen, um die Gährung zu beschwichtigen. Man hofft so Conflicte zu vermeiden.
— 1. März, Mittags. Mehrere deutsche Bataillone sind um 7 Uhr, um Quartiere zu machen, in die Stadt eingerückt. Um 8 Uhr baben dieselben den Industriepalast besetzt. Einige Detachements sind auf der Place de la Concorde erschienen. Eine kleine Anzahl Neugieriger wohnte ihrer Ankunst bei; keine Demonstration fand statt. Ein Cordon, aus französischen Truppen und Nationalgarden gebildet, verhindert den Eintritt uniformirter Personen in die von den deutschen Truppen besetzten Stadttheile. Die Haltung der Nationalgarde ist im Allgemeinen eine rubige; kein beklagenswerther Vorfall hat stattgefunden. Das Gros der deutschen Besatzungstruppen stebt im Bois de Boulogne, wo es Revue passtren wird. Dasselbe wird um Mittag in Paris ein- zieben. Die besetzten Stadttheile sind beinahe verödet, die Thüren und Fenster sind geschlossen; in anderen Stadtvierteln, besonders auf den


